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Schlimme Wissenschaftssprache: "Sprachstyropor macht mir schlechte Laune"
DDP

Implementierung, Paradigmenwechsel, Diskursivität: Das ist typisches Wissenschaftsdeutsch - unverständlich und aufgebläht. Im Interview erklärt Geschichtsprofessor Valentin Groebner, wie Studenten sich dahinter verstecken und gibt Tipps fürs bessere Schreiben.

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Dark Enginseer 12.05.2012, 12:21
1.

Zitat von sysop
Implementierung, Paradigmenwechsel, Diskursivität: Das ist typisches Wissenschaftsdeutsch - unverständlich und aufgebläht. Im Interview erklärt Geschichtsprofessor Valentin Groebner, wie Studenten sich dahinter verstecken und gibt Tipps fürs bessere Schreiben.
In einem bestimmten Kontext klar definierte Begrifflichkeiten zu verwenden, macht einen wissenschaftlichen Dialog überhaupt erst möglich.

Vor 2 Jahren gebrauchte ein damaliger Kollege von mir, der aus der IT-Branche stammte, das Wort "Redundanz".
Nach einigen Mißverständnissen während einer Diskussion stellte sich heraus, daß der Begriff "Redundanz" in seinem Fachbereich eine andere Bedeutung hat als in meinem (Technik).

Redundanz

Würde man komplett auf die Verwendung von Fachjargons verzichten, so könnte man die wissenschaftliche Kommunikation gleich in der Sprache der Ents führen.

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sample-d 12.05.2012, 12:24
2. |||||

Ich denke diese Styroporsprache wird man in den Naturwissenschaften selten finden, da man hier 'Nicht'-Wissen nicht verstecken kann. Ich denke das ist eher ein Problem der Geistes- und Wirtschaftswissenschaften..
Man erkennt das sehr schön manchmal hier im Forum wenn Physiker auf Philosophen treffen...

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lezel 12.05.2012, 12:30
3.

Man kann auch hier im Forum sehr schön beobachten, wie manche Foristen sich mit Bergen aus Schaum umgeben, weil der Kern fehlt.

Die Passivkonstruktionen der Verschwörungstheoretiker zum Beispiel sind nichts als ein verschämter Ausdruck dessen, was sie eigentlich meinen:

Ich weiß doch auch nicht, wer die geheimen Mächte sind, die ich überall rumspuken sehe, und ich hab's mir auch nicht aus den Fingern gesogen, sondern bloß abgelutscht von anderen Leuten, und wie die darauf kommen, das weiß ich auch nicht, aber wenn ich in jedem Satz das handelnde Subjekt weglasse und so davon ablenke, daß es tatsächlich gar keins gibt, dann glaubt mir ja vielleicht doch jemand. Bittebitte!

Und dann gibt es noch ein paar Spezialisten, die für den Notfall immer ein Brett vorm Kopf tragen, auf das sie "Ironie" geschrieben haben. Nicht, daß sie selbst wüßten, was es ist, aber sie haben herausgefunden: Wenn sie sich ganz grausam verrannt haben und ihnen dann jemand zeigt, wie weit sie sich von der Wirklichkeit entfernt haben, dann gibt dieser Erbsenzähler entnervt auf, wenn man irgendwas von "Ironie" schwallt. Denn jemandem, der sonst nichts begreift, auch noch erklären zu wollen, was Ironie ist und vor allem, was nicht, ist hoffnunglos; darauf kann man sich verlassen.

Die Kunst, das, was man meint, klar hinzuschreiben, ist selten.

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Pyr 12.05.2012, 12:47
4. ...

Zitat von sample-d
Ich denke diese Styroporsprache wird man in den Naturwissenschaften selten finden, da man hier 'Nicht'-Wissen nicht verstecken kann. Ich denke das ist eher ein Problem der Geistes- und Wirtschaftswissenschaften.. Man erkennt das sehr schön manchmal hier im Forum wenn Physiker auf Philosophen treffen...
Mag sein. Wobei, wenn es um die Fragen nach veschwurbelten Fachtermini geht, tun sich die jeweiligen akademischen Disziplinen allesamt nicht viel. Das gehört eben etwas dazu: Ein Nicht-Mathematiker wird daran scheitern, einen mathematischen Aufsatz zu lesen, genauso wie der Mathematiker sich nur schwerlich problemlos ohne entsprechendes Studium in den Wirren der Psychologie bewegen wird.

Deshalb frage ich mich manchmal: Warum sollen gerade die Geisteswissenschaften allgemein verständlich sein? Wie gesagt, es erwartet auch keiner, dass jeder "Uneingeweihte" beim Lesen der Fachliteratur der NW durchsteigt. Und jetzt bitte nicht das Argument: Ja, Momentchen, aber ihr lest doch nur ein paar Bücher und sprecht danach darüber, wie ihr euch fühlt. Das kann ich auch! Jaja, richtig...

Zum Thema "Nicht-Wissen": Ja, vielleicht kann man sein "Nicht-Wissen" in den Geisteswissenschaften leichter verschleiern, allerdings muss man den Leuten in den GW zugute halten, dass man hier insgesamt recht wenig "weiß", wenn Sie gefestigtes Wissen als das Ansehen, was man in den Naturwissenschaften durch Theorie & Experiment (und damit einhergehender Falsifizierbarkeit) erhält. Das kann es in den meisten Geisteswissenschaften nun einmal nur bedingt bis gar nicht geben.

