Forum: Leben und Lernen
Reform-Initiative: So will eine Abiturientin Deutschlands Schulen umkrempeln
Watsamon Tri-yasakda

Jamila Tressel, 20, hat in der Schule zeitweise ziemlich gelitten. Nach dem Abi verfolgt sie nun ein großes Ziel: Sie will Deutschlands Schulen reformieren. Wie stellt sie sich das vor?

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mrks 13.06.2019, 22:24
80. Die Realität an einem G8-Gymnasium in Baden-Württemberg ...

50% der Schüler wären bei einer verbindlichen und verantwortungsvollen Grundschulempfehlung nicht dort. KA-Schnitte von 3,x sind keine Seltenheit. Hausaufgaben gibt es praktisch keine, gibt es welche, werden diese schon in der 5. Klasse nicht mehr nachgehalten und ggf. auch korrigiert. Vertiefung des Stoffes findet kaum statt - O-Ton des Klassenlehrers: "Die Kinder müssen lernen, selbstständig zu lernen." Aha! Das lernen die Kinder auch ganz sicher von alleine und ganz ohne Motivation von außen. Als Eltern hat man nur zwei Möglichkeiten: Zuschauen und hoffen, dass das eigene Kind mit 10 Jahren schon die 20 Jahre Lebenserfahrung hat, die es braucht, um zu wissen, wie und wie viel Lernen sinnvoll ist. Oder eben selbst aktiv werden, Lust auf Lernen durch spannende Aufgaben wecken, das Kind mit Übungen versorgen, die gemachten Aufgaben nachhalten, Klassenarbeiten nachbesprechen usw. Der Zeitaufwand ist enorm, wer finanziell darauf angewiesen ist, dass beide Elternteile 100% arbeiten bekommt das kaum hin, erst recht nicht zu Tageszeiten, zu denen das Kind auch noch aufnahmebereit ist. Und da sage noch jemand, Bildungserfolg hänge nicht vom finanziellen Status ab! Natürlich darf dieser Anschub im Elternhaus nur über 1-2 Jahre kommen, dann muss der Junior selbständig laufen. Aber wie sieht Schule heute qualitativ in der Mittel- und Oberstufe aus, wenn bereits die Grundlagen in der Unterstufe nicht mehr stimmen? Deshalb ist es wichtig, dass diese Themen verstärkt auf den Tisch kommen, gerade auch durch junge Menschen getrieben. Jeder Impuls, jedes Hinterfragen, jedes Hinsehen hilft. Ach ja, bevor ich es vergesse: Der Notendurchschnitt unseres Juniors in der 4. Klasse war 1,0, ich darf Ihn also sicher zu den anderen 50% zählen ...

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interessierter Laie 14.06.2019, 08:21
81. die Idee ist ja schön...

aber die Frage ist: Auf welches Leben bereitet eine solche Schule vor - oder auf welches Studium. Man kann sicher über Methoden und Alternativen reden. Aber wenn die Schülerinnen und Schüler dadurch in jeder Berufsausbildung, jedem Studium und den allermeisten Jobs scheitern, ist ihnen nicht gedient. Und das lässt sich auch nicht so leicht ändern, denn Dozenten, Profs und Ausbilder später aber auch Kunden und Vorgesetzte haben kein pädagogisches Repertoire. Die fragen sich auch nicht: Was macht das jetzt mit dem Studenten, dem Azubi oder dem Mitarbeiter wenn ich ihn mit Theorie zubombe oder sage, dass er sich bitte genau jetzt und genau damit beschäftigen soll...

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hinz.und.kunz 14.06.2019, 09:38
82.

Zitat von e-matt
Schule ist Vorbereitung auf das Arbeitsleben. [...]
Die Vorbereitung auf das Arbeitsleben ist die Berufsausbildung.

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hinz.und.kunz 14.06.2019, 09:55
83.

Zitat von spon_3169209
[...] Schon zu meiner Schulzeit (vor 40 Jahren) war die Schulbildung wenig auf das Berufs- oder Ausbildungsleben danach ausgerichtet.[...]
Die Ausrichtung auf das Berufsleben erfolgt in der Berufsausbildung. Wo denn sonst?

Und: Warum sollte man in einer allgemeinbildenden Schule jemanden auf das Ausbildungsleben als Versicherungsmakler ausrichten, wenn der dann doch Automechaniker wird?

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könig dickbauch 14.06.2019, 10:48
84. Luftiges und Unverbindliches

Das lese ich aus Frau Tressels Antworten heraus. Beschwerden über Stress an der Schnellläuferschule, na so was. Der Rest ist viel aufgeblähtes Bla, bei dem ich mir gut vorstellen kann, dass es bei BMW & Co. gut ankommt. Für ein Fachprojekt mal eben nach England, sehr schön, und so billig. "Coach" sein ist heute so wie des Kaisers neue Kleider zu schneidern.

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remedias.cortes 14.06.2019, 14:27
85.

