Forum: Leben und Lernen
Rollenbilder an Hochschulen: Wann ist der Mann ein Mann?

Vom Haupternährer der Familie hin zum fürsorglichen Papa mit flexiblen Karriereoptionen - die Männer-Rolle ändert sich auch im Wissenschaftsbetrieb. Das Hochschulmagazin "duz" beschreibt die Zwickmühle: "Publish or parents" gebietet die Uni-Tradition - veröffentlichen oder Eltern sein.

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muctr 05.07.2010, 10:19
1. Warum die Aufregung?

Ich verstehe die Aufregung nicht so ganz, v.a. bei meinem Kollegen Matthias Klatt. Wie er bin ich auch Jurist in der wissenschaftlichen Qualifikationsphase, zwar nicht Juniorprofessor, sondern Habilitand mit DFG-Stipendium. Nun habe ich zwar "nur" 2 Kinder (4 und 5) und keine 3, aber ich muss sagen, dass Beruf und Familie nirgends besser zu vereinbaren ist als in der Wissenschaft.

Ich habe mich sehr bewusst gegen eine Karriere in der Anwaltschaft, Justiz oder im Notariat entschieden und stattdessen den Weg der wissenschaftlichen Laufbahn gewählt, eben weil er - im Gegensatz zu den anderen Berufen - perfekt mit Familie vereinbar ist. Genau wie ich es mir gewünscht habe, kann ich mich (meistens sogar mehr als) die Hälfte der Betreuungszeit um meine Kinder kümmern.

Anders als in den Naturwissenschaften können wir Juristen flexibel zuhause oder im Büro, tagsüber oder nachts forschen bzw. publizieren. Die einzigen fixen Termine sind die gelegentlichen Lehrveranstaltungen (bei mir 4h/Woche, bei Herrn Klatt wohl 8h/Woche) und ab und an ein Vortrag oder Tagungsbesuch. Der Rest der Zeit ist frei einteilbar, so dass ich problemlos die Kinder um 17h vom Kindergarten abholen und bis zum Schlafengehen betreuen kann, um dann bei Bedarf von 20.30 bis Mitternacht weiterzuarbeiten. In der Summe habe ich mich die letzten Jahr die Kinder deutlich mehr betreut als ihre Mutter, die in der naturwissenschaftlichen Forschung tätig ist und dafür eben (glücklicherweise wenigstens mit Stechuhr) im Labor stehen muss.

Beste Grüße
muctr

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Björn Borg 05.07.2010, 10:47
2. Weil sie gerechtfertigt ist

Zu den im Artikel beschriebenen Problemen, mit denen Männer zu kämpfen haben, wenn sie Familie und Karriere miteinander zu vereinbaren versuchen, kommt die massive Frauenförderung, die in manchen Bereichen völlig ungerechtfertigt dazu führt, dass Frauen bevorzugt eingestellt werden (und sich auch gegenseitig fördern), obwohl der Anteil der habilitierten und promovierten Frauen unter den Bewerbern sehr viel geringer ist. Für eine Frau mit Kindern gibt es tausend Förderprogramme, für Väter (und damit für deren Familien!) leider nur ein spöttisches Lächeln...

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Björn Borg 05.07.2010, 11:09
3. Weil sie gerechtfertigt ist

Zu den im Artikel beschriebenen Problemen, mit denen Männer zu kämpfen haben, wenn sie Familie und Karriere miteinander zu vereinbaren versuchen, kommt die massive Frauenförderung, die in manchen Bereichen völlig ungerechtfertigt dazu führt, dass Frauen bevorzugt eingestellt werden (und sich auch gegenseitig fördern), obwohl der Anteil der habilitierten und promovierten Frauen unter den Bewerbern sehr viel geringer ist. Für eine Frau mit Kindern gibt es tausend Förderprogramme, für Väter (und damit für deren Familien!) leider nur ein spöttisches Lächeln...

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jianxu 05.07.2010, 11:59
4. Wenn Frauen über Männer schreiben...

kommt zumeist nichts sinnvolles raus. Bitte, liebe Spon-Redaktion, verschont uns in Zukunft vor solchen Aussagen:

"Berichte von Neuro-Wissenschaftlern dagegen, wonach Männer erst nach der Gabe von Hormonsprays ähnliche Empathie-Werte wie Frauen erreichen, wie sie kürzlich von deutschen und britischen Forschern im Journal of Neuroscience veröffentlicht wurden, tragen eher dazu bei, klischeehafte Rollenbilder weiter zu zementieren."

Wenn die Studie tatsächlich wissenschaftlichen Standards genügt, dann zementiert sie keine Klischees, sondern erklärt natürliche Realität die nun mal nicht zu ändern ist. Wenn die Studie keinen wissenschaftlichen Standards genügt, dann ist es unverantwortlich sie zu zitieren ohne auf ihre sachlichen Schwachpunkte hinzuweisen.

In jedem Fall hat sich ihre Autorin mit der bewussten Verdrehung von Tatsachen leider selbst diskualifiziert. Und das bei einem Thema, das durchaus mal sinnvoll diskutiert werden sollte - siehe z.B. mein Vorposter: Männer werden bei der Einstellung im Wissenschaftsbetrieb von Gleichstellungsbeauftragten massiv diskriminiert!

