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PISA - keine Besserung an Deutschlands Schulen?

Die neue Pisa-Studie liegt vor, Lesen ist der Schwerpunkt - und die Ergebnisse sind für Deutschlands Schüler durchwachsen. Sie haben ihre Position leicht verbessert, sind aber von den Spitzenländern noch weit entfernt. Was muss für die Ausbildung getan werden?

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nocheinbuerger 07.12.2010, 22:09
420. Eröffnung von Nebenkriegsschauplätzen zur Vernebelung

Zitat von Robert Hyllus
Vollkommen richtig. Mehr Geld in die Bildung bedeutet aber, dass man auch mehr Geld in die Bildung steckt. Seit 1995 (bis 2007) reduzierten sich prozentuell gesehen die Ausgaben für die Bildung gemessen an BIP von 5,1 Prozent (OECD Durchschnitt 5,5 Prozent), über 4,9 Prozent (OECD Durchschnitt 5,4 Prozent) im Jahre 2000 bis 4,7 Prozent (OECD Durchschnitt)... Das ist die Geldfrage.
Aha. Was hat es mit der finanziellen Ausstattung der Schulen zu tun, wenn die Schülern nicht willens oder nicht in der Lage sind, sich mit dem Lehrstoff zu befassen, der im Unterricht geboten wird? Werden Schüler gelernt, oder lernen sie? Als ich vor vielen Jahren zur Schule ging, gab es für schlechte Leistungen nur zwei grundsätzliche Erklärungen: Zu dumm oder zu faul oder beides? Andere Sache wurde - wie politisch inkorrekt doch - gar nicht in Betracht gezogen. Heute scheint man mit Erklärungen und Entschuldigungen oben beschriebener Verhaltensweisen und Eigenschaften sehr viel kreativer geworden zu sein.

Zitat von
Wie hat es sich die Sache mit der beruflichen und mentalen Situation der Lehrkräfte, die sich (zu) häufig überfordert fühlen oder ihre Arbeit halbherzig tun, abgesehen von Schnapsideen aus der Welt der Politik, die in die Schule Akademiker ohne jegliche Vorbereitung (ich meine damit eine vernünftige pädagogische Vorbereitung) steckt, in Klassen mit 32 pubertierenden Jugendlichen zusammengepfercht zu G8...
Wieso sollte die akademische Vorbereitung von Pädagogen während ihres Hochschulstudiums so fundamental anders geworden sein als vor 30 Jahren? Hat sich nicht vielmehr die Zusammensetzung dieser "pubertierenden Jugendlichen" bzw. deren Herkunft entscheidend geändert?

Zitat von
Und Beispiele einer gelungenen Integration gibt es doch genug.
Die sind aber nicht typisch für das problematische Klientel, als da wären die türkisch- und arabischstämmigen Schüler, die vor allem aus den Unterschichten der betreffenden Länder stammen. So etwas trifft eher auf die Schüler aus europäischen oder asiatischen Ländern zu.

Zitat von
Weshalb greift man so selten darauf und verkauft das Bild eines "unmündigen, dummen, intellektuell unterlegenen Menschen mit Migrantenhintergrund" statt die guten Beispiele in den Vordergrund zu stellen.
Wenn das aus agitatorisch-propagandistischen Gründen geschieht, um die wahren Zustände bei bestimmtem Migrantengruppen zu verschleiern, dürfte das an den Schulergebnisse dieser Gruppe wohl wenig ändern. Glauben Sie, es ändert sich etwas an der Realität, wenn man sich diese medial schönschreibt? Die Verbreitung des Bildes eines "unmündigen, intellektuell unterlegenen Menschen mit Migrantenhintergrund" schlägt übrigens von Ihrem Standpunkt aus gesehen zurück, denn genau dieses Bild wurde immer als Begründung für eine Art positive Diskriminierung verwendet in dem Sinne, daß man an Migranten niedrigere moralische und bürgerliche Ansprüche zu stellen hat und von ihnen das Erlernen der deutschen Sprache, die Anpassung an die hiesigen kulturellen und gesellschaftlichen Normen wie auch das Leben von eigener Hände Arbeit nicht verlangen darf.

