Forum: Leben und Lernen
Rechtschreibung: Macht die Reform die Schüler schlecht?
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Schüler in Deutschland haben ihre liebe Not mit der Rechtschreibung. Nun streiten sich Experten, ob der wichtigste Grund die Reform der Schreibregeln ist.

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georoli 09.08.2016, 17:03
10. ich stimme Herrn Jansen zu

Meine Kinder wachsen auch mit diesem unsinnigen "Lesen durch Schreiben" auf. Diese Methode ist voll für die Rechtschreibfehler verantwortlich.

Mittlerweile hat man an unserer Grundschule die Methode in einer modifizierten Variante im Einsatz und die ist genauso schlecht.

Unser Ältester hat a) schon immer viel gelesen (auch seinen Geschwistern laut vorgelesen) und b) mit dieser Methode das Lesen gelernt. Wir haben als Eltern bis zur 7. Klasse viel Arbeit mit ihm gehabt, um die erlernten Rechtschreibfehler wieder auszumerzen.

Die Zwillinge (kommen jetzt in die 3. Klasse) kämpfen mit der Rechtschreibung und ohne viel Eltern-Engagement wird das auch nicht besser.

Kurzum: Ich hasse die Methode "Lesen durch Schreiben) und habe mir schon beim ersten Lesen der Meldung gedacht, dass Herr Grund einen systematischen Fehler macht, wenn er nicht die Umgebung und Metodik der Grundschule mit betrachtet und ausschließlich die Rechtschreibreform als gescheitert betrachtet.

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erzengel1987 09.08.2016, 17:08
11. Rechtschreibung ^^

Ich bin genau im Übergang gewesen. Ich habe die alte Rechtschreibung voll gelernt und in der Grundschule direkt auch die Neue.
Brennessel und jetzt Brennnessel jo ein n mehr

im Gymnasium lehrer schrieben meist nach alter Rechtschreibung der Deutschlehrer nach neuer^^

Professoren an der Uni hauptsächlich alte Rechtschreibung.

Folge ich schreibe gemischt ich weiß mittlerweile nicht mehr wie was geschrieben wird.

Insofern finde ich die Reform Klasse, weil niemand mehr weiß wie es jetzt richtig geschrieben wird^^.

Duden würde sich wohl im Grabe umdrehn :-) Mein Vorschlag lasst die jetzige Rechtschreibung wie sie ist. Ansonsten haben wir noch eine Generation die nicht weiß wie sie was schreiben soll.

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olli118 09.08.2016, 17:09
12. Andere Ursachen

Habe als Mutter von 2 Kindern in den letzten Jahren die Rechtschreibung in der Grund- und weiterführenden Schule beobachten dürfen. Meines Erachtens hat die mangelnde Rechtschreibung nicht mit der Rechtschreibereform zu tun. Ich sehe die Ursachen eher in:
- Lesen und Schreiben lernen durch Lautschrift. Wenn 1-2 Jahre völlig egal ist, ob die Rechtschreibung richtig oder falsch ist, sind die Weichen gestellt für ein mangelndes Bewusstsein, dass Rechtschreibung wichtig ist
- Zu wenig Diktate. Was haben wir in der Grundschule Diktate geschrieben! Meine Kinder schreiben so gut wie nie Diktate, und wenn, sind es Übungsdiktate mit bekanntem Text, auf den sie sich vorbereiten können. Unbekannte Texte? Fehlanzeige
- Es wird nicht mehr gelesen. Das führt nicht nur zu schlechter Rechtschreibung, sondern auch zu einem mageren Wortschatz. Hier kann man aber den Lehrern/Schulen keinen Vorwurf machen. Mit Programmen wie z.B. Antolin versuchen die Schulen schon, das Lesen spannender zu machen und Lesefleiss zu belohnen. Aber bei vielen Kindern besteht einfach kein Interesse mehr am Buch. Hier sind nicht (nur) die Schulen gefordert, sondern auch die Eltern.

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arac 09.08.2016, 17:11
13. Unzureichende Interpretation

Die schlechten Rechtschreibleistung auf die Rechtschreibreform zurückzuführen, ist eine unzureichende Interpretation. Parallel zur Einführung der Rechtschreibreform fanden auch didaktische Konzepte nach Reichen (Lesen durch Schreiben) oder Sommer-Stumpenhorst (Fehlerhaus) größere Verbreitung, die lernpsychologisch unsinnig aufgebaut sind, wenn das Ziel orthographische Kompetenz ist. Insofern kann nicht behauptet werden, dass die Ursache in der Rechtschreibreform liegt, solange die Lernmethode nicht kontrolliert wird. Herr Grunds Fehlschluss ist möglicherweise persönlich motiviert, da er vielleicht die Rechtschreibreform ablehnt. Dies macht den Fehlschluss aber nicht besser.

