Forum: Leben und Lernen
Praktisches Jahr im Medizinstudium: "Nur der depperte Hakenhalter"
DPA

Im Praktischen Jahr sollen angehende Ärzte ihr Handwerkszeug lernen. Doch die Praxis ist häufig ernüchternd: Die Medizinstudenten werden nur als billige Arbeitskräfte ausgenutzt. Besonders schlimm ist es in Unikliniken und in der Chirurgie.

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victoria101 28.06.2015, 12:05
40. Deshalb habe ich mein Chirurgie-Tertial in Afrika gemacht...

Weil Sich in der Chirurgie bevorzugt Sexistische, faschistoide A... Tummeln. Laßt sie in gebückter, unbequemer Haltung 3Std. stehen, anstatt ihr einen Stuhl geben. Wenn Sie umfallen, dann bitte nach hinten. Haken und Maul halten. 32 Blutabnahmen in 45 Minuten. Unfähiger Idiot, wer das nicht schafft. Nähen? Nicht gerade jetzt, der OP- Plan ist voll. Ein andermal... Immer nur ein andermal. Nach 10 Std. haken halten ohne auch nur einen schluck Wasser zu bekommen bitte jetzt noch drei Aufnahmen.
Ich bin nicht blond und offenbar auch nicht der Typ, der Griffe an Hintern oder Busen provoziert hätte. Niemand hat je versucht, mich sexuell zu belästigen. Außerdem bin ich kein Leistungssportler (habe für die Abschaffung der Bundesjugendspiele unterschrieben) Deswegen bin ich in der Chirurgie nix geworden.
Coole Sache, Bezahlung im PJ? O Tempora o Mores!

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gatoalforno 28.06.2015, 12:08
41. Das ist das grundsätzliche Problem ...

... mit unserer Generation XY. Ein bisschen Arbeit mit viel Prestige, pünktlich Feierabend, möglichst wenig Bereitschaftsdienste aber bei ordentlicher Bezahlung versteht sich, und das bitteschön ohne Kritik.Wer ein guter Arzt werden will, für den hören die Patienten nicht 15:30 Uhr auf zu existieren. Man lernt und erweitert seine Fähigkeiten bis zum letzten Arbeitstag vor der Rente. Und natürlich fängt die operative Ausbildung im OP mit Haken halten an. Wer dazu kein Bock hat, kein Problem. Es warten genügend gut ausgebildete und vor allem hoch motivierte Absolventen aus Osteuropa und arabischen Ländern.

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gatoalforno 28.06.2015, 12:19
42. Ach Victoria ...

Zitat von victoria101
Weil Sich in der Chirurgie bevorzugt Sexistische, faschistoide A... Tummeln. Laßt sie in gebückter, unbequemer Haltung 3Std. stehen, anstatt ihr einen Stuhl geben. Wenn Sie umfallen, dann bitte nach hinten. Haken und Maul halten. 32 Blutabnahmen in 45 Minuten. Unfähiger Idiot, wer das nicht schafft. Nähen? Nicht gerade jetzt, der OP- Plan ist voll. Ein andermal... Immer nur ein andermal. Nach 10 Std. haken halten ohne auch nur einen schluck Wasser zu bekommen bitte jetzt noch drei Aufnahmen. Ich bin nicht blond und offenbar auch nicht der Typ, der Griffe an Hintern oder Busen provoziert hätte. Niemand hat je versucht, mich sexuell zu belästigen. Außerdem bin ich kein Leistungssportler (habe für die Abschaffung der Bundesjugendspiele unterschrieben) Deswegen bin ich in der Chirurgie nix geworden. Coole Sache, Bezahlung im PJ? O Tempora o Mores!
Mach Dir nichts draus. Chirurgie ist nichts für Frauen. Zumindest nicht für die, die auch Kinder und ein entspanntes Familienleben haben wollen. Überlasse die Chirurgie denjenigen, die auch mal 10 Stunden stehen können. Aber glaube mir, das ist nicht DIE Herausforderung an der Chirurgie. Verständlich dass keiner mehr Bock drauf hat. Glück für die Patienten, dass es doch noch Menschen gibt, die sich für eine Berufung quälen können.