Aber lieber steigert man sich in einen ideologischen Veitstanz hinein, wenn Leute wie Sarrazin diese Dinge einmal öffentlich auszusprechen wagen.

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Flie 07.12.2010, 22:16
421.

Zitat von discipulus
Ein guter Ansatz, der aber konsequent zu Ende gedacht werden sollte. Warum sollten Lehrer nicht Dienstleister mit freier Honararvereinbarung sein. Vergleichbar denen, die ihre Dienste in Campingbussen an den Ausfallstraßen von Großstädten anbieten?
Werter Forist, haben Sie bei diesem Vorschlag auch an jene KollegInnen gedacht, die aufgrund einer von der Natur höchst ungerecht verteilten Kumulation von inneren PLUS äußeren Werten sich in dem Vorteil befänden, gleichzeitig in beiden Metiers arbeiten zu können.
Wie, bitteschön, wollen Sie der im Dienste an den Edukanten ergrauten "Lehrmaus" erklären, dass sie nur mit der Hälfte des Einkommens nach Hause geht?

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E. Bär 07.12.2010, 22:35
422. .

Zitat von gaga007
Die Ausbildung der Schüler muß als Produkt gesehen werden, dass Lehrer leisten müssen, dafür werden sie bezahlt. Wenn Lehrer ein nur mäßiges (Arbeits-)Ergebnis abliefern können, sollten diese Leher unter Druck gesetzt werden - vielleicht hilft es, wenn bei Lehrern der Beamtenstatus wegfällt, grundsätzlich Zeitverträge abgeschlossen werden, über deren Verlängerung durch eine festangestellte Schulleitung und die Eltern der Schüler entschieden wird - maximal für 5 Jahre. Auch Lehrer sollten nach Leistung beurteilt und bezahlt werden !
Genau, es geht alles nur unter Druck und mit Arschtritten. Macht wirklich Spaß, in Deutschland zu leben. Das motiviert auch ungemein zum Lernen, wenn man die Kinder so richtig früh ins Leistungssystem hineinkastelt. :-p

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leonardo01 07.12.2010, 22:38
423. schlechter ist das nicht geworden

[QUOTE=nixkapital;6750147]Vollkommen falsch.

Die Bildungspolitik ist kommerzialisiert worden. Da heißt es dann Geld sparen, indem man z.B. weniger Lehrer einstellt und damit mehr Schüler pro Klasse bekommt. Daraus folgt weniger Zeit für den einzelnen Schüler. .."


Wir waren in den 70er Jahren in einer Grundschulklasse mit 40 Kindern. In der Klasse unseres Kindes waren nur 20 Kinder. In beiden Klassen gab es jeweils immer nur einen Lehrer. Ihre Argumentation ist nicht nachvollziehbar. Dass Klassenstärken mit teilweise mehr als 30 Kindern toll sind, will ich nikcht sagen. Aber verschlechtert gegenüber früher hat sich die Situation bestimmt nicht.

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discipulus 07.12.2010, 22:56
424. PISA-Papst Wilfried Bos kenn die Lösung!