Ein gutes Beispiel ist hierfür die Reform der Schreibweise mit "ss" oder "ß", die tatsächlich sinnvoll ist: Hier kann nun Kindern leicht die Regel beigebracht werden, dass ein scharf gesprochener s-Laut nur dann mit "ß" geschrieben wird, wenn der Vokal lang gesprochen wird. Dies kann man gut mit antrainieren - doch funktioniert dies auch nur, wenn Grundschulunterricht regelgeleitet erfolgt.

Ein Konzept wie "Lesen durch Schreiben" funktioniert dabei zwar nicht, wenn es um die Vermittlung orthographischer Kompetenz geht, ist aber wenigstens redlich, da der Autor, Herr Reichen, klar formulierte, dass ihm diese nicht wichtig ist. Pädagogen, die ein solches Konzept empfehlen, sollten dies aber auch wissen, bevor sie ein derartiges Konzept umsetzen.

Das Konzept von Herrn Sommer-Stumpenhorst ist hingegen gänzlich ungeeignet. Die Wortbildtheorie, auf der es basiert, ist in der Psychologie schon vor etwa 100 Jahren widerlegt worden. An ihr hat nur eine Person profitiert: Der Autor selbst durch den Verkauf von Büchern bzw. den Profit aus Lehrerfortbildungen.

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bernie_witzbold 09.08.2016, 17:19
14. Perfekt geschrieben

Zitat von austenjane1776
Wer liest denn noch? Wer erfaßt längere literarische oder Sachtexte? Und in mancher Klasse ist kaum ein Kind, das bei der Einschulung einigermaßen Deutsch kann.
Nach der alten Rechtschreibung ist Ihr Post perfekt. Ich habe ihn gekürzt, weil mir zwei Dinge aufgefallen sind:

"erfaßt" --> kurzes "a"

und

"einigermaßen" --> langes "a"

Mal abgesehen davon, dass man das "sz" ganz hätte abschaffen sollen: Wie wollen Sie einem Schüler erklären, dass an beiden Stellen ein "ß" stehen muss?

"daß" (bzw. "dass") und "das" sind Fälle, die nach meiner Beobachtung eine große Anzahl an Forumsteilnehmern nicht unterscheiden können. Sicher melden sich bald die ersten zu Wort und berichten mit Feuereifer, "das" doch alles früher so viel besser war, "das" es an bestimmten gesellschaftlichen Entwicklungen liegt, "das" die Sprache verfällt und "das" man da doch gegensteuern müsse. Sie hätten's ja schließlich auch gelernt.

Die Rechtschreibreform war anfangs gut durchdacht, wurde aber im Lauf der Diskussionen, in denen neben den deutschen Kultusministern auch die aus Österreich und der Schweiz vertreten waren, so stark verwässert, dass sie bloß noch aus schwachen Kompromissen besteht und nur wenig an echter Erleichterung gebracht hat.

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mydryn 09.08.2016, 17:25
15. Schlechtes Beispiel z. B. NRW

Dort dürfen die I-Männchen oder -Weibchen so schreiben, wie sie wollen und kein Hahn kräht danach. Es ist besser Fehler anzustreichen und sie verbessern zu lassen, wenn sie nicht zählen. Wenn sich Wortschreibungen erstmal festgesetzt haben, können diese nicht mehr so leicht korrigiert werden. Es ist einfach "drin". Gleiches gilt für Block- anstatt Schreibschrift. Wie soll ein Kind lernen, sich schnell Notizen zu machen, wenn es nicht die Schreibschrift ausreichend beherrscht.
Die NRW-Regierungen haben die Hauptschule zu einer Hartz-IV-Vorbereitungsinstitution verkommen lassen und sie daher abschaffen müssen. Eine gesunde Härte gegenüber den Schülern, einschließlich Strafarbeiten und Nachsitzen am Samstag ist nicht verkehrt. Ein Grund, warum die Rechtschreibung bei vielen zu beanstanden sind, ist meines Erachtens auch die Auto-Korrektur in PC-Programmen und T9? auf dem Handy.
PS: I-Weibchen hab ich nur geschrieben, damit keine Feministin durch die Decke geht.

