Forum: Leben und Lernen
Protest gegen Holocaust-Leugner: Oxford tanzt gegen Irving

Eine Uni-Stadt begehrt auf: Hunderte Demonstranten haben in Oxford gegen den Auftritt des Holocaust-Leugners David Irving und eines rechtsextremen Politikers protestiert. Die Streit- und Debattenkultur Oxfords lebt - auf den Strassen.

chrome_koran 27.11.2007, 15:00
1. Klasse. Eine bessere PR kann sich niemand wünschen.

Warum wird der Typ einfach nicht durchs Ignorieren gestraft?

So wie es ist: Toll. Eine bessere PR gibt es kaum. Dank der Proteste weiß nunmehr "die ganze Welt", dass a) diese Gestalt ganz offensichtlich schon wieder (warum so früh?) aus dem K.u.K.-Kriminal entlassen wurde, b) bei renommierten Wissensschmieden hofiert wird, c) überhaupt noch lebt.

Gibt es eigentlich Mitschnitte oder Protokolle dieser Debatte?

Auf der anderen Seite dürfen Leugner der Kommunismus-Verbrechen nahezu überall frei herumreden... nicht dass die anderen wegen ungleicher Behandlung klagen...

Beitrag melden
Schweizer 27.11.2007, 16:36
2. Mit diesen Leuten zu reden bringt nichts.

Mit diesen Leuten zu reden bringt nichts. Die leben in ihrem eigenen Gedankengebäude und sind Argumenten nicht zugänglich, diese Erfahrung habe ich schon gemacht. Die Strategie ist gefährlich für Menschen, die diese nicht kennen:
Es wird von Wissenschaftsfreiheit, Redefreiheit usw. geredet, so als ob dies die Gründe für die Verbote sind. (Volksverhetzung, Beleidigung, Andenken Verstorbener usw.)

Dann werden Behauptungen wiederlegt, die nie gemacht wurden, bzw. von den Holocaustleugnern selber stammen. So bleibt man im Gespräch. Man schaue siech die Artikel in Wikipedia.de an
: http://de.wikipedia.org/wiki/Holocaustleugnung

Beitrag melden
Ijob 27.11.2007, 19:02
3.

Hm... ich habe eigentlich kein Problem, wenn Demonstrationen gegen rechte gemacht werden, da ich persönlich ebenfalls dieses transportierte Gedankengut nicht gutheiße. Aber leider muss man auch diesen Menschen eine Stimme lassen. So falsch und krank sie aus meiner persönlichen sicht auch sein mag, aber man kann Meinungsfreiheit nicht an zweierlei maß messen. Mit einem verbieten kann man solche Probleme nicht beheben und sollte man in einer Demokratie auch nicht. Der Dialog wird bei den ganz harten kern auch nicht viel nutzen, weshalb das einzig sinnvolle wohl ist, dem ganzen keine öffentliche plattform zu bieten. Denn die rechte Politik basiert größtenteils auf Populisums, und der funktioniert nur öffentlichkeitswirksam.

Beitrag melden
ottonis 28.11.2007, 19:11
4. Gefährlich aber grundsätzlich legitim

Es stellt sich die Frage, was das Ziel einer solchen 'Debatte' sein soll:

1. Will man den Diskussionspartner von der Unrichtigkeit seiner Argumente überzeugen?

2. Sucht man Gelegenheit, in der der Diskussionspartner sich entlarvt oder entlarvt wird?

3. Will man einfach nur demonstrieren, dass man das Prinzip der Meinungsfreiheit über alles hält?


Zu 1: Das ist in der Regel vollkommen unmöglich. Menschen, die menschenverachtendes Gedankengut pflegen, sind in aller Regel mit Logik oder Vernunft basierenden Argumenten nicht davon zu überzeugen, dass sie 'falsch' liegen. Ganz oft bilden solche (rechts-)extremistischen Parteien ein Sammelbecken für Menschen, die an einer Persönlichkeitsstörung leiden. Und ein wesentliches Kennzeichen von Persönlcihkeitsstörungen ist die mangelnde Flexibilität im Denk-, Erlebens- und Verhaltensmuster.

