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Promotion bei Medizinern: Herr Doktor Schmalspur
REUTERS

Acht von zehn künftigen Ärzten schreiben eine Doktorarbeit, oft neben dem Studium, oft binnen weniger Monate. Was ist so ein Titel eigentlich wert? Jetzt befeuern Vorwürfe gegen einen Schweizer SVP-Politiker und Professor die Debatte: Er soll mehrere Arbeiten durchgewinkt haben.

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el`Ol 07.04.2013, 18:52
210. die Alternative?

Angenommen, man würde das ändern, was wäre dann?
Die Chefärzte und Patienten würden den "Dr." weiterhin verlangen, und die Nachwuchsmediziner müssten sinnloserweise drei Jahre ihres Lebens für etwas opfern, was für ihre spätere berufliche Tätigkeit keinen Wert hat.

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adal_ 07.04.2013, 18:52
211.

Zitat von biobayer
Gerade in den USA gehört der Doktortitel außerhalb des Wissenschaftsbetriebs zum medizinischen Alltag. Schließlich wird in den USA jedem Absolventen des Medizinstudiums ohne Dissertation der Berufstitel "Medical Doctor" verliehen.
Richtig. Der amerikanische "Doctor" ist schlicht ein akademischer Grad und eine Berufsbezeichnung und eben kein akademischer Titel wie bei uns.

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zack34 07.04.2013, 19:00
212. Komisch

Zitat von mmmc125303649446813
Der überwiegende Teil der Doktorarbeiten in der Medizin wird entweder anhand klinischer oder experimenteller Daten erstellt. Und, wer etwas Ahnung davon hat, sollte wissen, dass eine solche Arbeit nicht in vier Wochen "mal eben" zusammen geschrieben wird.
Mir ist aus eigener Familie just das bis ins Detail so bekannt: Arbeit im Labor ein paar Monate lang, anschließend Auswertung/Excel, im schlimmsten Fall nochmal so lange, fertig. (Schwierigkeitsgrad: in etwa wie eine Bachelor-Studienarbeit in einem MINT-Fach)

Und es handelt sich inzwischen um Chefärzte, die weiterhin in bekanntesten internationalen mediz. Journallen veröffentlichen...

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irgendeinleser 07.04.2013, 20:22
213.

Zitat von BuenaBanana
Dann gehen Sie halt demnächst zum Philosophen oder Informatiker, wenn Sie einen Herzinfarkt erleiden. Wozu dient dieses gesamte Medizinerbashing eigentlich? Das ist doch mal wieder eine pure Neiddebatte. [...]
Haben Sie meinem Beitrag auch gelesen? Ich habe an *keiner* Stelle den Wert des Medizinerberufes und des Medizinstudiums bezweifelt (und würde ich auch nie). Ich bin nur einer vorhergehenden Behauptung, das ein Medizinstudium länger und schwieriger als andere Studiengänge sei mit den nachprüfbaren Kriterien entgegengetreten, die mir bekannt sind. Das soll schon Bashing und Neid sein? Was ist Ihr Problem?

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Personalberater 07.04.2013, 20:28
214. Doktor-Grade sind keine Titel

Zitat von adal_
Richtig. Der amerikanische "Doctor" ist schlicht ein akademischer Grad und eine Berufsbezeichnung und eben kein wie bei uns.
Auch in Deutschland gilt: Der Doktor ist ein akademischer Grad und kein Titel. Er ist demnach nicht Namensbestandteil (auch wenn das Personalausweisgesetz Einträge zuläßt).

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dragan2602 07.04.2013, 20:32
215.

Zitat von matthias_b.
Der Dr. med. ist sehr einfach zu bekommen. Andererseits dauert das Studium auch viel länger und ist schwierig. Im Endeffekt dauert der Weg zum Dr. bei Medizinern genauso lang wie in anderen Fächern, von daher sehe ich durchaus ein, dass die Arbeit dort einfacher sein kann. Solange Sie vernünftig ist, irgendwas sollte schon dabei herumkommen.
Ich bin Veterinärmediziner und bei uns dauert das Studium genauso lange und ist genauso schwierig - trotzdem musste ich erst das Studium abschließen und ERST DANN mit der Doktorarbeit anfangen, die übrigens 3 Jahre lang gedauert hat.

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irgendeinleser 07.04.2013, 20:50
216.

Zitat von agora
Zu Punkt 1):Wenn die Selektion durch Numerus Clausus höher ist und so die Leistungsfähigsten selektiert werden ist es klar, dass aus dieser Gruppe am wenigsten durchfallen.
Ohne Zweifel, das ist ein Effekt. Zwar bezweifle ich, dass dies den gesamten Unterschied erklärt (persönliche Meinung), wichtiger aber ist das die (Human-)Medizin nicht den schwierigsten NC hat. Beispielsweise Tiermedizin hat in der Regel einen höheren NC, aber eine etwas höhere Durchfallquote (wenngleich immer noch weniger, als in den meisten anderen Fächern).

