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Rechtschreibung: Macht die Reform die Schüler schlecht?
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Schüler in Deutschland haben ihre liebe Not mit der Rechtschreibung. Nun streiten sich Experten, ob der wichtigste Grund die Reform der Schreibregeln ist.

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mborevi 09.08.2016, 16:26
1. Jeder Skilehrer weiß, ...

... einmal falsch gelernt ist schwer wieder herauszukriegen. Trotzdem sollen die Schüler erst mal schreiben, wie sie denken bzw. sprechen. Wir mussten früher perfekt schreiben können nach der 3. Klasse Grundschule, denn nach der 4. stand die Aufnahmeprüfung in die höhere Schule mit einem langen Aufsatz an. Das war 1951. Es ging damals prima. Mit 68 Kindern beiderlei Geschlechts in der Klasse (Bayern). Kein einziges Kind mit Leserechtschreibschwäche. Methode: Kreis mit umgekehrtem Spazierstock = aaaa, usw. :). Gut war's!

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pauleschnueter 09.08.2016, 16:28
2. Modern ist nicht immer besser

Es ist nicht die Reform. Es ist nicht die Rechtschreibung. Es ist die Herangehensweise.
Rechtschreibung erlernt man am Besten durch stures Auswendiglernen. Das kann bei Kindern spielerisch erfolgen und sogar Spaß machen.
Wer aber anfängt, die Worte nach Regeln und mit Logk zu zerlegen um sie dann hinzuschreiben, der scheitert.

Rechtschreibung erlernt man in mehreren Jahren handschriftlichen Schreibens.
Wenn man was tipselt, dann sieht man Fehler einfach nicht; am Monitor. Wenn man es schreibt, dann "spürt" man was ein Wort braucht, wo die Kommas hin müssen etc.

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hemithea 09.08.2016, 16:37
3. Nur meine Beobachtung

Ich kann das nur aus meinen Beobachtungen schreiben.
Tatsächlich werden - gefühlt - die Rechtschreibkenntnisse schlechter. Die Schüler schreiben immer langsamer und sich immer unsicherer beim Schreiben.

Es werden teilweise Fragen gestellt, die mich zum Nachdenken zwingen, da wir auf Arbeit ausschließlich mit Kindern ab der 5. Klasse zu tun haben. Diese

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Flam 09.08.2016, 16:38
4. Amtsanmaßung......

Es gibt Dinge, in denen Staatsdiener dem Souverän (dem Volk) mangels Kompetenz nicht reinreden sollten. Dazu gehört auch der kulturell wichtige Bereich der Sprache und ihrer eigentlich natürlichen Entwicklung. Kulturelle Identität lässt sich eben nicht diktieren.

Uns ist nicht mit einer "Vereinfachung" geholfen, wenn diese zu Lasten der inhaltlichen Differenzierung geht. So zum Beispiel durch die "neuen" Regeln zur Getrenntschreibung.

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marthaimschnee 09.08.2016, 16:40
5.

Diese Reform hatte nur einen einzigen Punkt, der überhaupt eine Verbesserung gebracht hat, nämlich eben die 3 Konsonanten bei zusammengesetzten Wörtern, die man nun wirklich nur zusammensetzen zu braucht. Alles übrige ist totaler Müll, ob nun 'daß' oder 'dass' ist ja nun absolut nebensächlich. Eigentlich hätte man dieses Konstrukt komplett abschaffen können, denn die Schreibweise erschließt sich aus dem Kontext (sonst könnte man es ja überhaupt nicht richtig machen). Es ist also pauschal schon überflüssig. Und der ganze Rest? Delphin oder Delfin ... ähhhh ... keine Ahnung, früher war nur eines richtig, heute vielleicht mehr. Ist aber auch egal. Ebenso wurde bei der Kommasetzung nichts vereinfacht. Daß (da war's wieder) man heute keine setzt, wo man früher welche gesetzt hat und umgekehrt, macht es anders, aber nicht besser. Offensichtlich ist es an einigen Stellen immer noch nicht. Deutsche Sprache bleibt schwere Sprache .. unnötig schwer!

