Forum: Leben und Lernen
Plagiatsaffären von Schavan und Guttenberg: Die Ungleichen
IPON

Annette Schavan soll in ihrer Doktorarbeit getäuscht haben. Noch ist nicht entschieden, ob sie ihren Titel verliert. Klar ist allerdings: So schwer wie bei ihrem Ex-Kollegen Guttenberg wiegen ihre Verstöße nicht. Ein Vergleich.

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ulrich-lr. 17.10.2012, 16:57
190. Falscher Ansatz

Zitat von Was_sein_muß_muß_sein
Genau ! Da kann ich nur zustimmen ! Ein bisschen schwanger gibt es auch nicht. Ob ein bisschen geschummelt oder ein bisschen mehr geschummelt spielt keine Rolle.
Das darf nicht so stehen bleiben!
Natürlich spielt das Ausmaß eines Betrugs eine große Rolle.
Die Mehrheit fand es total überzogen, dass eine Sekretärin wegen eines belegten Brötchens gefeuert wird. Oder eben eine Verkäuferin wegen ein paar Cent.

Allerdings wollten die Damen dafür auch keine Doktorgrade beanspruchen.
Zitat von Was_sein_muß_muß_sein
Die Politiker haben Vorbildfunktion,[...]
Schön wär's.
Denn inzwischen dürfte sich auch der weltfremdeste Bürger davon überzeugt haben, dass gerade Politikern das Lügen und Betrügen nicht völlig fremd ist.
Man denke an die fette Mehrwertsteuerlüge der heutigen Bundeskanzlerin.

Blemden, Schummeln und auch mal eine kleine Lüge sind des Erfolgs Unterpfand.
Insoweit passt die - nach meiner bescheidenen Meinung - ziemlich überflüssige Dissertation der Frau Bundesministerium völlig in die Landschaft.

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snafu22 17.10.2012, 17:06
191. Zwanzig Prozent des Umfangs der Dissertation

Was soll diese blödsinnige Gegenüberstellung?
Frau Schavan hat bei Abgabe der Dissertation eine eidesstattliche Erklärung abgegeben, dass sie "alle Quellen und Hilfsmittel" benannt hat. Sie hat nicht *falsch* zitiert, wie sie einräumt, sondern sie hat ihre Quellen *nicht* genannt, und zwar nicht nur für Inhalte, sondern auch für Formulierungen. Punkt.

Man kann sich sehr wohl einen Bildungsminister ohne Doktortitel vorstellen, wenn er über so viel Wissen und Gewissen verfügt, dass er der Öffentlichkeit erklären kann, dass Doktorarbeiten besonders hohe Standards erfüllen müssen, was ein Plagiat ist und dass "Abschreiben" nicht als "Kavaliersdelikt" gilt.
Ein solcher Minister hätte das Format, zurückzutreten, damit seine Heimatuniversität unbefangen und frei von Druck (Israelreise, gezielte Indiskretion!) urteilen kann! Ein solcher Minister trennt AMT und PERSON:

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ka.briz 17.10.2012, 17:28
192. Negativvorbild für die Jugend

Wenn man, wie ich als Lehrer in Baden-Württemberg, viele der Äusserungen von Frau Schavan als Bildungsministerin im Ohr hat, die gerne mal vom "Schülermaterial" gesprochen hat, dann kann es hier aus zig Gründen keine Nachsicht geben! Erbärmlich, wenn sie nicht selber die Konsequenz zieht. Wer so sehr wie sie, Bildungsideale, Leistungsanforderung und Objektivität von Beurteilungen und Noten zum Credo erhoben hat, hat sich längst selbst das Urteil gegeben. Noch bevor sie Ministerin wurde. Schon der Versuch einer Täuschung beim Zentralabitur wird mit der Note 6 bestraft. Also reicht eine einzige, realeTäuschung allemal für die Note 6 ihrer Dissertation! Wer so sehr wie sie für Schulzeitverkürzung steht, G8 mit auf den Weg gebracht hat und damit vorgibt, dass man auch in 8 Jahren genügend viel lernen kann, wenn man nur begabt ist und fleissig, wo sollte der einen Grund zur Entschuldigung hernehmen? Auch Frau Schavan ist ein typischer Vertreter der Poltiker, die das eine sagen, und das Gegenteil tun. Als Bildungsminister wiegt das sehr viel mehr, als die Gaunerei vo KThzG, da sie das komplette Wertesystem unserer Bildung, Anstand und Fairness im wissenschaftlichen Betrieb zum Lippenbekenntnis macht.
Kein Wunder, dass sie so lange zG gestützt hat.

