Forum: Leben und Lernen
Plagiatsvorwürfe : Wissenschaftler stellen sich hinter Lammert
DPA

Norbert Lammert soll sich in seiner Doktorarbeit aus ihren Werken bedient haben - doch zwei Wissenschaftler stützen nun den Bundestagspräsidenten. In der "Süddeutschen Zeitung" werfen die Politologen vielmehr dem anonymen Plagiatejäger unseriöse Arbeit vor.

Seite 10 von 23
thron24 31.07.2013, 10:46
90. wenn ich hier so einige Forumsbeiträge

lese muss ich mich schon wundern.

Aber es ist mal wieder typisch, dass sich die Deutschen nicht über Betrüger aufregen, sondern lieber über denjenigen, der so was aufdeckt.

Das gipfelt dann doch tatsächlich noch in einigen Forumsbeiträgen in Verteidigungsversuchen des "von Guttenberg", der ja nun nicht mal eben einen formalen Fehler begangen hat, sondern systematisch betrogen hat.

Und da fragen einige, warum "Robert Schmidt" anonym bleiben möchte?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
mag-the-one 31.07.2013, 10:46
91. Dem ist...

Zitat von parresia
Natürlich darf es keine Verjährung geben. Das wäre ein Hohn allen seriösen Wissenschaftlern gegenüber. Man möge bedenken, dass das von Politikern verantwortete Arbeitsrecht in der Wissenschaft bedeutet, dass Massen seriös arbeitender Menschen sich unter katastrophalen finanziellen Bedingungen u existentieller Unsicherheit bis zur Selbstaufgabe als Wissenschaftler engagieren - bis sie in Harzt IV landen, als Sklaven der Universitäten, in denen sie umsonst weiterarbeiten dürfen. Dank dieser unseligen Politikerkaste muss man sich dann, zumal als Geisteswissenschaftler, noch seinen Dr. madig machen lassen. Wenn Lammert wie Jäger ein Buch mit falscher Titelei zitiert, hat er offensichtlich bei jenem Zitateklau (wie Schavan) betrieben. Ob in selbem Umfang wie jene, weiß ich nicht. Ich lasse schon seit 10 Jahren Proseminaristen dafür durchfallen - allerdings erfordert das eine akribische Korrektur, die einen Einsatz über die bezahlte Arbeitszeit hinaus erfordert. Noch bilde ich mit ein, Akademiker auszubilden, die Verlautbarungen aus Politik, WR, DFG u hiesigen Foristen lässt mir mein Berufsethos langsam lächerlich erscheinen.
nichts hinzuzufügen. Das sehe ich ganz genauso. Wer schreit, hat Unrecht. Und hier wird ziemlich viel rumgeschrien, wie ich finde. In einem Land, das sich beschämenderweise von der OECD bescheinigen lassen muß, daß der Bildungserfolg am jeweiligen Elternhaus hängt, sollte nicht auch noch denen der rote Teppich ausgerollt werden, die ihre Karriere durch Betrug und politische Seilschaften erreicht haben.
Erinnert man sich noch, wie viele Foristen empört zu Guttenberg und Schavan verteidigt haben? Ziemlich ruhig geworden an der Front.
Bleiben Sie Ihrem Berufsethos treu - es teilen mehr, als Sie denken.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
oemes 31.07.2013, 10:48
92.

Zitat von schaeff5
einige Mitmenschen scheinen politisches Engagement so zu verstehen, das man gezielt Leute fertig macht, weniger mit Fehlverhalten in deren Ämtern oder durch politische Diskussion, sondern durch fragwürdige Suchen nach irgendwelchen patzern in Doktorarbeiten. Ich wette , man kann auf diese Art die Hälfte aller Doktorarbeiten Deutschlands in Frage stellen. Keiner hat sich bisher die >Frage gestellt, was das für ein politischer Stil ist. War es ein Zufall, das just ein bekannter Jurprofessor, der mit Andrea Nahles in einem linken Arbeitskreis der SPD eng zusammenarbeitet, die Doktorarbeit des Herrn Guttenberg zerpflückte? Hm,es hat ih ja völlig überraswcht, was für eine Lawine er da losgetreten habe, kommentierte er damals. So ein Unschuldsengel.
Mit einem Doktortitel schmückt man sich lebenslang. Er öffnet einem Türen u.a. in der Politik. Macht es Ihnen nichts aus, wenn ein "falscher" Doktor seinen Titel unrechtmäßig trägt? Immerhin ist dieser Titel in unserer Gesellschaft keine Kleinigkeit und dann sollte er schon anständig erworben sein. Auch wegen den Menschen, die sich tatsächlich die Mühe machen und sich den Titel erwerben. Es ist ein Schlag in deren Gesichter. Wenn man nicht den Aufwand betreiben will oder kann, den es braucht, um den Titel zu erwerben, dann muss man halt darauf verzichten. Alles andere ist Hochsapelei. Und wer will Hochstabler als Politiker? Anscheinend gibt es da einige Leute, denen das nichts ausmacht und die meinen, ein erschwindelter Titel habe nichts mit der politischen Arbeit zu tun. Bei der Meinung könnte sich jeder sein Wunsch-Zeugniss kopieren oder in Prüfungen abschreiben. Allerdings: das Erschleichen einer Doktorwürde braucht einige Zeit und ist somit keine Handlung im Streß einer einmaligen Prüfungssituation, sondern bewußt ausgeführte Täuschung, an der monate- oder jahrelang gearbeitet wird und eigentlich Betrug.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Pinky & Brain 31.07.2013, 10:48
93.

