Forum: Leben und Lernen
Reform-Initiative: So will eine Abiturientin Deutschlands Schulen umkrempeln
Watsamon Tri-yasakda

Jamila Tressel, 20, hat in der Schule zeitweise ziemlich gelitten. Nach dem Abi verfolgt sie nun ein großes Ziel: Sie will Deutschlands Schulen reformieren. Wie stellt sie sich das vor?

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kayakclc 12.06.2019, 14:32
20. 20 Jahrige schreibe ihre Biografie

"Wir wollen Schulen wachrütteln, indem wir fragen: In was für einer Gesellschaft wollen wir leben"... Das Grundproblem: es fehlt die Lebenserfahrung um zu verstehen, warum manches Wissen wichtig ist, und wie Verknüpfungen von verschiedene Gebiete erfolgen. Frau Tressel kennt die Welt nur aus Schülersicht. Sie kennt aber nicht die Welt aus der sich der Ärztin, der Rechtsanwältin, der Bürokauffrau, der Automechanikerin, der Hebamme etc. Das Leben jenseits der Schule muss erst noch erforscht werden. Aber Reformideen will Frau Tressel trotz mangender Lebenserfahrung von Schülern für Schüler dennoch vorschlagen? Über Leistungsdruck wird seit 50/60 Jahren diskutiert. Das ist aber ein selbstgemachte Elend der Gymnasiasten. Mein Vater hat immer gesagt, wenn das Gymnasium zu stressig wird, dann gehe doch auf die Hauptschule, Handwerker sind auch ehrbare Berufe. Nur heute drücken Eltern und Schüler auf das Gymnasium als neue Einheitsschule. Dabei haben Leute wahlmöglichkeiten, die aber die Koalition aus Eltern und Politik immer mehr den Schülern entziehen. Mütter meinen selbst Henrys sollen auf das Gymnasium.
Mir erscheint es so, dass man sich erst einem Leistungsdruck freiwillig aussetzt, sich dann über den Leistungsdruck beklagt und vergisst, dass das Abitur ursprüngliche eine Hochschulreife darstellte, und jetzt soll die Schule zum Erlebnispark werden, als eine Kindergarten für Jugendliche? Der größe Irrtum ist zu glaube, ohne Wissen könne man Kreativ sein und Problemlösen. Wir wissen, was dabei herauskommt: da wird das Rad immer wieder neu erfunden. Schnelle geht es, wenn erfahrende Lehrkräfte Schülern erklären, dass es das Rad schon gibt, und vor über 2000 Jahren erfunden wurde.

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VormSpiegel 12.06.2019, 14:32
21.

Zitat von e-matt
Solche Menschen sind produktiver und nicht so kosteninteniv (brauchen keinen Sklaventreiber). Leider werden Kinder in den Schulen weder zur Selbständigkeit angehalten, noch schafft man es, sie für irgendwelche Themen zu begeistern und somit zu motivieren.
Wer wirklich von sich aus lernen kann, der kann das auch in der Schule machen.
Wer selbst im Frontalunterricht beweist das er alles mitbekommt und alle Fragen beantworten kann, der wird vom Lehrer in den seltensten Fällen blöd angemacht.
Problematisch ist es viel eher bei den Schülern die eben nichts lernen wollen und ihre Zeit nur absitzen, da wird dann Leistung eingefordert, weil sie eben nicht freiwillig erbracht wird.
Einmal im Negativ-Kreislauf gefangen wird schlechte oder fehlende Leistung mit Bestrafung nur noch verschlimmert, anstatt Hilfe zu bieten werden schlechte Noten eingetragen die den Schüler brandmarken für das Schuljahr und die Motivation dann nur weiter senken, weil schnell der Wurm kommt von wegen "Es hat doch keinen Sinn sich anzustrengen" , gerade weil viele eben auch die Mentalität haben "einfach nur durchkommen, egal wie".

Gute Leistung wird durchaus belohnt, da muss man aber auch dran bleiben und das konstant bringen.

Schule wie sie ist belohnt die leistenden und bestraft die fehlende Leistung ; das ist schon ein schlechtes Konzept.
Bedeutet aber nicht das man Schülern einfach beliebig Freiraum geben kann, irgendwo muss ein Standard gefordert werden.
Ein Kind muss es eben einfach auch mal schaffen ein paar Stunden aktiv zuzuhören, das ist pauschal nichts negatives, der Mix wird gebraucht.

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axel_roland 12.06.2019, 14:36
22. zwiespältige Geschichte

wo ich ihr beifplichten muss: Es kann nicht sein, dass Lernziele und Lernmethodik seit 100 Jahren fast unverändert zum Einsatz kommen. Gleichzeitig warne ich aber auch eindringlich davor Kinder nur das machen zu lassen, worauf sie Lust haben. Das garantiert eine Nachwuchsgeneration, die mit jeder Arbeit unzufrieden und auch noch überfordert ist - logischerweise - das sieht man ja jetzt schon. Die Welt ist eben leider nicht immer ein Wunschkonzert. Jeder Personaler erkennt sofort den Unterschied zwischen einem motivierten, engagierten Mitarbeiter und jemandem, der die Arbeit eher als Hobby zum Geldverdienen ansieht.

