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Rechtsstreit über Professoren-Gehälter: "Das ist einfach zu wenig"
DPA

Wie viel Geld muss ein Hochschullehrer verdienen? Sind 4000 Euro zu wenig? Darüber entscheidet jetzt das Verfassungsgericht, denn ein Chemiker hat gegen die Besoldungsordnung geklagt. Im Interview erklärt der Geschäftsführer des Hochschulverbandes, wie viel Professoren wirklich bekommen.

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trackerdog 14.02.2012, 10:11
80. Professoren - Gehälter

Als Dipl.Ing. und Fachbereichsleiter in der Energiewirtschaft bin ich außertariflich Angestellt und trage eine hohe Verantwortung.
Von mir wird erwartet, dass ich jederzeit verfügbar bin, was auch Wochenenden und Feiertage betrifft.
Meine Arbeitszeit ist die Zeit, die ich "zur Erledigung meiner Obliegenheiten" benötige - was auch schon mal 12 Stunden sein können.
Wenn ich dagegen mein Gehalt betrachte, das nicht wesentlich über dem des beschriebenen Professors liegt, fühle ich mich auch nicht gerade üppig besoldet.
Fakt ist, dass gerade Naturwissenschaftler und Ingenieure nicht zu den Spitzenverdienern gehören. Das ist nach meiner Meinung der technik- u. wissenschaftsfeindlichen Einstellung nach 68 zu verdanken.
Anwälte und windige Banker verdienen sich mit Geschwätz und Luftbuchungen goldene Nasen.

Jeder Sozialarbeiter oder Politologe, der für eine der bunten Parteien die Hinterbank im Parlament drückt, hat für mein Einkommen nur ein müdes Lächeln übrig.
Unser Land steht und fällt mit Bildung, Technik und Wissenschaft!
Im Ausland hat man das längst verstanden und honoriert Spitzenkräfte angemessen.

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v.d.Klooth 14.02.2012, 10:12
81. Zeit

Zitat von Zeugma
15% verdienen also soviel wie der klagende Chemiker. Hat sich dann wohl nicht allzu klug angestellt. Die meisten leigen weitaus darüber dank Gutachten und Sonderpöstchen. Das läppert sich. Soll ja auch sein, aber bitte für diese Debatte sollte das alles objektiv auf den Tisch kommen.
Bitte bedenken Sie, dass sich die 15% auch aus dem Einstellungszeitraum heraus ergeben. Wer in den vergangenen ca. 10 Jahren (W-Professuren) eingestellt wurde, verdient deutlich weniger als jene, die davor eingestellt wurden. Das geht so weit, dass man auf jemandem auf einer C4 nachfolgt, der Unsummen verdient hat und dann aufgrund der Tatsache, dass man die Stelle als erste Stelle seiner Kariere antritt, bei 2600 Brutto liegt. Das wiederum ist weniger, als der Assistent verdient, der zum Lehrstuhl gehört, wenn dieser verheiratet ist, über 30 und eine alte BAT-Stelle hat.
Und wenn Sie glauben, dass irgendjemand, der nicht Jurist oder Wirtschaftswissenschaftler ist, für Gutachten Geld erhält, dann irren Sie!
Man begutachtet im Schnitt jede Woche etwa einen Aufsatz (peer-review), schreibt Gutachten für Kommissionen, Doktorarbeiten, BA- und MA-Arbeiten etc. - ca. 3 im Monat. Hinzu kommt die Korrektur von Klausuren, Hausarbeiten. Essays, Schwerpunktarbeiten. Dann kommt die Lehre hinzu (9 Std. zumeist), Sprechstunde, Betreuung von Abschlussarbeiten.
Und dann kommt das, was einem irgendwann ermöglichen soll, mehr zu verdienen: Die Weiterqualifikation durch Forschung, also die Arbeit im Labor in Archiven etc. Wenn das gelungen ist, kann man dann auch die "Vortragsreisen" (klingt spannend, nicht wahr?) machen und das Vorgetragene publizieren.

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Gizmo77 14.02.2012, 10:13
82. Das hier offenbarte Unwissen

... ist katastrophal.

Hergottnochmal, man könnte echt verzweifeln, wenn man solche Kommentare liest, die vor allem eines offenbaren, nämlich dass diese Foristen keine Ahnung vom Wissenschaftsbetrieb haben.
Eine Universität ist KEIN Wirtschaftsunternehmen. Wie soll denn bitteschön eine Nachfrage unter Beweis gestellt werden, für eine Dienstleistung, für die meist nicht bezahlt wird?

