Forum: Leben und Lernen
Rechtsstreit über Professoren-Gehälter: "Das ist einfach zu wenig"
DPA

Wie viel Geld muss ein Hochschullehrer verdienen? Sind 4000 Euro zu wenig? Darüber entscheidet jetzt das Verfassungsgericht, denn ein Chemiker hat gegen die Besoldungsordnung geklagt. Im Interview erklärt der Geschäftsführer des Hochschulverbandes, wie viel Professoren wirklich bekommen.

Seite 16 von 16
Plasmabruzzler 15.02.2012, 09:15
150. Kurz gerechnet

Zitat von sysop
Wie viel Geld muss ein Hochschullehrer verdienen? Sind 4000 Euro zu wenig? Darüber entscheidet jetzt das Verfassungsgericht, denn ein Chemiker hat gegen die Besoldungsordnung geklagt. Im Interview erklärt der Geschäftsführer des Hochschulverbandes, wie viel Professoren wirklich bekommen.
Ich habe mal kurz den Rechner angeworfen und folgenden Vergleich angestellt:
Arbeitnehmer lebt in Nordrhein-Westfalen mit Steuerklasse I, zahlt Kirchensteuer und fängt mit 19 Jahren in der Entgeltgruppe 5 (TV-L) an bzw. in der E8 (TV-L). Nach derzeitigem Stand und jeweiligen Stufensprüngen hat derjenige mit E5 ca. 930.000 Euro bis zum 67 Lebensjahr netto verdient; derjenige mit E8 ca. 1.023.000 Euro.

Ein Professor ist in dem Vergleich auch in NRW, Steuerklasse I, zahlt Kirchensteuer und ist mit 42 W2 Professor geworden. Die Netto-Einnahmen vor diesem Lebensjahr bleiben unberücksichigt, da Studium, Promotion, Post-Doc-Phase und Habilitation schlecht bezahlt werden und zum Teil viel Geld kosten. Bis zum Alter von 67 Jahren hat dieser Mensch ca. 1.002.000 Euro netto verdient. Die PKV Beiträge sind unberücksichtigt, weil diese schwer zu berechnen sind. Annahme: diese Ausgaben sind in etwa so hoch wie die Einkünfte als Wissenschaftler vor der Professur.

Fazit bei dem doch hinkenden Vergleich:
Mit der Entgeltgruppe 8 kommt man ungefähr auf den selben Nettoverdienst wie ein W2-Professor. Durch z. B. Entgeltumwandlung kann man als Angestellter im öD auch etwas fürs Alter tun, während der Professor seine Pension erhält.
Für die E8-Stelle genügt aber eine Ausbildung im mittleren Dienst, für eine Professur muss man schon zur auserlesenen wissenschaftlichen Elite des Landes gehören.

Ich hoffe, ich kann damit die Gemüter etwas beruhigen, die behaupten, W2 Professoren würden in Geld schwimmen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
jjkoeln 15.02.2012, 18:52
151. nichts leichter als das

50.000€ brutto
in der freien wirtschaft kommen noch RV und AV ab, die netto kompensiert werden müssen: macht ca. 13.000€ brutto im jahr.
um die gleiche Altersversorgung zu erreichen, müssen ca. 1.000€ netto im monat zurückgelegt werden, macht brutto ca. 21.000€ im jahr.

das macht ein brutto von ca. 84.000€ im jahr.

jetzt muss noch eine vorsorge gegen das arbeitsplatzrisiko eingepreist werden, das macht brutto bequem ca. 30.000€ brutto im jahr aus.
nur das wird geflissentlich in den meisten vergleichen vergessen.

damit sind wir bei ca. 114.000€ pro jahr, die in der freien wirtschaft von einem gleich ausgebildeten (promoviert, evtl. zusätzliche weiterbildung) als fixum verdient werden müssen, um auf das gleiche niveau wie professoren kommen zu können.



Zitat von Conny44
Wie Sie zu solch einer Aussage kommen würde gern einmal belegt sehen. Es ist einfach kaum zu glauben, was in diesem Forum alles behauptet wird.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
wombat 16.02.2012, 07:22
152. Es macht Deutschland hoffentlich wieder attraktiver

Ich bin zumindest froh übers Urteil. Es macht hoffentlich bald Deutschland wieder attraktiver für Akademiker und damit auch für mich. Ich bin gerade dabei mich auf Professuren zu bewerben und habe auch schon erste Einladungen an einigen Top-Universitäten in den USA bekommen. Wenn ich nun das Grund-Gehalt mit dem in den USA vergleiche, ist Deutschland einfach nicht wettbewerbsfähig. Verhandlungsgeschick und Zulagen hin oder her.

4000 Euro Grundgehalt sind in manchen Disziplinen wirklich nicht viel. Gerade, wenn die Uni sich den internationalen Vergleich, auch mit der Industrie, stellen muss. Erst letztlich habe ich noch Angebote aus der Privat-Wirtschaft bekommen, die bei dem zwei bis fünf-fachen lagen. Man wird nicht Professor fürs Geld, aber es kann doch auch nicht sein, dass ich als Voll-Professor in Deutschland nicht viel mehr verdiene als ein PostDoc in den USA. Hier bekomme ich Mitleid zugesprochen, dass man ja unter bezahlt ist und in Deutschland soll es plötzlich unangemessen viel sein. Das einzige wozu es führt, dass mehr und mehr Top-Wissenschaftler Deutschland verlassen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
hjm 16.02.2012, 18:06
153.

