Forum: Leben und Lernen
Prämien an Hochschulen: Professoren im warmen Boni-Regen
Corbis

Voller Einsatz bringt Extrageld: An Hochschulen dürfen sich fast nur Professoren über Boni freuen, Höchstleistungen von Mitarbeitern werden kaum gewürdigt. Warum nicht?

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strixaluco 01.10.2014, 11:29
10. Bitte erst faire Arbeitsbedingungen für alle!

- dann kann man über ein Bonussystem nachdenken. Im Moment sind es auch nicht allzu viele Unis, die so etwas überhaupt machen. Die Mehrzahl der Mitarbeiter, außer Professuren, muss regelmäßig um ihre Existenz fürchten und kann von Boni irgendeiner Art noch nicht mal von Weitem träumen! - Zudem ist das Macht - und Hierarchiegefüge durch den Mix von Beamten und Zeitarbeitern an der Uni völlig ungeeignet, irgendwelche Prämien auch nur halbwegs fair zu verteilen. Wenn man so etwas abstimmen möchte, braucht man Stimmengleichheit wie bei einer vernünftigen Wahl, sonst befördert man nur noch mehr den Klüngel und die Intrigen, die ohnehin schon allerorten blühen.
Faire Arbeit für alle Wissenschaftler!
1. Grundgehalt, muss für den Lebensunterhalt reichen, unbefristet, aber kündbar, einfache Lehrverpflichtung und Dokumentation der Forschung, im Zweifelsfall per Blog
2. Zusatzgehaltsteile für Lehrveranstaltungen und spezielle Forschungsprojekte, allgemein befristet; Professur = fester Zusatzlehr/forschungsvertrag
3. Prämien für besondere Leistungen nach einem transparenten, demokratischen System
4. Es dürfen nach der Doktorarbeit nur so viele Leute eingestellt werden, wie auch bezahlt werden können
5. Bei Neubauten von Gebäuden müssen die langfristigen Unterhaltungskosten immer mit kalkuliert werden
6. Doktoranden sollten billigen Arbeitskräfte, sondern gute Wissenschaftler werden; besser weniger Leute besser ausbilden! Ein Einführungsjahr mit Selbstwahl des Themas und Diskussion mit mehreren potentiellen Betreuern könnte helfen; Doktoranden sollten _immer sozialversicherungspflichtig bei der Fakultät angestellt werden, Stipendien sind eine Katastrophe (keine Rentenversicherung, kein Anspruch auf Arbeitslosengeld, keine Arbeitnehmerrechte, gegebenenfalls Probleme mit der Kranken - und Unfallversicherung - um Himmels Willen Finger weg!)
- teure Geräte und Routinetätigkeiten in Technikzentren teilen! Wer immer nur vor dem Schriebtisch/Automaten X sitzt und sich blindwütig in die Datenproduktion stürzt, läuft ernsthaft Gefahr, den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr zu sehen und vom eigenen Thema keine Ahnung mehr zu haben!
...
Es gibt eine Menge Baustellen. Die Unis brauchen die Feuerwehr, keinen Maler, der die Fassade schön macht!

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DocM 01.10.2014, 12:10
11. Was soll dieser

Zitat von gandalf_der_bunte
ist ein völlig irreführender Titel, der offensichtlich Sozialneid schüren soll. Ich bin Professor an einer öffentlichen Hochschule. Wenn ich im Alleingang für meine Hochschule private Projektmittel von einer halben Mio. Euro einwerbe, die viel Arbeit nach sich ziehen und Mitarbeiterstellen finanzieren, erhalte ich als Anerkennung einmalig 5000 Euro (1%), bzw. 3000 Euro netto. Bei zwei Antragstellern halbieren sich die Beträge. Bei erfolgreichem Projektabschluss gibt es nichts, bei eingeworbenen öffentlichen Projektmitteln gibt es nichts - und anders als im Beitrag dargestellt sind Leistungs- und Funktionszulagen keineswegs "frei verhandelbar", sondern festgelegt.
Kann dem Kollegen nur zustimmen.