Zitat von annalogie
.. Damit wären wir bei fünftens, dem Hype um's Abitur. Durchgesetzt von Helikoptereltern zur Not mit Hilfe von Anwälten ohne das Kind nach seinen indiduellen Fähigkeiten und Kompetenzen zu stärken und befähigen. Was ist ehrenrührig am Handwerk? Immerhin ist es mit einem Meistertitel durchaus möglich, noch ein Studium aufzusatteln, so durchlässig ist das Bildungssystem.
Weil nicht jeder Schüler, der auf dem Gymnasium scheitert, praktisch begabt ist .
Weil schlechte Schüler oft - nicht immer!- auch in einem anderen Umfeld schlechte Schüler bleiben. Fragen Sie mal Meister, die Hauptschulazubis ausbilden. ich kenne einen, der sagte mir , am besten sind weibliche Abiturientinnen , die gerne mit den Händen arbeiten wollen.

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mhuz 15.06.2019, 18:17
86.

Wie oft will man noch die Schulen umkrempeln ? Jeder Schüler glaubt, dass er alles besser machen könnte.

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ondrana 15.06.2019, 21:16
87.

Zitat von misterknowitall2
Vielleicht müssen wir auch unsere Erwartungen und Vorstellungen korrigieren. Vielleicht ist der spannende, abwechslungsreiche und an die Realität verknüpfter Unterricht schlicht Utopie? Dazu braucht es nämlich entsprechend motivierte Lehrer und Schüler. Geht bei der Klassengröße heutzutage nicht auf und oft bleibt der Frontalunterricht als kleinster gemeinsamer Nenner. Und ganz falsch kann das ja auch nicht sein, schließlich haben wir Generationen so durch die Schule und an die Uni gebracht. PS: Die "Alten" verändern nichts, weil sie Angst haben, etwas falsch zu machen und bleiben deswegen gerne beim Alten. Denen macht die Veränderung nichts aus, sondern das sie selber nicht mehr mitkommen.
Sie unterliegen da einem Trugschluss. Frontalunterricht findet doch kaum noch statt,
Das Problem mit den heterogenen Lerngruppen (28 Schüler/innen, davon 2 mit Lernbehinderung 3 mit emotional-sozialen Problemen, 6 mit mangelhaften Deutschkenntnissen, 2 ohne Deutschkenntnisse, 4 aus prekären Verhältnissen, 4 mit LRS, 1 Hochbegabten, 5 sehr intelligenten und dem Rest von gut bis ausreichend) begegnet man heute einzig mit dem, was ich als "Lernthekenpädagogik" bezeichne:

Freie Arbeit, bei denen sich die Schüler/innen aus den angebotenen Materialien das wählen, was für sie gerade an Schwierigkeitsgrad und/oder Interesse machbar ist (oder wozu sie Lust haben), das ganze mit Selbstkontrolle, weil die Lehrkraft all das Papier, das produziert wird, zeitlich überhaupt nicht mehr korrigieren kann.
Man belügt sich damit, dass man sagt, das soll die Eigenverantwortung stärken, das soll individuell auf die Schüler/innen zugeschnitten sein, das wäre so wahnsinnig motivierend. Und man ist ja nun Lernbegleiter oder Lerncoach.

Am Ende ist das aber nur ein verzweifelter Versuch, angesichts der Herausforderungen der Heterogenität überhaupt irgendjemanden noch angemessen mit Lernstoff zu bedienen.
Erfahrungsgemäß macht das für die starken Schüler/innen keinen Unterschied. Die lernen, egal, welche Unterrichtsform ihnen vorgesetzt wird.
Auf der Strecke bleiben all die mit Schwierigkeiten. Je belasteter und schwächer die Schüler/innen, desto mehr Struktur und Anweisungen benötigen diese Kinder.

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ondrana 15.06.2019, 21:25
88.

Zitat von remedias.cortes
Weil nicht jeder Schüler, der auf dem Gymnasium scheitert, praktisch begabt ist . Weil schlechte Schüler oft - nicht immer!- auch in einem anderen Umfeld schlechte Schüler bleiben. Fragen Sie mal Meister, die Hauptschulazubis ausbilden. ich kenne einen, der sagte mir , am besten sind weibliche Abiturientinnen , die gerne mit den Händen arbeiten wollen.
Wenn es hier ein "Beifall-Icon" gäbe, ich würde es jetzt klicken.
Ich habe unter anderem Kunst als Fach und habe auch Werken unterrichtet.
Natürlich gibt es den einen oder die andere, der/die es kognitive Schwierigkeiten hat, aber bei praktischen Arbeiten glänzt. Auch gibt es den einen oder die andere, der/die gute Noten in allen Fächern außer den praktischen hat.

Das sind aber Ausnahmen. Die Regel ist, dass diejenigen, die sonst gut lernen, auch gute Praktiker sind. Sie haben nämlich das, was in den praktischen Fächern so wichtig ist:
Planungkompetenz, Durchhaltevermögen, Sorgfalt, Zeitmanagement, die Fähigkeit zu schätzen, Überschlagsrechnungen zu machen, Verlässlichkeit, Frustrationstoleranz und den Stolz auf eine Arbeit, die man gut gemacht hat.

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DavidBerg 16.06.2019, 14:02
89. Schulreform?

... die findet nicht in den Staatsschulen statt ...... Erziehung zur Freiheit und Verantwortung und Authentizität !? Die Waldorfschulen machen das schon seit 100 Jahren ....

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