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Rechtsstreit über Professoren-Gehälter: "Das ist einfach zu wenig"
DPA

Wie viel Geld muss ein Hochschullehrer verdienen? Sind 4000 Euro zu wenig? Darüber entscheidet jetzt das Verfassungsgericht, denn ein Chemiker hat gegen die Besoldungsordnung geklagt. Im Interview erklärt der Geschäftsführer des Hochschulverbandes, wie viel Professoren wirklich bekommen.

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Gizmo77 14.02.2012, 10:23
90. Von wegen Nebeneinkünfte

Wenn man sich hier durch die Beiträge liest, könnte man den Eindruck gewinnen, dass alle Professoren sich ständig auf gut bezahlten Vortragsreisen befinden oder sonstwie tolle Nebenjobs haben.
Zum einen erlauben nicht alle Bundesländer Nebenverdienste, und wenn dann nur bis zu einem Zusatzverdienst von 5.000,- Euro im Jahr. Alles was darüber geht, muss abgegeben werden. Zum anderen sind es nur wenige Fachbereiche, in denen das möglich ist, z.B. bei den Architekten, Ingenieuren, Medizinern und Juristen.
Mit welchen Nebenjobs soll bitte ein Philosophie-Dozent sein Gehalt aufbessern. Auch bei den Naturwissenschaften sind die Möglichkeiten begrenzt, und selbst dort wo es sie gibt, heißt es noch lange nicht, dass jeder Prof. sie auch angeboten bekommt oder .... und das ist der wichtigste Punkt, überhaupt die Zeit hat, neben seiner Lehr- und Forschungsverpflichtung auch noch auszuüben.

Der hier offenbarte Neid macht einen sprachlos.
Zitat von haltetdendieb
Dieses Interview ist vermutlich eines der besten, welches ich auf Spiegel-Online gelesen habe. Und die ganze Zeit darüber her zu erwähnen, dass es sich um kein "niedriges" Gehalt handelt, ist ziemlich herausragend. Ein prima Interviewer, der sich nicht mit den üblichen Antwirten abspeisen lässt. Herr Dr. Prof. soll doch einfach mal in die freie Wildbahn gehen, wenn ihm sein Gehalt nicht gefällt. Es ist ein Unding, falls der BGH dem Bestreben.....

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TS_Alien 14.02.2012, 10:25
91. .

Bei einem Professor wird die Ausbildungsdauer wenigstens bei der späteren Pension anerkannt. Bei einem promovierten Lehrer dagegen ist die Promotionsdauer reiner Luxus, d.h. die Pension ist deutlich niedriger als bei einem Lehrer, der sofort ins Schulleben eingestiegen ist.

Sowohl Professoren (die ohne Zusatzeinnahmen) als auch Gymnasiallehrer verdienen viel zu wenig. Netto kommen da Stundenlöhne heraus, die man als Aussenstehender kaum glauben kann.

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Andreas Kah 14.02.2012, 10:29
92. Deutschland - einig Neiderland

Was kann man sich in diesem Land aufregen über die Gehälter von Politikern, Beamten und jetzt Professoren. Jedes Zehnerl wird argwöhnisch betrachtet und mit dem eigenen Einkommen verglichen. Dabei wird vergessen, wie viel und vor allem wie hemmungslos sich der gesamte Manager und Bankenbereich bedienen darf.

Ich persönlich möchte nach Abitur, Studium und echter Doktorarbeit, nach befristeten Verträgen und zig Auswahlverfahren, nicht mit dem Gehalt eines Gymnasiallehrers nach Hause gehen. Kein Wunder, dass manche Profs den Job dann nur als Rentenversicherung und Altersvorsorge betrachten. Deutschland sollte gerade den Wissenschaftlern und Forschern eine lukrative Heimat bieten. Denn was sonst haben wir zu bieten?

Ich finde, Politikern sollte das Dreifache bezahlt werden, jeder Nebenverdienst, auch auf Jahre danach, aber verboten.
Professoren sollten mindestens das Doppelte bekommen, dafür aber einen festen Teil ihrer Zeit für Lehre verwenden müssen.

Unter dem Strich ist das am billigsten für uns alle.
Und wer vor Neid glüht, dem sage ich, mach's halt selbst, steht dir ja offen.

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neubremer 14.02.2012, 10:32
93.