Reißerische und tendenziöse Überschrift, welche durch nichts inhaltlich belegt ist.
Die Höhen von Leistungs- und Funktionszulagen sind klar definiert - abgesehen davon, dass eine entsprechende Antragstellung aufgrund der angespannten finanziellen Haushaltslage ohnehin praktisch keine Aussicht auf Erfolg hat.
Ähnlich verhält es sich mit den "verhandelbaren" Berufungs- und Bleibezulagen - der Spielraum hier, falls überhaupt gegeben, ist sehr gering (im Vergleich zu den in der Industrie gegebenen Möglichkeiten).
Soviel zur Feststellung der Sachlage.

Also was soll dieser "Artikel"?? Bitte das nächste mal ordentlich informieren/recherchieren!!

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trolls99 01.10.2014, 12:34
12. Agitation

Der Artikel ist reine Agitation. Einige Fakten wurden hier im Forum schon richtig gestellt wie die Mehraufwandsentschädigung für Dekane (offenbar wenig reizvoll, denn trotzdem will es oftmals keiner machen) und der Umstand, dass die Professorenbesoldung mit der Umstellung auf die W-Besoldung deutlich gesenkt wurde, um leistungsbezogene Gehaltbestandteile zahlen zu können.
Was hier aber besonders wichtig ist: Bei Professoren gibt es im Gegensatz zu allen anderen Berufsgruppen keinen Altersaufstieg. Das einmal verhandelte Gehalt bleibt unabhängig vom Alter bis zur Pensionierung unverändert (außer Tarifsteigerung); die einzigen Möglichkeiten einer Gehaltsverbesserung sind Leistungszulagen oder Berufungszulagen. Ich will nicht für dieses System werben, aber es in keinem Fall vergleichbar mit Angestellten, die altersabhängige Gehaltssteigerungen haben (Stufen) und die befördert werden können.

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trolls99 01.10.2014, 13:03
13. Gender-Mainstreaming

Der Spiegel ist doch sonst so für Frauenförderung. Warum heißt es nicht: Professorinnen im warmen Boni-Regen?

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strixaluco 01.10.2014, 13:07
14. Liebe Professoren...

- Sie werden mit Bürokratie und allem Möglichen überhäuft, und im Vergleich mit Wirtschaftlenkern verdienen sie nicht besonders. Darüber kann man sich ärgern, aber: Bitte nehmen Sie zur Kenntnis, dass es der großen Masse der Menschen im System Uni wesentlich schlechter geht als Ihnen selbst! Da geht es nicht um den Vergleich mit irgendjemanden oder Extras, es geht um die nackte Existenz. Es geht um Angst und manchmal um Selbstausbeutung bis zum Äußersten. Unser Land kann es sich nicht leisten, seine besten Wissenschaftler so zu verheizen, dass sie entweder spätestens mit 50 vor die Tür gesetzt werden weil sie ausgebrannt sind oder irgendwann tot umfallen. Nein, das ist keine Theorie, sowas passiert auch ganz praktisch, und es ist unerträglich. Es gibt Menschen, deren Wissen unersetzlich ist, sie werden gebraucht, um es weiterzugeben, ganz egal ob die Forschungsergebnisse irgendwie medienwirksam und spektakulär sind. Menschlich stinkt diese Schweinerei so zum Himmel, das müsste man noch hinterm Mond riechen.
Wehren Sie sich endlich gegen den bürokratischen Irrsinn und den zerstörerischen Wettbewerbswahn! - Wettbewerb ist kein Wert für sich; er kann gut und motivierend sein, wenn es um _Extras_ geht und wenn er _fair_ ist, aber mit Klüngel und Intrigen und als Kampf ums blanke Existieren ist das eine Menschenschinderei, die in einem demokratischen Staat nichts zu suchen hat.
_Ihnen_, den Professoren, hört man vielleicht zu, Sie können etwas sagen, weil Sie nicht um ihren Job fürchten müssen, ich finde, Sie haben eine Verantwortung, das zu tun, für die vielen, hoffnungsvollen jungen Menschen, die man Ihnen anvertraut!
Bitte fangen Sie heute an, jetzt, nicht morgen, nicht übermorgen, es geht um das Leben von Menschen und es geht auch um die Integrität Ihres Berufsstandes!