Ich denke eher, dass die relativ starke Verschulung der medizinischen Studiengänge und das klare Berufsziel die Abbrecherquote niedrig hält und damit die Abschlussquote hoch. Auch dies sind Elemente, die dazu beitragen einen Studiengang mehr oder weniger schwierig absolvierbar zu machen -- es sind in allen Fällen eben nicht nur rein intellektuelle Fähigkeiten gefragt.

Zitat von agora
zu Punkt 2): Mediziner werden zur Patientenversorgung ausgebildetund immer mehr benötigt, warum sollen sie dann in den leistungsfähigen Jahren aus der Klinik entfernt werden um sich isoliert mit der Promotion zu beschäftigen. Nur um in dieser Zeit keine klinische Erfahrung zu sammeln.
Da bin ich völlig einverstanden. Dennoch stimmt die Behauptung des Ursprungsposters nicht, dass es bis zur Promotion in der Medizin länger dauert.

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sabaidii 07.04.2013, 21:26
217. Herr Doktor ohne Doktor

In der Diskussion hier wird leider völlig übersehen, daß ein Doktortitel für alle anderen Studiengänge optional ist während er für den Mediziner nur schwer verzichtbar ist. Ohne Doktortitel darf sich der Mediziner natürlich nicht Doktor nennen, wird aber permanent mit Herr Doktor angesprochen. Ein Praxisschild auf dem nur Hans Müller steht ist für viele unvorstellbar. Ohne Dr. med. auf dem Rezeptblock ruft am Ende noch der Apotheker an ob es echt ist. Ganz im Gegensatz zu anderen Fachrichtungen erwartet der Patient gar nicht daß sein behandelnder Arzt irgend ein kluges Schriftstück verfaßt hat sondern daß er sein Studium mit Erfolg abgeschlossen hat und deswegen jetzt Doktor ist. Nur bei Medizinern werden im Sprachgebrauch zwei Dinge identisch bezeichnet die alles andere als identisch sind. In anderen Studiengängen will der promovierte Graduierte seine ganz besondere Qualifikation herausstellen die über der anderer Personen mit dem gleichen Studiengang aber ohne Promotion liegt. Das ist bei Medizinern absolut nicht der Fall. In den USA gibt es diesen Unterschied überhaupt nicht, jeder der dort ein Medizinstudium erfolgreich abschließt ist automatisch MD, Medical Doctor. Wer noch eins drauflegen will macht den PhD, der hoch angesehen und sehr zeitaufwändig ist. Dieses System sollte man hier übernehmen da die jetzigen Doktorarbeiten meist nur Zeitverschwendung für alle Beteiligten sind.

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irgendeinleser 07.04.2013, 21:42
218.

Zitat von adal_
Richtig. Der amerikanische "Doctor" ist schlicht ein akademischer Grad und eine Berufsbezeichnung und eben kein wie bei uns.
Fast, der MD ist ein Berufdoktorat. Wenn man präzise sein will, ist auch der deutsche Doktor ein akademischer Grad und kein Titel (ebenso wie es keinen Professorentitel gibt, auch wenn es viele so nennen) . Aber ich gebe zu, das ist Erbsenzählerei. :)

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wolfon1 08.04.2013, 00:02
219. Kein Dr.med.

Nach 13 Schuljahren, 12 Semestern Humanmedizin und anschließend 5-jähriger Facharztausbildung habe ich mein Promotionsverfrahren begonnen. Ausgegeben vom Chef einer Uni-Klinik, hatte ich einen Professor als Doktorvater und außerdem einen betreuenden Oberarzt. Es wurde von mir ein klinisches Thema behandelt, wo ich den Krankheitsverlauf bei 1024 Patienten auszuwerten hatte. Nach statischer Auswertung im Uni-eigenen Rechenzentrum, erbrachte diese Arbeit verwertbare Resultate.Von einem sehr umfrangreichen Literaturteil in englischer Sprache abgesehen wurde meine Arbeit von drei unabhängigen Gutachtern bewertet und für wert befunden, sie einzureichen. Der Verleihung des Doktorgrades ging ein "Rigorosum" voraus, wobei ich zu den unterschiedlichsten Fragen aus meinem Fachgebiet examiniert wurde. Es waren mehr als 50 Gäste anwesend. Diese Prozedur zog sich über sieben Jahre hin. Das Thema meiner Arbeit ist im Internet veröffentlicht. Hat das etwas mit Schmalspur zu tun, soll ich mich dafür schämen?

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