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Rätselhafte Studienabbrecher: Plötzlich waren sie nicht mehr da
Corbis

Scheiden Studenten erfolglos aus dem Studium, weiß keiner: War das Scheitern oder Neuanfang? Darauf ruhen sich die Hochschulen aus und weisen die Schuld an katastrophalen Abbrecherzahlen von sich. Damit soll nun Schluss sein.

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Kiesch 28.08.2014, 08:41
10.

Staatlich verordnete Reduzierung der Abbrecherquote - na sicher. Das kann nur schief gehen. Die Unis haben jetzt schon genug Anreize ihre Studiengänge auf Schrottwert runterzudummen (es fängt ja schon damit an, dass jeder durchgefallene Student im nächsten Semester wieder im gleichen Fach sitzt und nochmal Arbeit mit Übungsserien und Klausuren macht).

Will man die Studienabbrecherzahlen wirklich reduzieren, dann gibt es eigentlich nur eine sinnvolle Möglichkeit:
Reduzierung der Studienanfängerzahlen. Dabei dürften allerdings Vorabtests etc. nur begrenzt viel bringen (die gibts ja schon).
Eher muss man auf der Ebene der potentiellen Studenten ansetzen. Die Erfahrung (zumindest aus meinem Physikstudium) zeigt ja, dass viele Studenten in den ersten Semestern abbrechen, weil sie merken, dass sie den gestiegenen Anforderungen nicht gewachsen sind oder sich ganz anderes unter dem Studium vorgestellt haben. Und weil sie eben plötzlich mit einem ganz anderen Tempo konfrontiert werden als in der Schule, das letztlich auch mehr Selbststudium und nacharbeiten des Stoffs erfordert.

Entsprechend sehe ich nur zwei Wege die Abbrecherzahlen zu senken:
1. kann man auf Schulebene Ansetzen und da in der Oberstufe Kurse eher im Vorlesungsstil durchführen. In der Ausgestaltung ist das ganze natürlich etwas schwierig. Weder sind die Lehrer darauf vorbereitet, noch bringt das den Schülern viel die später eine Ausbildung machen wollen. Ist also schwierig umzusetzen. Am ehesten möglich wäre vielleicht noch das ganze derart anzubieten, dass G8 mit VL Stunden in den letzten 2 Jahren Oberstufe angeboten wird und die Studierbefähigung verleiht und für alle die keine Studierbefähigung wollen G9 "ganz normal" gehalten wird.

2. Man macht einen einfachen Trick: Die ersten 1-2 Semster werden zu "Orientierungssemestern" umdeklariert. Ergo: Wer da bereits abbricht, fällt nicht unter die Abbrecherquote. So muss man an den Schulen nichts ändern und kann den (potentiellen) Studenten trotzdem genau klarmachen was sie erwartet. In Physik zumindest hat das auch in etwa so funktioniert. In den ersten 2 Semestern war etwa 50% Verlust. Wer die ersten 2 Semster allerdings überstanden hat, hat auch den Abschluss gemacht, oder zumindest noch auf Lehramt oder ein anderes Studienfach umgesattelt.
Die Lösung läuft dann darauf hinaus: Wenn schon abbrechen, dann möglichst frühzeitig.

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der:thomas 28.08.2014, 08:42
11. Ich brech zusammen....

...sind die so ... oder tun die nur so?

Studenden sind die einzige Bevölkerungsgruppe, die als erwachsene einer Vollzeittätigkeit nachgehen sollen und dabei nichteinmal einen sicheren Finanzierungshintergrund auf Hartz4 Niveau vorweisen können.

BaföG als Feigenblatt und Papas Wohlwollen bestimmen den Speiseplan.
Professoren und Studienpläne sind je nach Fach dazu gern auch 'jobinkompatibel'....
...es ist also völlig normal, dass das Thema Geld in einem elend langen Beitrag zu Studienabbrechern nicht vorkommt...
Looogisch....

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tulius-rex 28.08.2014, 08:48
12. Intelligenz?

Sollte die Bevölkerung trotz der ununterbrochenen Smartphone-Tipperei tatsächlich intelligenter geworden sein? Wohl eher im Gegenteil: unfähige Schüler werden durch Leistungsabsenkung zum Abitur gehievt und scheitern kläglich bereits an einer sinnvollen Studienplanung, ganz abgesehen davon, dass sie irgendwelche Nonsens-Fächer ohne Berufsperspektive belegen.
Das dient alles nur dem Stellen- und Bewertungsaufbau der Ordinarien und hat mir zielgerichteter, wissenschaftlicher Ausbildung des Nachwuchses wenig zu tun.

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harmlos01 28.08.2014, 08:48
13. Es hat manchmal auch ganz profane Gründe

Zum Beispiel imatrikulieren sich einige lediglich, um ein Semesterticket zu bekommen. Wenn das nicht mehr benötigt wird, oder Studiengebühren anfallen, exmatrikuliert man sich eben wieder.

