Forum: Leben und Lernen
Pro & Contra Schulreform: Gleichmacherei oder große Chance?

Zwei Eltern bekennen Farbe im Hamburger Schulkampf: Andreas Homann und Ute Schürnpeck haben beide Kinder auf Gymnasien - und doch sehen sie den Schulumbau völlig unterschiedlich. Vor der Entscheidung am Sonntag gibt der Vater Pro, die Mutter Contra.

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christiewarwel 17.07.2010, 15:38
10. Ideologische Grabenkämpfe

Ich erinnere mich noch gut an meine Schulzeit in den 80ziger und 90ziger Jahren...

Gott Lob war die Grundschule nach 4 Jahren endlich vorbei. Vor allem die letzten 2 Jahre zeichneten sich durch Nichtstattfinden von Unterricht aus -wenn nicht gerade wieder die körperlich Starken die Schwächeren verprügelten, stand unsere Lehrerin -die autoritäre Erziehung hatten linke Ideologen gerade abgeschafft- auf dem Schulhof und bettelte ein paar Jungs an, doch bitte endlich wieder in den Klassenraum zu kommen -bei Schnee und Regen, Tag ein, Tag aus. Daß mich der Unterricht, der statt fand, sonderlich gefordert hätte, kann ich nicht behaupten. Schule, Hausaufgaben, Spielen. Auf dem Gymnasium dauerte es eine Weile, bis ich das Lernen noch dazu lernte.

Es folgte die Pubertät und mehr als ein Lehrer verließ unseren Klassenraum in Tränen. Bemerkenswertweise waren es aber gerade die älteren Lehrer, die noch in der Lage waren, in unserer Klasse geregelten Unterricht abzuhalten. Gut erinnere ich mich an unseren alten Lateinlehrer. Von ordentlich sitzen bis hin zum Auswendiglernen von Caesar bei vergessenen Hausaufgaben. Oder unseren Mathe-Lehrer. Alles (Eltern inklusive) stöhnte, als wir ihn bekamen -wegen zu hoher Ansprüche. So viel Leistung er abverlangte, er hatte immer ein offenes Ohr für alle Fragen. So gut wie bei ihm bin ich in Mather nie wieder geworden.

Wir müssen endlich erkennen, daß es nicht nur gute und schlechte Schüler gibt, sondern auch gute und (grotten-) schlechte Lehrer. Aus dem besten Schüler wird nichts, wenn der Lehrer nichts taugt. Und weder guten noch schlechten Schülern ist geholfen, wenn die schlechten das Tempo vorgeben.

Wenn das deutsche Bildungssystem besser werden soll, müssen wir endlich aufhören, bildungspolitische Grabenkämpfe um die Anzahl der Schuljahre und die Schulformen zu führen, sondern beim Unterricht selbst ansetzten. Nur gute Lehrer (und Professoren) produzieren gute Schüler (und Studenten). Wenn jeder Professor so wie später mein Tierphys-Prof. um 7.30Uhr den Saal mit einer optionalen Vorlesung voll bekommt, dann sind wir am Ziel.

Die eigentliche Frage ist also, was diese Leute und ihren Unterricht ausgemacht hat und wie wir unsere zukünftigen Lehrer auswählen und ausbilden. Der ganze Rest ist dann nur noch Kosmetik.

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stalky 17.07.2010, 15:49
11. adrh

Ich wage mal zu behaupten, dass sich eine 30 Jahre alte Studie zur Gesamtschule - bei geänderten Rahmenbedingungen des Schulsystems und verbesserten Forschungsmethoden - in Bezug auf die Verlängerung der Grundschule um 2 Jahre soviel Aussagekraft hat wie eine Mutter, die ideologisch über Ideologie, 50 Jahre alte Lehrmethoden und Machterhalt schwadroniert...

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kabian 17.07.2010, 15:55
12. Schluß mit dem Mittelalterlichen Schulsystem

Hauptschule = Die Unterschicht
Realschule = Nicht Definiert
Gymnasium = Die Oberschicht

Jeden Eltern ist bewußt, das ihre Kinder nur eine reelle Chance haben mit der bestmöglichen Schulbildung. Von Geburt an dumm, ist wohl kein Kind, wenn es nicht gerade mit einer geistigen Behinderung geboren wird.
Deswegen versuchen möglichst viele Eltern ihre Kinder zum Gymnasium zu schicken. Viele wissen aber nicht wie das geht.
Hier ein paar Vorschläge:
Kaffeekränzchen mit der Klassenlehrerin
Mit dem Schulamt sprechen
Nachhilfe für die nicht so cleveren
Sonst:
Internat oder Privatschule

In diesem Forum diskutieren vor allem Menschen mit einer guten Bildung. Menschen, die für ihre Kinder nur das Beste wollen. Ihnen den leichtesten Startplatz in unseren Ellenbogengesellschaft reservieren wollen.
Zum Glück sind die Entscheidungsträger keine Hauptschulabsolventen, so das der Erhalt der Gymnasien gewährleistet ist und bleibt.
Nur ein paar Spinner, Gerechtigkeitsfanatiker und Nestbeschmutzer fordern doch tatsächlich gleiche Bildung für alle Kinder. Pfui Deubel, neee.