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bissig 09.08.2016, 17:30
16.

Bei der Unterscheidung der Wörter "das" und "dass" hätten "die Schüler, und nicht nur sie, mehr Probleme als früher".

Dabei ist die Regel eine der einfachsten - wo man dieses, jenes oder welches einsetzen kann, steht das, ansonsten dass (oder daß). Ansonsten finde ich es einfach nur traurig, was die Rächtschreibreform (Wortstamm: Rache) hervorgebracht hat. Numerieren ist so ein Beispiel: abgeleitet vom lateinischen numerare, und nicht von Nummer. Selbst die Italiener sagen noch numero.

Das ist genauso ein Humbug wie der Vorschlag, statt Einundzwanzig Zwanzig-Eins zu sagen, weil das ja soo viel einfacher ist - ich frage mich dann immer, wie die Franzosen das hinkriegen - 81 lautet da Vier-Zwanzig-Eins. Mein alter Lehrer hatte schon Recht: wieso soll ich den Schnitt senken, wenn die Schüler dumm und/oder faul sind. Wenn eine Klausur, die seit Jahren gleich gestellt wird, auf einmal schlecht ausfällt, dürfte in den seltensten Fällen der Lehrer die Ursache sein.

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eigene_meinung 09.08.2016, 17:32
17.

Nach der Rechtschreibreform und ihren diversen Überarbeitungen weiß doch keine Sau mehr, was richtig und was falsch ist. Jeder schreibt so, wie er es gelernt hat, oder wie er will. Wenn man dann noch in jeder Zeitung, in jedem Buch, in jeder Zeitschrift andere Schreibweisen findet (die teilweise komplett falsch sind), wie soll man dann richtiges Schreiben lernen? Was noch schlimmer ist, auch die Grammatik beherrscht kaum noch jemand (einschließlich Journalisten!), kaum jemand verwendet den Konjunktiv korrekt, auch die Tempora werden durcheinandergeworfen (nach der neuen Schreibweise sind das wohl zwei Wörter - was für ein Unsinn!). Mit der Rechtschreibreform wurde - teilweise unbemerkt - auch die Grammatik geändert. Wenn jetzt noch Neusprech, Einfachdeutsch etc. eingeführt werden, dann gute Nacht, Deutsch.

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trader_07 09.08.2016, 17:32
18. aufwendig/aufwändig...

Zitat von werners53
"aufwendig" kommt nun mal nicht von Wand, liebe Viehlolocken. Wer da ein Ä vorschreibt, ist schlicht unfähig und hat keine Ahnung von der deutschen Sprache.
Nein, "aufwendig" kommt nicht von Wand, sondern von Aufwand.

Ein "ä" wird übrigens nicht vorgeschrieben, laut Duden ist beides möglich.

Beeindruckend, wie viel Ahnung von der deutschen Sprache Sie hier so offenbaren....

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ditta 09.08.2016, 17:37
19. Überflüssig wie ein Kropf

war diese Rechtschreibreform! Es wäre unseren Nachbarn in Frankreich oder England oder sonstwo auf der Welt kaum in den Sinn gekommen, am mitunter komplizierten Rechtschreibsystem etwas zu verändern. Nur unsere extremlibertären 68er mit ihrem konfusen Veränderungswahn kamen, dann auf entsprechenden Lehrstühlen und hochdotierten Beraterposten, auf die absurde Idee, die Sprache Luthers und Goethes, in der sich durchaus auch weniger gebildete Schichten wiederfanden, zu reformieren.
Das Ergebnis ist desaströs: Unsicherheit bei Lehrenden und Lernenden, steigende Fehler- und Unverständlichkeitsquoten, selbst bei der schreibenden Zunft, und allenfalls kann man über extrem Skurriles noch lachen, was aber töricht ist.
Ein Blick in eine Sammlung von Schreibheften von Dorfschüler vor 100 Jahren offenbart: nur mit einem engagierten Lehrer, Federhalter, Tinte und Papier konnte mit wenigen Ausnahmen schönschriftlich und absolut fehlerarm geschrieben werden. Übung machte den Meister und Eltern hatten gar keine Zeit, an den Hausaufgaben mitzuwirken. Schreiben, richtig und leserlich, fördert Hirnfunktionen, Feinmotorik und macht neugierig auf Lesefutter, das man schneller erfassen und verstehen kann. Die Beherrschung von einigen Dutzend Emojis auf dem Smartphone ist da eher ein Rückfall in die Steinzeit der Intelligenz.

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