Forum: Leben und Lernen
Plagiatsvorwürfe gegen SPD-Familienministerin: Giffey will ihren Doktortitel mit Guta
Kay Nietfeld/ DPA

Franziska Giffey wehrt sich juristisch gegen Plagiatsvorwürfe. Die Argumentation ihres Anwalts geht nach SPIEGEL-Informationen so: Die Ministerin habe in ihrer Dissertation eine amerikanische Zitierweise befolgt.

Seite 22 von 28
Dr. W. Kurzawa 22.06.2019, 13:38
210. "Unterschiedliche Ziterweisen"? - eine reine Schutzbehauptung

Zitat von Leuchtturm
Spätestens wenn sich die Argumentation der Zitierweise als schlüssig herausstellt sollte man die Vorwürfe gegen Frau Giffeys im politischen. Raum fallen lassen, unabhängig davon wie die Kommission der Universität entscheidet. Wir wären sonst auf dem besten Weg, politische Hoffnungsträger wegen Lappalien zu demontieren.
Sie ist eine gute Politikerin. Aber auch für sie gelten bei Doktorarbeiten die wissenschaftlich unstrittigen Erfordernisse. Siehe Schawan, Guttenberg usw. Alles andere ist unakzeptabel und wäre eine Bevorzugung von Politikern gegenüber dem normal sterblichen, gewissenhaft arbeitenden Doktoranden. Das muss Frau G. akzeptieren und sollte, so leid es mir tut, ihren Hut nehmen!

Beitrag melden
Mentor 54 22.06.2019, 13:38
211.

Zitat von MisterD
Schön, dass Sie sich für den Blödsinn entschuldigen, den Sie da zitieren. Wollen Sie uns erzählen, dass Giffey, Guttenberg, Schavan, Koch-Mehrin durch ihre dilettantisch erstellten Doktorarbeiten ihre Expertise bewiesen haben? Wollte man WIRKLICH Expertise haben, dann müsste der Bundesfinanzminister ein promovierter Volkswirt sein. Der Bundesumweltminister ein promovierter Naturwissenschaftler, am besten Biologe oder Chemiker. Für den Verkehrsminister bräuchte man einen promovierten Verkehrsforscher und für das Amt des Bundesverteidigungsministers käme im Grunde nur ein Ex-General in Frage. Aktuell haben wir: Finanzen - Anwalt für Arbeitsrecht Umwelt - Germanistik/Politik Verkehr - Politik mit Nebenfach Soziologie und WiWi Verteidigung - Medizin Jens Spahn ist übrigens auch kein Arzt, sondern Politikwissenschaftler... Erzählen Sie mir bitte nicht, dass Fr. Giffey als (noch) Dr. rer. pol. in irgendeiner Weise für ihr Amt als Familienministerin besonders geeignet wäre... das ist Blödsinn... Da sitzen keine ausgewiesenen Experten, da sitzen Leute, die besonders gut und lange reden können. Die Experten sitzen dahinter. Deswegen sind die Minister ja auch beliebig austauschbar... Hanebüchen, was der Steinbrück da von sich gibt. Aber so kennt man ihn, er hält sich ja selbst für den größten Experten, der je geboren wurde...
Minister benötigen keine hochspezialisierte Fachexpertise (dafür haben sie ihre Referenten, den wissenschaftlichen Dienst des Bundestages oder auch externe Berater), da deren Aufgaben ganz andere sind, nämlich einen großen Verwaltungsapparat zu führen, Gesetzesinitiativen auf den Weg zu bringen, für deren Durchsetzung sie wiederum politische Mehrheiten organisieren müssen etc.

Das erfordert Führungsqualitäten wie Überzeugungskraft und Durchsetzungsvermögen, die nicht zwangläufig mit fachlicher Expertise korrelieren (in der Assemblée nationale sitzt sogar ein veritabler Fields-Medaillen-Träger, aber ich habe bisher nicht gehört, dass der in seiner Eigenschaft als Abgeordneter durch besondere Leistungen z.B. im Bildungswesen geglänzt habe). Ich würde daher gerne mal sehen, wie sich die Besserwisser, für die alle anderen unfähige Dilettanten sind, in dieser Rolle selbst behaupten würden.

