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Rechtsstreit über Professoren-Gehälter: "Das ist einfach zu wenig"
DPA

Wie viel Geld muss ein Hochschullehrer verdienen? Sind 4000 Euro zu wenig? Darüber entscheidet jetzt das Verfassungsgericht, denn ein Chemiker hat gegen die Besoldungsordnung geklagt. Im Interview erklärt der Geschäftsführer des Hochschulverbandes, wie viel Professoren wirklich bekommen.

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atipic 14.02.2012, 09:47
60. So ist es!

Zitat von Dani1987
Ich denke wenn die Damen und Herren Professoren mehr verdienen möchten, sollten Sie wie alle anderen Arbeitnehmer selbst, Ihre Nachfrage unter Beweis stellen. Viele Akademiker verdienen selbst nach Jahren keine 3000 Euro Netto, mit denen 15 % der Ärmsten unter den Armen unter den Professoren leben müssen, und von Zusatzgeldern für Vortragsreisen, etc. können die meisten auch nur träumen. Ich denke das Bundesverfassungsgericht sollte den Professoren entgegen kommen und den Beamtenstatus für dese Gruppe abschaffen, dann könnten Sie z.B. als Freiberufler Ihre Dienste, die dann ausschließlich nach Leistung entlohnt werden, anbieten.
Man sollte nicht vergessen, dass ein Prof. (lese – Beamter) der 4.000 € im Monat verdient, keine Arbeitslosenversicherung-, keine Renten- und keine Krankenversicherungsbeitrag zu leisten hat.
In der freien Wirtschaft MUSS ein Akademiker als Angestellter all diese Versicherungen bedienen, und dass bei 40 Stundenwoche.
Wenig ist monatlich 4.000 € netto - nicht! Und man sollte mit Vergleiche aufhören! Oder ist es der Neid?

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mulbrich 14.02.2012, 09:49
61. Juniorprofessur

Ich finde die Darstellung etwas einseitig. In den Naturwissenschaften gibt es nicht nur Professoren, die den ganzen Terminkalender mit lukrativen Nebenjobs vollgestopft haben. Es gibt viele, die ihren Job an der Uni sehr spannend finden und gerne ihre Zeit ohne Nebenjob dort verbringen würden. Das ist aber nicht so einfach bei dem Gehalt. Es wäre gut, wenn ein Professorengehalt genug hergibt, um ohne Nebenjob angemessen leben zu können.
Über die Juniorprofessur wird hier gar nicht gesprochen. In Baden-Württemberg verdient ein Junior-Professor nach Abzug des Krankenkassenbeitrags ca. 2700 Euro netto. Und das mit 35-40 Jahren und einer wöchentlichen Arbeitszeit von bis zu 60 Stunden, dazu noch ohne Zukunftsperspektive, denn die meisten Positionen sind auf 5 Jahre begrenzt. Wenn er danach dann nicht Beamter bleibt, hat er auch noch den Arbeitnehmeranteil zur Rentenversicherung verloren. Dazu gibt es weder Weihnachts- noch Urlaubsgeld.
Es ist verständlich, dass viele herausragende junge deutsche Wissenschaftler deshalb eine Karriere in den USA bevorzugen (ca. 2-3x soviel Gehalt) oder nach Frankreich gehen, wo es zumindest sichere Stellen gibt und sich der Job als Professor mit einem (aktiven) Familienleben verbinden lässt.

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haltetdendieb 14.02.2012, 09:50
62. Nötig provokanter Interviewer

Dieses Interview ist vermutlich eines der besten, welches ich auf Spiegel-Online gelesen habe. Und die ganze Zeit darüber her zu erwähnen, dass es sich um kein "niedriges" Gehalt handelt, ist ziemlich herausragend.
Ein prima Interviewer, der sich nicht mit den üblichen Antwirten abspeisen lässt.
Herr Dr. Prof. soll doch einfach mal in die freie Wildbahn gehen, wenn ihm sein Gehalt nicht gefällt. Es ist ein Unding, falls der BGH dem Bestreben nachgibt.

Polizisten müssten dann noch viel mehr bekommen, bitte Herr Oberpolizist sofort Klage für alle Polizisten einreichen.
Denn diese haben keinen der zu vielen hunderttausend Euro pro jahr dotierten Nebenjobs, die auch meistens dann noch durch Assistenten oder Studenten abgearbeitet werden.

Die Maßstäbe werden reichlich versch(r)oben Herr Professor.
Es ist auch sehr interessant, dass ein solches Interview teilweise als "provokant" bezeichnet wird. Was ist daran provokant, wenn man die Realität abbildet.
Ja und die Abermillionen an Nebeneinkommen, ja die dürfen nicht mitzählen. Weil, die gibt es zwar regelmäßig, aber einmal sind es 100.000 mal nur 93.200 Euro im Jahr. Dann kann man die doch nicht mit in die Berechnung einziehen.
Gegen W3 in ganz Deutschland und für Professoren, die ihren "Lehrauftrag" ernst nehmen.
Dieses Gejammer hängt mir zum Halse raus!