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werners53 09.08.2016, 16:42
6. War ja nicht anders zu erwarten.

Die Hälfte der sz abschaffen war ja schon seltsam.
Dann aber Stammformen einführen, die schlichter Quatsch sind. "aufwendig" kommt nun mal nicht von Wand, liebe Viehlolocken. Wer da ein Ä vorschreibt, ist schlicht unfähig und hat keine Ahnung von der deutschen Sprache.

Bei Großschreibung, Zusammenschreibung und Kommasetzung hat man aus 70% mit, 30% ohne, die Regeln etwas verschoben, jetzt sind es 30% und 70%.
Es hat sich was geändert, aber nicht zum Besseren.
Laßt diese Unfähigen nicht noch mal die Sprache verhunzen.

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hemithea 09.08.2016, 16:43
7. Teil 2 (versehntlich auf

Wie gesagt, wir haben auf Arbeit mit Schülern ab Klasse 5 zu tun. Das sind Schüler, die in 1 oder 2 Schuljahren in eine weiterführende Schule gehen, bzw. teilweise schon als Schnellläufer auf einem Gymnasium sind.

Sie fragen uns dann ob es nun "mehr" oder "Meer", "Seh" oder "See" heißt. Oder es kommen dann Fragen, ob das Wort klein oder groß geschrieben wird.
Das ist echt nicht schön.
Wir arbeiten somit mit der Generation, die mit dieser seltsamen "Lautentafel" und "Schreiben-nach-hören" die Rechtschreibung gelernt haben.

Wir wissen, dass wir das SO für unseren Sohn nicht möchten.

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hartmannulrich 09.08.2016, 16:51
8.

Die neue Rechtschreibung sollte angeblich das Schreibenlernen vereinfachen, also zu weniger Fehlern führen. Das hat sie ganz offensichtlich nicht geschafft und ist schon von daher ein Flop. Wenn man sich gedruckte Texte anschaut, sieht man, daß sie darüber hinaus beträchtlichen Flurschaden angerichtet hat: zusätzlich zu den willkürlichen und teilweise unsinnigen Schreibweisen, die mit ihr eingeführt wurden, findet man jetzt zahllose willkürliche und unsinnige Schreibweisen, die zwar weiterhin falsch sind, die aber vor ihr - nach meiner Erinnerung - kaum aufgetreten sind, z.B. Großschreibungen ("am Besten", "er kann Singen") oder Worttrennungen ("Ziel gerichtet", "Detail versessen"). Der größte Skandal ist, daß es diese Reform überhaupt gegeben hat: nach jahrzehntelanger (Jahrzehnte langer?) Kommissionsarbeit werden ein paar willkürliche Änderungen oktroyiert, welche angeblich das Schreiben erleichtern, in Wirklichkeit das Lesen erschweren und zum Teil so widersinnig sind, daß sie wenig später wieder kassiert werden. Weder eine Volksabstimmung noch die Stimmen der größten zeitgenössischen Dichter werden dabei zur Kenntnis genommen.

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austenjane1776 09.08.2016, 17:00
9. Ursachen

Die "Reform" führt dazu, dass Eltern und Großeltern schlechter bei den Hausaufgaben helfen können.
Außerdem ist die bunte "Bildschirmwelt" schuld.
Wer liest denn noch?
Wer erfaßt längere literarische oder Sachtexte?

Weiterhin ist die fehlende Vorschulbildung und die vollen Klassen, teilweise wenig Unterricht und chaotische Bedingungen in den Schulen ("Inklusion", "Zuwanderung") auch zu nennen.
Es wird die deutsche Sprache schlicht und einfach zu wenig geübt.
Und in mancher Klasse ist kaum ein Kind, das bei der Einschulung einigermaßen Deutsch kann.

Früher wären die alle nicht schulfähig gewesen.
Heute heißt es "Augen zu und durch" für die Grundschullehrkräfte.
Merke:
Hast Du fitte Eltern, klappt das mit dem Deutschen.
Sonst eher nicht.

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