Forum: Leben und Lernen
Quereinsteiger in Schulen: Von null auf Lehrer
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Kein Lehramtsstudium - und trotzdem im Schuldienst: Nirgendwo wechseln so viele Quereinsteiger in den Lehrerjob wie in Berlin. Beteiligte berichten von "rücksichtslosem Löcherstopfen".

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Phil2302 03.01.2017, 08:34
1. Sicht eines Lehrers

Also, zunächst einmal muss sich Berlin nicht wundern, dass dort kein Lehrer hin möchte. Wer keine Lehrer verbeamtet ist selbst Schuld. Dann weiter: Quereinsteiger sind nicht per se schlechtere Lehrer, ich habe auch noch nie mitbekommen, dass sie schief angeguckt werden. Ich kenne solche und solche - das ist bei normalen Lehrern aber auch der Fall. Einzig die fehlende Hospitation macht das Leben sicher schwer, das ist aber auf das seltsame Referendariat zurückzuführen, nicht auf den Bildungshintergrund der Quereinsteiger. Ich glaube, das Didaktik- und Pädagogikstudium wird etwas zu hoch gehangen. Das Pädagogikstudium war totaler Quatsch, irgendwelche pädagogischen Theorien, und dabei rede ich nicht einmal von Lehr- und Lerntheorien. In der Didaktik gab es einen Einblick in die Fächer, das war sinnvoller, ja, aber 90 % meines Wissens kommt aus dem Referendariat, und da wiederum ein Großteil aus dem learning by doing Prinzip in der Praxis. Bücher oder Seminar können die Planung des Unterrichts verbessern, aber die Kunst des Umsetzens solch eines Plans bedarf eines gewissen Talents, welches von Quereinsteigern genauso mitgebracht werden muss wie von normalen Lehrern. Ist ja nicht so, als hätte ich, als ich das erste Mal Klassenlehrer wurde, irgendetwas im Studium gelernt, was mich auf die Tätigkeit vorbereitet. Bitte hängen sie das Studium nicht so hoch, da geht es in erster Linie um eine fachliche Ausbildung. Und jeder Physiker mit Diplom, Master oder selbst Bachelor (was nicht ausreicht zum Unterrichten) kann im Schlaf einen Mathe-Leistungskurs unterrichten.

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ge1234 03.01.2017, 08:34
2. Na klar,...

.... Berlin, wo auch sonst sind so dermaßen viele Dilettanten unterwegs wie in der Hauptstadt! Und die Zeche wieder mal schön von den anderen Bundesländern bezahlen lassen!

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kleinsteminderheit 03.01.2017, 08:37
3. Wiedergeburt der Mikätzchen

In den 60er Jahren stand NRW vor einem ähnlichen Problem und der Kultusminister Mikat legte ein Programm für Seiteneinsteiger auf. Voraussetzung war damals das Abitur. Etwa 1500 Seiteneinsteiger lehrten dann vorwiegend in Hauptschulen. Einige verschlug es bis in die Gymnasien. Hatte selber zwei solche Lehrer. Es waren bei weitem nicht die schlechtesten. Vielleicht ist es gar nicht schlecht, wenn verstärkt Lehrer mit Erfahrung aus anderen Berufen in den Schuldienst gehen. Wenn Lehrer in ihrem Leben nur Kindergarten, Schule, Uni und dann wieder Schule sehen, entstehen bisweilen, trotz pädagogischer Ausbildung, sehr eigenartige Menschen. Wer z.B. In Betrieben Lehrlinge ausbildet muss dafür auch Kurse besuchen und könnte bisweilen einen guten Lehrer angeben.

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loncaros 03.01.2017, 08:45
4.

Das Beste bei Lehrern ist es, wenn sie den Schülern erklären wollen, wie es nachher im Berufsleben so läuft.
Bei exakt null Jahren Berufserfahrung.
Quereinsteiger wären da eine mehr als willkommene Bereicherung.

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muadib123 03.01.2017, 08:47
5.

Ich möchte an diverse SPON-Artikel erinnern in welchen Lehrer genau hierzu schrieben, dass das Studium eben nicht auf die pädagogischen Herausforderung eingeht. Das bekomme ich auch aus meinem 'lehrerverseuchten' Freundeskreis (vornehmenlich Hauptschule und Gymnasium, Bayern) gespiegelt.
Sicher, das Referantariat ist zumindest der erste praktische Teil der Ausbildung. Dort wird aber bei vorbereiteten Stunden eher der Formalismus denn der Umgang bewertet. Es ist den Prüfern also viel wichtiger dass das Konzept der Stunde schlüssig klingt als das der angehende Lehrer darlegt, warum er wie auf welche Schülergruppe oder welchen Schüler eingehen wird.
Einfach so, von 0 auf 100 auf eine Klasse losgelassen ( oder ihr zum Fraß vorgeworfen ;-) werden ist bestimmt nicht das beste Konzept, der Mensch wächst jedoch bekanntlich an seinen Herausforderungen.

Und das Kollegen sich jetzt unter Wert fühlen, nun als anstrengendes Studium ist Lehramt bisher auch nicht gerade bekannt gewesen...

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jjcamera 03.01.2017, 08:49
6. Einserabitur?

Hat das etwas mit der auffälligen Häufung von Einserabituren zu tun?

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goat777 03.01.2017, 08:50
7.

Wenn man weiß wie es an den Seminaren zugeht, dann stellt man schnell fest dass dort auch keine Pädagogik vermittelt wird. Ganz im Gegenteil dort wird gar nichts vermittelt was auch nur ansatzweise in der Schule relevant wäre. Den Spaß könnte man sich getrost sparen und den Quereinsteigern einen Mentor zu Seite stellen. Dann hätten sie weniger Stunden und könnten sich mehr auf den Unterricht konzentrieren.

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Saure Gurke 03.01.2017, 08:54
8.

Meine sächselndeChemielehrerin war Chemikerin, auch sie hatte es, warum auch immer, in Niedersachen an die Schule verschlagen, geburtenstarke Jahrgänge. Was ich bei der Frau gelernt habe (Lehrervortrag), kann ich bis heute, sie war motiviert, begeisternd.

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freudentanz 03.01.2017, 09:08
9. Warum müssen Lehrer verbeamtet werden ?

So etwas nennt man auch Wettbewerbsverzerrung. Ausserdem werden damit Milliarden "für später" gebraucht. Alle neuen Lehrer mit unbefristeten Vertrag, anständiges Gehalt, bundesweit und basta.

Lehrer mit Berufserfahrung sind bestimmt eine gute Sache. Eine meiner Töchter ist mit ihrem Englisch-Quereinsteiger sehr zufrieden.

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