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Rechtschreibung: Macht die Reform die Schüler schlecht?
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Schüler in Deutschland haben ihre liebe Not mit der Rechtschreibung. Nun streiten sich Experten, ob der wichtigste Grund die Reform der Schreibregeln ist.

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worlorn 10.08.2016, 19:10
190.

Zitat von marthaimschnee
Diese Reform hatte nur einen einzigen Punkt, der überhaupt eine Verbesserung gebracht hat, nämlich eben die 3 Konsonanten bei zusammengesetzten Wörtern, die man nun wirklich nur zusammensetzen zu braucht. Alles übrige ist totaler Müll, ob nun 'daß' oder 'dass' ist ja nun absolut nebensächlich. Eigentlich hätte man dieses Konstrukt ...
Ihnen scheinen die vielen Verbesserungen entgangen zu sein. Ihr Beispiel ist so eine. Es handelt sich nicht nur um "daß/dass", sondern um die generelle Verwendung von "ß" und "ss". Kurzer Vokal davor = "ss", langer Vokal = "ß", ganz simpel. Gut, besser wäre es gewesen, das "ß" gleich ganz abzuschaffen. Das ist eine Sonderlocke des deutschen Sprechraumes, sonst kennt man das nicht. Sinnvoll ist auch, das Prinzip des Wortstammes zu stärken, etwa bei "aufwändig".

Ein totaler Fehlgriff ist aber die Getrenntschreibung. Ich verwende sie bewusst nicht, wenn durch das Zusammenschreiben der Sinn richtig rüberkommt. Die Verbindbarkeit von Wörtern und die flexiblen Wortbeugungen sind gerade Stärken der deutschen Sprache. Das hat sie z.B. dem Englischen voraus.

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flups 10.08.2016, 19:40
191.

Zitat von fuzzi-42
Das "ß" ist einem Ausländer selbst dann schwer zu vermitteln, wenn er sehr gut Deutsch spricht. Während z.B. das französche "ç" LOGISCH nachvollziehbar verwendet wird!
Dafür ist der Zirkumflex im Französischen - sofern er nicht einen Bedeutungsunterschied vermittelt (sûr / sur) - gar nicht zu vermitteln, denn er hat auf die Aussprache keinerlei Einfluss. Ja, es ist zwar LOGISCH nachvollziehbar, dass er ein weggefallenes "s" kennzeichnet. Es ist aber NICHT LOGISCH nachvollziehbar, weshalb mich historische Schreibweisen interessieren sollten.

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worlorn 10.08.2016, 19:40
192.

Zitat von may4th_be_with_u
Sie haben natürlich recht, dass aufwendig nicht von Wand kommt, sondern von Aufwand.
Und woher kommt "Aufwand", vielleicht von "Auf-Wand"? Sorry für die dumme Frage, bin Nichtgermanist, der aber die neue Rechtschreibung im weiten Teilen für gut hält. Wenn ich das Gejammer höre, dass es jetzt ein Durcheinander ist und wie schlimm jetzt aussieht. Die Leute sollten sich damit beschäftigen, flexibler werden, nicht stur in alten Gewohnheiten herumhängen. Für mich ist z.B. "dass" klasse und das alte "daß" sehr komisch, wenn ich es mal lese. Wer Goethe anmahnt, ist eh falsch drauf. Erstens wurde damals anders geschrieben und zweitens gehört Goethe ins Museum, aber nicht ins 21. Jhrdrt.

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worlorn 10.08.2016, 20:16
193.

Zitat von hoppelmoppel79
Kommentar meiner amerikanischen Freunde als wir neulich auf das Thema Rechtschreibung kamen: Wie bescheuert seid ihr Deutschen eigentlich daß ihr euch von Politikern vorschreiben lasst wie ihr zu Schreiben habt. Dem ist nichts hinzuzufügen.
Mein (deutscher) Kommentar dazu: Blödsinn! Ausgerechnet die Amis mit ihrer idiotisch willkürlichen englischen Rechtschreibung und dem weitgehenden Verzicht auf Kommasetzung. Als TK'ler ist meine Fachsprache natürlich englisch und ich bin jedesmal "begeistert", wenn ich wieder mal einen Bandwurmsatz ohne Kommas mühsam in seine Teile zerlegen darf.

