Forum: Leben und Lernen
Schüler mit Down-Syndrom: Auch Realschule lehnt Henri ab
DPA

Henri hat das Down-Syndrom, trotzdem soll er eine reguläre Schule besuchen. Erst weigerte sich das örtliche Gymnasium ihn aufzunehmen, jetzt auch noch die Realschule. Der Fall setzt die Landesregierung zunehmend unter Druck.

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Stefan_G 15.05.2014, 18:58
50. Warum muss...

Zitat von prisma-4d
...der mit Henri ein eigenes Lernprogram durcharbeitet! War in einer Doku so zu sehen!
... dann aber der Einzelunterricht im Klassenraum einer 5.Klasse Gymnasium (oder Realschule) stattfinden? Gibt es keinen geeigneten freien Raum dafür? Damit wäre beiden Seiten erheblich gedient.

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iasi 15.05.2014, 19:02
51. Es geht doch um Förder- oder Regelschule

Gleiches Recht für alle: Der Junge sollte daher dieselben Wahlmöglichkeiten erhalten, wie andere Schüler auch - nicht jeder besucht das Gymnasium oder die Realschule.

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KeineIdee100 15.05.2014, 19:12
52. Inklusion

ist nach dem Pisa-Terror, das neue Hirngespinst der Kultuspolitik.
Zunächst einmal schadet es sicher keinem Gymnasiasten, wenn er lernt, dass es Menschen gibt, die anders oder langsamer lernen, die evtl. auch besondere Rücksichtnahme brauchen. Wer ernstlich Angst davor hat, dass sein Kind durch einen Henri in der Klasse lerntechnisch in Rückstand gerät, der sollte sich fragen, ob sein Kind fürs Gymnasium überhaupt geeignet ist.
Allerdings kann es auch nicht angehen, dass, nur weil soziales Lernen wünschenswert ist und vor allem das soziale Gewissen beruhigt ist, Kinder mit Behinderung in Schulformen gepresst werden, die ihrem weiteren Werdegang zuträglich sind. Wünschenswert für Henri ist, dass er alles lernt, um später einmal ein möglichst selbstbestimmtes und selbständiges Leben führen kann, evtl. einen Beruf lernt, Gemeinschaft erleben kann und auch die Liebe entdecken kann. Alles das, was er dazu braucht, gezielte und angepasste Förderung, Menschen, die ticken wie er und ihn akzeptieren, findet er nicht am Gymnasium.
Wie soll das weitergehen? Lesen wir in 8 Jahren davon, dass seine Mutter will, dass er Medizin studiert, weil sein Grundschulfreund das vorhat?
Henris Wohl und seine Zukunft sollten im Mittelpunkt des Interesses stehen. Dazu gehört leider auch, dass er selbst und seine Eltern akzeptieren lernen, dass er anders ist. Nicht weniger wert, nicht besser, nicht schlechter, nur eben anders und mit anderen Bedürfnissen. Jetzt zu lernen, dass Lebenswege und Freundschaften sich trennen, dafür sich aber andere auftuen und entstehen, das lernen zu dürfen, würde ich Henri wünschen.

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magicmadmax 15.05.2014, 19:19
53. Das Zauberwort lautet:

Integrationshelfer.

Offenbar haben viele, die hier schreiben, absolut keine Ahnung und/oder Erfahrung. Auf Antrag (beim Jugendamt oder Landratsamt) kann einem behinderten (auch geistig behindert eingeschlossen) Schüler ein Integrationshelfer beigestellt werden, der sich im Unterricht und in der Schule explizit um den Schüler kümmert. Somit kann also nicht die Rede davon sein, dass Lehrer erheblichen Betreuungsaufwand haben oder der Lernfortschritt der übrigen Klasse darunter leidet. Und selbstverständlich gibt es bei Klassenarbeiten und Prüfungen den sogenannten Nachteilsausgleich, z.B. in Form von mehr Zeit.

Wer glaubt, zur Diskussion etwas beitragen zu wollen oder zu müssen, sollte sich bitte damit wirklich auseinandersetzen und nicht nur Plattitüden schreiben oder Klischees bedienen.

Ich sehe es keineswegs als erwiesen an, dass der Junge das Schulziel nicht erreichen kann.

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paps 15.05.2014, 19:22
54. Hallo Nordseter!