Beitrag melden
kumi-ori 22.06.2019, 13:40
212.

Es wäre jetzt hier interessant zu erfahren, worin der Unterschied zwischen deutscher und amerikanische Zitierweise liegt und ob aus der amerikanischen Zitierweise und aus Frau Giffeys Arbeit gleichermaßen hervorgeht, was ihre eigenen Beiträge sind, und was Vorarbeiten anderer, auf die sie sich bezieht.

Dem Freiherrn von und zu Guttenberg wird ja nicht vorgeworfen, dass er ein Journal falsch abgekürzt oder den Vornamen der Autoren falsch wiedergegeben habe, sondern, dass er in betrügerischer Absicht die Arbeiten anderer als seine eigenen ausgegeben habe.

Wenn Frau Giffey zwar methodisch falsch, aber eben prinzipiell doch die Arbeiten anderer kenntlich gemacht haben sollte, dann wäre das zwar ein handwerklicher Fehler, aber kein Betrug. Dass dieser Fehler nicht erkannt worden ist, fällt dann auf die Korrigierenden zurück, denen das nicht aufgefallen ist oder die eine in Deutschland unzulässige Methode eingefordert haben.

Beitrag melden
Fuscipes 22.06.2019, 13:42
213.

Giffey hat eine amerikanische Zitierweise befolgt, sollte doch verhältnismäßig leicht zu prüfen sein.
https://www.mentorium.de/harvard-zitierweise/
So ein Dr. rer . pol. nicht nötig, aber für Europas Weg zum Bürger sollte auf jeden Fall seine Richtigkeit haben, ansonsten wird er schnell zum Stolperstein.

Beitrag melden
Hamberliner 22.06.2019, 13:44
214. Re: Überlasst Promotionsangelegenheiten den Universitäten!

Zitat von eule_neu
Es kann doch nicht angehen, dass irgendwelche Personen sich als Jäger von Doktortiteln in deren Arbeiten herumwühlen und sich als Retter der nach ihren Augen ordentlichen Promotion darstellen. Man wundert sich ob der herausgesuchten Personen, die anscheinend aus dem politischen - insbesondere regierungspolitischen - Feld herausgesucht werden. Da ist anscheinend ein politischer Eifer zu erkennen. Die Arbeiten dieser Gruppe von seltsamen Menschen, die sich bemühen, Fehler in den Promotionsarten zu finden, sollten und dürfen eigentlich nicht berücksichtigt werden, da sie nicht alle Arbeiten untersuchen, sondern eine seltsame Auswahl treffen. Hierdurch wird in das Leben betroffener Personen zu stark eingegriffen, da der Lebensweg zum Teil zerstört wird. Darum lasst diese Dinge den Universitäten samt den Doktorvätern, denn letztere werden auch beschädigt. Man misst dem Doktortitel zu viel Wert bei, darüber sollte einmal nachgedacht werden. Wer eine Universitätskarriere anstrebt, sollte und muss seinen Doktor machen. Politiker brauchen diese jedenfalls nicht. Vielleicht sollte man die Promotion generell abschaffen ...
Auch Universitäten sind der Gefahr ausgesetzt, dass sich mafiöse Strukturen entwickeln und verfestigen. Konkretes Beispiel: mein Doktorvater ritt immer sehr darauf herum, dass er aus Bayern stamme. Auf seinem Schreibtisch stand ein Porzellan-Löwe mit Bayernwappen auf der Brust, dem wir am Tag, als Franz-Josef Strauß gestorben war, ein schwarzes Schleifchen umbanden. Ein Kollege, ebenfalls aus Bayern, promovierte bei ihm und schleimte sich ein. Das ging soweit dass bei Veranstaltungen der Herr Professor dem Kollegen die Autoschlüssel seines Mercedes überliess, damit dieser das Auto parke. Irgendwann duzten sich die beiden. Der Kollege spann sein mafiöses Netzwerk weiter, und ein Busenfreund von ihm, der sich in meiner Firma als inkompetent, aber extrem geltungssüchtig hervor getan hatte, hat in besagtem Institut inzwischen eine Professur und nutzt das Büro des o.g. Doktorvaters, der inzwischen emeritiert ist.