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HarroVonLauerstein 28.06.2015, 12:24
43. Post Nr 4 susa_pilar

Finde ich ziemlich zynisch, dass sie das mit dem Blick in die Vergangenheit relativieren wollen.
Ich habe in keinem PJ-Tertial auch nur einen Cent bekommen und wurde teilweise dazu verpflichtet, noch am Wochenende ins KH zu kommen um Blut abzunehmen. Teilweise konnte man froh sein, Arbeitskleidung gestellt zu bekommen (Kollegen wurden mit "Hast du ne weiße Hose dabei?" begrüßt).

Ich glaube die meisten hätten auch kein Problem mit o.g. Arbeitsumständen, wenn man immerhin mal von den Ärzten die Gelegenheit bekommt, das zu machen, wofür das PJ da ist: lernen und sich auf die "allgemeine Arztreife" vorzubereiten. Da gibts nämlich auch so oft genug dumme Blicke in Seminaren oder dem Examen, wenn jemand keine Ahnung von Fachwissen hat, weil er den Tag über nur Blut abgenommen hat.

Und wenn hier schon immer ein Fass aufgemacht wird, wünsche ich den SpOn-Forenusern nicht, dass sie einen derartig unwissendenen Frischling dann als Stationsarzt haben.

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doedelheimer 28.06.2015, 12:33
44.

Zitat von vantast64
dem der Arzt einer anerkannten Herzklinik in DO, vermutlich ein Lehrling, die Brust mit einem Draht wieder zusammengenäht hatte. Leider derartig verpfuscht, daß ein Drahtende herausschaute.Wie's darinnen aussah, weiß ich nicht,bleibt mir unvergessen, auch nach 10 Jahren.
1) per definitionem ist ein Arzt kein "Lehrling"
2) Was Sie gesehen haben, sind Cerclagendrähte. Im Rahmen von Wundheilungsstörungen können die dann gerne einmal "Hallo" sagen - ja, es gibt klare Regeln, wie man die verdrllt, und wohin man das Ende biegt, aber Sie glauben gar nicht, was für ein Eigenleben so etwas entwickelt.
3) Also, nicht schön, sollte nicht passieren, aber KEIN PFUSCH!

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HarroVonLauerstein 28.06.2015, 12:36
45.

Zitat von spritze123
Allerdings war ich mir auch für unangenehme Tätigkeiten (z.B. Stundenlanges Abtragen an einem stinkenden gangränösesten Fuß) nicht zu schade und fragte auch nicht nach der Uhrzeit. Gerade letzter Punkt ist bei den heutigen PJ's endemisch. "Um 16.00 haben wir noch einen Notfall mit Magenblutung, können Sie den Patienten aufnehmen und alles vorbereiten?" - "Nein, um 15.30 hab ich ja Dienstschluss..." Die entsprechende Person sollte sich dann nicht wundern, dass sie über das Hakenhalten nicht hinauskommt.
Nun, da weiß ich jetzt nicht was Ursache und Wirkung ist.
Mir war auch klar, um was es in der Medizin geht bzw dass man keinen pünktlichen Feierabend verlangen kann (vielleiht war ich auch einfach in zu großen Häusern), aber es ist immer eine Frage der Gratifikation. Wenn man bereits mit "dein Name interessiert mich nicht" und "die Visite ist für dich egal, hauptsache das Blut ist abgenommen" begrüßt wird oder während der Arbeit tatsächlich dumm angemacht wird, dass man nicht Station, Ambulanz und OP gleichzeitig unterstützen kann, dann hatte ich auch den Sinn der Übung nicht verstanden.

Besonders wenn dann bspw Aufnahmen komplett ohne Supervision stattfinden, man den Arzt anrufen soll ("zur Kontrolle"), er wirklich nur

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polarwolf14 28.06.2015, 12:38
46. Frauenüberschuss

Man sieht wieder deutlich, warum Deutschland eine zu geringe Geburtenquote hat: Der Traumberuf Arzt wird hier von mehrheitlich Frauen wahrgenommen und nur einem Mann.
Das sind diejenigen, die zwar theoretisch gerne besser sein wollten als andere (die nun Jura studieren und spätestens nach dem ersten Examen scheitern), aber praktisch nicht viel können, auch mangels Lebenserfahrung (behütet aufgewachsen im Neubaugebiet, siehe Polizistinnen). Ich fordere eine Männerquote im Medizinstudium und eine Strafsteuer für Frauen, die Karriere wollen, aber keine Kinder.

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doedelheimer 28.06.2015, 12:41
47.