Zitat von atipic
Man sollte nicht vergessen, dass ein Prof. (lese – Beamter) der 4.000 € im Monat verdient, keine Arbeitslosenversicherung-, keine Renten- und keine Krankenversicherungsbeitrag zu leisten hat. In der freien Wirtschaft MUSS ein Akademiker als Angestellter all diese Versicherungen bedienen, und dass bei 40 Stundenwoche. Wenig ist monatlich 4.000 € netto - nicht! Und man sollte mit Vergleiche aufhören! Oder ist es der Neid?
Ich will Dir nicht komplett widersprechen, aber zumindest ein paar Dinge sollten klar sein.
1) Ein Professor ist beihilfeberechtigt und muss daher eine private Krankenversicherung abschließen (50%-Tarif), welche wegen des berufsbedingten hohen Eintrittsalters (hohe 30) bei Weitem nicht so billig ist, wie die Locktarife einem Glauben machen wollen.
2) Ich kenne bisher keinen Professor unter 60, der weniger als 40 Stunden pro Woche arbeitet.

3) Wenig sind 4.000 Euro netto nicht. Viel im Vergleich zum harten Selektionsprozess in unterbezahlter, prekärer Beschäftigung aber auch nicht. Erst Recht nicht, wenn man es mit schulischen Lehrberufen vergleicht (die nebenbei 10 Jahre früher eine sichere Perspektive für Beruf- und Familienplanung haben).
All diese Dinge rechtfertigen aus meiner Sicht, die Klage auf Erhöhung der Grundbesoldung, sind selber aber nicht gerechtfertigt.

zu 1) Professoren sollten meiner Meinung nach nicht verbeamtet werden (Genauso wenig wie Lehrer). Beamte braucht man aus meiner Sicht nur für leitende Verwaltungspositionen und Vollzugspersonal mit hoheitlichen Befugnissen. Stattdessen sollte es lieber unbefristete Beschäftigungsverhältnisse ab Postdoc-Niveau geben, wobei die Professur lediglich außertarifliche Entgeltvereinbarungen ermöglicht (ohne das davon der Status des sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten berührt wird).

zu 2) Professoren sollten sich lieber auf 40 Stunden Arbeit begrenzen und nicht um 1 Uhr nachts noch Kommentare zu irgendwelchen Papieren schreiben (Familien- und Sozialleben kommt bei vielen einfach zu kurz)

zu 3) Die jetzt vergleichsweise niedrigen Grundgehälter für Professoren sind gerechtfertigt, wenn ihnen ein weniger prekärer Karriereweg vorausgeht. D.h. ab Postdoc-Niveau unbefristete Arbeitsverträge die Regel sind, was längerfristige Beruf- und Familienplanung ermöglicht. Die Professur ist dann nicht mehr der Übertritt vom Angestellten- zum Beamtenverhältnis, sondern vom tabellentarifierten Angestellten zum Angestellten mit außertariflich verhandelten Gehaltskomponenten.

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k@nt 14.02.2012, 10:34
94.

Zitat von PIrot
Kompliment an der Interviewer: lange nicht mehr ein Interview gelesen, in dem so hartnäckig und ausdauernd nachgefragt wird. Best: "soll es also Extrageld fürs Altern geben?" Auch sehr gut: "Professoren haben es ziemlich gut, mit eigenem Büro, Vorzimmer und Mitarbeitern. Sie sind fast niemandem Rechenschaft schuldig und leben als kleine Könige im Hochschulbetrieb." Das trifft die Sache im Kern.
Nur mal so nebenbei, Einzelbüros sind in einigen Branchen der Standard.
Und auch wenn man nicht von jedem verlangen kann, die Wichtigkeit von Bildung in unserem Lande zu verstehen, sollte man doch anerkennen, dass dieses Land ohne nicht auskommt.
Und weil es in einigen Hochschulen noch der Fall ist, dass Professoren sich als " kleine Könige" sehen kann nicht als Grund dienen, den Rest nicht angemessen (sprich leistungsbezogen) zu zahlen.

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k@nt 14.02.2012, 10:43
95.

Zitat von zackedi
Man muss sich das mal klar machen: Um Professor zu werden muss man 5 Jahre studieren, mindestens 3 Jahre promovieren, mindestens 5 Jahre habilitieren und ist während dieser Zeit einem ständigen Veröffentlichungsdruck ausgesetzt. Wenn man es dann nicht schafft seine.....
Sie haben die Situation m.M. sehr gut dargestellt. Wenn man dazu noch den internationalen Vergleich anstellt, wird es für deutsche Hochschulabgaenger noch schwieriger, wenn z.B. britische PhD's ihren Titel oft schon mit 25 bekommen.