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Cascara LF 12.06.2019, 14:36
23.

Zitat von e-matt
Dann hoffe ich mal, dass ihnen von ihrem Vorgesetzten jeden Tag ordentlich Feuer unter dem Hintern gemacht wird, damit sie ihre Leistung erbringen können. Ich persönlich habe einen Job, in dem ich mich selbst motiviere und somit auch gerne mal 12 Stunden am Tag mit guter Laune arbeite. In moderenen Arbeitsformen werden übrigens Mitarbeiter gesucht, die mit Hilfe intrinsischer Motivation durchstarten können. Solche Menschen sind produktiver und nicht so kosteninteniv (brauchen keinen Sklaventreiber). Leider werden Kinder in den Schulen weder zur Selbständigkeit angehalten, noch schafft man es, sie für irgendwelche Themen zu begeistern und somit zu motivieren.
Auch in solcher Situation müssen Sie Leistung erbringen und sind nicht frei von Zwängen durch Lieferzeiten, Erfolg etc. Alleine fürs Rumsitzen und gute Laune haben werden auch Sie nicht von Ihrem Chef bezahlt werden. Vielleicht haben Sie auch einen unproduktiven Job, solls ja geben, der Ihnen keine Leistung abverlangt aber dann sollten Sie nicht von sich auf andere schliessen.

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kuschl 12.06.2019, 14:36
24. Wer hat’s denn angerichtet?

Zitat von syracusa
Jamila hat völlig recht: Lernen muss Spaß machen. Ohne Spaß degeneriert es zum Pauken. Aber aus meiner Zeit als Hochschuldozent habe ich noch ein anderes Anliegen: das Niveau der Allgemeinbildung der Abiturienten ist unvorstellbar niedrig. Als ich die neuen Studenten - allesamt mit nur wenige Monate altem Abitur in der Tasche - in einem Ingenieurstudiengang zu betreuen hatte, war ich fassungslos. Selbst so triviale Voraussetzungen wie Prozent- und Bruchrechnen waren nicht gegeben, simple naturwissenschaftliche Zusammenhänge vollkommen unbekannt. Da muss ganz dringend was passieren!
Wer hat denn dieses Niveau seit unserer tollen 68er Generation auf den Schulen, Gott sei Dank noch nicht ganz auf den Universitäten angerichtet? Es war doch Ihre Generation, der politische Agitation wichtiger war als motivierender Unterricht. Man ging mit zum Klauen und ruft jetzt: Haltet den Dieb. Die MINT Fächer konnten sich noch einigermaßen gegen diesen Niedergang wehren, da sich das Niveau schon nach wenigen Semestern selbst reinigt. Bei den Sowi Fächern wird alles durchgeschleppt und nachher bestimmt genau dieses bildungspolitische Überangebot an Menschen die aktuelle Tagespolitik. Namen aus den Parteien müssen wir da gar nicht nennen. Ist man selbst da nicht erfolgreich gründet man als Geschäftsmodell eine NGO und treibt die Schwächen Politiker vor sich her.

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Cascara LF 12.06.2019, 14:43
25. Sehr pauschal

Zitat von mantrid
Schlechte Schulzensuren sind das Ergebnis schlechter Lehrer, denn die Zensuren spiegeln den Lehrerfolg der Lehrer wider. Miese Zensuren bedeuten also schlcihtweg, der Lehrer hat seine Aufgabe nicht erfüllt, Wissen und Fähigkeiten an Schüler zu vermitteln. Jetzt bitte nicht über faule Schüler oder Leistungsverweigerer meckern. Wenn die etwas interessiert, dann können sie sich damit stundenlang beschäftigen, siehe WhatsApp, Gaming usw. Zeigt der Schüler kein Interesse am Unterricht, liegt es am Lehrer, der seinen Unterricht offenkundig nicht interessant genug gestaltet. Das ist wie beim Fernsehen wenn die Einschlatquote sinkt. Da liegt Frau Tressel nicht so ganz verkehrt. Allerdings liegen uns Menschen (Leistungs-) Vergleich im Blut, egal ob Sport, Klamotten, Status, Umweltverhalten oder sonst etwas. Aufgabe eines Lehrers ist es, dieses natürliche Konkurrenzdenken in Höchstleistungen umzumünzen, wobei Schüler gern entdecken dürfen, dass Teamwork Erfolge oft erleichtert, soziale Kompetenzen meistens Vorteile bringen und vermeintliche Grenzen oft nur im eigenen Kopf existieren. Für diese Aufgaben sind Lehrer zum Teil zu Bedauern, zum Teil aber zu Beneiden, weil sie jungen Menschen völlig neue Welten zugänglich machen können.
Eine sehr pauschale Sichtweise und auch noch falsch. Wenn alle Schüler schlechte Noten hätten, dann wäre da etwas mehr Wahrheit dran, wird es aber nicht sein. Wer sich nicht der Wissensvermittlung öffnet und keine Verbindung zum Lehrstoff aufnimmt, aus Desinteresse an der Schule oder am Thema, den kommt kein Lehrer bei. Die Folge ist eine schlechte Note. Andere haben per se keinen Draht zu Naturwissenschaften und können mit linearer Algebra gar nichts anfangen. Ist das auch die Schuld des Lehrers? Glauben Sie ernsthaft, daß der Lernerfolg allein vom Lehrer und nicht von vielen Faktoren wie Thema, Interesse, Zugang, intellektuelle Fähigkeiten abhängt?