Zitat von Ingmar E.
Und die meisten PJler sind selbst später in einem Stationsärztekollektiv, was sich nicht dafür einsetzt eine Sekretärin dafür einzusetzen, oder gemeinsam zusammenlegt um die zu finanzieren.
Ich hoffe, daß meinen Sie nicht ernst -die Stationsärzte (übrigens hoffentlich KEIN Kollektiv - ich erlebe mich als Individuum!) sollen zusammenschmeißen, damit sie eine Hilfskraft bezahlen können, die die Befunde sortiert? NEE, anders wird ein Schuh' draus: In dem Moment, wo die Überstunden der Ärzte vollumfänglich vergütet werden müssen, wird jeder BWL-Controler-Sesselpupsfuzzi durchrechnen, daß es billiger ist, eine Stationssekretärin zu haben.
Im Ernst, ich habe meine Kollegen nicht verstanden, die sich als überqualifizierte Akademiker die Hälfte der Zeit mit Blödsinn beschäftigen (Blut kellnern, Antibiosen anhängen, Zettel sortieren). In der CH habe ich nur die Blutentnahmen gemacht, bei denen die Schwestern die Segel gestrichen haben, nie eine i.v.-Antibiose angehängt (und jede Menge Chemotherapien verordnet und abgezeichnet, aber auch die nicht angehängt), mir die Kreuzproben für ECs zeigen lassen, aber nicht selbst gemacht etc. p.p. - dafür habe ich während meiner FA-Weiterbildung gut viermal soviele Eingriffe gemacht wie der durchschnittliche Schlander, bis er zur FA-Prüfung zugelassen wird, und auch ansonsten eine hervorragende Ausbildung genossen. Leute, stimmt mit den Füßen ab!!!
Ach ja, zu denen, die meinen, ein Student im Praktischen Jahr wolle eine Leber transplantieren - das ist Quatsch, aber es motiviert die Studis ungemein, wenn man sich z.B. ein wenig Zeit läßt, und Ihnen bestimmte Dinge assistiert. Die wirklich guten haben bei mir u.a. Port-a-Caths, Thoraxdrains etc. assistiert bekommen...

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doedelheimer 28.06.2015, 12:43
48.

Zitat von dickebank
Und watt ist jetzt mit Lehramtsanwärtern und referendaren im bedarfsdeckenden Unterricht während des Vorbereitungsdienstes? Die sind im gegensatz zu den medizinern sogar schon examiniert. Bei Juristen und anderen Akademikern im staatlichen Vorbereitungsdienst sieht es auch nicht anders aus, man hat zwar ein erstes Staatsexamen, muss aber tätigkeiten absolvieren, die ansonsten andere berufsgruppen mit deutlich geringerer Besoldungsstufe erledigen. kanzlei- und Registraturarbeiten gehören auch nicht wirklich zu den Kernkompetenzen von Beamten des höheren Dienstes. Mit dem, was Lehramtskandidaten alles nicht in den Studienseminaren lernen, kann man ganze Schulsysteme an den rand des Zusammenbruches und darüber hinaus führen. Die Übertragung dieser aufgaben auf die schulen und die verlagerung von Inhalten aus dem gekürzten Referendariat ind ein Praxissemester, das von der uni betreut aber von den Schulen umgesetzt werden muss, macht die Sache auch lediglich billiger. Die Studenten im Praxissemester müssen im Gegensatz zu den Referendaren und Anwärtern nicht bezahlt werden.
Ahem, die Herren und Damen Referendare sind absolut lebensfremd, und kriegen ein GEhalt.
Die Humanmedizinstudenten haben schon 4 Monate unbezahlte Famulatur sowie zwei Monate Pflegepraktikum hinter sich, und haben Physikum, erstes und zweites Staatsexamen - klar, überhaupt nicht examiniert, deshalb schafft ja auch jeder Dubbel das Studium....

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doedelheimer 28.06.2015, 12:44
49.

Zitat von spon-40l-fehr
Und nein, nach täglich 9 Arbeitsstunden kann man sich nicht "noch was dazu verdienen"
Ja, für mich begann im PJ die Studentenarmut - davor v.a. an den WoEnden in der Pflege Stunden gekloppt, was das dann nicht mehr in dem Maße möglich - eine Riesenschweinerei!!! Ihnen viel GLück, eingedenk des alten Spruches: "Haken halten, Maul halten, durchhalten"! wünsche ich v.a. Letzteres.

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