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Petition gegen "Grundschulabitur": "Mein Sohn hatte oft Bauchschmerzen und Kopfweh"
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Anfang Mai entscheidet sich für Viertklässler in Bayern, ob sie aufs Gymnasium dürfen. Das hängt vom Notenschnitt ab. Seit Jahren kritisieren Eltern den damit verbundenen Leistungsdruck - einer Mutter reicht es nun.

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BUKL 10.05.2019, 16:46
50.

Hat jemand schon irgendwann einmal folgenden Satz gehört: Mein Kind ist nicht faul, es ist einfach nur zu dumm.
Es gibt wohl nur noch (Hoch)Begabte. Wenn die Vorauswahl nach lascher wird, ist das Abi gar nichts mehr wert, oder?

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Mekud 10.05.2019, 19:47
51. Schlechte Erfahrungen in BW

Als Gymnasiallehrer aus BW sage ich dazu: Bloß nicht! Der Druck wird oft durch die Eltern selbst aufgebaut- durch wen denn sonst? Oft wird völlig verkannt, dass es im Deutschen Bildungswesen viele verschiedene Wege zum Erfolg gibt. Warum dies für so viele nur über (oft- G8) Gymnasien geht, ist mir ein Rätsel. Wir mussten erfahren, dass reihenweise Schüler für das Gymnasium angemeldet werden, die dafür nicht geeignet sind. Meist sind dann die nächsten 1-3 Jahre für die Schüler sehr schwierig, weil sie mit permanenten Misserfolgen konfrontiert sind. Oft hat dies auch zum Nebeneffekt, dass diese Schüler massiv den Unterricht stören und somit die ganze Klasse darunter leidet und ausgebremst wird. Fazit: Aus meiner Erfahrung aus BW kann ich nur davon abraten die verbindliche Grundschulempfehlung abzuschaffen.

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kr-invest 11.05.2019, 14:17
52. stressig

Ja, es ist stressig, auch wenn das Kind gut ist und man der Meinung ist, der Puffer sei noch nicht ausreichend gut, weilnoch 4 Prüfungen angesagt sind. Trotzdem ist es erträglich und wenn die Empfehlungen dann zutreffen dürften die Jahre 5-7 auch wieder etwas entspannend sein. Zumindest haben die Kinder es in der vierten Klasse gelernt, dass man Zielvorgaben hat und die erreichen möchte und die auch erreichen kann, wenn man es richtig macht. Dass die Eltern mithelfen ist ja wohl klar, an Hausaufgaben erinnern, vor Prüfungen nochmal schnell abfragen, auch mal Handy wegnehmen und sagen, "kommt wieder wenn die Matheprüfung gut gelaufen ist". Wenn Eltern das nicht tun wollen, brauchen sie sich nicht beschweren. Dass das in Starnberg gemacht wird, davon gehe ich aus. Viele Akademiker kennen das System noch von früher und es ist ohnehin entspannter geworden, die Prüfungen sind jetzt angesagt, die Übertrittsquoten viel höher, bis zu 70%, bei mir waren es noch 20%. Also alles halb so wild und wenn das Kind es trotz elternlichen Einsatzes nicht schafft, dann ist es auch kein großer Fehler seinen Weg über die Realschule zu machen.

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toniwillkür 13.05.2019, 02:55
53. Reminder

Hinweis: Die Frage "Hauptschule oder Realschule?" sollte ebenfalls zur Debatte stehen. Kinder, die sich wünschen, aufs Gymnasium gehen zu dürfen, dann auf der Mittelschule landen und kämpfen, mindestens einen Realschulabschluss zu machen. Um dann als dumm abgespempelt zu werden. Abitur ist nicht das Non-plus-ultra. Niemand entwickelt sich unter Druck weiter, ob jung oder alt. Ganzheitliches Denken!

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mathaka 13.05.2019, 08:30
54. In Sachsen wurde das vor drei Jahren abgeschafft ...

... und es hat sich gezeigt, dass dadurch nicht wesentlich mehr Zulauf zu den Gymnasien entstanden ist. Man sollte den Eltern vertrauen, dass sie sehr gut in der Lage sind Stärken und Schwächen ihres Kindes zu bewerten.
Die in Sachsen gwählte Vorgehensweise erlaubt es den Eltern einer Empfehlung ein Veto auszusprechen. Daraufhin werden die Eltern zu einem verbindlichen Beratungsgespräch eingeladen und das Kind wird zu einer Prüfung an der gewünschten Schule geholt. Diese Prüfung allerdings wird nicht mit Noten bewertet sondern unter Entwiscklungspsychologischen Aspekten ausgewertet. Dabei zeigen sich Stärken und Schwächen des Kindes und die Schule kann dann eine Empfehlung aussprechen.
Auch dieser Empfehlung können die Eltern noch widersprechen - spätestens nach der 6. Klasse ist dann aber Schluss .. Zur Mitte der 6. Klasse gibt es eine erneute Bewertungskonferenz - von der die Kinder nichts wissen bzw. die nicht so präsent im Vordergrund steht. Dort wird anhand der Entwicklung des Kindes und seiner schulischen Leistung eine letzte Empfehlung abgegeben. Wird das Kind daraufhin nicht versetzt (auf Grund schlechter Leistungen) muss es die Schulform wechseln.
Das Verfahren ist fair, relativ transparent und nimmt ne Menge Druck raus - warum soll das nicht auch in Bayern funktionieren?

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TSP 16.05.2019, 16:04
55.

Mir scheint, wir haben ein funktionierendes Schulsystem kaputt gemacht. Es gab mal den gesellschaftlichen Konsens, dass nicht jedes Kind ein Überflieger ist und unbedingt Abitur machen muss. Mittlere Reife war ein angesehener Abschluss und ermöglichte eine solide Berufsausbildung. Heute Akzeptieren wir nicht mehr, dass es Unterschiede gibt und tun so als könnte und sollte jeder Schüler Abitur machen. Das Ergebnis sind dann online Petitionen bei schlechten Abitur Prüfungen, fehlende Facharbeiter bzw. Handwerker und Eignungstests an den Hochschulen um der Abi Flut Herr zu werden.
Wenn ein Kind sich mit dem Lernen schwer tut und den Übertritt aufs Gymnasium nur mit Bauchschmerzen bewältigen kann, dann ist es vielleicht auf dem Gymnasium falsch. Warum hören wir Eltern nicht endlich auf, unsere Kinder nur nach dem schulischen Erfolg zu bewerten? Kinder brauchen unsere Ermutigung ihren Weg zu finden, und der muss nicht unbedingt aufs Gymnasium führen.

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