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Plagiate: Uni Münster entzieht acht Medizinern den Doktortitel
DPA

Plagiatsjäger hatten die Uni Münster auf kopierte Texte in Doktorarbeiten hingewiesen, nun zieht die Hochschule Konsequenzen: In acht Fällen werden die Doktortitel entzogen, 14 Mediziner erhalten eine Rüge.

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allessuper 27.02.2017, 12:32
1. warum Häufung in Münster?

das ist wie Masern. Das gibt sich schnell weiter. Und dann gibt es da ein Angebot an Helfern, das spricht sich herum usw.
Sorry, wir möchten doch gern Namen.

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dr.u. 27.02.2017, 12:46
2. Wozu sollen/müssen praktizierende Ärzte einen Dr. Titel haben?

Wann hört diese unsägliche Dr.-Hofierung bloß endlich auf. Der Dr. ist ein akademischer Grad, der "nur" belegt, dass die betreffende Person eine wissenschaftliche Arbeit erstellt hat. Diese muss noch nicht einmal etwas mit der späteren beruflichen Tätigkeit zu tun haben.
Warum sollte ein praktizierender Mediziner einen Dr. haben? Er wird dadurch nicht empathischer, ein besserer Dignostiker, "handwerklich" besser, und auch nicht im Umgang mit Patienten besser!

Auch gehört der Dr. aus dem Namensrecht gestrichen. Das nimmt den Reiz ihn nur als "Protz"Namenszusatz zu machen und nimmt damit auch den Plagiatsdruck.

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torflut 27.02.2017, 12:48
3. Dr.

Nur in der Medizin scheint eine Existenz ohne Promotion als zweitklassig oder minderwertig zu gelten. Kein Mensch käme auf die Idee einem diplomierten Mathematiker seine Reputation abzusprechen. Hier sollte ein Kulturwandel angeschoben werden. Noch dazu darf bezweifelt werden welchen wissenschaftlichen Wert diese Flut von medizinischen Doktorarbeiten hat!

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Alice D. 27.02.2017, 12:55
4. wen wunderts...

der Doktor für Mediziner ist doch seit jeher eher als Scherz zu betrachten. ich komme aus dem Ingenieurswissenschaften, und wenn ich sehe wie Kommilitonen eine Masterarbeit mit 120 Seiten einreichen, in denen ein Jahr praktische Arbeit steckt, wogegen ein bekannter Medizinstudent seine Doktorarbeit (70 Seiten, 3 monatige Datenauswertung ohne Praxis) als festen Bestandteil des Studiums gleich mitschreibt bevor er schon sein Staatsexamen hat, so habe ich eh keinen großen akademischen Respekt vor dem Dr.med. mehr. da verwundert es noch weniger, dass solche Arbeiten vor Plagiaten nur so wimmeln. Schließlich geht es ja wirklich meist nur um den Titel und nicht um die Arbeit oder den Forschungsbeitrag hierbei. Dies führt leider zu einer allgemeinen Erwertung akademischer Titel. Und ein Arzt, welcher plagiiert hat, sollte allgemein auf seine Leistungen hin überprüft werden, ich weiß aus eigener Erfahrung wie weit verbreitet systematischer Leistungsbetrug in den Hochschulen ist, und er betrügt hat hierein bereits eine Vorgeschichte. Und welcher Patient möchte sich denn von einem Hochstapler behandeln lassen? Hier müssen auch betroffene Patienten aufgeklärt werden, gerade auch zum Schutze seriöser Ärzte!

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Morpheus Nudge 27.02.2017, 12:55
5.

Früher(tm) hatte Otto Normal ja noch nicht diese computerbasierten Möglichkeiten der Schwarm-Recherche.

Wer weiß schon, wieviele Betroffene es künftig noch geben wird...

m.E. Grund genug, neben "Dr. h. c." auch den "Dr. ex" einzuführen als "Quasi-Doktortitel".

"Dr. ex med. Mustermann" klingt doch gleich viel akademischer als "Herr Mustermann" :-)

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doke969 27.02.2017, 12:58
6. Sinnlose Habilitationsschrift

Typisch deutsch: Eine Habilitation kann lokal ohne objektive Beurteilung von außen durchgezogen werden. Besser: Publikationen in internationalen Zeitschriften mit internationalen Gutachtern. Das schärft die korrekte Zitation.
Bei den Promotionen haben es viele Unis, leider bis auf einige ewig gestrige, geschafft, die kumulative Promotion - unter Zusammenfassung von eigenen Publikationen mit dem Betreuer und Anderen als Ko-Autoren - einzuführen. Genauso sollte es auch für die Professur sein.
Die Doktoranden dürfen dann diverse bestehende Artikel zitieren, und die Journale checken ob es zu viel Textüberlappung gibt.
Der deutsche Medizindoktor ist international gar nichts wert; da muss man für den Dr. -Grad einen PhD machen, typisch 3-5 Jahre nach dem Studium. So geht wirklich wissenschaftliche Arbeit und nicht weitgehend substanzlose Titelhuberei.
Ich gebe trotzdem zu: Ich rate jedem Medizinstudenten, den Dr. med. zu machen solange es so einfach möglich ist. Aber besser im Modell mit einer Publikation in einer Zeitschrift, das gibt es immerhin auch schon. Eben 1-2 Semester mehr, aber mit Substanz.