Wenn sich in einem feuchtwarmen Klima eine dicke Schimmelpilzkultur entwickelt ist es nicht verkehrt, dass Externe einmal lüften, ausmisten und saubermachen.

Beitrag melden
Teddi 22.06.2019, 13:46
215. Hexenjagd

Ich finde diese ganze Hexenjagd erniedrigend und bescheuert. Man sollte festlegen, wer den Titel einmal bekommen hat, dem kann man ihm/r diesen auch nicht mehr nehmen. Es ist doch der Fehler der Instanzen, die die Doktorarbeit prüfen und beurteilen. Wenn die kein Plagiat erkannt haben, dann war es keins, oder sie haben schlampig geprüft. Aus diesem Grund allein sollte es dann nach einem "Rite" kein Zurück mehr geben. Aber seit man es in der Politik bei den Wahlen erlaubt, mit teils ungerechtfertigen geistigem Schlammwerfen den Gegner zu diskreditieren, und besonders auch nach Guttemberg sucht man praktisch intensiev, irgendwo eine Ungereimtheit aufzudecken. Echt Hexenjagerei. Wo ist unser einst so hoch geschätzter Anstand in der Öffentlichkeit geblieben? Es wird Zeit, dass man wieder im vernünftigen Maße in der Erziehung, in den Schulen, in öffentlichen Veranstaltungen etwas strenger und gesitteter wird, es fordert und fördert. Ich will doch z.B. gar nicht wissen, was so ein Kandidat im privaten Schlafzimmer veranstaltet... es sei denn es ist kriminell.

Beitrag melden
Thomas Schröter 22.06.2019, 13:47
216. Plagiatsdiskussionen anscheinend nur DE ?

Warum wohl diese Plagiatsdiskussionen nur eine Rolle in Deutschlands zu spielen scheinen und ob dahinter nicht womöglich ganze Netze mit mit besonderen Interessen stecken darf hier anscheinend nicht diskutiert werden.
Oder gibt es irgendeinen Gund weshalb diesbezüglich Kommentare gelöscht werden?

Beitrag melden
curiosus_ 22.06.2019, 13:48
217. Wozu?

Zitat von bert1966
Wo kann ich bitte die Klarnamen der beteiligten Vroniplag-Wissenschaftler nachlesen, damit ich mir selbst ein Bild über deren wissenschaftlicher Qualifikation und Reputation machen kann?
Es geht um den Nachweis von nicht gekennzeichneten Zitaten in der Arbeit. Da ist es völlig egal wer die gefunden hat, das darf der größte Versager sein. Oder fachfremd bis zum Umfallen.

Einfach deshalb, weil prinzipiell jeder nachprüfen kann ob das behauptete "nicht gekennzeichneten Zitat" wirklich eins ist. Einfach mit der zugeordneten Quelle vergleichen - fertig.

Dazu braucht es keinerlei "wissenschaftlicher Qualifikation und Reputation" - da reicht "sapere aude".

Autoritätsgläubigkeit ist spätestens seit der Aufklärung von vor 300 Jahren so was von gestern, allerdings leider immer noch weit verbreitet.