Wer solche Vorschläge macht, soll bitte auch mal erklären, wie das praktisch aussehen soll. Studierende bezahlen dann ihren Professor? Rotten sie sich im Park zusammen und wenn genug da sind, die bereit sind, für die Vorlesung zu bezahlen, kann sie stattfinden?
Erklären Sie doch bitte mal, wie es ablaufen soll, wenn ein Professor als Freiberufler arbeitet? Und ich meine das ganz ernst mit meiner Frage. Wer so etwas postet, soll es nicht bei plakativ-populistischen Äußerungen belassen, sondern mal Tacheles reden.
Dass (in vielen Bundesländern) keine Studiengebühren entrichtet werden, die Infrakstruktur, Labore, Hörsäle, Mensen, gute Vorlesungen, Praktika, Seminare und zudem interessante Vorträge und Veranstaltungen außerhalb der Vorlesungen bereitgestellt werden, wird als selbstverständlich hingenommen. Das alles soll umsonst sein.

Ich kenne Professoren, die nicht nur mehr als 60 Stunden in der Woche an der Uni sind, sondern auch noch abends, wenn sie nach Hause kommen, am Rechner sitzen, weil sie erst dann dazu kommen, ihre E-Mails zu beantworten.

Sie sind nicht nur für die Lehre verantwortlich, sondern haben große Arbeitsgruppen, die sie betreuen müssen. Wenn sie dann mal unterwegs sind, weil sie zu Projekttreffen oder Konferenzen reisen müssen, weil Drittmittelgeldgeber das verlangen, werden sie bei ihrer Rückkehr von Studenten mit den Worten empfangen "Na, war der Urlaub schön?".

Wer im Elfenbeinturm lebt, sind nicht die Professoren, sondern realitätsferne Foristen.


Zitat von Dani1987
Ich denke wenn die Damen und Herren Professoren mehr verdienen möchten, sollten Sie wie alle anderen Arbeitnehmer selbst, Ihre Nachfrage unter Beweis stellen. Viele Akademiker verdienen selbst nach Jahren keine 3000 Euro Netto, mit denen 15 % der Ärmsten unter den Armen unter den Professoren leben müssen, und von Zusatzgeldern für Vortragsreisen, etc. können die meisten auch nur träumen. Ich denke das Bundesverfassungsgericht sollte den Professoren entgegen kommen und den Beamtenstatus für dese Gruppe abschaffen, dann könnten Sie z.B. als Freiberufler Ihre Dienste, die dann ausschließlich nach Leistung entlohnt werden, anbieten.

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Frans-Daniel 14.02.2012, 10:13
83. Was für eine Frechheit!

Was für eine Ausgeburt an Beamtenmentalität. Wie wird hier mit dem Geld der Steuerzahler umgegangen! Fordern, fordern ohne irgendwelche Leistungen auch überhaupt bringen zu wollen. Verbeamtete Professoren sind ein Relikt aus dem finsteren Mittelalter mit Standesdünkel und Pfründenwirtschaft. Unkündbar, mit traumhaften Arbeitsbedingungen, wenig, wenn überhaupt Pflichtstunden die nicht wirklich eingefordert werden können, Freizeit ohne Ende. Qualität in Lehre und Forschung ist vollkommen willkürlich, Erfolgskontrolle nicht wirklich existent. Der Steuerzahler zahlt ohne Ende. Wenn ich mich an meine Studienzeit errinnere so hätte man den Großteil der Professoren auch zu Hause lassen können. Vorlesungen sind dilletantisch und schlecht vorbereitet, die Arbeit machen die Hiwis. Zeit haben die Profs nur für ihr Spielzeug und ihre einträglichen Nebengeschäfte. Zum Studium braucht man in den meisten Fächern keine Profs. Standardunterichtsmaterial, Internetvorlesungen, Hiwis und bundesweite Prüfungen könnten den Großteil des Unibetriebs ersetzen. Nur in der Forschung wo's Extrageld gibt läuft etwas.

Daher, wenn dem Herrn beamteten Professor sein Gehalt zu niedrig ist soll er sich eine anderen Beruf aussuchen oder in die freie Wirtschaft wechseln. Oder besser gleich das Beamtentum ganz abschaffen und nur befristete Lehr und Forschungsverträge wie in den USA einführen.