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Dumpfmuff3000 14.02.2012, 09:53
63. xxx

Zitat von HansCh
Ich selbst habe eigene Erfahrungen mit der Hochschulsituation bei Naturwissenschaften, die leider, als Folge einer gewissen Technologiefeindlichkeit (ebenfalls 68-er bedingt) Mängel bei der Versorgung unserer Wirtschaft mit Absolventen ergibt.
Legen Sie doch mal Ihre ideologischen Scheuklappen ab. Ich kenne eine ganze Reihe Alt-68er, die hervorragende Naturwissenschaftler und absolute Technikfreaks sind. Und insbesondere was die angebliche Technologiefeindlichkeit anbelangt, das ist ein easy widerlegbares Klischee, wenn man sich die vielen 68er im Bereich erneuerbarer Energien, Agraringenieurwesen, etc anschaut.

Eine Dominanz der Geistes- und Sozialwissenschaften kann ich höchstens bei der BWL erkennen, vermutllich zeitgeisbedingt.

Anonsten nennen Sie mir doch einfach mal eine Formel, mit der ich den gesellschaftlichen Beitrag eines Geschichtsprofessors quantifizieren und mit dem eines Physikprofessors vergleichen kann. Sie werden sehen, das ist schwer. Und es ist auch überhaupt nicht notwendig, wenn man einfach mal akzeptiert, daß sich eine hochentwicklete Zivilisation auch in solchen Gebieten Forschung leistet, die nicht sofort und unmittelbar betriebswirtschaftlich profitabel verwertbar sind. Auch den MInt-Fähcern gibt es da eine ganze Reihe von Beispielen.

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Spiegelleserin57 14.02.2012, 09:55
64. Arbeitsleben!

Chemiestudent!

Fassen wir einfach nochmal die Fakten zusammen, die schon bereits von anderen erwähnt wurden: Abitur - 5 Jahre Studium - mind. 3 Jahre Promotion - ein bis zwei Jahre postDoc - anschließend Habilitation. Das bedeutet, dass jeder Akademiker, welcher auch an einer Universität bleiben möchte, frühestens mit 35 Jahren eine Anstellung bekommt, welche die 15 Jahre Zusatzausbildungszeit von finanzieller Seite rechtfertigen. Von den 15 Jahren sind die ersten 5 Jahre ohne Gehalt. Das Doktorandengehalt liegt in meinem Fall (obwohl ich immerhin schon Diplom-Chemiker bin) und vermutlich für fast alle anderen hessischen Doktoranden bei ca. 1000 Euro (halbe Stelle). Als postDoc erhält man immerhin schon teilweise eine volle Stelle, da dieser allerdings typischer Weise im Ausland stattfindet, muss wohl auch dafür zusätzlich was bezahlen. Als Habilitant erhält man ebenfalls eine volle Stelle (schätzungsweise ca. 2000 € als promovierter Chemiker). Und da ist ein "nicht niedriges" Gehalt als Professor nicht gerechtfertigt!?

Ganz nebenbei lebt man bis zum Zeitpunkt einer Berufung nur in befristeten Arbeitsverträgen und weiß "heute" noch nicht, in welche Stadt man "morgen" leben wird. Und garantiert ist eine Professorenstellen bei weitem nicht. Sicherheit in Bezug auf Familienplanung gibt es auch und Rücksicht auf Verwandtschaft ist auch nicht möglich.
Weiterhin ist das Arbeitspensum des Großteils der Professoren und der Mitarbeiter, welche ich bis jetzt getroffen habe, deutlich oberhalb von 40 Stunden (Arbeiten am Wochenende nicht ausgeschlossen). Und selbst wenn die Arbeit einem Spaß macht, dann ist es trotzdem noch Arbeit.
Also seid doch bitte nicht neidisch auf die Professorengehälter...denn in der deutschen, akademischen Welt sind die Gehälter eher witzig. Seid doch eher neidisch auf alle ausgebildete Fachkräfte, die es in die Industrie geschafft haben...denn jene Leute können schon gut 10 Jahre früher anfangen deutlich mehr zu verdienen. Aber am besten seid gar nicht neidisch. (Das ist nämlich eine Charakterschwäche und spiegelt wieder, dass man unzufrieden ist, mit dem was man erreicht hat - passende Floskel dazu: Ohne Fleiß, kein Preis)[/QUOTE]

Befristete Stellen sind heute fast überall normal. Warum sollte die Uni da eine Ausnahme sein? auch dass man heute unter Unständen nicht weiß ob man morgen überhaupt nach einen Job hat ist leider auch Normalität genauso wie der Ortswechsel. Daher ist der genannte Betrag wohl etwas sehr subjektiv. Dass man mehr wie wie 43 Stunden arbeitet und auch Anrufe im Urlaub bekommt und aus dem Frei kommen muss ist auch für Personal was weniger verdient als Professoren fast Normalität. Ich habe mit 40 Jahren eine 80-Stunden gehabt ohne Professorengehalt. Neidisch braucht auf niemanden zu sein aber manche Leute verdienen auch auf Kosten anderer einfach zu viel. Letzendlich bezahlt auch der Steuerzahler die Studien, schon mal daran gedacht? Die Alternative wäre ja auch nicht zu studieren und zu arbeiten. Auch ohne Studium kann man viel Geld verdienen. Alle haben die Wahl welchen Beruf wir ergreifen wollen!
Übrigens was nutzt es dem König wenn er kein Fußvolk mehr hat denn
für das ist dann kein Geld mehr da.