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old-chatterhand 17.10.2012, 20:36
193.

Zitat von Palland
Na Sie haben ja richtig Ahnung und vergleichen Äpfel mit Birnen.
Mitnichten Maßstab für eine Doktorarbeit ist nicht der Vergleich mit einer katastrophalen Fehlleistung eines Hochstaplers, sondern die gültigen Vorschriften und Studienordnungen. Zum Fall Gutenbergs hies es damals, mehr als zwei Stellen mit ungekennzeichneten Zitaten sind schon zuviel und würde die Zurücknahme des Doktortitels begründen. Wir reden hier von 60! Nach den Maßstäben von Wissenschaft und Lehre absolut nicht hinnehmbar. Und so jemand ist Bildungsministerin. Nicht mal den Restanstand zurückzutreten hat sie. Pfui!

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Cotti 17.10.2012, 21:20
194.

Zitat von xehris
Diese Art von Betrug ist kein Kavalliersdelikt, sondern eine Straftat, die mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren sanktioniert werden kann...
Hier greift aber die Verjährung, so dass auf strafrechtlicher Ebene die Messen gelesen sind. Bleibt aber noch die moralische Ebene und da kommt es eben auch darauf an, ob man als Persönlichkeit in der Zwischenzeit eine Vorbildfunktion hat oder nicht. So ein Doktortitel verjährt nämlich nicht, man muss sich im Zweifel nur einmal anstrengen und darf ihn dann lebenslang führen, ohne ihn ständig bestätigen zu müssen. Darum sollte der Wissenschaftsbetrieb erst recht darauf achten, dass niemand mit einem Betrug in ihre Reihen eintreten kann - wenn es aber passiert ist, sollte man den Betrüger nicht noch verteidigen. Schavan kann strafrechtlich nicht mehr belangt werden - aber moralisch sollte sie geächtet werden, wenn sie ihren Betrug nicht eingestehen will. Das gilt ganz besonders dann, wenn man sich zum "obersten Bildungsbürger" des ganzen Landes aufgeschwungen hat - und damit die Regeln des Bildungsbetriebes zu hüten hat. Andererseits passt die zum miesen Bildungssystem der BRD, in dem Hochbegabte nicht gefördert werden, reiche Eltern ihre minderbemittelten Kinder aber dafür in höhere Bildungseinrichtungen klagen dürfen. Die kommen dann eben nur noch durch Betrug weiter - und die Lehrer drücken die Augen zu.

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snobody2 17.10.2012, 22:43
195. Wie arbeitet man wissenschaftlich?