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e-matt 12.06.2019, 14:46
26. @Orthoklas: Was ist das Ziel des Abiturs?

Zitat von Orthoklas
Haben Sie, bei allem Respekt, verstanden, was das Ziel des Abiturs ist? Ich denke nicht. Außerdem ist das fehlerhafte Bildungssystem nicht Ergebnis alter, erzkonservativer Männer oder Frauen, sondern von unfähigen Politikern, die von Bildung nicht ein Jota verstanden haben und vollkommen vom Finanz- und vor allem Justizwesen gelenkt werden.
Schule ist Vorbereitung auf das Arbeitsleben. Aber dieses hat sich in den letzen Jahrzehnten massiv verändert. Um herauszufinden, dass "Orthoklas" ein kristallines Mineral ist, brauche ich eine Sekunde und muss kein Geologe sein. Das Wissen der Menschheit tragen wir heute im Handy mit herum. Aber wie man ein agiles Projekt aufsetzt, wie man mit internationalen Teams über mehrer Zeitzonen hinweg zusammen arbeitet, wie man neue digitale Geschäftsmodelle erschafft oder per Design Thinking sehr einfach Probleme lösen kann, dass bekommen unsere Kinder in der Schule nicht vermittelt. Natürlich gibt es Grundlagen die jeder Mensch beherrschen muss, aber die Schule muss sich eben auch an der heutigen (und künftigen) Arbeitswelt orientieren. Ürigens ... statt auf "unfähige" Politiker zu schimpfen, können sie ja mal konstruktive Vorschläge zur Verbesserung des Schulsystems machen. Aber so eine Art der Diskussion haben sie wahrscheinlich nie gelernt. "Gewaltfreie Kommunikation" ... auch ein schönes Schulfach :)

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Sensør 12.06.2019, 14:49
27. Klassenraumvergleich

Über den Verglech der Klassenräume mit denen von vor 100 Jahren musste ich schmunzeln. Vor 50 Jahren wurden wir in diesen Klasenräumen noch von den Lehrern verprügelt, wenn die einen nicht möchten - ob die junge Lady dies auch auf dem Zettel hat? Ich wünsche der Initiative "Schule im Aufbruch" viel Erfolg!

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ruudi1010 12.06.2019, 14:58
28. Stärken der Schüler

Aus der Erfahrung im Schulsystem in Baden-Württemberg kann ich für mich ableiten, dass es bei starken Schülern durchaus Sinn ergeben kann, sie freier lernen zu lassen und ohne den Druck von Noten. Bei leistungsschwachen Schülern sehe ich im Alltag nur, dass diesen oftmals die intrinsische Motivation fehlt ohne Druck zu lernen. Und da unsere Schule prinzipiell allgemeinbildend sein soll, müssen die Schüler hinterher auch die Dinge gelernt haben, die ihnen vielleicht keinen Spaß machen. Daher sehe ich so einen als allgemeingültig Weg, wie Schulen gestaltet werden sollen, als falsch an.

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zwischen_durch 12.06.2019, 15:02
29. Die Noten sind das Problem!

So lange die LehrerInnen verpflichtet sind am Ende des Schuljahres Noten zu geben, wird sich an der Situation in den Schulen nichts ändern.
Denn dieser Druck zwingt die LehrerInnen, den SchülerInnen abfragbares Wissen zu präsentieren, um durch Klassenarbeiten Noten zu produzieren. Das Unterrichtsgeschehen hat in den heutigen Schulen also nicht die Wissensvermittlung zum Ziel, sondern schlicht die Notenproduktion, denn dass ist die oberste Dienstpflicht von LehrerInnen. Es ist - platt gesagt - völlig egal, was im Unterricht passiert, Hauptsache am Ende des Schuljahres stehen Noten auf einem unterschriebenen Blatt Papier.

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