Ihnen scheint nicht bekannt zu sein, dass im Prinzip ein jeder schreiben kann, wie er will (ich tu's auch und bleibe beim "jedesmal"), mit Ausnahme der Schule. Dort ist sie vorgeschrieben (ggf auch in Ämtern, juristischen Texten oder Gesetzestexten, keine Ahnung). In Firmen ist, glaube ich, nichts vorgeschrieben. Kraut-und-Rüben-Schreibweise macht aber keinen guten Eindruck. Von jemand, der/die auf einer weiterführenden Schule oder der Uni war, erwartet man eine vernünftige Schreibweise, berechtigterweise. Ist auch Ausdruck einer gewissen Sorgfalt und umgekehrt von Hang zur Schlamperei.

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bernie_witzbold 10.08.2016, 20:16
194. Lieber HaPeGe

Zitat von HaPeGe
... wollen nicht erkennen, dass die Mehrheit der Menschen die Reform nicht haben will. Und sie wollen auch nicht erkennen, dass diese Reform in keinster Weise irgendeine Verbesserung darstellt oder erbracht hat. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Diesen "Reformern" fehlt einfach die Fähigkeit des Denkens.
Sie fallen doch in Ihren sonstigen Forumsbeiträgen auch nicht durch Verbohrtheit auf, warum entrüsten Sie sich so über das Rechtschreibreförmchen? Die Vorteile haben einige Foristen hier schon ganz gut zum Ausdruck gebracht, und dass es nicht an der Reform liegt, dass die Schüler immer schlechter schreiben, scheint auch schon fast Konsens zu sein.

"Die Menschen" wollen selten etwas Neues, aber deshalb den Sprachwissenschaftlern "die Fähigkeit des Denkens" abzusprechen, das geht wirklich ein bisschen weit. Da fühle ich mich auch persönlich angegriffen: Es ist zwar schon eine Weile her, aber ich habe einen Abschluss in Linguistik - und was da getrieben wurde, das war alles andere als blöd, das können Sie mir gerne glauben!

Und wenn die Linguisten gekonnt hätten, wie sie wollten, würde die Reform ganz anders aussehen. Aber das wollten die Kultusminister "den Menschen" nicht zumuten; deshalb ist nichts Halbes und nichts Ganzes daraus geworden, auch wenn die "Reform" einiges schon vereinfacht hat.

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rolf.bd 10.08.2016, 22:52
195. Rechtschreibreform – ein kulturelles Fiasko?

Eigentlich immer das Gleiche, das behauptet wird, dass die deutschen Schüler/innen immer schlechter werden [oh je, erst hatte ich in der Reihenfolge dass bzw. das geschrieben. Das PC-Rechtschreibprogramm hat es mir korrigiert. In der Hoffnung, dass es richtig ist.], ob in Rechnen/ Mathematik oder eben in der Rechtschreibung. Seit ich Spiegel Online lese und privat am Internet hänge, also seit 2000, schreiben viele Foristen/ Kommentatoren bei den immer wiederkehrenden Themen im Bereich Bildung, Schule und neue Rechtschreibung, dass früher alles besser gewesen sei. Nur wann der Ausgangspunkt dieses „früher“ gewesen sein soll, sagt niemand. Ab wann ging es in unserem Bildungssystem bergab? Schon 1964, also vor über fünfzig Jahren, beklagte sich der Deutsche Industrie- und Handelstag (DIHT) nach einer groß angelegten Studie bei jungen Lehrlingen, dass viele (Berufs-)Schüler eklatante Rechtschreibschwächen hätten. Mit Graus wurde das Faksimile eines Diktates voller Fehler in der damaligen Schriftenreihe des DIHT abgebildet, neben einem guten. Die damals getesteten Schüler im Alter von ca. 15 Jahren sind jetzt alle im Rentenalter. Und Deutschland ist nicht untergegangen. Rechtschreibreformen hat es schon öfter gegeben. Im Jahr 1900 wurden aus Thür und Thor eben Tür und Tor. Darüber beklagt sich heute niemand mehr. Damals geschah dies (auch) auf Wunsch der Druckindustrie, die dadurch im Bleisatzverfahren Buchstaben sparte. Nur der „Thron“ blieb bei seinem h, weil der Kaiser das so wollte. Nur noch wenige haben in ihrer Wohnung alte, klobige Fernsehgeräte, stattdessen schmale Flachbild-Fernseher, von PCs und Smartphones ganz zu schweigen. Die Deutschen lieben den Fortschritt und Veränderungen, aber bitte nicht bei der Rechtschreibung. Da muss alles bleiben, wie es immer war. Die Wahrheit ist, dass sich die deutsche Rechtschreibung ständig verändert hat, wenn auch über die Jahrhunderte sehr unmerklich. Aber man müsste sich dann eben als Erwachsener noch einmal in eine (kleine) neue Materie hineindenken. Und das ist für manche zu viel verlangt. Okay, manche Ideen in der Schule sind diskutabel. Das Schreiben nach Gehör in der Grundschule führt manchmal bei Kindern, auch noch danach, zu merkwürdiger Schreibweise: Fiele Fögel vielen vom Himmel. Das kann schon mal wehtun, wenn man getroffen wird. Gelesen wird auch immer weniger? Vielleicht stimmt das für das männliche Geschlecht. Früher sah man die Ursache zuvorderst beim Comic oder Fernsehen, heute beim Internet. Aber da muss man ja auch wieder Texte lesen, leider oft mit beliebiger Groß- und (mehr) Kleinschreibung.