Zu 2: Darüber kann man geteilter Meinung sein. Siee hierzu auch die Debatte um das umstrittenen Mahler-Interview von M. Friedmann vor einigen Wochen. Ich persönlich halte die 'Entlarvungshypothese' zwar für grundsätzlich richtig, jedoch wird der erhoffte Effekt häufig durch einen ganz anderen Effekt ganz massiv überlagert: durch den Effekt der Wiederholung. Dieser Effekt besagt, dass durch die alleinige udn häufige Wiederholung bestimmte Aussagen an glaubwürdigkeit unbewusst gewinnen. Auch wenn sie noch so absurd sein mögen, allein die Tatsache, dass sie öffentlich immer wieder geäußert werden, macht sie umso attraktiver für das neutrale Publikum.

Zu 3: Dies ist in der Tat eine gute Sache und eine wohltuende Abweichung von der grassierenden Intoleranz vieler Menschen gegenüber Andersdenkenden oder gegenüber Menschen anderer Herkunft, Religion, Kleidung, Einstellungen etc., deren weltweite Auswirkungen wir tagtäglich in den Nachrichten sehen können. Meinungsfreiheit ist eine großartige Errungenschaft unserer Zivilisation, und deshalb sollten natürlich auch Gegner der Meinungsfreiheit grundsätzlich ihre Ansichten vertreten dürfen - auch öffentlich! In einer funktionierenden freiheitlichen Gesellschaft wird sich der Protest und die Ablehnung 'von unten heaus' schon ausbilden und die Radikalen in ihre Schranken weisen. Bleibt der Bürger aber Gleichgültig, dann kann dies als ganz bedrohlicher Indikator für die weitere gesellschaftliche Entwicklung angesehen werden.

Summa summarum: Ich halte es zwar für gefährlich aber grundsätzlich für richtig, auch Radikalen die gleichen Debattiermöglichkeiten zuzugestehen wie allen anderen Menschen auch. Dies sollte jedoch aber stets mit Obacht geschehen und eine angemessene Reaktion aller Nicht-radikaeln an den Tag rufen.

Beitrag melden
Tom Berger 28.11.2007, 21:33
5. Keine Toleranz gegenüber der Intoleranz!

Zitat von Ijob
Stimme lassen. So falsch und krank sie aus meiner persönlichen sicht auch sein mag, aber man kann Meinungsfreiheit nicht an zweierlei maß messen. Mit einem verbieten kann man solche Probleme nicht beheben und sollte man in einer Demokratie auch nicht.
Niemand will das Nazigeschwurbele verbieten! Noch nicht mal die Holocaustleugnung ist bei uns verboten, auch wenn das von inkompetenten Journalisten immer wieder so dargestellt wird! Selbstverständlich darf jeder den Holocaust analysieren und darf sich seine eigene Meinung dazu bilden, die er auch frei äußern darf. Das Recht auf freie Meinunsgäußerung findet nur dort seine Grenzen, wo es mit den Rechten anderer Menschen kollidiert - und die Nazis bringen es nun mal nicht fertig, den Holocaust zu diskutieren, ohne die Würde der Menschen und das Andenken Verstorbener zu verletzen und ohne Volksverhetzung zu betreiben. Das ist zurecht strafbar.

Und die "Meinungsfreiheitskeule können Sie ruhig stecken lassen - das Grundgesetz bindet nämlich den Staat und nicht den Bürger. Welche Meinungen ich in meiner Umgebung dulde und welche ich bekämpfe, bleibt bitteschön mir alleine überlassen!

Die Bürger müssen Zivilcourage zeigen, wo immer sich diese braune Brut zeigt! Keine Toleranz gegenüber der Intoleranz!

Tom Berger

Beitrag melden
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!