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Pressekompass: Schluss mit Gedichten im Unterricht? Das sagen die Medien
DPA

Die Schülerin Naina hat via Twitter eine Debatte losgetreten: Ist es besser, in der Schule Mietrecht und Versicherungskunde zu lernen - oder Geschichte und Lyrik? Die Kommentare der Medien im Pressekompass.

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hrboedefeld 18.01.2015, 13:11
1. Meine Erfahrung

Ich wurde durch einen Lehrer, welcher mich viele Jahre begleitete, genötigt diverse altdeutsche Gedichte von Minnesängern des 15.Jhd zu lernen. In wie fern hat mir das geholfen? Klar, ein paar Klassiker sollte man in seiner Schulzeit schon durchnehmen, aber dann könnte durchaus die restliche Zeit sinnvoller genutzt werden. z.b. mit Grundlagen im Recht und Steuer...

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nick-the-greek 18.01.2015, 13:14
2. Ernst gemeint?

Sieht ganz so aus, als würde man die Kindererziehung auf die Lehrer abwälzen wollen...

Sind die Eltern nicht dafür da, die Kinder auf das Leben vorzubereiten... Naja.. warum nicht noch weniger Zeit mit euren Kids verbringen was ;)

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marcw 18.01.2015, 13:17
3.

Gedichtsgedöns ist unnütze, überflüssige Schöngeisterei. Wer will kann seine Freizeit damit verschwenden.

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justice005 18.01.2015, 13:19
4. Meine Güte

Ich frage mich wirklich, wie man selbst groß werden konnte. Als Jurist traue ich übrigens keinem Lehrer zu - nichts mal ansatzweise - den Schülern Mietrecht beizubringen. Dazu müsste man erstmal die Grundzüge des Vertragsrechts im Allgemeinen erlernen. Dafür brauchen Jurastudenten mal mindestens ein Semester BGB, um zu verstehen, warum mietrechtliche Regeln so sind, wie sie sind. Gleiches gilt für Steuern etc. Im Übrigen ist es nicht Aufgabe der Schule, den Jugendlichen alle etwaigen Alltagsprobleme zu erklären, sondern sie intellektuell darauf vorzubereiten, es selbst bei Bedarf hinzukriegen. Wer in der Lage ist, Texte zu verstehen, zu erfassen und zu interpretieren, wird später mit einem Mietrechtsratgeber auch hervorragend zurecht kommen. Wer Faust in der Schule liest, Schillers Glocke lernt oder andere Gedichte interpretiert, der ist auch später in der Lage, sich zu informieren und das dort Gelesene zu verstehen und anzuwenden. Wer Gedichtsinterpretationen schreiben kann, der kann auch später im Alltag Briefe formulieren und seinen Standpunkt schriftlich ausdrücken. Daher ist der klasschische Deutschunterricht eine gute Vorbereitung auf den Alltag. Der spätere Alltag ist viel zu vielschichtig, um alles in der Schule zu lernen. Deshalb kann man nur die geistigen Voraussetzungen schaffen, die es den Schülern später ermöglichen, sich den Rest selbst bei Bedarf anzueigenen.

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dertristan 18.01.2015, 13:19
5. Ja und nein

Ich finde zwar schon, dass Schüler ein Grundwissen über Steuererklärungen, Versicherungen etc. vermittelt werden sollte, aber ich bin nicht der Meinung, dass man deshalb weniger Lyrik machen sollte.

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langenscheidt 18.01.2015, 13:20
6. Als ich Schüler war...

... wollte ich nur eines: nichts lernen. Was ich zwischen Klassenstufe 8 und 10 in der Schule hatte, habe ich nie in meinem Leben anwenden müssen oder können. Zu Kaiserszeiten reichten sechs oder acht Klassen. Heute lernt man in den oberen Klassenstufen des Lernens wegen. Dies widerum ist eine gute Vorbereitung auf das Leben nach der Schule. Vieles was ich nicht will oder brauche, muss ich trotzdem machen, erdulden und haben. Die Orientierung auf wesentlichere Dinge des Alltages ist trotzdem eine richtige Richtung den Unterricht zu verändern. Letztendlich sollten wir uns nichts vormachen: 14-18-Jährige sind weitestgehend unfertige Personen, die wenig bis keine realistischen Vorstellungen von ihrem zukünftigen Alltag haben können.

