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Pressekompass: Schluss mit Gedichten im Unterricht? Das sagen die Medien
DPA

Die Schülerin Naina hat via Twitter eine Debatte losgetreten: Ist es besser, in der Schule Mietrecht und Versicherungskunde zu lernen - oder Geschichte und Lyrik? Die Kommentare der Medien im Pressekompass.

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hans00wurst 18.01.2015, 13:45
20.

In der Schule hatte ich Gedichte und Bücher, ich hatte Geschichte und die Büchverbrennung, dazu musste ich zeichnen, ich hatte Platon und Aristoteles. Und: Ich habe gejammert.

Heute schaff ich meine Steuererklärung trotzdem und Informationen zum Mietrecht bekomme ich auch. Vielleicht wäre es hilfreich, dieser Darstellerin ihrer selbst einmal mitzuteilen, dass ihr Gejammer zwar nachvollziehbar, ihr lautes Gejammer dagegen jämmerlich ist. Anstatt zu twittern, kann man sich ja auch beim örtlichen Mieterbund vorstellen und fragen, ob man sich Mal informieren kann. Lächerlich, dieses "in die Welt geseiere".

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HarroVonLauerstein 18.01.2015, 13:47
21.

Mal Hand aufs Herz: solche Gedanken hatten doch viele, bereits vor vielen Jahren (ich übrigens auch) und mit etwas Lebenserfahrung und zu Not Rücksprache bei Erfahreneren (oder dem Internet) klappt eigentlich alles.

Obs jetzt sinnvoll ist, Gedichte auswendig zu lernen, darüber lässt sich trefflich streiten. Dass man selbst auch in der Verantwortung ist, etwas übers Leben zu lernen und Verantwortung zu übernehmen anstelle nach der Schule nur in #yolo#swag#GMFB-Parallelwelten abzudriften steht nicht zur Debatte. Die Schule soll Rahmenbedingungen schaffen, als gleichberechtigter und gebildeter Bürger zu partizipieren und nicht jedem Menschen alles vorkauen.

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butzibart13 18.01.2015, 13:48
22. Ein Neuanfang mit Miete?

Gedichte aus dem Mittelalter zu lernen, ist Unfug. Man sollte trotzdem ein, zwei, drei Gedichte mal auf die Tagesordnung stellen, um den Geist und die Sprache der damaligen Zeit zu erfassen. Bei moderneren Gedichten in Neudeutsch kann man diese einer Analyse unterziehen, was der Poet damit ausdrücken wollte bzw. auf das Vermaß eingehen. Man muss es damit allerdings mit der Anzahl nicht übertreiben. Die Thematik Steuern, Versicherungen, Miete usw. wird in der Schule in der Regel angesprochen, so z. B. indirekte und direkte Steuern, Personen- und Sachversicherungen usw. Man sollte die Grundprinzipien dieser zum Alltag gehörenden Dinge durchgehen, jedoch ein Lernen von Zahlen, Paragrafen oder Studieren des Kleingedruckten (obwohl dies fürs Alltagsleben meist wichtig ist) vermeiden. Die Feinheiten holt man sich bei auftretenden Fällen dann aktuell aus den dazugehörigen Prospekten oder aus dem Internet.

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elizar 18.01.2015, 13:49
23. Schade

1. Ich finde es bedauerlich, dass soviele Medien der Meinung sind, dass Schule allein alles an Wissen vermitteln sollte. Damit wird den Schülern die Fähigkeit abgesprochen sich selbst etwas beizubringen. Und das im Zeitalter des Internets. Außerdem wird jegliche Verantwortung der Erziehung auf die Schule abgewälzt und Eltern mehr oder weniger der Freibrief fürs Nichtstun gegeben.

2. Na dann aber bitte richtig: Internate für alle Schüler und Eltern komplett aus der Erziehung raus. In den Ferien sollte vielleicht Kontakt da sein und das wars. Mehr Geld in die Bildung und das ganze durch erhöhte Steuern finanzieren. Schule von früh um 8:00 bis abends um 18:00 Uhr, sonst haben die Lehrer ja keine Chance jeden Mist den Schülern beizubringen. Mehr Extrafächer brauchen wir natürlich auch. Auch Studiengänge. Welcher Lehrer kennt sich schon im Steuerrecht, Mietrecht, Bankenwesen etc. auf einem Level aus, so dass er es sicher unterrichten kann. Natürlich brauchen wir dann auchb Fächer wie "Schnürsenkel zu binden, aufs Töpfchen gehen etc." Kann ja keiner erwarten, dass das die Eltern hinkriegen ihren Kindern beizubringen.

Also wenn ihr der Meinung seid, dass 2. wünschenswert ist, bitte sehr. Ich bin schon der Meinung, dass Eltern aber noch ein Mitspracherecht haben sollten. Und wo Rechte sind, da gibt es nunmal auch Pflichten. Erziehung und Wissenvermittlung sollten Eltern auch drauf haben. Die Schule ist mit Fachwissen ergänzend dabei. Oder eben keine Kinder kriegen, wenn es denn so schlimm ist.

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Zeitwesen 18.01.2015, 13:53
24. Als Schüler

Als Schüler war mir damals nur wichtig so schnell wie möglich mein Abi zu bekommen. Gedichtanalysen, Textinterpretationen, Mathematik waren mir ein Graus und ich lernte nur soviel wie möglich.
Das Wissen um Mietverträge wäre mir damals auch hintenrum vorbeigegangen und hätte mich kein bißchen interessiert.
Erst ein paar Jahre später habe ich mehr und mehr gemerkt wie sinnvoll das Wissen ist, dass ich damals lernte. Ich habe mich dann nur über mich selber geärgert, dass ich nicht intensiver gelernt habe.

