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Rechtswissenschaftler hinter Gittern: Jura-Studenten verordnen sich Knast-Aufenthalt
DPA

Ausgeblichene Bettwäsche, karges Essen, strenger Geruch: Anwälte und Richter wissen oft nicht, wie sich das Leben hinter Gittern anfühlt. 70 Jura-Studenten und Professoren haben sich jetzt für einige Tage selbst eingesperrt - und waren überrascht, wie hart das Gefängnis ist.

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SirJazz 19.04.2013, 11:55
1.

Hoffentlich wird keiner Richter von denen. Nachher verhängen sie keine Haftstrafen mehr, weil der Knast ja "so hart" ist...

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Plasmabruzzler 19.04.2013, 11:59
2.

Zitat von sysop
und waren überrascht,
Ich will ja kein Unmensch sein - aber soll es einem Verbrecher besser gehen als anderen Unschuldigen?

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Opferschutz 19.04.2013, 12:11
3. Prioritäten?

Das ist ein nobles und nützliches Ansinnen.

Welche Anstrengungen werden unternommen, um die Perspektive derer nachzufühlen, in dere Haus eingebrochen wurde, die Opfer von Gewalttaten wurden?

Die Opfer leiden oft über Jahrzehnte oder sogar lebenslang psychisch und/oder körperlich mit Auswirkungen auf Lebensqualität und teilweise -dauer, auf berufliche Leistungsfähigkeit und das Umfeld: Ehepartner, Kinder.

Wer im beschriebenen Artikel Respekt für die Schwere der Gefängnisstrafe entwickelt, der soll auch die Schwere der Straftat gemessen an den Auswirkungen verstehen.

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Olaf 19.04.2013, 13:17
4.

Zitat von sysop
Ausgeblichene Bettwäsche, karges Essen, strenger Geruch: Anwälte und Richter wissen oft nicht, wie sich das Leben hinter Gittern anfühlt. 70 Jura-Studenten und Professoren haben sich jetzt für einige Tage selbst eingesperrt - und waren überrascht, wie hart das Gefängnis ist.
Das ist sicherlich nicht verkehrt. Allerdings müsste man sich dann auch noch mal ausrauben oder zusammenschlagen lassen, um dass ganze Bild zu sehen.

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Ryngha 19.04.2013, 14:12
5. Genau!

Was wollen uns die Rechtswissenschaftler, Soziologen und sonst irgendwelche Leute schon sagen, die sich ihr Leben lang mit strafrechtlicher Schuld und angemessener Bestrafung auseinandergesetzt haben. Die sitzen ja nur in ihrem Elfenbeinturm und wissen ja gar nicht wie das richtige Leben ist.

Schließlich ist die Strafe nicht der Freiheitsentzug, sondern das Einsperren unter möglichst schlechten Bedingungen, natürlich gemessen an denjenigen, denen es auch im richtigen Leben - quasi die Unschuldigen! - mies geht. Den Straftätern gehts ja auch viel zu gut in einem deutschen Gefängnis.

Eigentlich ist Einsperren auch blöd. Es macht nämlich vielmehr Spaß mit Mistforken und Fackeln in den Händen die Sau durch das Dorf zu treiben oder Tomaten in die Mitte des Marktplatzes zu werfen. Wir sollten in unserer Gesellschaft alle kriminologischen Erkenntnisse über Bord werfen und die Talion als einziges Prinzips einführen.

Denkt doch einmal jemand an die Opfer.

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nikolaus12345 19.04.2013, 14:16
6. Die empfindlichen Lämmer

Man soll jetzt den Studenten einen Freigang erlauben, bekommt doch jeder der Häftlinge, auch "Lebenslänglichen"

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masc74 19.04.2013, 14:20
7. Kann nur zustimmen

Während meines Studiums haben wir auch eine Gefängniszelle "ausprobieren" dürfen, wenn auch wesentlich kürzer als die drei Tage, die die Studiengruppe im Artikel zur Verfügung hatte.
Ich muss auch sagen, dass der Kern des Strafgehalts der Haft nicht die Frage ist, ob man dort Fernsehen etc. zur Verfügung hat. Die Tatsache, dass man rund um die Uhr fremdbestimmt wird, ist sehr beklemmend. So hat Haft heute mit "kuscheln" überhaupt nichts zu tun, auch wenn heute Eisenkugeln an den Beinen oder Verpflegung bei Wasser und Brot Gott sei Dank nicht mehr üblich sind.
Aber natürlich wird gerade bei Langzeithäftlingen auch das Anstaltsleben irgend wann zur Normalität. Der Sozialpädagoge vor Ort hatte uns berichtet, dass es nicht wenige Häftlinge gibt, die nach langjährigen Haftstrafen gar nicht mehr in Freiheit wollen, da sie sich davor fürchten, drauße nicht mehr zu recht zu kommen.

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forenaccount 19.04.2013, 14:45
8. Nicht alle Häftlinge sind Verbrecher

Zitat von SirJazz
Hoffentlich wird keiner Richter von denen. Nachher verhängen sie keine Haftstrafen mehr, weil der Knast ja "so hart" ist...
Darum geht es doch gar nicht.
Es geht darum zu wissen, was man später als potenzieller Richter so tut und wie sich diese Strafe "anfühlt". Auch um einen Eindruck zu bekommen, ob es den "deutschen Wellness-Knast" gibt oder nicht. Die Menschen reagieren ja auch durchaus unterschiedlich auf die "Knasterfahrung". Hier hat man nun wenigstens ein - wenn auch rudimentäres - "Experiment", bei dem zudem noch der Kontakt zu anderen Gefangenen fehlt, gegen den die "Wenige-qm-Ruheoase" durchaus der Luxusteil des Aufenthalts sein kann. Wenn das schon EIndruck macht - gut so!

Zitat von Plasmabruzzler
Ich will ja kein Unmensch sein - aber soll es einem Verbrecher besser gehen als anderen Unschuldigen?
Nicht jeder, der im Gefängnis sitzt, ist ein Verbrecher...

Gerade Haftrichter und andere, die Untersuchungshaft oder Beugehaft anordnen, müssen ein Gespür dafür haben, was sie überhaupt tun. Qua Amtsbefugnis haben sie eine große Macht, die sie auch entsprechend anzuwenden verstehen müssen.

Hätten Sie auch einen Bekannten, der unschuldig in Untersuchungshaft saß und dessen Firma nur durch den Einsatz von Freunden, Verwandten und einigen Konkurrenten gerettet werden konnte, wofür paar Mark Fuffzich Haftentschädigung ein Witz sind, würden Sie anders über dieses "Experiment" denken.

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geallago 19.04.2013, 14:48
9. Gut so Olaf

Die Studenten sollten ruhig mal auch die Rolle eines Opfers einnehmen.
Die Angstzustände nach Vergewaltigung, Raub, Überfall und Einbruch.
Aber auch die Sorgen, die ein Opfer hat, wenn es durch einen 'armen Täter' um sein Erspartes gebracht wird.
Das Thema Strafvollzug kann sicher noch tiefer diskutiert werden.

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