Das ist zwar nicht die Masse, aber ein Faktor ist es bestimmt. Vielleicht imatrikulieren sich einige auch in einer Art Findungsphase, bis sie wissen, was sie wirklich im Leben machen wollen. Dazu kommen dann noch echte Lebenskriesen, die gerade in der zeit des Studiums oft passieren können (vom Trennungsschmerz über Drogenprobleme bis zu echten phsychischen Erkrankungen).

All das kann eine jungen menschen so aus der Bahn werfen, dass die Fortsetzung des Studium nicht möglich ist.

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leonardo01 28.08.2014, 08:49
14. Einfach das Niveau des Abiturs wieder anheben!

Es ist nicht die Schuld der Universitäten, dass manche Länder wie NRW die Ansprüche für den Erwerb des Abiturs immer weiter senken, so dass sich das Abitur mittlerweile dem früheren Niveau eines Hauptschulabschlusses immer weiter annähert.

Unis reagieren mit dem Angebot von Vorkursen, Crash-Kursen, Wiederholerkursen etc. auf die desolaten Wissensstände mancher Studierender. Irgendwann ist aber auch einmal Schluss. Wer als Studierender Hilfsangebote nicht annimmt oder einfach intellektuell nicht in der Lage ist, fehlendes Wissen aufzuholen, hat an einer Universität eben auch nichts verloren. Die Abbruchquoten künstlich niedrig zu halten, ist keine Lösung.


Die Unis leiden extrem unter der Bildungspolitik von Ministerinnen wie Frau Löhrmann und Frau Schulze. Die erstere hat bereits fast alle Hürden auf dem Weg zum Abitur weggeräumt, die zweite will die Fortsetzung dieser Politik für die Unis. Bezeichnend für beide Damen ist, dass sie meinen, per definitionem wirklich Hochqualifizierte zu erzeugen.

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FrankDr 28.08.2014, 09:00
15. Bildung.

"Die Hochschulen sind von solchen Erfolgskontrollen jedenfalls nicht sehr begeistert. "Ich bin skeptisch, ob es sinnvoll ist, Gelder an den Studienerfolg zu koppeln", sagt Prof. Dr. Volkmar Gieselmann, Prorektor für Studium an der Universität Bonn. Das schaffe einen Anreiz, den Leistungsanspruch zu senken. "Das kann weder im Interesse der Universität noch der Gesellschaft sein"

Herzlichen Dank. So ist es.
Die Schulen und Lehrer trauen sich ja jetzt schon nicht mehr, ehrlich den Leistungsstand zu bewerten, weil dann auch mal 10 von 30 sitzenbleiben würden. Schade.
Mit immer weniger Leistung, erhält man in Deutschland immer höhere Abschlüsse...politisch forciert.

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der:thomas 28.08.2014, 09:01
16. Ich brech zusammen....

...sind die so ... oder tun die nur so?

Studenden sind die einzige Bevölkerungsgruppe, die als erwachsene einer Vollzeittätigkeit nachgehen sollen und dabei nichteinmal einen sicheren Finanzierungshintergrund auf Hartz4 Niveau vorweisen können.

BaföG als Feigenblatt und Papas Wohlwollen bestimmen den Speiseplan.
Professoren und Studienpläne sind je nach Fach dazu gern auch 'jobinkompatibel'....
...es ist also völlig normal, dass das Thema Geld in einem elend langen Beitrag zu Studienabbrechern nicht vorkommt...
Looogisch....

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cabeza_cuadrada 28.08.2014, 09:06
17. kann es vielleicht auch an den Studenten liegen?

Kleines Beispiel von einer Realschule.
Ein Lehrer, seit Jahrzehnten im Schuldienst, schreibt derzeit Klausuren in der 10. Klasse über früher Schüler der 7. Klasse nur gelacht haben. Er kann aber nichts dagegen tun, fallen über 50% durch muss er die Klausur wiederholen.

So sieht es heute in fast allen Klassenstufen durch.
Aber ich denke mal sie schieben die Schuld auf die Lehrer die den Stoff halt nicht richtig vermitteln können.

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Diskutierender 28.08.2014, 09:30
18. Nicht nur

Zitat von amnesiac
die Anforderungen nicht erhöhen und damit die Studierfähigkeit wiederherstellen, werden wir von den Abbrecherquoten nicht herunter kommen. Hört endlich auf mit dieser Augenwischerei! Das sage ich Ihnen als langjähriger Leiter eines akademischen Prüfungsamtes!
In Ihrer Ansicht gebe ich Ihnen durchaus Recht. Allerdings gab es auch zu meiner Studentenzeit vor 20 Jahren viele Abbrecher wie z.B. teilweise >50% in den Natur- und Ingenieurwissenschaften.

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aqua-vitae 28.08.2014, 09:37
19. deutsche Tugend

Zum Glück ist in Deutschland immer alles ganz einfach:
Abschluss = Erfolg, kein Abschluss = gescheitert.
Wenn man weiß, wer die Guten sind, hat der Tag Struktur!

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