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Pro und Contra: Sollten wir das Schwäbische retten?
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Baden-Württembergs Ministerpräsident Kretschmann will die schwäbischen Dialekte stärken, auch an Schulen. Im Jahr 2018. Muss das sein?

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rw54993 08.12.2018, 14:54
10. Pflicht und Kür

Wie auch bei Fremdsprachen ist das Beherrschen eines Dialekts die Kür. Die Pflichtübung aber bleibt, das Standarddeutsche "in Wort und Schrift" sicher zu beherrschen.

Seit langem, nämlich seit ca. 15 Jahren, berichtet die Presse über die "Rechtschraipkaterstrofe". Die Schuldigen sind bekannt: Kinder lesen weniger, weil ihre Freizeit von Bespaßungselektronik absorbiert wird; Rechtschreibung wird in der Schule kaum noch bewertet; die Grundschulen lehren das Schreiben nach neuen Methoden, bei denen mittlerweile erwiesen ist, dass sie nicht funktionieren.

DIe Schlussfolgerung ist klar: Solange unsere Grundschüler am Ende der vierten Klasse weder einen kurzen Zeitungsartikel flüssig und sinnverstehend lesen noch einen einfachen Satz fehlerfrei zu Papier bringen können, brauchen wir über die Rettung des Schwäbischen (Sächsichen, Bayerischen, ...) gar nicht nachzudenken. Die Prioritäten liegen eindeutig woanders; derb ausgedrückt: Die K***e ist am Dampfen.

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pdqbach2005 08.12.2018, 14:54
11. Ich möchte gerne beides

Ich bin zum Studieren vor dreißig Jahren von Niedersachsen nach Baden-Württemberg gegangen, bin auch im Süden Deutschlands geblieben und habe es gelernt, auch krassere Dialekte zu verstehen. Am Anfang habe ich Dialekt gleichgesetzt mit einem niedrigeren intellektuellen Niveau, bei mir im norddeutschen Dorf sprachen die Bauern platt und der Pastor hochdeutsch. Der Übergang von Helmut Schmidt zu Helmut Kohl hat dieses Fehlurteil massiv befördert, inzwischen finde ich, dass es egal ist, in welcher Sprache man etwas sagt, der Inhalt ist wichtig. Ich finde es immer lustig, wenn ein CSU-Politiker bei Migranten die Kenntnis der deutschen Sprache einfordert.
Langer Rede kurzer Sinn: Ich würde mir wünschen, dass auch die Kinder in Baden-Württemberg in der klassischen deutschen Bühnensprache unterrichtet werden, den Dialekt kann man daneben gerne fördern.

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jo125 08.12.2018, 14:58
12. Wo ist das Problem?

Als Ur-Hamburger habe ich sicher einen Zungenschlag, der mich klar als Norddeutschen ausweist. Ich kann sogar Plattdeutsch. Geschäftlich komme ich viel herum, und höre auch dort Lokal-Kolorit. Völlig ok - solange wir bei Geschäftsgesprächen wieder hochdeutsch reden. Im Übrigen hatte ich auch zu meiner Zeit in GB erfahren dürfen, dass es dort nicht nur unterschiedliche Dialekte, sondern auch unterschiedliche Sprachmuster gibt. Bis man einen echten Schotten oder Waliser versteht, muss man sich doch schon sehr über das Schul- oder Oxford-Englisch hinausbegeben. Ist aber eigentlich kein Problem. Und klar, manche Dialekte sind angenehmer (Bayrisch) als andere (Sächsisch). Aber das ist wohl auch Geschmackssache.

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njotha 08.12.2018, 15:00
13. Dialekte und Sprachen

Jede Mundart, jeder Dialekt, jede historisch oder aktuell zu und gekommene Sprache, egal ob Schwäbisch, Bayrisch, Sächsisch, Sorbisch, Friesisch, Niederdeutsch mit seinen Dialekten oder die Erbschaften aus neu hinzukommenden Sprachen - sie alle sind wertvoll und bereichern und entwickeln das sogenannte Hochdeutsche - also der im Raum Hannover/Braunschweig gesprochene und zur Norm erhobene Dialekt. was wären Rheinland oder Brandenburg ohne ihre Dialekte und wie schade ist der inzwischen fast vollständige Verlust des Berlinerischen! Wer kann denn heute noch mit Atze oder Keule etwas anfangen oder kennt den Unterschied zwischen Kind und Kegel? Die Zeiten, in denen Freiburger und Emmendinger sich an Sprachnuancen erkennen konnten, sind vorbei - schade.
Jeder Verlust an Vielfalt ist Verarmung, egal ob bei Pflanzen und Tieren oder bei Kulturen und Sprachen.

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Duffy73 08.12.2018, 15:03
14.

Sprache entwickelt sich weiter. Das hat sie immer getan und wird sie immer tun. Bisher musste niemand eingreifen...warum jetzt? Weil wir meinen, es besser zu wissen?

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hrboedefeld 08.12.2018, 15:03
15. contra

leider suggeriert gerade das schwäbische, mehr noch als andere Dialekte, eine geringe Bildung.
Sicherlich ist es nett etwas Dialekt einfließen zu lassen und bis zu einem gewissen Grad (bsp. bei Christoph Sonntag) auch sehr freundlich. Aber ich würde mir an Herrn Kretschmanns Stelle eher Sorgen machen um die, welche sich schwer tun mit Hochdeutsch, weil sie nur Dialekt sprechen und dort garnicht raus kommen.
Das verschlechtert die Bewerbungschancen nämlich erheblich...

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dolfi 08.12.2018, 15:03
16. Ich möchte gerne den Dialekt-Hassern...

Teile meiner Hand entgegen halten. Wenn ihr nicht verstehen wollt, dann bleibt bei euch in Berlin, Hamburg oder sonstwo. So a Gschmois brauch mer då net.

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jo125 08.12.2018, 15:04
17. Kann ich nur zustimmen

Zitat von chrismuc2011
Aber noch schlimmer ist ein Vorstandsvorsitzender einer Weltfirma, der kein Englisch kann ( Hr. Müller von Porsche).
Erlebe ich geschäftlich nicht selten, selbst in einen Konzern wie Airbus. Wenn da die tollen Helden aus Toulouse nach Hamburg kommen - oha. Aber auch sonst, im mittleren Management - da frage ich mich nicht selten, wie die auf ihre Posten gekommen sind. Kennen wohl jemanden, der jemanden kennt...

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Teile1977 08.12.2018, 15:06
18. Schwäbisch

Ich liebe mein Schwäbisch, weil es mir einen deutlich größeren Wortschatz bietet als nur das Hochdeutsche. Diese feinen Nuancen erlauben es mir mich mit Gleichsprachigen deutlich besser zu verständigen. So haben wir auch einen unglaublichen Schatz an Schimpfwörtern, für jeden findet sich da das passende. Selbst der "Dackel" wird noch in Halbdackel und Grasdackel unterteilt, beim Deckel hingegen hängt es von der Betonung ab.

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jo125 08.12.2018, 15:08
19. Stimmt!

Zitat von isar56
Über einen schwäbelnden Türken oder den oberbayerischen Dialekt eines Tschechen wunderte ich mich nie, Frau Klovert. Warum auch?
Und Yared Dibaba, der nun wirklich nicht urdeutsch aussieht und aus Äthiopien stammt, spricht ein deutlich besseres Plattdeutsch als ich - als Ur-Hamburger. Passt!

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