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Piefke-Alarm: Österreich will Allianz gegen deutsche Studenten schmieden
Universität Wien / Franz Pflueg

Österreichs Hochschulen sind bei deutschen Studenten beliebt - so sehr, dass die Gäste zum Problem werden. Das Wissenschaftsministerium will darum einheimische Bewerber bevorzugen dürfen und setzt sich in einer EU-weiten Allianz für weniger Zuzug ein.

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chockemeyer 01.06.2013, 11:22
40. Eine oberflächliche Betrachtung

... hilft hier nicht weiter - und auch die im Artikel angegebenen Statistiken (ca 1/10 der österreichischen Studierenden aus DE) nicht. In einigen Fächern (z.B. Medizin oder Psychologie) liegt der Anteil der Studien-Bewerber mit deutschem Schulabschluß an den Universitäten in Wien, Salzburg und Innsbruck teilweise deutlich über 50%, und das ist dann einfach sehr problematisch. De facto exportiert DE damit Bildungskosten nach AT, und das kann allein schon aufgrund des Größenunterschieds nicht auf Dauer funktionieren.
Die irgendwo angesprochene Empfehlung, man möge halt nur jene zulassen, die im NC-Verfahren auch in DE einen Platz bekommen würden, hat es effektiv ja gegeben - bis sie 2005 vom EuGH aufgehoben wurde.
Ein Teil des Problems ist natürlich quasi hausgemacht: Bis 2005 gab es in Österreich Zugangsbeschränkungen nur im Kunstbereich, und diese Ideologie des freien Hochschulzugangs (unabhängig nicht nur vom elterlichen Einkommen und sozialen Status, sondern auch von den Fähigkeiten der Studierenden) ist eben immer noch ein großes Thema in AT.

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caliper 01.06.2013, 15:11
41.

Zitat von ruediger
Auch Deutschland hat einen ähnlichen Ateil ausländischr Studeneten (auch wenn hierzulande nur 3,6% der Studenten aus Österreich stammen). Auch in der Humanmedizin ist der Anteil der ausländischen Studenten über 20%. Ausserdem gibt es bei der europäischen Freizügigkeit durchaus die Möglichkeit, dass der ausländische Student nach Ende des Studiums in der neuen Heimat bleibt. Setzt natürlich eine entsprechende Willkomenskultur voraus. So war dass mit der Freizügigkeit nämlich mal gedacht.. Mehr auf die Menschen und weniger auf Pässe schauen.
Dass mit einem grossen Land weniger Austausch stattfindet als mit einem kleinen Land ist völlig normal.

Wenn Sie im Saarland alle Saarländer als "ausländische" Studenten betrachten, dann stellen Sie fest, dass an den Saarländer Universitäten viele "Ausländer" studieren. Umgekehrt gibt es aber auch viele Saarländer die ausserhalb studieren. Nur die verteilen sich besser und fallen deswegen nicht so auf.

Ohne die Zahlen zu kennen bin ich mir sicher, dass das Verhältnis der Studenten die als Österreicher im Ausland studieren zu denjenigen die als Nicht-Österreicher in Österreich studieren vergleichbar ist mit Verhältnissen aus deutscher Sicht.

Mit den Im- und Exportquoten verhält es sich ähnlich. Ein kleiner Staat ist bei wenigen Produkten Weltspitze und verkauft diese erfolgreich auf der ganzen Welt. Die Wahrscheinlichkeit dass ein spezialisierter Betrieb eines Kleinstaates mehr im Ausland absetzt ist grösser als ein entsprechend spezialisierter Betrieb zum Beispiel der USA. Mit diesen Einnahmen importiert der kleine Staat die vielen Produkte, die er selber gar nicht produziert.

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buchl 01.06.2013, 18:10
42.

Zitat von caliper
Ohne die Zahlen zu kennen bin ich mir sicher, dass das Verhältnis der Studenten die als Österreicher im Ausland studieren zu denjenigen die als Nicht-Österreicher in Österreich studieren vergleichbar ist mit Verhältnissen aus deutscher Sicht.
Und genau das ist eben nicht der Fall, die Anteile ausländischer Studenten betragen:
2007 Ö 19,8%, D 12,0%
2008 Ö 21,0%, D 11,8%
2009 Ö 21,1%, D 11,5%
2010 Ö 22,2%, D 11,4%
2011 Ö 23,1%, D 11,1%
https://www.statistik.at/web_de/stat...ium/index.html
• Anteil ausländischer Studierender an Hochschulen in Deutschland bis 2012 | Statistik
Der Ausländeranteil in Österreich ist mehr als doppelt so hoch und zudem ungleich verteilt (z.B. logischerweise praktisch keine Ausländer beim Massenstudium Jus). Speziell in den von Deutschen überlaufenen medizinischen Fächern stellt das ein Problem dar, weil die Ausbildungsplätze sich nach dem Bedarf in Österreich richten und nur ein Bruchteil der deutschen Studenten in Österreich praktizieren wird. Dass es auch junge Österreicher gibt, die gern Medizin studieren würden, aber nicht zum Zug kommen,sei nur am Rande erwähnt.
Zitat von caliper
Mit den Im- und Exportquoten verhält es sich ähnlich.
Nicht alles was hinkt ist ein Vergleich: Österreich produziert massenweise deutsche Akademiker, die fast alle nach Deutschland zurückkehren und dort Steuern zahlen. Österreich hat die Kosten, Deutschland den Nutzen.