Beitrag melden
Ausdauersportler 22.06.2019, 13:50
218. Ignoranz "at it's best"

Zitat von rena_tellmann-porter
eine freiwillige private initiative mischt die graduierten auf. niemand stoppt sie, alle rennen ihnen nach und fühlen sich wohl dabei im nachgang sämtliche politiker öffentlich zu entwerten und zu diskreditieren.
Mein Güte, wissen Sie überhaupt welchem Zweck eine Promotion dient? Es ist ein oder der Befähigungsnachweis selbstständigen wissenschaftlichen Arbeitens für den akademischen Nachwuchs. Es soll gerade nachgewiesen werden, dass ein Mensch in der Lage ist ohne fremde Hilfe wissenschaftlichen Inhalt (Leistungen) selber zu erzeugen, einzuordnen, zu bewerten und zu analysieren. Wenn man es dann "technisch" nicht einmal hinbekommt, die eigenen Leistungen von den fremden (das ist der Teil, den man zitiert) abzugrenzen, dann scheitert man an der einfachsten aller Aufgaben.
Meiner Vermutung nach weist die nicht geringe Anzahl von Promotionen heute einen so geringen Eigenanteil auf, dass man die Trennung vorsätzlich oder fahrlässig nicht vornimmt. Oder man erziegt Machwerke von hunderten Seiten Länge, in denen der Eigenanteil schlicht verschwindet und auch vom Prüfer kauf wiederzufinden ist. In allen Fällen ist man als wissenschaftlicher Nachwuchs ungeeignet und einer Promotion nicht würdig. Und da kommen wir zum Kernproblem: Warum glauben gerade unsere Berufspolitiker, dass sie neben dem Nichterlernen eines Berufes quasi noch in Nebenbeschäftigung eine Promotion erlangen müssen? Früher gab es mal im universitären System "gescheiterte" Akadamiker, deren fachliche Fähigkeiten so hoch waren, dass diese ihr Auskommen mit dem Schreiben von Abschlussarbeiten und Promotionen sicherten. Heute können das Berufspolitiker per "copy & paste" auch schon selber...
Später beschneiden sie Grundrechte oder erfinden dann Maut-Systeme oder bauen Flufhäfen in Eigenregie - sie können es ja! Von allen Verfassungsorganen spiegeln die Parlamente durch ihre "Persönlichkeiten" die Unfähigkeit am deutlichsten wider. Mehr Betrüger brauchen wir nicht in diesem Land. Die haben bereits einen ganzen Industriezweig in ihrer Hand.

Beitrag melden
curiosus_ 22.06.2019, 13:58
219. Na ja,..

Zitat von Simmentaler
Also ich unterschreibe berufliche Dokumente sehr wohl mit Dr., ebenso wie meine promovierten Kollegen und überhaupt alle promovierten Humanmediziner, die ich kenne. Mir war nicht bekannt, dass es sich um "unnormale" Menschen handelt. Müssen wir jetzt in die Psychiatrie oder reicht eine Therapiegruppe?
..Humanmediziner und Dr. Wie lange dauert eine durchschnittliche Vollzeit-Promotion bei den Humanmedizinern? 1/2 Jahr? Eine Promotion in MINT-Fächern dauert in aller Regel 4 bis 5 Jahre.

Dass eine Promotion in der Medizin in aller Regel ein Witz ist dürfte allgemein klar sein. Zu Zeiten meiner Diplomarbeit (Dipl.-Phys.) hat die verpflichtend 1 Jahr Vollzeit gedauert. Und die Mediziner-Promotionen die mir in die Hände gekommen sind hätten vom Anspruch her in der Physik nicht mal zum Diplom gereicht. Wie ist bei Zeit Online zu lesen:

Das Ergebnis entspricht vom Umfang und Thema her meist einer - schmalen - Diplomarbeit in den Naturwissenschaften.

Oder hier, bei der Süddeutschen:

In Europa wird die durchschnittliche medizinische Promotion aus Deutschland als eine Art Diplomarbeit gesehen.

Dann mit "Dr." zu unterschreiben ist schon fast peinlich.

Beitrag melden
Seite 22 von 28
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!