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Rechtsstreit mit der Schule: "Oft geht es um die Eitelkeiten der Eltern"
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Die Tochter kriegt in Deutsch eine Sechs - und natürlich ist die Schule schuld. Wann sich eine Klage lohnt, erklärt Rechtsexperte Thomas Böhm im Interview.

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MisterD 19.06.2019, 19:30
1. Ich hab in Deutsch mal ne 6 geschrieben...

es war die Analyse eines Gedichtes in Klasse 8. Ich hatte das meines Erachtens toll interpretiert, machte alles Sinn. Leider hat der Lehrer mit seiner Standardinterpretation das anders gesehen und hatte so gar keinen Sinn für Kreativität. Schade...

Meine Mutter hat sich das durchgelesen, mit den Schultern gezuckt und gesagt "Naja, es kommen ja noch 3 Klassenarbeiten, die müssen dann besser laufen..."

Heute würden manche Eltern vermutlich sofort die Nummer vom Rechtsanwalt wählen...

Ich nicht. Bei meiner Tochter werde ich es ähnlich handhaben, sofern es, wie im Interview gesagt, nicht um die Versetzung oder den Abschluss geht. Wobei... wenn der Abschluss an einer 6 in Deutsch scheitert, dann lagen die Probleme wohl doch eher vielschichtiger...

Für schlechte Noten ist man zu 99% selbst verantwortlich. Und das 1% muss man hinnehmen, denn auch im späteren Leben wird es diese unfairen Momente geben. Das sollte man besser schon in der Schule lernen. Allgemein wird den Kindern damit etwas sehr Verkehrtes beigebracht: "Schuld ist immer der Andere, ich selbst mache nie was falsch..."

Wer das in seinen extremsten Auswüchsen beobachten möchte, dem kann ich sehr empfehlen mal ein paar Wochen in China zu arbeiten. Da ist heute schon brandaktuell, worüber wir noch diskutieren. Einzelkinder, die in ihrem Leben nie Misserfolge hatten und dann mit Leitungsaufgaben betraut werden, wo nicht immer alles zu 100% glatt läuft... oh weia sage ich Ihnen, da kommt was auf uns zu...

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ThomasS79 19.06.2019, 21:08
2. Schwierig...

Ich erinnere mich an meine Abi-Zeit 1996. Ich habe Geografie immer gemocht und war sehr interessiert, belegte den Grundkurs in Klasse 11. Die Lehrerin, Frau L., mochte mich aber nicht. Ich konnte machen und schreiben was ich wollte, ich bekam 0 Punkte... ja ständig NULL Punkte! In beiden Halbjahren! Ich kann mich an Diskussionen und inhaltliche Vergleiche nach Klausuren erinnern, die einfach irrational und nicht rechtens waren. Zum Direktor oder gar juristische Schritte zog ich oder meine Eltern damals (warum auch immer) gar nicht in Erwägung! Zum Glück konnte ich die zwei Halbjahre aus der Wertung nehmen, musste dafür aber Gemeinschaftskunde zwangsläufig komplett in die Wertung einbringen, was mir deutlich schlechter lag. Die Konsequenzen waren somit überschaubar und in der Ausprägung auch eher psychologischer Natur. Ich habe seitdem nie wieder Zugang zu Themen der Geografie gesucht, von Städtebausimulationen mal abgesehen, die ich bis heute gelegentlich spiele. Noch während des Studiums dachte ich häufig an diese Sache, auch, dass ich trotz keiner Fehlstunden mir das ganze Jahr Geografieunterricht eigentlich hätte schenken können, mit dem gleichen Ergebnis! Ich habe die Lehrerin bis heute als negativste Erfahrung in meinem schulischen Erleben mit Obrigkeiten in Erinnerung - ob ich deshalb für mein Kind klagen würde? Eher nicht, das Leben ist nicht immer fair - und wenn ich Frau L. eine Lektion zu verdanken habe, dann diese! Ein Blume lege ich ihr dafür aber nicht aufs Grab!

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zausi 19.06.2019, 21:41
3. Lehrer sind definitiv nicht unvoreingenommen..