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strangequark 05.07.2010, 12:32
5. veritas

Zitat von sysop
Vom Haupternährer der Familie hin zum fürsorglichen Papa mit flexiblen Karriereoptionen - die Männer-Rolle ändert sich auch im Wissenschaftsbetrieb. Das Hochschulmagazin "duz" beschreibt die Zwickmühle: "Publish or parents" gebietet die Uni-Tradition - veröffentlichen oder Eltern sein.
Ich habe mich bewusst gegen eine Uni-Kariere entschieden. Ließt man sich nämlich die Stellenauschreibungen im öffentlichen Dienst durch, bekommt man als Mann sowieso den Wunsch, nicht weiter der lieben Gleichstellungsbeauftragten auf den Nerv gehen zu wollen und wünscht beim Abschied alles Gute beim "Erhöhen des Frauenanteils" an den Rosinentöpfen der Forschungslandschaft.

Aber Forschung hat etwas mit dem Bedürfnis zu tun, die Wahrheit und nur die Wahrheit finden zu wollen. Wird davon abgerückt, wird woanders geforscht. Und wir schauen in die Röhre.

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Earendil77 05.07.2010, 13:13
6. ---

Zitat von Mareike Knoke
Berichte von Neuro-Wissenschaftlern dagegen, wonach Männer erst nach der Gabe von Hormonsprays ähnliche Empathie-Werte wie Frauen erreichen, wie sie kürzlich von deutschen und britischen Forschern im Journal of Neuroscience veröffentlicht wurden, tragen eher dazu bei, klischeehafte Rollenbilder weiter zu zementieren.
Das ist zwar richtig, aber so allein mehr als unglücklich formuliert. Wenn man keine inhaltliche Kritik an der Studie selbst bringt, spielt man natürlich den Freund_innen der PC-Debatte in die Hände.

@Männerbewegte: Es werden eben nicht Männer benachteiligt, sondern Eltern, die sich um Kinder kümmern. Denn wer das macht, kann sich logischerweise nicht mehr zu 100% der Firma/Wissenschaft/Karriere widmen, oder setzt sich zumindest diesem Verdacht aus, und weniger als 100% ist nicht erwünscht. Das betrifft heute auch Männer, wenn auch nach wie vor in geringerem Maße als Frauen.

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Christian Krippenstapel 05.07.2010, 13:21
7. Und die Konsequenz?

Im Artikel lese ich:
"Das hat Wippermann in seiner Studie "Männer: Rolle vorwärts - Rolle rückwärts" von 2009 herausgefunden. Berichte von Neuro-Wissenschaftlern dagegen, wonach Männer erst nach der Gabe von Hormonsprays ähnliche Empathie-Werte wie Frauen erreichen, wie sie kürzlich von deutschen und britischen Forschern im Journal of Neuroscience veröffentlicht wurden, tragen eher dazu bei, klischeehafte Rollenbilder weiter zu zementieren."
Wie verstehe ich das denn jetzt am besten? Wenn die Erkenntnisse der Neurowissenschaft womöglich Klischees zementieren, sollen wir sie dann ignorieren, die Forschungen einstellen oder welchen Schluß will uns der Autor damit nahelegen?

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Christian Krippenstapel 05.07.2010, 13:30
8. Ist das so?

Zitat von Earendil77
Das ist zwar richtig, aber so allein mehr als unglücklich formuliert. Wenn man keine inhaltliche Kritik an der Studie selbst bringt, spielt man natürlich den Freund_innen der PC-Debatte in die ......
Natürlich werden ELTERN beruflich benachteiligt, die zugunsten der Familie kürzer treten. Das ist grundsätzlich unabhängig vom Geschlecht, aber es betrifft in der Mehrzahl tatsächlich immer noch Frauen. Denen kommt aber auch der Löwentanteil der Förderungen zugute, z.B. Berufswiedereinstiegsprogramme, die es für Männer m.W. nicht gibt. Insoweit schneiden Männer, die sich daranmachen, ihre klassische Rolle zu überwinden, schon deutlich schlechter ab. Das ist natürlich nicht weiterführend, denn wenn Männer dafür auch noch benachteiligt werden, wird das ihre Bereitschaft zum Väterdasein nicht eben fördern.

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Christian Krippenstapel 05.07.2010, 13:50
9. Sic!

"Das hat unter anderem die Sozialwissenschaftlerin und Gleichgestellungsbeauftragte Dr. Sybille Jung an der Universität des Saarlandes in einer Umfrage herausgefunden. Etwa 70 Prozent der von Jung befragten männlichen Uni-Angehörigen erklärten, ihre Partnerin würde ihnen nicht zutrauen, die Kinder ebenso gut zu betreuen wie sie selbst. Und laut einer forsa-Umfrage von 2009 würde es 28 Prozent der Frauen stören, wenn sie deutlich mehr verdienten als ihr Mann. Bei den Männern dagegen hätten nur zehn Prozent ein Problem damit, wenn ihre Partnerin die Besserverdienerin ist."

Hochinteressante Ergebnisse übrigens, welchen die Gender-Forschung da vorlegt! Zu dem immer wieder gern erhobenen Vorwurf, es wären grundsätzlich die Männer, die auf der Bremse stehen, wenn es um die Neudefinition der Geschlechterrollen geht und Männer hätten alle ein tiefsitzendes Problem mit starken Frauen, die beruflich erfolgreicher sind als sie, passen die zitierten Ergebnisse jedenfalls wie die berühmte Faust aufs Auge! Für den Hinweis, daß es manchmal eben auch deswegen nicht recht voran geht, weil es viele Frauen gibt, die eine männliche Einmischung in "ihre" Domänen nicht gerne sehen, wäre mancher Forist vor gar nicht langer Zeit noch in der Luft zerrissen worden.

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