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abach 14.02.2012, 10:16
84. freie Wildbahn

Zitat von haltetdendieb
Herr Dr. Prof. soll doch einfach mal in die freie Wildbahn gehen, wenn ihm sein Gehalt nicht gefällt. Es ist ein Unding, falls der BGH dem Bestreben nachgibt.
Das tun die Herren Professoren bereits in einem Umfang, der in unserem Bildungssystem erheblichen Flurschaden anrichtet. Die akademische Laufbahn ist in den USA schneller und profitabler zu absolvieren als in Deutschland. Auch den Nachwuchs, der von den deutschen Universitäten kommt, zieht es ins Ausland. Allein in Berlin kann bald jede zweite Lehrerstelle in den Fächern Physik, Mathematik oder in Informatik nicht mehr mit regulär ausgebildeten Lehrkräften besetzt werden.

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Baikal 14.02.2012, 10:19
85. Vorgeschobene Gründe zumeist..

Zitat von leerzeichen
Und wenns mal nicht reicht richtet der Kollege von einer befreundeten Partei eine neue Kommission oder einen Ausschuss ein, für irgendwas, aus irgendeinem Grund (es gibt immer genug Gründe...).
.. weil die Ergebnisse entweder dann später ohnehin "politisch" interpretiert oder von vornherein schon in die bestimmte und gewünschte Richtung geschoben werden. Außerdem: 15 Prozent bekommen nur das spärliche Grund gehalt, aber 100 Prozent sollen mehr erhalten. Bananenrepublik. Aber nach dem Alimentationsprinzip zählen ja auch Kinder von Beamten mehr. Da ist das nur folgerichtig.

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wernherklima 14.02.2012, 10:20
86. Nur Selbstbedienung

Zitat von shovelbolle
Prima. Ich kann die Höhe meines Gehaltes einklagen ! Das wußte ich ja gar nicht was für ein unfassbarer Idiot ich doch bin ! Da müh` ich mich ein ganzes Leben ab anstatt mir einen lauen Lenz zu machen, meinem Hobby zu frönen und dann die Höhe meines Gehaltes einzuklagen. Und dann vielleicht wegen Burnout mit 47 krank machen und mit 54 in Rente. Wie geil ist das denn ?
Nein sie irren sich , sie und ich wir können unsere Gehaltshöhe natürlich nicht einklagen. Einklagen kann sich beliebig viel Geld nur wer sognannter Verfassungsrichter ist oder mit einem Verfassungsrichter "befreundet" ist.
Wir müssen leider weiterarbeiten um mit unseren Steuergeldern diese Selbstbediener und diesen Scheinprozess zu finanzieren.

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heinz_harald 14.02.2012, 10:21
87. >100.000€

ich würde den meisten Professoren, die ich kenne, weit über 100.00€ im jahr gönnen. Diese Leute sind meist Ausnahmetalente, besitzen z.T. einzigartiges Wissen in ihren Forschungsgebieten. Viele Professoren sind morgens um 8uhr, wenn ich so früh mal zur vorlesung gehe, bis spät abends, wenn der letzte aus dem institut geht, in der uni. Und dann beschäftigen sie sich auch noch meist zu Hause mit ihrem Fach. Viele sind also mit Herz-Blut dabei. Außerdem möchte ich mal sagen, dass Profs selbstverständlich keine semesterferien haben und ihre Aufgabe nicht nur in der Lehre, sondern auch in der Forschung und Betreuung von anderen Forschern besteht.

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k@nt 14.02.2012, 10:22
88. "Wie geil ist das denn ?"

Zitat von shovelbolle
Prima. Ich kann die Höhe meines Gehaltes einklagen ! Das wußte ich ja....
Der Weg zur Professur steht auch Ihnen offen. Nur Mut!

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wywy 14.02.2012, 10:23
89. ja zu Reformen

Der Vergleich mit Gymnasiallehrern macht die Absurdität offenkundig. Nicht alle, aber doch viele Professoren konzentrieren ihr ganzes Leben auf ihren Beruf der Weiterentwicklung des menschlichen Wissens. Nicht nur von diesem Anspruch sind Lehrer Lichtjahre entfernt. Sie bilden lediglich Jugendliche in der Erwartung aus, dass diese einmal mehr als ihre Lehrer leisten werden.
Beide Berufe benötigen den Beamtenstatus nicht. Er motiviert zur Hängemattenlage.

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