Zitat von leonardo01
... Wir waren in den 70er Jahren in einer Grundschulklasse mit 40 Kindern. In der Klasse unseres Kindes waren nur 20 Kinder. In beiden Klassen gab es jeweils immer nur einen Lehrer. Ihre Argumentation ist nicht nachvollziehbar. Dass Klassenstärken mit teilweise mehr als 30 Kindern toll sind, will ich nikcht sagen. Aber verschlechtert gegenüber früher hat sich die Situation bestimmt nicht.
Namhafte "Bildungsexperten" und "PISA-Päpste" weisen in ausgefeilten Studien nach, dass der Lernerfolg zwischen 17 und 37 Schülern pro Klasse gleich ist. Weniger als 17 Schüler führen zum Einzelunterricht (nicht finanzierbar), mehr als 37 Schüler können in gängigen Klassenräumen kaum mehr untergebracht werden. Die Klassenräume sollten deshalb zu Hörsälen umgestaltet werden.

http://www.tagesspiegel.de/wissen/kl...-/1804444.html

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leonardo01 07.12.2010, 22:58
425. Wie Recht Sie haben, nur in einem Punkt..

muss ich Ihnen widersprechen. Die Lehramtler durchlaufen nicht den "normalen" Bachelorfachstudiengang in voller Breite, sondern nur eine sehr abgespeckte Version davon. Für's Lehramtsstudium entscheiden sich daher häufig auch die, die finden, dass ein "normaler" (früher Diplom- heute Bachelor-Master) Studiengang zu schwer ist. Das ist sehr schade, denn fachliche Kompetenz sollte die notwendige und zusätzliche didaktische Kompetenz die hinreichende Bedingung für's Lehramt sein.

Zitat von sigismund85
Nun gibt es wieder eine neue PISA-Studie. Welche Erkenntnisse können die Reformpädagogen und Linken diesmal aus diesem Wust an unübersichtlichen Zahlen, die mit zweifelhaften Methoden hergestellt wurden, gewinnen. Ad primam: Das dreigliedrige Schulsystem ist per se schlecht, da selektiv, reaktionär und diskriminierend. Zu leiden haben darunter vor allem Kinder aus Arbeiterfamilien (bzw. Facharbeiterfamilien) und natürlich - wie sollte es anders sein - Kinder mit Migrationshintergrund.
Hier haben Sie völlig Recht: Die Schulministerin Frau Löhrmannin in NRW hat auch gleich heute verkündet, dass die Ergebnisse zeigen, dass die Gemeinschaftsschule kommen muss.

Zitat von sigismund85
Ad tertiam: Der Weg zu integrativen Einheitsschule muss weiter forciert werden. Studien zeigen, dass weder leistungsstarke noch leistungsschwache Schüler von dieser Schulform profitieren - es ist sogar ein eher negativer Effekt erkennbar, vgl. big-fish-little-pond-effect.
Ich weiß nicht, ob die politischen Verfechter der Gesamtschulen wirklich zu dumm sind, die Studien zu deuten oder ob sie nur das Volk verdummen wollen. Auch, wenn es für mich oft den Anschein hat, dass Ersteres zutrifft, so spricht die Tatsache, dass die SPD-, Grünen- und Linkenpolitiker ihre eigenen Kinder nicht zur Gesamtschule, sondern lieber zum Gymnasium schicken, doch eher für die Volksverdummung.

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leonardo01 08.12.2010, 23:05
426. Wie Recht Sie haben, nur in einem Punkt..

muss ich Ihnen widersprechen. Die Lehramtler durchlaufen nicht den "normalen" Bachelorfachstudiengang in voller Breite, sondern nur eine sehr abgespeckte Version davon. Für's Lehramtsstudium entscheiden sich daher häufig auch die, die finden, dass ein "normaler" (früher Diplom- heute Bachelor-Master) Studiengang zu schwer ist. Das ist sehr schade, denn fachliche Kompetenz sollte die notwendige und zusätzliche didaktische Kompetenz die hinreichende Bedingung für's Lehramt sein.

Zitat von sigismund85
Nun gibt es wieder eine neue PISA-Studie. Welche Erkenntnisse können die Reformpädagogen und Linken diesmal aus diesem Wust an unübersichtlichen Zahlen, die mit zweifelhaften Methoden hergestellt wurden, gewinnen. Ad primam: Das dreigliedrige Schulsystem ist per se schlecht, da selektiv, reaktionär und diskriminierend. Zu leiden haben darunter vor allem Kinder aus Arbeiterfamilien (bzw. Facharbeiterfamilien) und natürlich - wie sollte es anders sein - Kinder mit Migrationshintergrund.
Hier haben Sie völlig Recht: Die Schulministerin Frau Löhrmannin in NRW hat auch gleich heute verkündet, dass die Ergebnisse zeigen, dass die Gemeinschaftsschule kommen muss.