Bei Menschen mit Down-Syndrom gibt es, genau wie bei allen anderen, verschiede Ausprägung von Intelligenz. Diese muß gerade bei einer Lernbehinderung erkannt und gefördert werden. Dazu sind Spezialeinrichtungen nötig. Was soll denn ein Kind, egal ob Down oder nicht, welches nicht das Realschulniveau erfüllt, im Gymnasium? Die Kette der schulischen Mißerfolge wird nicht gerade zur positiven Persönlichkeitsentwicklung beitragen. Und wenn das Kind eben langsamer lernt, dann muß es länger unterrichtet werden. Dazu sind unsere Schulen nicht konzipiert.

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nikiname 15.05.2014, 19:34
55.

Mit entsprechender Schulbegleitung ist Inklusion kein Hexenwerk, sondern eine feine Sache, von der alle Schüler profitieren können. So wie es jetzt schon Zeitbonus und Nichtbewertung bei Dyskalkulie und LRS an Gymnasien gibt. Eine Schule, auch und gerade ein Gymnasium, sollte Kinder umfassend schulen, nicht nur Leistungsdruck erzeugen. Ich bin davon überzeugt, dass Henri einiges lernen und auch die Klassengemeinschaft bereichern kann. Er wird eben nicht bewertet, das bedeutet doch nicht, dass andere dadurch schlechtere Noten bekommen? Ich verstehe die ganze Aufregung nicht und wäre sehr erfreut, gäbe es an der Schule meiner Kinder solche Inklusionsprojekte.

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myonium 15.05.2014, 19:39
56.

Zitat von SachlichkeitBln
Ohne zu sehr pauschalieren zu wollen, die Argumente der Pro-Gegner lesen sich wie: Oh Gott oh Gott, dass könnte ja die behütete Heile-Leistungswelt meiner Kinder gefährden, nein sowas wollen wir hier nicht ... Also, ich nenne das gestrig, armeselig und ... ja, behindertenfeindlich.
Dazu sollte man wissen, dass sich die Eltern von Henris Klassenkameraden in der Grundschule bewusst für die Klasse mit Henri entschieden haben. Sie wollten das also; die können Sie kaum in die Ecke der redikalen Inklusionsgegner stecken. Dieselben Eltern haben sich aber jetzt zum allergrößten Teil ausdrücklich dagegen entschieden, dass ihre Kinder wieder mit Henri in die Klasse kommen (zumindest von denen, deren Kinder aufs Gymnasium sollen, weiß ich das) - die wissen also, wovon sie reden.

Eine solche Entscheidung sollte man als nicht direkt Beteiligter nicht leichtferig abtun, zumal die Eltern diese Entscheidung auch nicht leichtfertig getroffen haben.

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hj.binder@t-online.de 15.05.2014, 19:43
57. Wie wäre es ...

... wenn sich die arroganten Kollegien einfach mal gesetzestreu verhalten würden, z.B. keine Diskriminierung?
Ich verstehe nicht, warum der Minister das Gesetz nicht durchsetzen will/kann ?
Gibt es (Straf-)Juristen in BW die mal die "Beschlüsse" der Kollegien auf die rechtliche Substanz abklopfen könnten. Bis jetzt dachte ich, auch BW ist Bestandteil eines Rechtsstaates.

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topterrortroll 15.05.2014, 19:47
58. Als ob die Begründung...

...Henri müsse bei seinen "Klassenkameraden bleiben" von irgendeiner Relevanz wäre. Als man zu meiner Zeit aufs Gymnasium wechselte, hatten wir 50 Schüler in der Sexta und keiner kannte den anderen! Wenn Henri ohne seine "Freunde" schulische Probleme bekommt, gehört er auf keine weiterführende Schule! Die Uneinsichtigkeit seiner Mutter ist wohl grenzenlos!

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olchemist 15.05.2014, 20:17
59. Es ist höchste Zeit!

Allein die Kommentare hier zeigen doch deutlich wie nötig wir es haben, dass Behinderte endlich in unserer Gesellschaft integriert werden. Diese ganzen Leistungspseudoargumente, die nur zeigen, dass man sich nicht einmal die Mühe macht sich zu informieren worum es bei Inklusion geht. Dafür aber eine übertriebene und diffuse Angst die Behinderten könnten uns oder unseren achsogescheiten Kindern irgendetwas wegnehmen.

Wer von den Kommentatoren hier hat denn schon ernsthaft Kontakt mit Behinderten gehabt? Die werden doch in eine Parallelwelt abgeschoben, weil es da "besser für sie" und vor allem uns ist. Viele würden sicher anders an die Sache herangehen, hätten Sie im Gymnasium die Schulbank mit Henri gedrückt.

Und genau deswegen ist es an der Zeit einen Versuch zu starten und Henri in der Mitte unserer Gesellschaft willkommen zu heissen.

Willkommen Henri!

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