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VPolitologeV 12.05.2012, 12:50
5. Pardon...

Zitat von sample-d
Ich denke diese Styroporsprache wird man in den Naturwissenschaften selten finden, da man hier 'Nicht'-Wissen nicht verstecken kann. Ich denke das ist eher ein Problem der Geistes- und Wirtschaftswissenschaften.. Man erkennt das sehr schön manchmal hier im Forum wenn Physiker auf Philosophen treffen...
...aber so einfach, wie Sie sich hier die Wirklichkeit machen, ist es nunmal nicht. Mit etwas rhetorischer Dreistigkeit lassen sich in jeder Wissenschaft Tendenzen zu Gesetzen umformen, Sachen in Kategorien klassifizieren und dabei hinderliche Variablen retuschieren, Verweise auf große Begriffe als "Luftpumpen" verwenden.

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Dumpfmuff3000 12.05.2012, 12:50
6. xxx

Zitat von sample-d
Ich denke diese Styroporsprache wird man in den Naturwissenschaften selten finden, da man hier 'Nicht'-Wissen nicht verstecken kann. Ich denke das ist eher ein Problem der Geistes- und Wirtschaftswissenschaften..
Ich weiß ja nicht ob Sie jemals studiert haben, aber ganz sicher kann man auch als Naturwissenschaftler Nicht-Wissen hinter leeren Phrasen verstecken. Genau wie in den GEsiteswissenscahften fällt ds aufgeweckten kollegen sofort auf, und genau wie in den Geisteswissenschaften kann man Laien damit beeindrucken. Scharlatane gibt es überall.

Zitat von sample-d
Man erkennt das sehr schön manchmal hier im Forum wenn Physiker auf Philosophen treffen...
Viele guten Physiker sind auch Philosophen und ein guter Philsoph hat in der Regel fundierte naturwissenschaftliche Kenntnisse. Was man allerdings hier im Forum gut erkennt, ist, wie in aller Regel wenig gebildete Antiintellektuelle versuchen, die sogenannten harten gegen die sogenannten weichen Wissenschaften auszuspielen und die Geistes-, Gesellschafts- und Kulturwissenschaften zu diskreditieren. Meist haben diese Leute selber nicht studiert und sind sich nicht ansatzweise im Klaren darüber, wie wichtig diese weichen Wissenschaften auch für ihren eigenen Alltag sind.

Zum Gebrauch von Fremdwörtern: Die sind unverzichtbarer Bestandteil jeder fachlichen Diskussion auf hohem Niveau. Egal ob sich zwei Kfz-MEchaniker unterhalten oder zwei Quantenphysiker. Hinter Fachbegriffen stecken komplexe Konzepte, die präzise zu umschreiben ohne die jeweiligen Fachbegriffe zig mal mehr Wörter in Anspruch nehmen würde. Fachbegriffe verkürzen und präzisieren die Kommunikation.

Oder was sagen Sie anstatt einem Fachbegriff wie "Zylinderkopfdichtung"? Umschreiben Sie diesen Begriff jedesmal, weil Ihre Frau sonst auf den Gedanken kommen könnte, Sie seien ein Blender, der sein Nichtwissen hinter irgendwelchen Fachbegriffen verstecken will?

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Dark Enginseer 12.05.2012, 12:50
7.

Zitat von lezel
Man kann auch hier im Forum sehr schön beobachten, wie manche Foristen sich mit Bergen aus Schaum umgeben, weil der Kern fehlt. Die Passivkonstruktionen der Verschwörungstheoretiker zum Beispiel sind nichts als ein verschämter Ausdruck dessen, was sie eigentlich meinen: (...)
Auch die Verschwörungsszene hat ihren eigenen Jargon aus Schlüsselwörtern, Redewendungen und Phrasen, keine Frage.

Vorsichtig eingestreut dienen Sie u.a. der Erkennung Gleichgesinnter im Alltag. Ohne äußere Erkennungszeichen sind sie in der Matrix jedermann und niemand.
;-)

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räuspertaste 12.05.2012, 13:09
8.

meiner meinung nach geht dieser Ratschlag an die falsche Adresse; rennomierte wissenschaftler sind wahre meister darin, ihre Erkenntnisse in einem gewusel aus 'super-substantiva' und ähnlichen Ungeheuern zu verflechten, dass einem als Student nichts anderes übrig bleibt, als sie zu übernehmen. Allein schon um keine inhaltlichen Fehler zu riskieren

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Pat-Riot 12.05.2012, 13:11
9. Schöne Worte, mehrere Wörter

Zitat von sysop
Groebner: Klar, ein bisschen angeben gehört dazu. Aber mit Worten wie diesen ist das nicht haltbar: Nach 15 Jahren andauerndem Gebrauch speit der Drache kein Feuer mehr.
Dass Groebner den doppelten Plural des Wortes "Wort" nicht beherrscht, würde ich ihm in einer Seminararbeit ankreiden. In dem zitierten Kontext kann es nur "Wörter" heißen, nicht "Worte". Das ist vielleicht kein Sprachstyropor, aber Sprachpech (klebt an jedem zweiten Text).

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