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Meconopsis 18.01.2015, 13:20
7. Warum nicht beides ?

Wie wärs mit einer Jura-AG ? Oder Jura als Wahlfach in der Oberstufe. Da könnte man wirklich was draus machen. Deshalb muss man aber nicht aufhören, Gedichte zu lesen.

Der Begriff Versicherungskunde ist Blödsinn. Das ist niemals ein eigenständiges Fach, geschweige denn eine Wissenschaft. Da reicht es, den Schülern zu sagen, dass es ein paar essentielle Versicherungen gibt, und sie den Rest getrost vergessen können... dass sie immer mehrere Angebote einholen und sich unabhängig beraten lassen sollen. Die Essentials könnte man in 1-2 Unterrichtsstunden vermitteln. Und das würde reichen.

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Lanek 18.01.2015, 13:22
8.

Die gesunde Mischung machts. Man muss natürlich auch auf den höheren Schulformen beachten, dass sie eben auf >alle< möglichen Studiengänge vorbereiten müssen und somit den Schülern eben die Inhalte der allgemeinen Hochschulreife vermitteln müssen. Sonst stehen sie dann an den Hochschulen und komen eben da wieder nicht mit, egal welchen Studiengang sie beginnen.
Persönlich fand ich Gedichtsinterpretationen aber auch zu viel durchgekaut, auch wenn sich mir allgemein schon der Sinn erschließt, weshalb es behandelt wird.
Das sind dann aber reguläre Verbesserungsvorschläge für die Bildungspläne.

Es ist aber mit Sicherheit nicht verkehrt, diese rechtlichen Dinge besser abzudecken - wobei das bei mir auch gemacht wurde. Ich denke, dass es da regional und teilweise schon von Schule zu Schule starke Unterschiede gibt, teilweise auch in demselben Bundesland von Schulform zu Schulform (der zweite Bildungsweg hat viele Unterschiede zum ersten).

Klar ist: Die Schule ist nicht dafür da, um einem jeden kleinen Aspekt des Lebens beizubringen.
Das heißt aber auch nicht, dass man Dinge wie Miet- und Versicherungsrecht auslassen sollte. Die sollten in den entsprechenden Fächern behandelt werden (bei mir waren das "Wirtschaft & Recht" (genauen Namen weiß ich nicht mehr) und später "Volks- und Betriebswirtschaftslehre", wo das dann als Einschub vorkam).

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Paul Panda 18.01.2015, 13:23
9. Es wird schon

Wirtschaft, Wirtschaft, Wirtschaft: Ich kann es nicht mehr hören! Das Wissen darüber, wie man eine Wohnung mietet, einen Kredit beantragt oder sich gegen Abzocke von Versicherungen und anderen Institutionen wehrt, kommt ganz von selbst, wenn man erst einmal auf eigenen Füßen steht.

Die Schule sollte der Auseinandersetzung mit dem Wissen dienen, das keinen Bezug zum Alltag hat: Durch die Beschäftigung mit Gedichten, Literatur, Geschichte, Mathematik, Physik, Sprachen und Kunst wird das Gehirn nämlich so trainiert, dass man später dann auch selber und vor allem kritischer und analytischer denken kann und nicht auf religiöse Rattenfänger, Verblödungsfernsehen oder clevere Verkäufer an der Haustür herein fällt und den Verlockungen des Konsums besser widersteht. Das merkt man aber erst, wenn das Abi schon eine Weile zurückliegt und man sich im täglichen Leben bewähren muss. Also Naina: Nur Geduld. Es wird schon!

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