Beim Mietvertrag habe ich allerdings nur ein paar Freunde gefragt und mich über die ortsüblichen Preise informiert, das muss man nun wirklich nicht auf der Schule lernen. Wenn ein Abiturient dafür zu doof ist, dann ist er seines Abiturs nicht würdig.

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angst+money 18.01.2015, 13:55
25. Textverständnis

Gedichte mögen ein Sonderfall sein, aber die Fähigkeit zu Textverständnis und -interpretation sind gerade bei vertraglichen Dingen wichtig. Die Schule soll einem beibringen, sich selber Wissen zu erarbeiten statt Vertragsklauseln auswendig zu lernen.

Wer solche grundlegenden Fähigkeiten besitzt, sollte sich schnell in jede Thematik einlesen können.

Ebenso wie Mathematik gut für die Fähigkeit zum abstrakten Denken ist.

Schüler und ein paar Hängengebliebene mögen für so etwas (noch) kein Verständnis haben, aber keine Angst: Die Erwachsenen sind nicht so doof wie ihr denkt.

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manontherocks 18.01.2015, 13:55
26. Nicht für's Leben, sondern für die Schule .... ?

Die Sache mit der "Gymnasiastin Naina" war eine gelungene PR Aktion gegen die höhere Bildung für die Allgemeinheit.

Ganz früher war es ein Privileg, eine Schulbildung genießen zu können.
und es ist noch nicht so lange her, dass der Besuch des Gymnasiums ein Privileg war.
Heute gibt's Gymnasium fast für jeden, wenn er oder sie es denn wirklich will, und das ist gut so!

Das "we don't need no education" der 80er will richtig verstanden sein. Ein Land wie Afghanistan wird auch noch in 100 Jahren nicht fortgeschrittener sein als heute, und zwar weil Bildung dort nichts zählt.

Deswegen sollten wir aber nicht unsere Bildungserrungenschaften auf den Müll werfen oder uns durch Fremdeinfluss dazu animieren lassen. Denken müssen wir schon selber.

Doof gebor'n wird keiner, doof wird man gemacht.
"Kompliment" dabei an Stefan Raab, der mithilft, uns doof zu machen und die Doofen dann auch noch als Lacher auf seiner Seite hat. Aber das sind wir selber schuld.

Wer in Paris Brötchen kaufen will auf Französisch, einen Pkw Führerschein machen und eine Wohnung und einen Lohnsteuerjahresausgleich machen will, muss deswegen nicht gleich das klassische oder humanistisch gymnasiale Bildungssystem umkrempeln - ausser, wer Böses dabei denkt.

Es gibt Bevölkerungsgruppen in unserer Gesellschaft, in der Bildung sehr geschätzt wird. Auch Zugezogene, vielleicht vor allem Zugezogene. Unterdessen hat sich Deutschland abgeschafft oder, siehe Raab und Nina, ist jedenfalls noch dabei.
Wir sollten uns vielleicht wirklich strenge Lehrer zurückwünschen um das Bildungsniveau wieder zu heben, für möglichst viele, alle, und nicht nur für Privilegien-Eliten.

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fusselsieb 18.01.2015, 13:56
27. Zu viel Spezialwissen

Die Schüler sollen auf das Leben vorbereitet werden, aber vor allem in die Lage gebracht werden, welchen Weg sie beschreiten wollen.

Dazu braucht man kein Spezialwissen (Mathe, Geschichte, Lyrik, ...). Da muß jeder Fachbereich mal runter vom hohen Roß.

Macht doch mal eine Umfrage unter 25-50 jährigen und fragt, was sie aus dem Schulstoff außerhalb deren Fachgebiete noch wissen. Das kann dann gelehrt werden, alles andere ist verschwendete Zeit.
Dann können auch die Schuljahre verkürzt werden und der Streß der Kinder nimmt ab und eventuell, bei entsprechender Methodik, der Spaß zu.

Mit der Begrenzung auf zwei Extremen geht die "Abstimmung" am Thema vorbei.

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syracusa 18.01.2015, 13:56
28. G10 statt G8

An der Schule soll man vor allem das Lernen lernen und sich die grundlegende Allgemeinbildung aneignen. Gedichte zu lernen, ist dabei ein bewährtes Mittel, das zudem mit den Wurzeln der eigenen Kultur vertraut macht.

Wie eine Kreditkarte funktioniert, kann man an der Schule sicher auch nebenbei vermitteln, muss sich aber klar darüber sein, dass dieses Wissen schon wieder veraltet ist, wenn die Kinder die Schule verlassen. Rilkes Gedicht vom Panther im Jardin des Plantes aber wird für immer aktuell bleiben. Ich bin stolz darauf, auch 40 Jahre nach meinem Abitur die erlernten Gedichte immer noch rezitieren zu können. Und das sage ich als Physiker, der darauf besteht, dass mehr MINT unterrichtet werden muss.

Wir brauchen G10 anstatt G8

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Ciobanul 18.01.2015, 13:59
29.

Wir wollen auf der einen Seite die Werte und Kultur des Abendlandes schützen und retten, aber wir wissen überhaupt nicht mehr was unsere Kultur überhaupt ausmacht?

Das klingt für mich nach doppelter Moral.

Es ist OK, ein Fach wie "Alltagskunde" wo man die ganz profanen Dinge lernt, auch grundlagen im Heimwerk und Kochen etc. sollten wenn schon dazu gehören, aber auf keinen Fall auf Kosten der "nutzlosen" Kultur. Denn all dies hat uns dazu gebracht wo wir heute sind. Die Kinder sollen irgendwann lernen weiter zu blicken und neue Lösungswege zu finden und nicht einfach nur funktionierende Arbeitsroboter sein.

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