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caliper 02.06.2013, 14:32
43.

Zitat von buchl
Und genau das ist eben nicht der Fall, die Anteile ausländischer Studenten betragen: 2007 Ö 19,8%, D 12,0% 2008 Ö 21,0%, D 11,8% 2009 Ö 21,1%, D 11,5% 2010 Ö 22,2%, D 11,4% 2011 Ö 23,1%, D 11,1% Der Ausländeranteil in Österreich ist mehr als doppelt so hoch und zudem ungleich verteilt (z.B. logischerweise praktisch keine Ausländer beim Massenstudium Jus). Speziell in den von Deutschen überlaufenen medizinischen Fächern stellt das ein Problem dar, weil die Ausbildungsplätze sich nach dem Bedarf in Österreich richten und nur ein Bruchteil der deutschen Studenten in Österreich praktizieren wird. Dass es auch junge Österreicher gibt, die gern Medizin studieren würden, aber nicht zum Zug kommen,sei nur am Rande erwähnt. Nicht alles was hinkt ist ein Vergleich: Österreich produziert massenweise deutsche Akademiker, die fast alle nach Deutschland zurückkehren und dort Steuern zahlen. Österreich hat die Kosten, Deutschland den Nutzen.

Die Zahl an österreichischen Auslandsstudenten und deutschen Auslandstudenten haben Sie im Dunkeln gelassen. Daher können Sie meinen Beitrag nur oberflächlich gelesen haben.

Ich habe begründet warum ein kleines Land einen höheren Anteil ausländischer Studenten haben muss. Ein kleines Land hat auch einen höheren Anteil an Studenten, die das Land zum studieren verlassen. Erst in der Relation dieser beiden Quoten können Sie argumtieren, dass Österreich mehr leistet als üblich.

Nehmen Sie die beiden Universitäten Münchens. Definieren Sie gebürtige Münchener als Inlander und alle anderen als Ausländer. Sie werden mir zustimmen dass die beiden Münchener Universitäten dann einen extrem hohen "Ausländeranteil" haben werden.

Gleichzeitig müssen wir davon ausgehen, dass sehr viele Münchener ausserhalb Münchens studieren. Eine solche Überlegung können Sie auch für die Wiener und Grazer Uni machen. Mit dieser Definition wird der Anteil fremder Studenten auch von 20% auf weit über 50% hochschnellen.

Sie sehen es ist eine Frage der Grössenverhältnisse.

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caliper 02.06.2013, 14:40
44.

Zitat von buchl
Nicht alles was hinkt ist ein Vergleich: Österreich produziert massenweise deutsche Akademiker, die fast alle nach Deutschland zurückkehren und dort Steuern zahlen. Österreich hat die Kosten, Deutschland den Nutzen.
Sie haben keine Zahlen.

Andere werden sich darüber beklagen, dass ausländische Akademiker nach Österreich kommen und den einheimischen den hochdotierten Arbeitsplatz wegnehmen.

Solange man nicht alle Zahlen hat muss man davon ausgehen, dass sich die Akademikerströme neutralisieren.

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anton014 09.02.2014, 09:57
45. Schulsysteme im Vergleich

Zitat von gmahde_wiesn
Österreich hat vollkommen recht damit die Bildungsflüchtlinge abweisen zu wollen. In D wird das Abitur mittlerweile geradezu verschleudert und so mancher Deutscher erschient nun für ein Medizinstudium geeignet. Es ist aber doch aber überhaupt nicht schwierig zu erkennen, wie das in Zukunft laufen wird. (Und ich hoffe, dass es nicht so kommt !). Wir passen unsere Systeme zunehmend dem amerkanischen an, wollen aber nicht wahrhaben, dass wir dann auf Dauer das System als GANZES übernehmen werden müssen, es sei denn wir steuern dem bewusst entgegen. Falls wir nicht bewusst anders entscheiden, sondern alles seinen Gang gehen lassen, dann werden in Europa demnächst Eingangstests wie der GRE eingeführt werden und Studiengebühren erhoben werden, die verschieden hoch ausfallen je nachdem ob der Student aus dem jeweiligen Staat stammt oder nicht. etc.
Sie scheinen weder vom aktuellen deutschen noch vom aktuellen österreichischen Bidldungsystem eine Ahnung zu haben. Sonst hätten Sie mitbekommen, das hier sehr gegenläufige Bewegungen passieren.