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jetbundle 01.10.2014, 13:10
15.

Tja, in der akademischen Welt ist die Ausnutzung des Humankapitals optimiert, dass sich die Industrie die Finger dafür lecken würde:

Der "wissenschaftliche Nachwuchs", also die Postdocs und Doktoranden mit Ambition beutet sich schon allein für das Fernziel Professur, oder zumindest für die nächste Vertragsverlängerung selber aus.

Die Heerschaar an mittelmäßigen Doktoranden die aus verschiedensten Gründen promoviert will nur die zwei Buchstaben und weg. Da bringen auch Boni nichts.

Die Professoren kriegen dann, und nur dann, Boni wenn sie sich woanders bewerben und ein Angebot kriegen. Das nennt man "Bleibeverhandlungen". Bemessungsgrundlage ist in der Regel die Höhe der eingeworbenen Drittmittel, wobei auch da der Hebelsatz extrem hoch ist. Die meisten Profs die keine de-facto Consultingfirma als Lehrstuhl betreiben bleiben im Grundgehalt oder kriegen ein Trinkgeld für administrative Arbeiten.

Was richtig Geld bringt sind bei einigen wenigen Profs die Ausgründungen und Nebentätigkeiten. Da kann man dann auch nett Doktoranden und "wissenschaftlichen Nachwuchs" für einspannen, entweder direkt oder um die Arbeit an der Uni zu erledigen (Vorlesungen machen ist ja wichtig für den Lebenslauf...), und Räumlichkeiten und Geräte der Uni für nutzen.

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FerrisBueller 01.10.2014, 13:12
16. Von Boni profitiert eh nur der Staat

Boni werden voll auf das Gehalt angerechnet. Dadurch rutschen viele Empfänger in neue Steuerklassen und der Fiskus kassiert unter dem Strich den gesamten Bonus. Das ist mir schon öfters passiert: Der Bonus war eigentlich fast ein Netto-Gehalt aber nach dem das Finanzamt sich bedient hatte, reichte es so gerade noch für eine Tankfüllung. Von daher: Boni sind zwar bei normalen Arbeitnehmern eine nette Geste aber finanziell lohnt sich die Mehrarbeit für sie selten..

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jetbundle 01.10.2014, 13:18
17.

Zitat von trolls99
es in keinem Fall vergleichbar mit Angestellten, die altersabhängige Gehaltssteigerungen haben (Stufen) und die befördert werden können.
Naja, beim normalen Angestelleten in TV-L Entlohnung findet der Aufstieg auch nur in den ersten paar Jahren statt, verlangsamt sich und ist nach 15 Jahren vorbei. Da die Berufung auf W3 in der Regel mit Mitte 40 erfolgt macht das also finanziell keinen Unterschied (zumal eine W3 ja auch nicht viel mehr ist als eine E14 in hoher Stufe).

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Helene Ebalt 01.10.2014, 13:53
18. Um was geht es?

Professoren haben sich oft jahrelang abgestrampelt für ihre Stellen. Gehälter inklusive Boni liegen am Ende häufig unter dem Niveau von Gymnasialrektoren. Höhere Mitarbeiter in der freien Wirtschaft, die halbwegs Karriere gemacht haben, bekommen mehr. Da ist eher Mitleid oder wahlweise Spott angebracht statt Neid.

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TLR9 01.10.2014, 13:54
19.

SPON könnte mal einen Artikel über das Deutsche Handwerk schreiben. Das Arbeitsleben von denen kann viel interessanter als dieser Uni-Mief, bei dem Leistung von Dritten beurteilt wird, die von der Materie wenig Ahnung haben.

Bei den Personalanforderungen in Deutschland kann ein Studium schon Zeitverschwendung sein. Ein Großteil der deutschen Wissenschaft ist international eher zweit- bis viertklassig. Und wen interessiert es schon wie die Stuttgarter Kickers am Wochenende gespielt haben?

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