Das habe ich in meiner und meines Kindes Schulzeit beobachten und erleben können. Sie spielen sehr wohl ihre Macht über die Noten Vergabe aus. Des weiteren gehen ein sehr großer Teil nicht auf lehrn Defizite der Schüler ein wegen dem sehr streng gehaltenen Lehrplan weil immer mehr in immer weniger Zeit in das Kind eingeprügelt werden soll, ganz im Stile Chinas. Fehlt nur noch die wieder Einführung der Körperlichen Züchtigung. Auch das Schulsystem muss Wirtschaftlich gehalten werden in punkto Arbeiter züchten, denn ohne diese wären die gut betuchten sehr arm dran, weil sie nicht mal gerade einen Nagel in die Wand schlagen können ohne erst eine Anleitung zu studieren.....

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TS_Alien 19.06.2019, 21:50
4.

Die entscheidende Frage ist, was "sich lohnt" bedeutet? Es gibt "Eltern", die sich ein ganzes Schuljahr nicht um ihren Nachwuchs kümmern, aber am Ende aktiv werden, wenn die Versetzung nicht erreicht ist und auch eine Nachprüfung versagt wird. Als mittlerweile gestählter Klassenlehrer berate ich auch solche "Eltern". Leidenschaftslos. Aber korrekt. Zum Wohle des Kindes ist das selten. Es gibt durchaus Gründe, gegen die Entscheidungen der Klassenkonferenz vorzugehen, weil die Lehrer "nur" die Noten und die "Leistungen" des Kindes sehen. Dann wird oftmals eine von der Klassenkonferenz getroffene Entscheidung zurückgenommen. Weil das Ministerium die Rechtslage sieht, ohne den Schüler zu kennen. Schließlich geht es ja "nur" um eine Nachprüfung. An der profunden Einschätzung der Lehrer hat sich nichts geändert. Nur ganz selten bin ich auf der Seite der Eltern. So oder so.

Dann haben wir in den meisten Fällen den nächsten Schüler, der bereits in der Mittelstufe weniger Dreien im Zeugnis hat als er später an Leistungskursen belegen muss. Frust und Hass und Zukunftsangst des Schülers inklusive. Jahrelang. "Hurra".

Die Lehrer haben rechtlich nichts falsch gemacht. Auch die Eltern nicht. Juristisch. Um juristische Fragen geht es aber nicht. Es geht um das Wohl des Kindes.

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spellbound 20.06.2019, 08:00
5. Damals...

5. Klasse Bio: wir machten als Bonus-Arbeit außerhalb der Schulzeit zu zweit über mehrere Wochen ein Projekt zur alkoholischen Gärung: Note 5, weil wir das Ganze nicht in korrekten chemischen Formeln abgebildet hatten (Chemie hatten wir dann erstmals in der 10. Klasse)
Selber Lehrer, 6. Klasse: Ausfragen mit so Knallerfragen wie "Warum haben wir Blut und kein Benzin in den Adern?" "Äh...wegen der Blutkörperchen?" "Nein, weil wir sonst explodieren würden. Setzen, Sechs"
10. Klasse Mathe: Schulaufgaben immer Dreien und Vieren, im Zeugnis eine 5, weil mir der Lehrer ohne mich einmal abgefragt zu haben, soviele mündliche Sechsen gegeben hatte, dass ich final auf 4,6 stand.
Heute würden die Eltern vermutlich klagen, bis sich die Balken biegen. Damals gab´s für den Blut-Sechser, das Fünfer-Projekt und die Fünf im Zeugnis eins drauf, da die Autorität des Lehrers niemals angezweifelt wurde.
Hat´s geschadet? Damals auf alle Fälle. Wir lernten, dass Engagement nicht belohnt wird, dass der Schwächere immer chancenlos bleibt, dass es nicht fair zugeht und dass sich die Eltern niemals hinter die Kinder sondern immer hinter vermeintlich Autoritäten stellten.
Dass man aufstehen und sich wehren kann, lernten die meisten von uns erst sehr spät. Aber vielleicht hat gerade das dazu geführt, dass wir wissen, wie wichtig ist es ist, etwas zu tun und dass einem nichts geschenkt wird.