Zitat von sigismund85
Ad tertiam: Der Weg zu integrativen Einheitsschule muss weiter forciert werden. Studien zeigen, dass weder leistungsstarke noch leistungsschwache Schüler von dieser Schulform profitieren - es ist sogar ein eher negativer Effekt erkennbar, vgl. big-fish-little-pond-effect.
Ich weiß nicht, ob die politischen Verfechter der Gesamtschulen wirklich zu dumm sind, die Studien zu deuten oder ob sie nur das Volk verdummen wollen. Auch, wenn es für mich oft den Anschein hat, dass Ersteres zutrifft, so spricht die Tatsache, dass die SPD-, Grünen- und Linkenpolitiker ihre eigenen Kinder nicht zur Gesamtschule, sondern lieber zum Gymnasium schicken, doch eher für die Volksverdummung.

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naabaya 08.12.2010, 23:11
427. Spruch

Zitat von E. Bär
Genau, es geht alles nur unter Druck und mit Arschtritten. Macht wirklich Spaß, in Deutschland zu leben. Das motiviert auch ungemein zum Lernen, wenn man die Kinder so richtig früh ins Leistungssystem hineinkastelt. :-p
Sicher kennen Sie den alten Spruch: non scholae, sed vitae discimus, für Nichtlateiner: Nicht für die Schule , sondern für das Leben lernen wir. Will heute heißen: Im Leben wird Leistung verlangt, also müssen wir das Erbringen von Leistung schon in der Schule lernen. Der Weg dahin ist ganz einfach: Fördern (durch zusätzliche Lehrkräfte) und noch mehr durch Fordern (Schluss mit der Kuschelpädagogik, in die Schulen muß der Wettbewerbsgedanke stärker Einzug haltn)

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paradigm 08.12.2010, 23:11
428.

Zitat von seikor
Ich bin ein dezidierter Gegner von Ranking-Listen. Wenn da Deutschland auf Platz 16 von 34 gesetzt wird, interpretieren das viele Leute als "Mittelmaß". Das ist falsch. Wenn dann die Grafik .....
Abgefahren was die Bayern ihren Kindern alles so beibringen... früh übt sich was später mal professionell in Wirtschaft und Politik einsteigen will. In diesen Berufen kann man sicher das Fälschen von Informationen mehr als gut gebrauchen. Spaß bei Seite, aber ich fand den Hinweis auf den (natürlich) bayrischen Lehrplan etwas daneben... zumal ich doch gerne wüsste, was denn nun wirklich in selbigem für die 5. Klasse vorgesehen ist.

Abgesehen davon sehe ich diese verzerrte Darstellung auch kritisch, wobei man natürlich sagen muss, dass ein Detailblick auf die Unterschiede zwischen den Ländern durchaus gerechtfertigt ist. Nur sollte trotzdem vorher eine Grafik kommen, die zeigt dass zunächst mal "alle" auf recht hohem oder zumindest ähnlichem absolutem Niveau stehen.

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hjm 08.12.2010, 23:22
429.

Zitat von IvanIvanowitsch
Längeres gemeinsames lernen samt Vorschule würden diese stark unterschiedlichen Voraussetzungen angleichen. Da beide Kinder in der Schule über langen Zeitraum die Vorteile der Bildung gezeigt bekommen würden.
Klingt wie: Wenn man das Wasser aus dem Schwimmbecken lässt, damit niemand ertrinkt, zeigt man allen, wie vorteilhaft es ist, schwimmen zu lernen.

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