Zitat von wombat
... Das einzige wozu es führt, dass mehr und mehr Top-Wissenschaftler Deutschland verlassen.
An diesem Problem wird schon gearbeitet. Durch eine grundlegende Umstrukturierung des Schulsystems (kompetenzorientieter Unterricht, G8, Inklusion, Abitur für alle) wird der Abfluss von Top-Wissenschaftlern aus Deutschland schon bald versiegen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
wodan2000 17.02.2012, 13:37
154. Mindestlohn fuer Profs

Also, man kann es drehen und wenden wie man will- defact ist Papa Staat als Arbeitgeber gesagt worden, du musst deine Angestellten anstaendig entlohnen. Und wir reden hier ja nun nicht von einem existenzbedrohenden Hungerlohn fuer die unterbezahlten Profs- man kann damit halt keinen Luxus finanzieren.
Wenn also Profs Anrecht auf eineanstaendige Entlohnung durch ihren Arbeitergeber haben, wie isses dann eigentlich mit dem nicht akademisch geweihten Arbeitnehmer/Angestellten in der freien Wirtschaft, sollte dem gann nicht ein Mindestloh zugesprochen werden, bei dem er eben nicht erst zum Amt muss um ueber die Runden zu kommen??

Man komme mir nicht mit Leistungslohn etc. dann muessten etliche Profs wirklich Aufstocker sein. Darueber hinaus ging es ja hier um Gehaelter mit variablen Anteil, wobei der feste Teil ja deutlich über 3x H4 liegt........

Beitrag melden Antworten / Zitieren
lindenbast 19.02.2012, 17:21
155.

Zitat von muldvarp90
Es ist auch nicht so, dass sich die Professoren dagegen wehren, nach Leistung bezahlt zu werden.
Die Frage ist nur eben, wie man Leistung definiert.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
opitz2010 02.12.2012, 14:35
156. Vorfeldarbeiter und Stewardessen erreichen mehr

Traurig, was für eine Vorstellung sich viele Menschen von der Situation der Professoren machen. Ich habe in einem Fachbereich gearbeitet, in dem über Asien geforscht wird und Sprachen gelehrt werden, die an Volkshochschulen nur unbefriedigend oder gar nicht unterrichtet werden, für die es aber großen Bedarf gibt, weil Asien immer wichtiger wird. Dort werden sprachkompetente Praktiker und Wissenschaftler ausgebildet, die wir für unsere Zukunft dringend brauchen. Da gibt es aber keine Aufträge aus der Wirtschaft wie im Bereich Chemie/Medizin, keine Bitte um Gutachten wie sie Juristen und Mediziner erhalten; nur wenige Professoren haben wenigstens ein halbes Sekretariat, nur wenige haben wiss. Mitarbeiter. Die meisten machen alles selber, einschließlich Aufbauen des Beamers, gehen Kopieren etc. - keine Zeit für Nebentätigkeiten, man freut sich, wenn man am Wochenende mal Zeit findet, einen Aufsatz gründlich zu lesen.
Bis sie in einem harten Auswahlverfahren den Ruf als Professor an die Uni erhalten haben, angeln sie sich von einem 50%/33%/25% Zeitjob zum anderen durch und versuchen, sich wissenschaftlich weiter zu qualifizieren; wer es aber mit 45 nicht geschafft hat, eine der wenigen Professuren zu bekommen, was macht der?
Die Belohnung für den Gewinner sind knapp 50.000 Euro brutto per Jahr. Das stecken die berühmten Vorfeldarbeiter vom Flughafen Frankfurt seit ihrem Streik nach drei Monaten Training ein, und jetzt auch das Bordpersonal der Lufthansa. Ist das fair? Noch einmal: Die meisten Professoren werden mit Anfang 40 berufen - nach 20 Jahren Studium und wissenschaftlicher Arbeit mit ungewissem Ausgang. Da sind 50.000 wirklich kein großer Anreiz für die Besten.

Wer den Job auf dem Vorfeld oder in der Kabine nicht bekommt, macht halt etwas anders - er hat nicht viele Jahre wissenschaftliche Arbeit in den Sand gesetzt. "Die haben halt auf's falsche Pferd gesetzt" mögen viele sagen. Ok, aber das ist schon bitter genug. Soll man die, die es dann geschafft haben, nicht besser bezahlen?
Mir sieht es eher so aus, dass unsere Politiker sich sagen, die sollen doch froh sein, wenn sie den 50.000 Euro-Job als Professor kriegen. Aber woher sollen in Zukunft die Leute kommen, die sich z.B. in Asien auskennen, wenn es die Ausbildung nicht mehr gibt, weil die qualifizierten Leute wegen der schlechten Bezahlung eben nicht mehr in die Wissenschaft gehen?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Observer 17.06.2014, 13:12
157. Ich weiß ja nicht,

welcher Teufel da den Autor geritten hat, aber 50.000,- € Jahresgehalt ist doch tatsächlich wenig. Da verdient in der Tat jeder Oberstudienrat mehr.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
countdown 24.05.2015, 11:59
158.

Gehalt war noch nie "gerecht". Ich habe nur einen Bachelor, habe aber im letzten Jahr 180.000 CHF in der freien Wirtschaft verdient (gute Auftagslage). Dafür war im Jahr 2015 bisher nix los. Sicherheit gibts in meinem Job nicht. Muss eben jeder selbst abwiegen, worauf man steht (Risiko oder Sicherheit). Wo Gier sich nährt, setzt man auf Risiko. Wo Faulheit sich ausbreitet, setzt man auf Sicherheit. ;)

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 16 von 16