Wenn es irgendwann einmal in Deutschland gelingt, jedem Kind die gleichen Bildungschancen zu geben, würde wenigstens ein Grundrecht verwirklicht.
Aber solange Feudalrecht, Vetternwirtschaft, Elitedenken und Vitamin B in diesem, unserem Staate Eingangsvoraussetzung für die spätere Karriere sind, wird das nicht geschehen.

Darum sollte sich auch niemand beschweren das nur noch 50%, 40% oder gar nur noch 30% wählen gehen.
Aber wie das Volk schon sagt:"Die Oberen 10000 machen doch was sie wollen."
Recht haben Sie.

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markolito1 17.07.2010, 16:00
13. Richtig

Zitat von christiewarwel
Ich erinnere mich noch gut an meine Schulzeit in den 80ziger und 90ziger Jahren... Gott Lob war die Grundschule nach 4 Jahren endlich vorbei. Vor allem die letzten 2 Jahre zeichneten sich durch Nichtstattfinden von Unterricht aus -wenn nicht gerade wieder die körperlich Starken die Schwächeren verprügelten, stand unsere Lehrerin -die autoritäre Erziehung hatten linke Ideologen gerade abgeschafft- auf dem Schulhof und bettelte ein paar Jungs an, doch bitte endlich wieder in den Klassenraum zu kommen -bei Schnee und Regen, Tag ein, Tag aus. Daß mich der Unterricht, der statt fand, sonderlich gefordert hätte, kann ich nicht behaupten. Schule, Hausaufgaben, Spielen. Auf dem Gymnasium dauerte es eine Weile, bis ich das Lernen noch dazu lernte. Es folgte die Pubertät und mehr als ein Lehrer verließ unseren Klassenraum in Tränen. Bemerkenswertweise waren es aber gerade die älteren Lehrer, die noch in der Lage waren, in unserer Klasse geregelten Unterricht abzuhalten. Gut erinnere ich mich an unseren alten Lateinlehrer. Von ordentlich sitzen bis hin zum Auswendiglernen von Caesar bei vergessenen Hausaufgaben. Oder unseren Mathe-Lehrer. Alles (Eltern inklusive) stöhnte, als wir ihn bekamen -wegen zu hoher Ansprüche. So viel Leistung er abverlangte, er hatte immer ein offenes Ohr für alle Fragen. So gut wie bei ihm bin ich in Mather nie wieder geworden. Wir müssen endlich erkennen, daß es nicht nur gute und schlechte Schüler gibt, sondern auch gute und (grotten-) schlechte Lehrer. Aus dem besten Schüler wird nichts, wenn der Lehrer nichts taugt. Und weder guten noch schlechten Schülern ist geholfen, wenn die schlechten das Tempo vorgeben. Wenn das deutsche Bildungssystem besser werden soll, müssen wir endlich aufhören, bildungspolitische Grabenkämpfe um die Anzahl der Schuljahre und die Schulformen zu führen, sondern beim Unterricht selbst ansetzten. Nur gute Lehrer (und Professoren) produzieren gute Schüler (und Studenten). Wenn jeder Professor so wie später mein Tierphys-Prof. um 7.30Uhr den Saal mit einer optionalen Vorlesung voll bekommt, dann sind wir am Ziel. Die eigentliche Frage ist also, was diese Leute und ihren Unterricht ausgemacht hat und wie wir unsere zukünftigen Lehrer auswählen und ausbilden. Der ganze Rest ist dann nur noch Kosmetik.
Es ist doch völlig Wurst ob 4 Jahre, 6 Jahre oder wie in der DDR 10 jahre. Wichtig ist doch nur, wenn man ein Konzept hat, das man dieses konsequent und gut umsetzt. Dabei aber auch die auf die Unterschiede achtet. Ich kann doch nicht ein bayrische Grundschule mit fast keinen Ausländern mit Grundschulen in Problemkiezen vergleichen, wo noch nicht mal 80% Deutsch sprechen. Hier bedarf es einem extra-system, wie sprachschulen. Des weitern sollten wir endlich aufhören mit diesem sogenannten Wettbewerb unter den Schulen. Die Eltern haben doch keine all zu grosse Wahl in welches System sie ihre Kinder stecken. Oder soll ich morgens mein Kind in den ICE stecken und nach München schicken, da dort das system gerade besser ist. Wir sind doch hier nicht beim Autokauf. Es geht um unsere Kinder und damit unsere Zukunft.

