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Sachsen-Anhalt: Land will Lehrern ihre Überstunden abkaufen
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Sachsen-Anhalt hat gleich zwei Probleme: zu wenig Lehrer, und die haben zu viele Überstunden. Was tun? Der Bildungsminister hat einen Plan - die Gewerkschaft hält den für unverschämt.

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ohjeee 02.11.2018, 22:44
10.

Zitat von traditur
...gibt es für solche Fälle gesetzliche (Allgemeiner Arbeitsschutz und Regelung von Mehrarbeit und deren Bezahlung für Beamte) und tarifvertragliche (Regelung für Tarifangestellte) Vorschriften. Könnt man sich ja einfach mal dran halten. Tut man das nicht, verliert man die Klage sowieso.
Viele Lehrer sind in TZ beschäftigt. Gleitzeit ist in dem Fall nur eine Erhöhung des Kontigents um x%.

Gegen welche Regelung des ArbSchG wird denn Ihrer Meinung nach verstoßen?

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zaphof 02.11.2018, 22:54
11.

Als ich noch jung war, war mir Freizeitausgleich grundsätzlich lieber für meine Überstunden. Und heute würde ich mir die auch nicht vergüten lassen, da sich der Staat dank Steuern und Abgaben um die 60% davon krallen würde.

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TS_Alien 03.11.2018, 00:55
12.

Von einer 40-Stunden-Woche kann ein Lehrer nur träumen. Das unterscheidet ihn von den vielen Beamten, die in den Ministerien sitzen und regelmäßig Unsinn verzapfen.

Es gibt konservative Schätzungen, wonach Gymnasiallehrer rund 45 Stunden in der Woche arbeiten, wenn man die üblichen Urlaubstage annimmt. D.h. es fallen jede Woche 5 Überstunden an. Von einem eventuellen Ausgleich durch die Ferien kann daher keine Rede sein. Ebenfalls wird nicht berücksichtigt, dass es für Lehrer keinen Ausgleich für Arbeiten am Abend, am Wochenende oder an Feiertagen gibt.

Bei ehrlicher Betrachtung müsste man bei den Gymnasiallehrern das Deputat um 2 Stunden verringern. Selbst das würde keine Wochen mit Arbeitszeiten weit über 60 Stunden verhindern. Das Abitur z.B. korrigiert sich nicht schneller, nur weil man etwas weniger Unterricht hat.

Wer als jüngerer (!) Lehrer Mehrarbeit leisten möchte, sollte eines nicht vergessen: Es wird ihm nicht gedankt.

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burlei 03.11.2018, 07:39
13. Überstunden finanziell vergüten ...

... war schon immer die einfachste Lösung. In den 80er Jahren wurden mir als Beamten im öffentlichen Dienst, 350 Überstunden, ein Jahr keinen Urlaub gewährt, auch die Vergütung von Überstunden einschließlich einer Prämie von 50 DM/8 Std angeboten.Klar, man hat zugegriffen. Nicht weil das Geld reizte, sondern weil es überhaupt nicht absehbar war, wann man wenigstens seinen Urlaub des Vorjahres nehmen konnte, von den Überstunden ganz zu schweigen. Vater Staat war allerdings so nett und hatte diese Urlaubstage garantiert, sie verfielen also nicht. Der Personalmangel damals war extrem, Neueinstellungen nicht zu erwarten, die Anzahl der freien Tage beliefen sich auf 4 bis 5 pro Monat, also griff man zu. Der Finanzminister freute sich einen Ast. Mir hat es nichts gebracht und der Personalmangel besteht heute, 30 Jahre später immer noch.

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Fruusch 03.11.2018, 07:51
14.

Zitat von StefanieTolop
Da gibt es wohl mehrere problematische Aspekte. Lehrer arbeiten sowieso nach Lust und Laune und werden nicht kontrolliert. [...] So oder so: bei einer Berufsgruppe, die Arbeitszeiten nicht protokolliert und abrechnet, ist es schwierig, die Stunden nach Willkür zu vergüten.
Da hat jemand komplett falsch verstanden, wie "Überstunden" bei Lehrern gezählt werden. Als Überstunde gilt nur eine Vertretungsstunde, in der auch Unterricht gehalten wurde. Bloße Aufsichten zählen idR noch nicht einmal dazu. Stundenlange Klassenausflüge, tagelange Klassenfahrten, Korrekturen bis nachts um 1... das alles wurde und wird nie als Überstunde gelten.

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aktiverbeobachter 03.11.2018, 07:52
15. Lächerlich?

