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Rechtschreibung: Macht die Reform die Schüler schlecht?
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Schüler in Deutschland haben ihre liebe Not mit der Rechtschreibung. Nun streiten sich Experten, ob der wichtigste Grund die Reform der Schreibregeln ist.

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Thomas Schnitzer 09.08.2016, 19:21
50.

Zitat von ditta
war diese Rechtschreibreform! Es wäre unseren Nachbarn in Frankreich oder England oder sonstwo auf der Welt kaum in den Sinn gekommen, am mitunter komplizierten Rechtschreibsystem etwas zu verändern. Nur unsere extremlibertären 68er mit ihrem konfusen [...]
Wie kommen sie denn auf das schmale Brett, andere Länder könnten da anders sein?

Die englische Sprache wurde bereits vor mehreren hundert Jahren von ein paar "extrem libertären 68ern" reformiert - man ließ bis auf den Genitiv sämtliche Fälle wegfallen, die zuvor wenig überraschend ziemlich genau den deutschen Fällen entsprachen.

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Gottloser 09.08.2016, 19:36
51. ß

Zitat von arac
Ein gutes Beispiel ist hierfür die Reform der Schreibweise mit "ss" oder "ß", die tatsächlich sinnvoll ist: Hier kann nun Kindern leicht die Regel beigebracht werden, dass ein scharf gesprochener s-Laut nur dann mit "ß" geschrieben wird, wenn der Vokal lang gesprochen wird. Dies kann man gut mit antrainieren - doch funktioniert dies auch nur, wenn Grundschulunterricht regelgeleitet erfolgt.
Was ist daran sinnvoll, dass man immer noch die Ligatur aus langem und kurzem s der deutschen Schrift von vor 1943 weiterführt. Bei der Einführung der Lateinischen Ausgangsschrift hat Hitler höchstpersönlich beschlossen, dass es beim ß bleibt. Ansonsten macht es absolut keinen Sinn. Die Schweizer haben dieses Relikt konsequenterweise schon längt auf den Müllhaufen geworfen.

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maria3333 09.08.2016, 19:37
52. Rechtschreibreform ist nicht schuld

Wer behauptet, die Rechtschreibreform sei schuld an den mangelnden Rechtschreibkenntnissen der Schüler von heute, der hat keine Ahnung und soll sich bitte aus der Debatte komplett raushalten.

Eine Reform von vor 20 Jahren beeinträchtigt vor 6-18 Jahren geborene Kinder und Jugendliche nicht im Geringsten, da sie von Anfang an die neuen Regeln gelernt haben. Sie wissen gar nicht mehr, dass man "dass" mal mit "ß" geschrieben hat. Und gerade bei "das /dass" liegt die Schwierigkeit doch gar nicht darin, ob man jetzt "das" oder "dass" schreibt, sondern darin, aus dem Kontext heraus zu unterscheiden, ob es sich um einen Artikel / ein Demonstrativpronomen / ein Relativpronomen ("das") handelt oder um eine Konjunktion ("dass / daß"). Das war vor 50 Jahren, als man das/daß unterscheiden musste, genau so schwer wie heute, wenn man das/dass unterscheiden muss.

Die Rechtschreibreform hat also überhaupt nichts mit der schlechten Rechtschreibung der Schüler zu tun. Vielmehr ist es die im letzten Absatz des Artikels mal kurz erwähnte Methode des Schreibens nach Gehör. Diese führt dazu, dass schwache Schüler keine Chance haben, in der Grundschule Rechtschreibroutine zu entwickeln und sich Schriftbilder einzuprägen. Daher diagnostizieren wir sie dann vermehrt mit LRS. Schüler, die mit der Methode richtig schreiben gelernt haben, haben das TROTZ der Methode geschafft oder weil ihre Eltern ihnen zu Hause zusätzlich richtiges Schreiben beigebracht haben.

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pekaef 09.08.2016, 19:39
53. Welche Rechtschreibung, bitteschön?

Ich bin Literaturübersetzer. Die "Rechtschreibung" unterscheidet sich von Verlag zu Verlag, teilweise von Werk zu Werk.

Der offizielle "Duden-Korrektor" bietet fünf Varianten:

1. Dudenempfehlung
2. Konservativ (bei Alternativen eher alte Rechtschreibung)
3. Progressiv (bei Alternativen eher neu)
4. Kombiniert (progressiv und konservativ erlaubt)
5. von Presseagenturen bevorzugte Variante.

Einheitliche deutsche Rechtschreibung? Hä?

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brooklyner 09.08.2016, 19:40
54.

Zitat von werners53
Die Hälfte der sz abschaffen war ja schon seltsam. Dann aber Stammformen einführen, die schlichter Quatsch sind. "aufwendig" kommt nun mal nicht von Wand, liebe Viehlolocken. Wer da ein Ä vorschreibt, ist schlicht unfähig und hat keine Ahnung von der deutschen Sprache. Bei Großschreibung, Zusammenschreibung und Kommasetzung hat man aus 70% mit, 30% ohne, die Regeln etwas verschoben, jetzt sind es 30% und 70%. Es hat sich was geändert, aber nicht zum Besseren. Laßt diese Unfähigen nicht noch mal die Sprache verhunzen.
Genau, deshalb heisst es ja auch "der Aufwend" und nicht "der Aufwand", gelle? Viel schlimmer sind Dinge wie "Fakt ist" (Ossisprech), "ich erinnere etwas" (Hamburger möchtegern Intellektuelle) oder "in 2005" (amerikanisch). Das ist schlimm. Oder dieses bescheuerte "Der Front National", es heisst "Die Front", man sagt ja auch nicht Die Eiffelturm (La tour Eiffel) oder der Tour de France (le tour de France).