Zitat von zuagroaster
Politiker aus dem Amt zu heben, mit an den Haaren herbeigezogenen Plagiatsvorwürfen, wird zum Volkssport. ...
Welcher Politiker wurde denn seines Amtes enthoben, nur weil er bei seiner Doktorarbeit betrogen und gelogen hat?
Bisher sind die alle von der politischen Bühne gegangen, weil keiner von denen den Allerwertesten in der Hose hatte und ganz einfach gesagt hat, dass er "damals" was falsch gemacht hat, wissentlich oder unwissentlich.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
f-rust 31.07.2013, 10:51
94. herr

es geht nicht um leib und leben, das geschützt werden müsste, notfalls eben anonym. anonymität für echte whistleblower - warum nicht? (herr swowden hat sie nicht in anspruch genommen). was herrn "schmidt" antreibt, kann man ja nur vermuten. andere foristen haben genügend mögliche gründe genannt (wahlhilfe, spießbürgermentalität ...) es ist höchste zeit, dass a) wissenschaftskonferenzen verbindlich beschließen, anonymen anwürfen und dreckschleudereien gar nicht mehr nachzugehen; b) eine deutliche unterscheidung zwischen arbeiten VOR und NACH computer/internet/etc.-zeiten zu machen. und auch die multimedien sollten sich überlegen, ob sie wirklich jeden dreck, den irgendwer hochschleudert, ins blatt/auf die webseiten heben müssen. wie wäre es, wenn sie ähnlcih aggressiv und speditiv die identität von herrn "schmidt" recherchieren und enthüllen würden, wie aus finanzamtskreisen (verbotener weise) die identität eines prominenten tatsächlichen/angeblichen steuer"sünders" aus dem fußball öffentlich gemacht wurde?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Trolli 31.07.2013, 10:52
95.

Ich habe vier Jahre an meiner Dissertation Doktorarbeit (in Chemie) vor 20 Jahren gearbeitet bei einem zwar gruseligen Doktorvater, der aber dennoch peinlich genau auf korrektes Zitieren und einwandfreies Verwenden von geistigem Eigentum geachtet hat. Mir wachsen Warzen, wenn sich Leute mit einem Doktortitel schmücken, den sie sich in Badeschlappen gleichsam nebenbei erschummelt haben; vielfach von faulen Professoren begutachtet, die solche oberflächlichen Arbeiten nicht mal gelesen haben. Die sollten sich schämen! Plagiatsjäger sind richtig und gut. Hätten doch die Doktoranden und ihre Doktorväter sowohl Mühe aufwenden und fremdes geistiges Eigentum als solches anzeigen können. Das ging auch, als es noch keine spezielle Such-Software gab. Doktortitel werden "verliehen", können also bei nachgewiesenem Fehlverhalten (vor, während und auch nach der Dissertation) auch wieder kassiert werden. Also, Verjährung geht gar nicht.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
rkjeld 31.07.2013, 10:55
96. Schonmal auf