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muunoy 14.02.2012, 10:44
96. Feudale Systeme

Zitat von deepbrain
50000€ im Jahr hört sich vielleicht viel an für den Fragesteller. Aber man muss das doch mal im Vergleich sehen: Jeder angehende Arzt bekommt im Tarifsystem als "Ä1" ungefähr dieses Gehalt, als Facharzt (was ich vom Ausbildungsstand mit dem Doktor in der Wissenschaft gleichsetzen würde) .......
Sowohl Ärzte als auch Professoren leben in einem feudalen Staatssystem. Somit macht es auch keinen Sinn, diese zu vergleichen. Die außerordentlich schlechte Bezahlung von Anfängern oder denjenigen, die noch nicht die begehrte Stelle haben und die außerordentlich hohe Bezahlung der Fürsten, die es geschafft haben, ist halt typisch für diese Feudalsysteme und Grund z. B. dafür, dass unser krankes Gesundheitssystem kaum noch zu finanzieren ist.
Daher: Gleichstellung aller Beamten und Ärzte mit normalen Arbeitnehmern im öffentlichen Dienst. D. h., die zahlen dann in die Rente und in eine Krankenversicherung ihrer Wahl ein. Auch sollten sie kündbar sein. Dann könnte man die Gehälter auch ganz normal verhandeln und ich schlechten Zeiten wie in der Wirtschaft auch mal weniger zahlen und müsste nicht vor Gericht über das Gehalt verhandeln, was absolut lächerlich ist.

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arvid_berlin 14.02.2012, 10:47
97.

Zitat von Andreas Kah
Was kann man sich in diesem Land aufregen über die Gehälter von Politikern, Beamten und jetzt Professoren. Jedes Zehnerl wird argwöhnisch betrachtet und mit dem eigenen Einkommen verglichen. Dabei wird vergessen, wie viel und vor allem wie hemmungslos sich der gesamte Manager und Bankenbereich bedienen darf. Ich persönlich möchte nach Abitur, Studium und echter.....
Die tollen Politiker sollen doch gerne das doppelte Verdienen. Was mich allerdings am meisten stört sind die selbtsgestrickten Versorgungsansprüche, von Politikern für Politiker. Ist es noch zeitgemäß, dass es Landesparlamente gibt, wo nach 2 Jahren Ausübung irgendeines Amtes Pensionsansprüche erworben werden, die ein normaler Arbeitnehmer sein Leben über nicht erwirtschaften kann. Sieht man die auf uns zukommenden Pensionslasten (über 1,5 Billionen in den nächsten 20 Jahren) so frage ich mich, ob es noch sinnvoll ist Politikern oder anderen hohen Beamten Pensionen zu zahlen, von denen man bis zu 10 Renter versorgen könnte. Wohlgemerkt, die Herrschaften haben nie einen Cent ins System eingezahlt.

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k@nt 14.02.2012, 10:48
98.

Zitat von mawa12345
Eigentlich dient das Interview doch nur dazu, dass der SPON-Journalist (?) durch provokante Fragen seine Meinung vertreten kann. Mit neutraler Berichterstattung hat das wenig zu tun. Vielleicht wäre ein Kommentar oder eine Glosse da angebrachter. Mit viel Wissen über den Professorenberuf kann der Interviewer auch nicht glänzen. Schade eigentlich.
Was erwarten Sie eigentlich noch von SPON? Lange ist es her, dass dieses Magazin etwas für die Bildung der Bürger unternahm.

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jdm11000 14.02.2012, 10:48
99. 50000 Euro zu wenig?

Zitat von sysop
Wie viel Geld muss ein Hochschullehrer verdienen? Sind 4000 Euro zu wenig? Darüber entscheidet jetzt das Verfassungsgericht, denn ein Chemiker hat gegen die Besoldungsordnung geklagt. Im Interview erklärt der Geschäftsführer des Hochschulverbandes, wie viel Professoren wirklich bekommen.
Allein die Aussage, daß 50.000 Euro nicht wenig seien, ist schon abwegig.
Als Beamter haben wir die Alimentierungspflicht des Staates gegenüber der Person. Als Professor an einer Uni oder FH sind 3.000 Euro Netto einfach nur eines: lächerlich!
Wer glaubt, mit so niedrigen Einkommen in der Spitzenforschung verbleiben zu wollen, kann nur lachen. Wenn man vom Dschungel eines Förderungsmarathons und dem Schulungsstress an der Uni oder FH absieht, können diese Leute mir neu Leid tun.
Ein Glück habe ich diesen Weg nicht gewählt - denn von einem Titel kann ich mir kein Brot kaufen.

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