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vaporix 09.08.2016, 19:47
55.

Zitat von politikus_ii
Totaler Quatsch ! Für die englische+amerikanische Sprache gibt es keine zentrale Stelle die eine Norm, wie man englische, amerikanische Wörter richtig schreibt, festlegt. Englisch wird übrigens noch in vielen anderen Ländern der Welt (z.B. Indien) gesprochen. Nirgendwo werden irgendwelche Normen festgelegt. Was sie als "Hochenglisch" bezeichnen ist nur ein dünkelhaftes und lächerliches Englisch einer Möchtegern-Elite.
Der Forist sprach sogar von "Hochamerikanisch", also Englisch mit irischem Holzhackerakzent, verfeinert mit einem "fake british accent", vergleichbar mit dem "Fernsehbayerisch" oder "Honoratiorenschwäbisch".

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trader_07 09.08.2016, 19:47
56. Doch, Sie wollten Vereinfachungen....

Zitat von 53er
wurden komplizierte Regeln unverändert beibehalten und einfache Regeln verkompliziert, z.B. das dritte f im Wort Schifffahrt. Schaut man sich im Web um, findet man dieses Wort ebenso häufig mit zwei wie mit drei f geschrieben. Es wäre sehr einfach zu erklären und zu lernen, warum hier nur zwei f reichen. Aber die Reformer wollten offensichtlich keine Vereinfachungen,
Doch, Sie wollten Vereinfachungen. Kompliziert war allenfalls die alte Rechtschreibung, bei der es sowohl zwei als auch drei Konsonanten in diesen Fällen gab.

Nach der alten Rechtschreibung hieß es "Ballettänzer" mit zwei f, aber "Balletttruppe" mit drei f.

Jetzt wird alles jeweils mit drei Konsonanten geschrieben. Was ist da für Sie kompliziert?

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benny_na_lievo 09.08.2016, 19:48
57. Meine Erfahrungen mit 4 großen Kindern

Wie viele hier schon angemerkt haben, liegt der Hase bei der Didaktik im Pfeffer. Als wir in der dritten Grundschulklasse die Lehrerin unseres ältesten Kindes auf die wirklich katastrophale Rechtschreibung aufmerksam machten, bekamen wir ehrgeizigen Akademikereltern zu hören, ein Grundschulkind habe noch nicht das Regelbewusstsein, Korrektur führe zu einer Lernblockade. Es hat bestimmt bis zur 8. Klasse gedauert, bis dieses Kind halbwegs fehlerfrei schreiben konnte und, nein, es hatte keine Legasthenie, es schreibt nun als Erwachsene fehlerfrei. Rechnen (so viel zum Thema nicht vorhandenes Regelbewusstsein bei Kindern) konnte es aber schon im Grundschulalter. Die deutsche Rechtschreibung macht es aber auch nicht leicht: Warum muss man Nomen groß schreiben? Warum muss es einen Unterschied zwischen das und dass geben, obwohl man den doch in der gesprochenen Sprache nicht macht (andere europäische Sprachen machen ihn übrigens auch geschrieben nicht: that und that, que und que, che und che, dat und dat). Die deutsche Rechtschreibung ist in einer Zeit entstanden, als Bildung ein soziales Distinktionsmittel war. Es wird Zeit, es wie die Holländer und wie die Italiener zu machen und unsinnige orthographische Schnörkel einfach abzuschaffen. Das Dumme ist, nur so als Beispiel: Die Hamburger Bildungsbürgereltern haben es vor einigen Jahren gezeigt, was passiert, wenn man ihnen die sozialen Abgrenzungsmöglichkeiten des Bildungssystems wegnehmen will (damals das Gymnasium). Die würden auch ein Volksbegehren anzetteln, wenn man die gemäßigte Kleinschreibung einführen wollte.

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Gottloser 09.08.2016, 19:54
58. Was Sie nicht alles wissen

Zitat von mk1964
Der Fehler ist, dass permanent geändert wird: Bei der Unterrichtsform genauso wie bei Schreibschrift und Rechtschreibung. Und jedes Mal wird es schlimmer. [...]
Bei den Unterrichtsformen gebe ich Ihnen Recht, aber bei der Rechtschreibung sieht es doch anders aus. Rechtschreibreformen gab es in Deutschland 1876, (1901), versuchsweise 1944 und 1996 (verbindlich ab 2005) mit späteren geringfügigen Änderungen. Da kann man nicht von permanenten Änderungen reden.

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hemithea 09.08.2016, 19:55
59. an Thomas Schnitzer

Ich habe eine Ausrede, bin Ausländerin. Zudem habe ich heute ausschließlich auf Fremdsprachen (nicht Deutsch) kommuniziert. "Auf Arbeit" ist noch das Harmloseste, was ich an Kauderwelsch heute Abend von mir gegeben habe.

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