Zitat von HerrTurtur
Der Betrag ist natürlich lächerlich, aber darüber wäre zu verhandeln. Eine Dauerlösung kann das nicht sein. Vielleicht sollte man daran arbeiten den Beruf etwas attraktiver zu mache n, dann findet sich auch wieder mehr Nachwuchs. @StrefanieTrolop, Nr. 3: Lehrer haben ein Stundendeputat und keine 40-Stunden-Woche. Nur um die Mehrstunden zu diesem Deputat geht es. Vielleicht sollten Sie sich informieren, bevor Sie in das Stammtischbashing einstimmen. Lehrer ist ein harter Beruf und nicht jeder ist ein Experte, weil er mal zu Schule gegangen ist oder einen faulen Lehrer kennt.
OK. Warum finden Sie denn 33 Euro pro Mehrarbeitsstunde lächerlich. Diese Vergütung pro Stunde entspricht einem Monatslohn von 5.742 Euro. Und das finde ich ganz und gar nicht lächerlich. Welchen Betrag fänden Sie als Lehrer denn angemessen. Gerne mit einer Erklärung.

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trex#1 03.11.2018, 08:37
16. Milchmädchenrechnung

Zitat von aktiverbeobachter
OK. Warum finden Sie denn 33 Euro pro Mehrarbeitsstunde lächerlich. Diese Vergütung pro Stunde entspricht einem Monatslohn von 5.742 Euro. Und das finde ich ganz und gar nicht lächerlich. Welchen Betrag fänden Sie als Lehrer denn angemessen. Gerne mit einer Erklärung.
Das sind Unterrichtsstunden, keine Zeitstunden. Der Aufwand in Zeitstunden liegt höher. Daher sind die 5.742 Euro auch falsch.

Im Übrigen ist das für den Staat sehr billig, weil keine zusätzlichen Kosten anfallen (Erwerb von Pensionsansprüchen, Beihilfe, Urlaubsanspruch). Viel billiger als Neueinstellungen.

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elizar 03.11.2018, 08:46
17.

Zitat von aktiverbeobachter
OK. Warum finden Sie denn 33 Euro pro Mehrarbeitsstunde lächerlich. Diese Vergütung pro Stunde entspricht einem Monatslohn von 5.742 Euro. Und das finde ich ganz und gar nicht lächerlich. Welchen Betrag fänden Sie als Lehrer denn angemessen. Gerne mit einer Erklärung.
40€ pro deputatsstunde, netto.
Das mag sich für sie evtl nach viel anhören, aber faktisch sind das eher 2h arbeitszeit und dann sind es nur noch 20€.

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biofri 03.11.2018, 08:46
18. Endlich ein kleiner Fortschritt

Ich habe als Wissenschaftler an der Uni erlebt, dass jedes Jahr durch den Personalabbau infolge des Hochschulpakts auf Grund falscher Statistiken, ständig Überleistungsstunden anfielen. Diese Stunden sollten in der gleichen Woche genommen werden, was bei laufendem Praktikumsbetrieb im Sommersemester nicht möglich war. Um die Belastungsbilanz zu schönen, wurden geleistete Praktikumsstunden einfach nur halb angerechnet. Jetzt bin ich in Rente und habe für meine vielen Überstunden in der Lehre nie einen Ausgleich erhalten. Da empfinde ich einen, zumindest finanziellen Ausgleich als einen längst fälligen Schritt in die richtige Richtung. Aber ja, ich weiß, man spricht hier von den Lehrern, aber auch an den Unis sind unbegrenzte Überstunden, die niemand anerkennt eine gängige Praxis, weil es ja einen Ehre ist, an der Uni zu arbeiten und eine unbefristete Stelle wie ein Sechser im Lotto ist. Kein befristet angestellter Mitarbeiter würde bei seinem Professor darauf bestehen, dass er seine Überstunden abfeiern kann. In dieser Hirarchie würde das die Chancen auf eine Verlängerung des Befristungsvertrages enorm vermindern. - Soviel zur Bildungsrepublik Deutschland!!

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aktiverbeobachter 03.11.2018, 09:35
19. Recht

Zitat von elizar
40€ pro deputatsstunde, netto. Das mag sich für sie evtl nach viel anhören, aber faktisch sind das eher 2h arbeitszeit und dann sind es nur noch 20€.
Sie haben Recht, das hört sich für mich tatsächlich nach viel an. Nach sehr viel sogar. Ich weiß auch gar nicht, was an Ausbezahlen von geleisteter Mehrarbeit so besonderes sein soll. Ist in tariflichen Industriestrukturen völlig normal. Wird dort z.B. mit einem Zuschlag von 25% bis 6 Mehrarbeitsstunden pro Woche und 50% ab der 7. vergütet. Um bei dem Lehrerbeispiel zu bleiben. Wenn Sie sich dann jetzt 50 Stunden zu 33 Euro ausbezahlen lassen. entspricht das einem Bruttobetrag von 1.650 Euro. Das ist durchaus ein sehr angemessener Betrag. Wo liegt hier für Sie das Problem ?

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