Zitat von Tiananmen
und ich schäme mich, ein Deutscher zu sein, bei solchen Beiträgen! Warten Sie doch erst mal ab, was die Prüfungskommission feststellt, bevor Sie hysterisch aufheulen. Ich finde Frau Schavan persönlich auch unangenehm und selbstgerecht und ihre Reaktion auf die aktuelle Situation zeigt, dass sie nicht einen Anflug von .....
Ihren "lasst sie in Ruhe"-Argumenten kann man nicht folgen. Dissertation bedeutet: Auseinandersetzung mit einem Thema, einem Forschungsergebnis und - nach Grundsätzen der Logik - wissenschaftliche Ausxeinandersetzung mit Auffassungen anderer zu den eigenen Feststellungen/Erkenntnissen/Ergebnissen. These und Antithese bilden das Rückgrat einer solchen wissenschaftlichen Arbeit. Bei allem, was bisher aus der Diss von Frau Schavan bekannt wurde, steht im Hintergrund, dass eine Meinungsbildung zum Thema nicht stattgefunden hat, weil die heutigen Rezensenten auf mehr als 60 Seiten Zitate gefunden haben, die den Eindruck erwecken, es handele sich um die wissenschaftliche Meinung der Autorin, was - wie sich jetzt ergab - nun leider nicht zutrifft. Mit "magna cum laude" wurde somit tasächlich nicht das Wissen von Frau Schavan bewertet, sondern vielmehr das der nichtzitierten Autoren. Hieraus wäre zu schlussfolgern, dass die Autorin nicht wissenschaftlich gearbeitet hat in der Auseinandersetzung mit ihrem Thema, sondern diverse Fremdmeinungen zu einem Konglomerat aneinandergereiht hat, ohne diese besonders zu kennzeichnen. Wenn sie fußnotenmäßig korrekte Anmerkungen gemacht hätte, wäre den damaligen Rezensenten doch sofort aufgefallen, dass hier im Wesentlichen Zitate aneinandergereiht wurden und damit der Anspruch auf eine wissenschaftliche Arbeit hätte abgesprochen werden müssen. Die Entstehungszeit ist eher von untergeordneter Bedeutung. Die wissenschaftliche Arbeit ist die gleiche geblieben.

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fhasdorf 17.10.2012, 23:14
196. jeder für sich

was zeigt uns das? keine steuern zahlen, lügen und betrügen und anwalt/politiker werden. zum glück gibt es menschen, die nicht so sind!

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rainer_daeschler 17.10.2012, 23:32
197.

Zitat von Cotti
Hier greift aber die Verjährung, ...
Ein Irrtum. Hier gibt es keine Verjährungsfristen. Bei Nachweis eines Plagiats wurde der Doktortitel nie rechtmäßig erteilt.

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ana.bolika 18.10.2012, 00:29
198. Professortitel weggenommen

Zitat von Rhönblick
Aus „Zeit online“: Anfang 2007 ging ein überparteilicher Aufschrei durchs Land. Die Bundesregierung hatte ein neues Passgesetz vorgelegt, das vorsah, es künftig nicht mehr im Ausweis zu vermerken, falls der Inhaber Doktor ist.
Wirtschaftsnobelpreisträger Prof. Dr. Reinhard Selten hat bei der letzten Europawahl die Liste Europa – Demokratie – Esperanto (EDE) angeführt. Unter Berufung auf das Wahlrecht wurde ihm untersagt sich auf dem Wahlzettel als Professor auszugeben. Bei anderen Professoren war das Wahlamt da nicht so kleinlich. Gleichberechtigung?

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al79 18.10.2012, 08:05
199. Mit zweierlei Maß gemessen

Mir sind da noch andere Ungleichheiten aufgefallen. Frau Schavan ist eine alte Dame, die nirgends aneckt. Herr Guttenberg ist ein junger Mann, der Reibung erzeugt hat. Frau Schavan steht ja unter einer Art Welpenschutz. Man nimmt Frau Schavan öffentlich auch so gut wie gar nicht wahr. Der Spiegel sagt, daß sei ein Indiz dafür, daß sie ihren Job still und professionell macht, während Herr Guttenberg sich nur produziert hat. Wozu braucht man eine Ministerin, die nicht wahrgenommen wird? In einem Ministerium sitzen genug hochqualifizierte, gut bezahlte Beamte die still und professionell einen guten Job machen. Es ist nicht Ministeraufgabe, den ganzen Tag Akten zu wälzen.
Und die nächste "Ungleichheit": Frau Schavan hat Pädagogik studiert. Wer da bescheisst hat doch echt den Schuss nicht gehört. Herr Guttenberg hat immerhin eine juristische Dissertation geschrieben, da steckt ein ganz anderer Anspruch hinter. Zumal er auch immerhin das erste Staatsexamen abgelegt hat, die Pädagogen kriegen ihre Abschlüsse ja nachgeworfen.

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