Forum: Leben und Lernen
Promotion bei Medizinern: Herr Doktor Schmalspur
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Acht von zehn künftigen Ärzten schreiben eine Doktorarbeit, oft neben dem Studium, oft binnen weniger Monate. Was ist so ein Titel eigentlich wert? Jetzt befeuern Vorwürfe gegen einen Schweizer SVP-Politiker und Professor die Debatte: Er soll mehrere Arbeiten durchgewinkt haben.

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gullliver 05.04.2013, 12:23
1. Nichts was einen verwundert ...

... Dr. med. geht manchmal schon in 4 Wochen - vom Umfang her eine Facharbeit der gymnasialen Oberstufe - vom Niveau her etwas darunter. Selbst gesehen ...

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eisbaerchen 05.04.2013, 12:26
2. Stimmt alles,

Zitat von sysop
Acht von zehn künftigen Ärzten schreiben eine Doktorarbeit, oft neben dem Studium, oft binnen weniger Monate. Was ist so ein Titel eigentlich wert? Jetzt befeuern Vorwürfe gegen einen Schweizer SVP-Politiker und Professor die Debatte: Er soll mehrere Arbeiten durchgewinkt haben.
aber das weiss inzwischen doch auch jeder...also so what??

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Knallerbsin 05.04.2013, 12:26
3.

Dass medizinische Promotionen häufig nicht das Papier wert sind auf dem sie geschrieben stehen, ist doch seit Jahren bekannt. Man fragt drei Schwangere, wie sich sich gefühlt haben und schreibt dazu ein paar Seiten.

Natürlich ist das ungerecht gegenüber den Promovierenden anderer Fachrichtungen und allen Medizinern, die eine Arbeit mit wissenschaftlichem Anspruch schreiben. Nur ändern wird sich nichts, das Leben ist kein bunter Teller!

Und ganz ehrlich: wenn man es mir so einfach machen würde, hätte ich bei der Promotion auch nicht "nein" gesagt.

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Ratzbär 05.04.2013, 12:35
4. Grammatik

Zitat von
Er soll mehrere Arbeiten durchgewinkt haben."
Ich möchte ja wirklich nicht motzen, aber heißt es nicht korrekt: "durchgewunken"?

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matthias_b. 05.04.2013, 12:39
5. In gewissem Maße ausgleichend

Der Dr. med. ist sehr einfach zu bekommen. Andererseits dauert das Studium auch viel länger und ist schwierig. Im Endeffekt dauert der Weg zum Dr. bei Medizinern genauso lang wie in anderen Fächern, von daher sehe ich durchaus ein, dass die Arbeit dort einfacher sein kann. Solange Sie vernünftig ist, irgendwas sollte schon dabei herumkommen.

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Boracaytaucher 05.04.2013, 12:40
6. Dünner Bretter

Ich habe vor 12 und vor 14 Jahren je eine allgemeinmedizinische und zahnmedizinische Promotionsarbeit mit der Bitte um Korrekturlesen bekommen, habe selbst einen naturwissenschaftlichen, aber keinen direkt medizinisch geprägten Studienhintergrund. Die Fachinhalte beider Dissertationen empfand ich als sehr dünn gesägte Bretter, aber sie wurden angenommen, ihre Autoren sind seitdem Dr. med und Dr. med dent.

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DerekOtt 05.04.2013, 12:45
7. Fehler im System

Unter Medizinern ist es sehr wohl bekannt, daß viele Doktorarbeiten eher durchschnittliche Massenware ist. Wie schon im Artikel erwähnt, ist die Bandbreite enorm und ich kenne erstklassige Arbeiten, die neue Methoden in der Genetik etabliert haben - und Schmalspurdissertationen, in denen die Häufigkeit von Hubschraubereinsätzen in den letzten zehn Jahren im entsprechenden Bundesland statistisch erfaßt wurden. Meine eigene Promotion ist vermutlich Mittelfeld und hätte mir in Biologie vielleicht ein Diplom eingebracht.
Die Entscheidung für die Doktorarbeit ist bei Medizinern auch häufig keine bewußte für die Wissenschaft, sondern "man macht das halt so, weil's dazu gehört." Man hat ja auch, im Gegensatz zu anderen Fächern, mit einem Dr. med. keine Wettbewerbsvorteile - allerhöchstens Nachteile, wenn man nicht promoviert ist (meine Oma: "Aber Junge - ein Arzt ohne Doktor, das ist doch gar kein richtiger Arzt!").
Und der Ehrgeiz, eine fundierte saubere und anspruchsvolle Arbeit anzufertige, ist institutionell nicht vorgesehen und wird nicht unterstützt. Es gibt meines Wissens keine Doktorandenprogramme in nennenswerter Zahl, die einem die Möglichkeit verschaffen, drei Jahre exklusiv an einem Thema zu arbeiten. Man erntet nur Achselzucken, daß man doch die Möglichkeit hat, das Ganze nach Feierabend (was meist nach 19 Uhr bedeutet) und am Wochenende zu machen. Außerdem nimmt die Facharztausbildung nach dem Studium ja auch wieder fünf bis sechs Jahre in Anspruch.
Das bedeutet nicht, daß es in irgendeiner Art und Weise richtig ist, wie es läuft - aber es ist aus diversen Gründen in dieser Art gewachsen.

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spon-facebook-10000056703 05.04.2013, 12:47
8. optional

Bin selber Student der Biologie und schreibe meine Bachelorarbeit in einer klinischen Forschungsgruppe. Da kommt man natürlich auch mit den anderen Studenten (meist Medizinstudenten) ins Gespräch und was ich da höre lässt mich innerlich weinen.
Da werden schon einmal die gesamten Verbandskästen im Krankenhaus dahingehend analysiert, welche Verletzungen am Häufigsten auftreten. Ein paar schöne Diagramme mit Excel gezaubert, etwas blabla drumherum und fertig ist der Dr.med.
Ich habe schon Protokolle über Praktika gesehen, die umfangreicher (und wissenschaftlicher) waren als so manche Dissertation von Ärzten. Naja, mittlerweile ist es ja recht bekannt, dass Ärzte ihren Dr. quasi "hinterhergeschmissen" bekommen (Zitat einer Medizinstudentin). Aufregen bringt da auch nichts, v.a. weil die wenigsten Ärzte mit solchen Dissertationen in der Forschung landen, wo es auf korrekte wissenschaftliche Paper ankommt. Sollen sie ihren Dr.med. pro forma tragen und mit Stolz geschwellter Brust herumwandern, Wissenschaftler in der Forschung (und Gott sei Dank auch viele Mediziner) können darüber nur lachen.

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M.Müller 05.04.2013, 12:48
9. Rechtschreibung

So langsam frage ich mich, ob es denn die SPON Redaktion noch Probe liest. Es heißt nicht "durchgewinkt". Auch in anderen Artikeln finde ich immer wieder haarsträubende Formulierungen und Fehler.

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