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leerzeichen 14.02.2012, 09:56
65. Arme Poeten

Zitat von Philipp B.
Akademiker sind meiner Ansicht nach grundsätzlich unterbezahlt - das beginnt vor allem bei den Assistenten (die oft auch schon Dr. sind),
Da sprechen sie aber ein ganz anderes Problem an (bei dem ich Ihnen zustimme).
Die Professoren aber lassen sich von diesen Bütteln für ein Hilfshonorar die Bücher schreiben, deren tantiemen dann der Prof. kassiert.
Was die Profs an der Uni kassieren ist doch allenfalls ihr Grundbedarf. Das Meiste wird über Tantienem, Beraterhonorare und Vorträge erzielt.

Und wenns mal nicht reicht richtet der Kollege von einer befreundeten Partei eine neue Kommission oder einen Ausschuss ein, für irgendwas, aus irgendeinem Grund (es gibt immer genug Gründe...).

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arvid_berlin 14.02.2012, 09:59
66.

Zitat von atipic
Man sollte nicht vergessen, dass ein Prof. (lese – Beamter) der 4.000 € im Monat verdient, keine Arbeitslosenversicherung-, keine Renten- und keine Krankenversicherungsbeitrag zu leisten hat. In der freien Wirtschaft MUSS ein Akademiker als Angestellter all diese Versicherungen bedienen, und dass bei 40 Stundenwoche. Wenig ist monatlich 4.000 € netto - nicht! Und man sollte mit Vergleiche aufhören! Oder ist es der Neid?
Völlig korrekt!
Wer hier mit die reinen 50.000 Euro Brutto im Vergleich zu Ingenieuren oder Post-Doktoranden in der freien Wirtschaft hat vergessen, dass Beamtenstatus (Stichwort Jobsicherheit), Altersversorgung und die steuerlichen Vergünstigen einem Jahreseinkommen von locker 80 bis 90tsd Euro entsprechen.

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mocodelpavo 14.02.2012, 10:00
67. Angebot und Nachfrage?

Wenn der Weg zur Professorenstelle so hart und steinig und die Bezahlung so mies ist, dann frage ich mich doch wieso es immer noch keine dauerhaft unbesetzten Professorenstellen gibt. Unterm Strich scheint diese Karriere doch immer noch Ihren Reiz zu haben.

Wichtig ist vielleicht auch zu wissen, dass alle anderen so toll bezahlten Industriekollegen im Gegensatz zum Professor klar weisungsgebunden.
Und wenn die Professorenschaft einverstanden ist, hätte ich kein Problem damit: Gehalt rauf, leistungsbezogene Zulagen rauf, im Gegenzug Vorteilsnahme wie die Anstellung von Freunden und Verwandten (Postengeschacher) unter Strafe stellen und jeden Nebenverdienst verbieten.

Und auch mal 50% der vorhandenen Professuren streichen. Wenn man sich mal anschaut, welche Dörfer heute alle eine Uni mit voller Bandbreite der Lehre haben...

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arvid_berlin 14.02.2012, 10:02
68.

Zitat von mr_supersonic
Wieviel verdient z.B. ein Abteilungsleiter in einer normalen deutschen Behörde?
Da hier zumeist auch Angestellte mit maximal E15 gemeint sein müssen liegen wir in diesem Fall bei ungefähr 2300 Euro Netto in der Eingangsstuffe!

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schmunda 14.02.2012, 10:02
69. Idealist

Vielleicht bin ich zu sehr Idealist, aber Geld sollte niemals ein Anreiz sein Professor bzw. Wissenschaftler zu werden. Die Triebfeder hinter diesem recht unsicherem Karrierweg ist zumindest bei mir, die Lust am Forschen, die relativ freie Arbeit an der Universität und das gute Gefühl eigenes erarbeitetes Wissen an nachfolgende Generation weitergeben zu dürfen. Ich sehe die Entwicklung der Gehälter ebenfalls kritisch, mir wäre es aber ziemlich egal ob es nun 50k € oder 60k € am Ende des Jahres sind. Das ist der lange steinige Weg, den viele Leute gehen, die einen Job haben wollen, der Ihnen Spass macht und Erfüllung bietet und nicht einfach nur 9 to 5 und abends Glotze an.

Eine Zwangsweise Anhebung der Grundgehälter hat wohl lediglich zur Folge, dass Institute noch klammer werden, was mit Sicherheit auf den Schultern des Mittelbaus und der Studierenden verteilt wird.

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