Diese Bildungskleinstaaterei geht mir tierisch auf den Senkel. 16 Länder = 16 systeme . Ich habe manchmal das Gefühl, wir befinden uns in Sachen Bildung im Mittelalter.

Ehrlich gesagt ich mache 5 Kreuze das ich zu DDR-Zeiten in der Schule war. Solch extreme Probleme gab es da nicht.

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dent42 17.07.2010, 16:04
14. re

Zitat von Pelayo
Ja, die Menschen sinf unterschiedlich. Vor allem haben die einen viel Geld und die anderen wenig, und erstere haben ein Interesse daran, dass das so bleibt. Da gibt es nichts besseres, als wenn man seinem Kind schon frühzeitig durch den Besuch des Gymnasiums den weiteren privilegierten lebensweg sichern kann, ohne das es groß mit Proleten oder Ausländerkindern zu tun hat. Nur darum geht es und sonst um garnichts. Das dreigliedrige Schulsystem ist genauso überholt wie der Zölibat, und es wird von seinen Anhängern geuaso vehement und gegen alle Vernunft verteidigt.
Richtig und Konkurrenz durch das Proletariat ist auch nicht erwünscht.

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Celestine 17.07.2010, 16:11
15. xy

Zitat von Geometretos
Die mit viel Geld schicken ihre Kinder NICHT auf ein staatliches Gymnasium sondern auf eine Privatschule. Mit der 6jährigen Grundschule wird Unterschichtkindern der Aufstieg erschwert: Das ist der Plan (der wie auch immergenannten Sozialdemokraten, damit sie ihre Wähler - die mit den "hohen" Abschlüssen aber wenig konkreten Kenntnissen - nicht verlieren.
Sie haben sich wohl nicht richtig informiert. Es ist die schwarz-grüne Koalition von Ole von Beust in Hamburg, die diese Reform durchführen will und nicht die Sozialdemokraten.

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hurgelwurg 17.07.2010, 16:19
16. Veränderung.

Zitat von christiewarwel
Gott Lob war die Grundschule nach 4 Jahren endlich vorbei.
Ich war nach 4 Jahren Grundschule auch froh das es zu ende war, nicht weil ich sie so schlimm fand wie sie, sondern weil es auch einfach genug war mit dem "kinderkram".
Die Themen die man behandeln konnte waren so gut wie ausgelutscht, dem Pausenhof mit den ganzen "Kindern" war man irgendwie schon entwachsen, und es wurde einfach Zeit einen kleinen Schritt in Richtung Erwachsenwerden zu machen.

Das Gymnasium war dann etwas weiter weg, man musste erstmals etwas weiter alleine fahren und man hat neben den Freunden die mit einem die Schule gewechselt haben endlich auch mal neue Leute kennengelernt.

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thorkai 17.07.2010, 16:21
17. PRO drei Schulen System

Zitat von Geometretos
Die mit viel Geld schicken ihre Kinder NICHT auf ein staatliches Gymnasium sondern auf eine Privatschule. Mit der 6jährigen Grundschule wird Unterschichtkindern der Aufstieg erschwert: Das ist der Plan (der wie auch immergenannten Sozialdemokraten, damit sie ihre Wähler - die mit den "hohen" Abschlüssen aber wenig konkreten Kenntnissen - nicht verlieren.
Ich bin zwar PRO drei Schulensystem aber wie kommst du darauf, dass das 6jährige Grundschulsystem Unterschichtskindern den Aufstieg erschwert? Total nicht richtig denke ich! Ich denke es wird gefördert. Durch das &
6Jahre Programm, haben Kinder noch die Chance ein guten Durchschnitt zu bekommen ohne direkt nach der 4ten Stunde abgeschoben zu werden. Was dazu führt, dass Immigranten Kinder noch eine Chance haben in den 2Jahren ein bestimmtes Sprachlevel zu erreichen.

lg

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sherpagurky 17.07.2010, 16:24
18. seltsame überschrift

Zitat von sowosammerneger
Hier, vielleicht hilft das:
Seltsame Überschrift für den Artikel, den Sie hier verlinken. Sagt er doch selbst im zweiten Absatz:

"Fend räumt zwar ein, dass die Gesamtschule die soziale Auslese durchaus reduzieren könne..."

Aha, also verhindert die Gesamtschule die soziale Auslese nicht, aber sie reduziert sie. Und darum geht es doch!

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kimba2010 17.07.2010, 16:25
19. ...

Ich wünsche den Gegnern der Reform morgen in Hamburg alles Gute.

Leider berührt die Diskussion viele wirkliche Probleme nicht.

So doktort man nur an den Symptomen herum, ohne die Ursachen zu sehen : Werteverfall, Leistungsunwilligkeit, gescheiterte Integrationspolitik.

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