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Pro und Contra: Sollten wir das Schwäbische retten?
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Baden-Württembergs Ministerpräsident Kretschmann will die schwäbischen Dialekte stärken, auch an Schulen. Im Jahr 2018. Muss das sein?

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grisubilly 08.12.2018, 14:29
1.

Die Contra-Argumentation überzeugt mich nicht, auch wenn der eine oder andere Punkt durchaus richtig ist.
Dialekte sind Teil unserer regionalen Kultur und dürfen gerne erhalten bleiben. Sollte jemand deshalb ausgegrenzt werden, weil er den Dialekt (oder auch das umgangssprachliche Hochdeutsch) nicht zu 100% einwandfrei spricht, dann ist das doch nur vorgeschoben...

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wo_st 08.12.2018, 14:29
2. Entweder Oder

Natürlich gibt es nicht nur ein Nebeneinander von Dialekt und Hochsprache, den das bedeutet vermengen. Ein Entweder Oder im Dialekt und der Hochsprache fördert die Hirnleistung mehr, denn wir sprechen ja auch kein English mit schwäbischem Worten unser Satzstellung. Isch does so reacht?

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Ruegen#1 08.12.2018, 14:33
3. Auch Sprache ist Heimat

Als Schwarzwälderin seit 4 Jahren im hohen Nordosten ansässig, habe ich meinen Dialekt wieder schätzen gelernt und trage ihn stolz! Jeder darf hören, wo ich herkomme, auch wenn man wohl als Exot betrachtet, aber durchaus wohlwollend und freundlich angenommen wurde. Hat auch Vorteile: ich gehe immer noch als Tourist durch!

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max.fi 08.12.2018, 14:37
4. Es mag ja durchaus

Dialekte geben die dem Ohr schmeicheln, das Schwäbische gehört aber ganz bestimmt nicht dazu.

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Nania 08.12.2018, 14:41
5.

Dialekte sind eine feine Sache, aber brauchen wir sie?
Spätestens, wenn das Kind dann wegzieht, von München nach Hamburg, von Hamburg nach Leipzig. von Leipzig nach Köln, dann ist es wohl relevanter, ob jemand gut Hochdeutsch spricht, Englisch und noch eine weitere Fremdsprache. Ja, der Dialekt vermittelt Heimatgefühl. Aber das heißt lange nicht, dass er auch etwas in der Schule verloren hat. Da wären andere Fächer sehr viel wichtiger und vor allem: nachhaltiger. Denn was hilft mir der Dialekt, wenn Mutter (aus Essen) und Vater (aus Koblenz) den sowieso nicht beherrschen?

Außerdem sind Dialekte auch immer schwer für Leute, die neu aus einer anderen Stadt, aus einem anderen Dialektgebiet, ziehen. Die verstehen dann nämlich die eigenen Nachbarn nicht mehr.
Als ich ausgezogen und circa 90 Kilometer von meinen Eltern weg meinen Wohnsitz genommen habe, konnte ich mit dem hießigen Dialekt nichts anfangen. In Gesprächen merkte man sofort, dass ich nicht aus der Gegend kam. Das machte die Arbeit mit Menschen, die hier aufgewachsen sind, extrem schwer.

Dazu kommt noch ein Aspekt, der bei den "Pro-Argumenten" zu unbedacht bleibt: Dialekte können sich schon innerhalb einiger weniger Kilometer ziemlich unterscheiden. Da spricht der eine Neuhausener Platt, der nächste Althausener Platt und beide verstehen sich kaum noch. Separation statt Zusammenhalt - das kann doch auch nicht das Ziel sein, oder?

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zila 08.12.2018, 14:44
6. Unverständlich

Vor ein paar Jahren habe ich mit meiner Lebenspartnerin im Stuttgarter Raum einen kurzen Bustransfer gehabt. Ich bin mit Hochdeutsch aufgewachsen, sie versteht Schwäbisch, spricht es aber nicht.
Eine Horde Schulkinder stieg zu. Ich hab mehrere Minuten zugehört und meine Partnerin dann gefragt, ob es denn so viele Griechen in dieser Gegend gibt, wenn alle griechisch reden. Ich wurde dann belehrt, dass sie "Schwäbisch y" reden, hui. Ich hab in der beschriebenen Situation diese Mundart tatsächlich nicht als Deutsch erkannt!
Ich hoffe doch, dass man diese Dialekte nicht noch fördert, das ist ja am Ende wie eine Behinderung gegenüber Leuten, die den Dialekt nicht verstehen, und ein Dialekt ist auch sicher intellektuell nicht mit einer Zweitsprache zu verwechseln.
Ähnliches ist mir sonst nur in Bayern und Österreich passiert, das ich rein gar nix verstehe. Jeweils ältere Männer vom Dorf, naja.

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chrismuc2011 08.12.2018, 14:45
7.

Ich bin für Dialekte. Definitiv, auch wenn sie teilweise von mir als schrecklich empfunden werden. Allerdings sollte jeder Dialektsprechende auch Hochdeutsch können. Bei einem Erwachsenen, der als Geschäftsmann schwäbelt, sächselt oder platt redet, ist das schon ein wenig peinlich.
Aber noch schlimmer ist ein Vorstandsvorsitzender einer Weltfirma, der kein Englisch kann ( Hr. Müller von Porsche).

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Sique 08.12.2018, 14:48
8. Angst vor Nähe

Ich möchte das zweite Argument gegen Dialekte als "Angst vor Nähe" bezeichnen. Wenn derselbe Dialekt Vertrauen durch Nähe suggeriert und deswegen für Betrugsmaschen missbraucht werden kann, muss man mit gleichem Argument Enkel und Neffen verbieten. Denn auch der Enkel- bzw. Neffentrick beruht darauf, Vertrauen zu erschleichen, indem man Nähe suggeriert.
Das erste Argument dagegen ist "Angst vor nicht erreichbarer Nähe". Ja, es gibt Menschen, die werden nicht die gleiche dialektale Gewandheit erreichen wie andere. Aber sind deswegen Dialekte schlecht? Es gibt auch Menschen, die nicht tanzen können, aber kein Mensch würde das als Argument für ein Tanzverbot akzeptieren, obwohl diese Menschen nie die jeweils regionalen Volkstänze beherrschen werden.
Normdeutsch ist sprachlich ärmer als die Summe aller Dialekte, weil es all die lokalen Details ignoriert. Es ist nur der kleinste gemeinsame Nenner. Gefördert wurde Normdeutsch vor allem von der preußischen Schulverwaltung, die Dialekte grundsätzlich als minderwertig einstufte, weil sie der Vereinheitlichung des preußischen Staates entgegenstanden. Und genau so fühlt sich Normdeutsch an: Streng, pedantisch, intolerant gegenüber jeglicher Abweichung.

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isar56 08.12.2018, 14:52
9. Auch wenn ich

unseren Dialekt (im bayerischen Schwaben) nicht gerade als Ohrenschmaus wahrnehme spreche ich ihn. Ganz einfach weil ich damit aufgewachsen bin. Eine Abitureins in Deutsch war trotzdem kein Problem. Über einen schwäbelnden Türken oder den oberbayerischen Dialekt eines Tschechen wunderte ich mich nie, Frau Klovert. Warum auch? Seltsam Ihre verkrampfte Sicht auf Sprache. Dialekte sind herrlich und machen Spaß. Meine Kollegin aus dem Pott lacht sich schlapp über Semmele, Würschtle oder s Chrischtkindle. Nu tun se ma nich knöttern.

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