Das ist ja ein schlechter Witz. Insgesamt konnte "Robert Schmidt" 10 Stellen aufweisen, an denen Lammert wahrscheinlich aus zweiter Hand gearbeitet hat. Er hat nie Text wortwörtlich übernommen, sondern lediglich Literaturangaben. Die hätte er selbst prüfen müssen, was er wohl in diesen Fällen nicht tat. Er hat also hier eine größere Arbeitsleistung vorgetäuscht, als er in echt erbrachte. Es bleibt aber anzumerken, dass dies a) umfangsmäßig nicht substantiell ist und b) Literaturverweise mit Titel und Seitenzahl kein geistiges Eigentum sind. Wenn im Fazit des Aufsatzes von Müller auf S. x-y eine These steht, dann steht sie da, der Verweis darauf ist nicht urheberrechtlich geschützt, sondern die Feststellung einer Tatsache. Stellen Sie sich mal vor, als Jurist müsste man jeden angeben, der einen bestimmten Paragraphen rezipiert hat. Das ist grotesk. Bibliographische Hinweise muss ich prüfen, die Literatur selbst sehen, aber ich darf sie übernehmen, denn die genannte Literatur gehört nicht demjenigen, der auf sie verweist. Ich komme ja gerade über andere Arbeiten an Angaben zur Forschungsgeschichte, wie auch sonst? Erst, wenn ich Wertungen bzw. Ansichten eines Autors übernehme, muss ich dies explizit kennzeichnen. Die Stellen bei Lammert fallen also in eine Grauzone, weil der Verdacht entsteht, dass er wenige Fundstellen zur Forschungsgeschichte nicht selbst prüfte. Das ist ein sachlicher Mangel, aber KEIN Plagiarismus, zumal sich die zeitnahe Hauptgrundlage der Ausführungen immer ausfindig machen lässt, man also sieht, wen Lammert benutzte. Angesichts der Anzahl der Stellen ist keine leitende Täuschungsabsicht zu erkennen.
Unser Plagiatsjäger hat ausgenscheinlich nie selbst in einem diskursiven Fach gearbeitet, sondern sucht rein technisch nach Übernahmen, und solche Grenzfälle werden sich hie und da in fast jeder Arbeit finden, denn kein Mensch ist perfekt, die Informationsmenge steigt ständig, und es kann auch einmal etwas auf der "Nachprüfen"-Liste duchrutschen. Es ist zudem ein Unterschied, ob dieses "Arbeiten aus zweiter Hand" wie bei Schavan dem Erstellen eines ganzen Textteils diente oder bei fünf von hunderten rezipierten Aufsätzen nicht den Grundlagen nachgegangen wurde.
Streicht den Doktor als Namensbestandteil und haltet der Wissenschaft kommafixierte, anonyme Kaputtmacher vom Hals!!!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
kufu 31.07.2013, 10:56
97.

Zitat von Ponce
Schavan war da schon anders. Die Arbeit war zwar auch nicht in Ordnung, aber bei der kann ich mir schon vorstellen, dass sie sich schlicht verzettelt und den Überblick verloren hat. Trotzdem war auch hier die Aberkennung richtig.
Nicht ganz. Wenn kein Betrug vorliegt, sondern nur eine schlechte Arbeit, ist es Sache der Gutachter, dies festzustellen und entsprechend zu bewerten. Die meisten Prüfungsordnungen sehen in so einem Fall vor, die Dissertation zur Überarbeitung zurückzugeben.

Zitat von
Bei Lammert aber sieht das alles etwas an den Haaren herbei gezerrt aus. Mal abwarten was die Prüfung ergibt.
Ja, es wird immer lächerlicher. In meiner Diss befindet sich in einem Zitat ein Zahlendreher - zum Glück bin ich weder Politiker noch in der CDU.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
pewehh 31.07.2013, 10:56
98. Merkwürdig

Es ist schon erstaunlich, was für ein Werteverständnis viele Foristen haben, die Lammerts schützen und den 'Schmidt' zum Denunzianten stempeln wollen.

Es geht hier (wahrscheinlich) um Betrug. Zwar einen, bei dem man nicht sofort Millionen absahnt oder Bundespräsident wird, aber einen, der langfristig und kontinuierlich Vorteile im Leben bringt. In Deutschland öffnet das DR. vorm Nachnahmen viele Türen, die sonst geschlossen blieben. Der erschwindelte Titel sorgt also unterm Strich für mehr Wohlstand und bessere soziale Stellung, was denen, die trotz großer Mühe ehrlich scheitern, verwehrt bleibt.

Natürlich, das Leben ist nie 100% gerecht, aber das kann kein Grund sein, den Tricksern und Fälschern das Terrain kampflos zu überlassen. Wir sollten den Schmidts, Mannings und Snowdons dieser Welt dankbar sein.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
palimpalü 31.07.2013, 10:56
99. Es muß sich jemand finden

Zitat von Plasmabruzzler
Nach den Regeln guter wissenschaftlicher Praxis sollte Hinweisen anonymer Plagiatjäger nicht nachgegangen werden, s. (...)
Der Vorschlag ist umstritten.
Ich finde, wenn sich irgendjemand hinter die Vorwürfe stellt, dann sind sie nicht mehr anonym. Es sollte klar sein, dass die Anonymität den Ankläger vor Machtmisbrauch und politisch konzertierten Aktionen schützen soll. Beim Fall Guttenberg haben z.B. Professoren dem jungen Akademiker geraten, sich mit Plagiatsvorwürfen zurückzuhalten, bis die eigene Autorität gefestigt ist.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 10 von 23