Forum: Leben und Lernen
Schüler und Hartz IV: Arme Familien müssen Nachhilfe selbst zahlen

Eine Bremer Gymnasiastin wollte Nachhilfeunterricht in Mathe und Deutsch nehmen. Das konnte sich ihre Familie kaum leisten und forderte einen Hartz-IV-Zuschlag. Dazu seien die Behörden bei "normalen Lernschwierigkeiten" jedoch nicht verpflichtet, urteilte das Sozialgericht Bremen.

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Pazifist 11.05.2010, 17:36
1. Fehlurteil

Zitat von sysop
Eine Bremer Gymnasiastin wollte Nachhilfeunterricht in Mathe und Deutsch nehmen. Das konnte sich ihre Familie kaum leisten und forderte einen Hartz-IV-Zuschlag. Dazu seien die Behörden bei "normalen Lernschwierigkeiten" jedoch nicht verpflichtet, urteilte das Sozialgericht Bremen.
Meines Erachtens ein Fehlurteil. Ziel der Hartz-IV-Gesetzgebung ist, Arbeitslosigkeit nicht zu zementieren, sondern den Ausstieg aus der Spirale der Hilfsbedürftigkeit nach Kräften zu unterstützen. Die Gymnasiastin liess deutlich erkennen, dass sie gewillt war, dem Geist der Hartz-Gesetze zu entsprechen. Das jetztige Urteil der Bremer Sozialrichter dürfte sie wie einen Schlag ins Gesicht empfinden.

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SIBO 11.05.2010, 17:57
2. ...

Zitat von Pazifist
Meines Erachtens ein Fehlurteil. Ziel der Hartz-IV-Gesetzgebung ist, Arbeitslosigkeit nicht zu zementieren, sondern den Ausstieg aus der Spirale der Hilfsbedürftigkeit nach Kräften zu unterstützen. Die Gymnasiastin liess deutlich erkennen, dass sie gewillt war, dem Geist der Hartz-Gesetze zu entsprechen. Das jetztige Urteil der Bremer Sozialrichter dürfte sie wie einen Schlag ins Gesicht empfinden.
Wen wundert's?

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klaus meucht 11.05.2010, 18:20
3. Warum Nachhilfe?

Zitat von Pazifist
Meines Erachtens ein Fehlurteil.
Eine sinnvolle Lösung ist Hausaufgabenbetreuung und Nachhilfe für alle Schüler kostenlos an den Schulen anzubieten.

Was in Finnland geht, kann bei uns auch funktionieren. In Finnland bekommen Schüler die drohen das Klassenziel zu verfehlen sogar Einzelunterricht.

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Achim 11.05.2010, 18:21
4. Gewöhnlich

Wenn Nachhilfe nicht außergewöhnlich ist, dann müsste doch im Regelsatz, der ja den gewöhnlichen Bedarf abdecken soll, etwas drin sein.

Ist es aber nicht. Denn der Regelsatz wurde ja aus dem Verbrauch der ärmsten 20 % ohne Sozialhilfe - in der Mehrzahl sind das Witwen, die zu stolz sind, um Sozialhilfe zu beantragen - abgeleitet. Und da sind die Bildungsausgaben nun mal gleich Null.

Konsequenz aus diesem Urteil müsste also sein, den Bedarfssatz für Schüler um, sagen wir, 20 Euro monatlich anzuheben.

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Ulli11 11.05.2010, 18:22
5. ..

Zitat von klaus meucht
Eine sinnvolle Lösung ist Hausaufgabenbetreuung und Nachhilfe für alle Schüler kostenlos an den Schulen anzubieten. Was in Finnland geht, kann bei uns auch funktionieren. In Finnland bekommen Schüler die drohen das Klassenziel zu verfehlen sogar Einzelunterricht.
Sie glauben doch nicht im Ernst, daß eine so gute Idee von unseren bildungspolitikern umgesetzt wird. Wo leben wir den.

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Neurovore 11.05.2010, 18:23
6. ...

Zitat von Pazifist
...Die Gymnasiastin liess deutlich erkennen, dass sie gewillt war, dem Geist der Hartz-Gesetze zu entsprechen....
Die Schülerin lässt deutlich erkennen, daß sie den Anforderungen eines Gymnasiums nicht gewachsen ist. Dann muß sie sich halt ein Downgrade holen, gibt ja noch genug andere Schulformen...

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Blaue Fee 11.05.2010, 18:33
7. Aushilfsjob?

Ich habe als Schüler mein Taschengeld in der Gastronomie verdient, damit habe ich mir mit 18 sogar einen Golf-Jahreswagen kaufen können. Es geht auch ohne den Staat anzugraben.

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Ben de Haas 11.05.2010, 18:46
8. Lernschwäche...

Ist tatsächlich eine Lernschwäche vorhanden, besteht vl anderweitig Hoffnung:

"Unter bestimmten Voraussetzngen ist es möglich, für außerschulische Therapiemaßnahmen und Internatsaufenthalte eine Kostenbeteiligung oder Kostenerstattung nach dem Kinder- und Jugendhilfe-Gesetz zu erhalten. Eine solche finanzielle Hilfe (Eingliederungshilfe bei seelischer Behinderung oder Hilfe zur Erziehung) muss beim zuständigen Jugendamt beantragt werden." Quelle: Landesverband Legasthenie Baden-Würtemberg

Ansonsten ist es einigermaßen erschreckend, wenn Nachhilfebedarf (nach Einschätzung des Gerichts) als Norm gelten darf. Das bedeutet im Umkehrschluss das schulischer Unterricht sein Ziel verfehlt. Und in der Folge natürlich ein Zurückgeworfensein aller auf die elterlichen Ressourcen und/oder ihr Portemonnaie.

Schule ist teuer und Schule ist Zwang. Beides verpflichtet zu Qualität. Und dabei geht es gar nicht mal um Schuldzuweisung. Nur um den Befund von Handlungsbedarf.

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Gertrud Stamm-Holz 11.05.2010, 18:50
9. titel

Zitat von Neurovore
Die Schülerin lässt deutlich erkennen, daß sie den Anforderungen eines Gymnasiums nicht gewachsen ist. Dann muß sie sich halt ein Downgrade holen, gibt ja noch genug andere Schulformen...
Und damit ist die Lern- und Rechenschwäche behoben?
Das Mädel braucht Unterstützung, neben Nachhilfe, um ihre Defizite zu bewältigen. Natürlich wird das Amt diesen Weg nicht finanzieren. Das ginge für meine Begriffe auch zu weit. Trotzdem muss man ihr die Eignung fürs Gymnasium nicht absprechen und sie für völlig verblödet halten..

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