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karin_mainz 27.02.2017, 13:05
7.

Zitat von torflut
Nur in der Medizin scheint eine Existenz ohne Promotion als zweitklassig oder minderwertig zu gelten. Kein Mensch käme auf die Idee einem diplomierten Mathematiker seine Reputation abzusprechen. Hier sollte ein Kulturwandel angeschoben werden. Noch dazu darf bezweifelt werden welchen wissenschaftlichen Wert diese Flut von medizinischen Doktorarbeiten hat!
Geht man mal von nichtplagiatierten ordentlichen Doktorarbeiten aus:

Warum genau zweifeln Sie den wissenschaftlichen Wert alleinig aufgrund der (vermeintlich?) hohen Anzahl an?

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keine-#-ahnung 27.02.2017, 13:20
8. Heute mal Mediziner- statt Trump-bashing?

Könnte der hohe Anteil promovierter Ärzte nicht auch darin begründet sein, dass hohe Eingangshürden zum Studium durch den numerus clausus eine recht ordentliche Selektion von Begabten bedingt, die sich während oder unmittelbarer nach dem Studium in der Assistenzzeit weit müheloser promovieren können und wollen als bspw. ein angehender Soziologe?
Der durchschnittliche Medizinstudent muss sich aufgrund der reinen Masse und Komplexität des Lehrstoffes während seiner Studienzeit durchaus bewusst organisieren können, um sich nicht nach dem Physikum beruflich neu orientieren zu müssen :-). Diesen Leuten bleibt nicht die Zeit, um täglich die Transgendertoilette neu zu erfinden.
Da ich noch nach DDR-Recht mein Studium absolvieren durfte, erinnere ich mich recht gern an mein 10. Semester ... IMHO waren das um die zwanzig mündliche Examen in einem knappen halben Jahr, da würden heute vermutlich ganze Generationen von "burn-out"-Patienten entstehen :-).
Für die Promotion hatte ich damals allerdings keine Zeit über, ´das Studentenleben ging vor - man studiert ja nur einmal. Habe ich dann in der Klink gemacht, selbstverständlich im klinikeigenen Labor mit Hilfe von Drittmitteln, die mein bereits habilitierter Chefarzt eingeworben hatte. Die Ergebnisse hat dann allerdings doch mein damaliger cheffe in Übersee vorgestellt :-). Eine Hand wäscht halt die andere.
Natürlich gibt es auch bei uns eine Zahl an Dissertationen, die man schon nach Lektüre der ersten Hälfte des Titels zur Seite legt und sich fragt, warum man mit solchen Schriften seine Lebenszeit verschwendet...
Ich bin mir aber relativ sicher, dass im weiten Bereich der Sozialwissenschaften der Anteil solcher "Schriften" um einiges höher liegen sollte.

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cassandros 27.02.2017, 13:30
9. Doctor honoris medicinalis

Zitat von keine-#-ahnung
Könnte der hohe Anteil promovierter Ärzte nicht auch darin begründet sein, dass hohe Eingangshürden zum Studium durch den numerus clausus eine recht ordentliche Selektion von Begabten bedingt, die sich während oder unmittelbarer nach dem Studium in der Assistenzzeit weit müheloser promovieren können und wollen als bspw. ein angehender Soziologe?
Nein, darin könnte es nicht begründet sein.
Der "Dr. med." war und ist praktisch ein verbrämter "Dr. h.c.".
Jeder Akademiker weiß das.
Übrigens: "Man promoviert sich" nicht; man WIRD promoviert.
Mediz. Doktorarbeiten sind in der großen Mehrzahl symbolische Schriften. Die Promotion in der Medizin ist eher ein Ritual. Der Titel "Dr. med." ist anderen Doktortiteln nicht homolog.
Merke:
Doktor ist nicht gleich Doktor. Das ist eigentlich alles, was man wissen muss.
Medizinstudenten sind per se weder intelligenter als Studenten anderer Fächer, noch wissen sie mehr oder sind fleißiger.

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