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7eggert 11.08.2016, 04:21
196.

Zitat von worlorn
Ihnen scheinen die vielen Verbesserungen entgangen zu sein. Ihr Beispiel ist so eine. Es handelt sich nicht nur um "daß/dass", sondern um die generelle Verwendung von "ß" und "ss". Kurzer Vokal davor = "ss", langer Vokal = "ß", ganz simpel. Gut, besser wäre es gewesen, das "ß" gleich ganz abzuschaffen. Das ist eine Sonderlocke des deutschen Sprechraumes, sonst kennt man das nicht. Sinnvoll ist auch, das Prinzip des Wortstammes zu stärken, etwa bei "aufwändig".
Nur welcher Vokal gilt noch als mittellang, welcher ist schon mittelkurz?

Wortstamm ist aufwenden, nicht aufwanden.

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7eggert 11.08.2016, 05:09
197.

Zitat von fuzzi-42
....der Schweiz gehts seltsamerweise! Wie war das mit dem Tellerrand?? ;-))
Und was haben die Schweizer davon? Keiner versteht sie.

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gmein 11.08.2016, 07:23
198. Aufstähen gegen Psychopaten

Zitat von worlorn
Und woher kommt "Aufwand", vielleicht von "Auf-Wand"? Sorry für die dumme Frage, bin Nichtgermanist, der aber die neue Rechtschreibung im weiten Teilen für gut hält. Wenn ich das Gejammer höre, dass es jetzt ein Durcheinander ist und wie schlimm jetzt aussieht. Die Leute sollten sich damit beschäftigen, flexibler werden, nicht stur in alten Gewohnheiten herumhängen. Für mich ist z.B. "dass" klasse und das alte "daß" sehr komisch, wenn ich es mal lese. Wer Goethe anmahnt, ist eh falsch drauf. Erstens wurde damals anders geschrieben und zweitens gehört Goethe ins Museum, aber nicht ins 21. Jhrdrt.
Aufwand kommt von aufwenden, aufstähen von Aufstand, Stand von stehen? Die Finanzminister scherten sich von Beginn an nicht um die Kultusminister, um Schule und die Falschschreibreform. Im Einkommensteuerformular heiß es definitiv > Aufwendungen

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gmein 11.08.2016, 08:01
199. Der Lage erlägen - Es schmerzt!

Käme stehen von Stand, müßte es stähen heißen, genau wie aufwänden von Aufwand, aufgäben von Gabe, aufrägen von Rage, verlägen - übersetzt: verlegen! - von Lage. Lage ist abgeleitet von legen, durch Vokaländerung, nicht umgekehrt. Das ist das Schöne an der deutschen Sprache. Bände ich ein Band; fände ich Ringe, für die ich gerungen habe. … Nur, verstehen sollte man es halt. Die Kultusminister haben das Gegenteil bewiesen, ein unsäglicher, unerträglicher Angriff auf die deutsche Sprache. Es schmerzt!

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