Das deutsche Abitur wird nicht verschleudert, ganz im Gegenteil. Schüler haben es nicht mehr so rinfach, an diesen Abschluss zu kommen. Durch das 12-jährige Abitur ist der Stress für die Schüler enorm gewachsen. Und die Eltern sitzen igren Kindern wegen des Einflusses auf Berufsaussichten im Nscken, wie nie zuvor. Wer das durchsteht, hat sicherlich einiges an Leistungsfähigkeit unter Beweis gestellt. Was nicht zwangsläufig bedeutet, dass der Abiturient besser ausgebildet ist, als beim 13-jährigen Abitur.

In Österreich versucht die Politik gerade, das Gymnasium zu Gunsten der neun Mittelschule flach zu legen. Während in einigen Mittelschulen jedes Kind mit einem iPad, die Klassenräume mit elektronischen Wandtafeln ausgestattet werden, bekommen Gymnasien immer weniger Geld. Das Gymnasium meiner Töchter musste sogar so sinnvolle Einrichtungen wie eine Theatergruppe aus Geldmsngel aufgeben.

Ein österreichischer Hochschulprofessor sagte mir, dass er die österreichische Politik bezüglich des Bildungwesens nicht mehr nachvollziehen kann. Und ... es wundere ihn gar nicht, dass immer mehr Deutsche Studienplätze in Österreich belegen. Sie schneiden bei den Eingangstets einfach besser ab.

Das Bildungssystem in Deutschland hat viele Macken, aber in Österreich ist es noch mehr ein Spielball der Provinzpolitik, als in Deutschland. Österreich versucht oft Änderungen, die man in Deutschland auf Grund negativer Erfahrungen bereits wieder verworfen hat.

Und ... die letzte PISA-Studie zeugt ja davon.

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anton014 09.02.2014, 10:09
46. Einseitige Sicht

Zitat von buchl
Und genau das ist eben nicht der Fall, die Anteile ausländischer Studenten betragen: 2007 Ö 19,8%, D 12,0% 2008 Ö 21,0%, D 11,8% 2009 Ö 21,1%, D 11,5% 2010 Ö 22,2%, D 11,4% 2011 Ö 23,1%, D 11,1% Der Ausländeranteil in Österreich ist mehr als doppelt so hoch und zudem ungleich verteilt (z.B. logischerweise praktisch keine Ausländer beim Massenstudium Jus). Speziell in den von Deutschen überlaufenen medizinischen Fächern stellt das ein Problem dar, weil die Ausbildungsplätze sich nach dem Bedarf in Österreich richten und nur ein Bruchteil der deutschen Studenten in Österreich praktizieren wird. Dass es auch junge Österreicher gibt, die gern Medizin studieren würden, aber nicht zum Zug kommen,sei nur am Rande erwähnt. Nicht alles was hinkt ist ein Vergleich: Österreich produziert massenweise deutsche Akademiker, die fast alle nach Deutschland zurückkehren und dort Steuern zahlen. Österreich hat die Kosten, Deutschland den Nutzen.

Haben Sie mal dagegen gehalten, wieviele Deutsche in Österreich steuerpflichtig Arbeiten und regelmäßig Steuern und Sozialabgaben zahlen?

Das sind nicht wenige.

Wenn man die deutschen Studenten abzieht, bleiben die Deutschen immer noch der größte Ausländeranteil. Nicht wenige von denen sitzen in Spitzenpositionen der österreichischen Industrie und mehren durch ihre Leistung das österreichische Volksvermögen.

Ich weiß vom Fall eines deutschen Managers, dessen Firma, bei der er Geschäftsführer ist, seit seinem Antritt vor fünf Jahren den Umsatz um 80% und den Gewinn um 100% gesteigert hat. Die Firma ist exportorientiert.

Sein Hauptproblem liegt derzeit in der Verfügbarkeit von gut ausgebildeten Ingenieuren mit vertieftem Spezialwissen und Englischkenntnissen, ließ er mich wissen. Weiteres Wachstum könne daran scheitern.

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