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j2011 20.06.2019, 09:39
6. Es gibt haarsträubende Helikoptereltern...

abe auch haarsträubende Lehrer und Lehrerkollegien, das stelle ich immer bei meinen Enkeltöchtern fest. Wenn ich sehe, dass bei meiner älteren Enkelin die gesamte Mittelstufe fast ausschliesslich von Referendaren bestritten wurde, stimmt da etwas nicht in der Zusammensetzung des Kollegiums. Meine jüngere Enkelin besucht eine Schule, wo fast 2000 Schüler lernen. Dort läuft es wie am Schnürchen. Ich selbst hatte in meiner Oberstufe eine Englischlehrerin, wo ich die Befürchtung hatte, dass ich im Unterricht mal handgreiflich werden würde. Ich habe mir ausgerechnet, was ich schlimmstenfalls für eine Note auf dem Abiturzeugnis haben würde und beschloss, den Englischunterricht zu schwänzen. Auf einem Schulfest tauchte diese Lehrerin mit ihrem kleinen Kind auf. Als ich ihr Verhalten ihrem eigenen Kind gegenüber beobachtete, wusste ich, dass mein Schwänzen des Unterrichts die richtige Entscheidung war.

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dickebank 20.06.2019, 10:16
7. Vorbereitungsdienst

Zitat von j2011
abe auch haarsträubende Lehrer und Lehrerkollegien, das stelle ich immer bei meinen Enkeltöchtern fest. Wenn ich sehe, dass bei meiner älteren Enkelin die gesamte Mittelstufe fast ausschliesslich von Referendaren bestritten wurde, stimmt da etwas nicht in der Zusammensetzung des Kollegiums. Meine jüngere Enkelin besucht eine Schule, wo fast 2000 Schüler lernen. Dort läuft es wie am Schnürchen. Ich selbst hatte in meiner Oberstufe eine Englischlehrerin, wo ich die Befürchtung hatte, dass ich im Unterricht mal handgreiflich werden würde. Ich habe mir ausgerechnet, was ich schlimmstenfalls für eine Note auf dem Abiturzeugnis haben würde und beschloss, den Englischunterricht zu schwänzen. Auf einem Schulfest tauchte diese Lehrerin mit ihrem kleinen Kind auf. Als ich ihr Verhalten ihrem eigenen Kind gegenüber beobachtete, wusste ich, dass mein Schwänzen des Unterrichts die richtige Entscheidung war.
Nur in welchen Jahrgangsstufen sollen Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst (Referendare und Lehramtsanwärter - beide m/w/d) ihren BdU abhalten, wenn nicht in der Mittelstufe?

Jahrgänge 5 und 6 haben überwiegend Klassenlehrerunterricht - notfalls auch fachfremd, Jahrgang 10 macht außerhalb der GY die ZPs, Q1 und Q2 eignen sich auch nicht für den Referendarseinsatz.

Bleibt für Referendare nur die Jahrgänge 7, 8 und 9 sowie die Jahrgangsstufe EF. Letztere entfällt dann bei Anwärtern.

Hinzukommt dass manche Schulen - vor allem aufgrund der Nähe zu den ZfsL/Studienseminaren - von den Lehrkräften im Vorbereitungsdienst aufgrund der räumlichen Nähe bevorzugt werden. Manche Schulen bilden auch nicht oder nur gelegentlich aus. Andere Schulen sehen aber eben den großen Vorteil, dass drei Refis/LAA mit jeweils 9 Wochenstunden eine Vollzeitkraft ersetzen und "billiger" als Vertretungslehrkräfte sind.

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Hwegraef 20.06.2019, 11:37
8. Eitelkeiten

Oft geht es um Eitelkeiten der Eltern - manchmal auch um Eitelkeiten der Lehrer. Wann geht es mal nicht um Eitelkeiten? Ein schönes Thema wäre ja tatsächlich das Wohl der Kinder. Darum geht es aber schon lange nicht mehr. Kinder ich verstehe wenn ihr für eure Zukunft die Schule schwänzt!

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hinz.und.kunz 20.06.2019, 12:10
9.

Zitat von TS_Alien
[...] Um juristische Fragen geht es aber nicht. Es geht um das Wohl des Kindes.
Wenn geklagt wird, geht's nur um juristsiche Fragen. Ob das Kind dann auf der Strecke bleibt, das ist dann eine andere Frage.

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