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Schülerfeedback in Bayern: "Davor darf man als Lehrer keine Angst haben"
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Seit zwei Jahren dürfen Schüler in Bayern Referendare bewerten. Noch ist das ein Pilotprojekt, doch schon bald könnten alle Schulen des Landes mitmachen. Wie krass äußern sich die Kinder?

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FeedbackBefürworter 21.07.2018, 05:48
10. Alle Sorgen unbegründet

Ich bin selbst Lehrerin an einer Schule, die seit einem Jahr Schülerfeedback einholt. Natürlich waren im Kollegium anfangs alle skeptisch. Auch ich. Heute muss ich allerdings sagen: alle unsere Sorgen waren total unbegründet. Ganz im Gegenteil. Unsere Erfahrung sind sogar hervorragend. Unsere Schüler und Schülerinnen nehmen die Möglichkeit, uns Lehrern Rückmeldung zu unserem bzw. ihrem Unterricht zu geben, sehr ernst und gewissenhaft wahr. Es geht definitiv nicht um Benotung, sondern eher um das Aufdecken blinder Flecken. Selbstverständlich können meine Schüler meinen Unterricht nicht i. e. S. fachlich beurteilen, aber sie können sehr wohl sagen, was davon bei ihnen hängengeblieben ist, was sie als besonders interessant gefunden haben, wo es ihnen zu schnell ging u. s. w. Zudem ist der Zeitaufwand zum Einholen von Feedback für uns Lehrer minimal, da wir an unserer Schule eine Software einsetzen (FeedbackSchule), mit der Schüler und Schülerinnen unsere Fragen per App beantworten können. Das geht ganz schnell und läuft richtig gut. Die angebotenen Fragebogenvorlagen decken alle möglichen schulischen Themen ab, sind wissenschaftlich fundiert und geben keinerlei Spielraum für "Lehrer-Bashing" o. ä. Meine persönlichen Erfahrungen mit Schülerfeedback sind zum überwiegenden Teil sehr gut. Von allen pädagogischen Maßnahmen, die in den letzten Jahren an unserer Schule "wie eine Sau durchs Dorf" getrieben worden sind, ist Schülerfeedback die einzige, die wirklich etwas gebracht hat - und das mit minimalem Aufwand. Ja, es kostet anfangs etwas Überwindung, aber ich sehe meinen Unterricht heute mit anderen Augen und kann nur alle Kollegen/innen dazu ermuntern, Schülerfeedback zumindest einmal auszuprobieren.

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sucher533 21.07.2018, 07:58
11. anonym?

Die Schulleitung bekommt die Auswertungen nicht zu sehen aber Schulleiter Stefflbauer ist über die gewissenhaften Antworten der Schüler überrascht. Woher kennt er denn die Antworten?

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m.ecker 21.07.2018, 08:02
12.

Gute Idee, und so wie " ein Schüler immer Blödsinn schreibt" so äussert eben auch immer ein Lehrer Blödsinn. Selbstherrlichkeit ist eben auch eine Eigenschafft. Spannend wird es, wenn Lehrer bewertet werden, die seit Jahren im Dienst sind. Ob diese bereit sind feedback von Schülern zu akzeptieren und darauf zu reagieren? Wünschenswert wäre es.

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awes 21.07.2018, 08:25
13. Konstruktive Kritik

.... zu erlernen ist in dem anglo-amerikanischen Ländern schon lange Bestandteil der Schulen. In Dtld. word es kaum an den Schulen gelehrt, mit der Folge, dass ein Student bei der kritischen Diskussion eines Referates entweder keine. Kritik erfährt, oder unter der Kritik narzisstisch getroffen zu Boden geht. Ich halte es darum für eine gute Idee, dass Feedback geben schon in der Schule einzuüben und den angehenden Lehrern ist es auch nützlich. Dies auf zwei Mal pro Jahr zu beschränken finde ich reichlich wenig.

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dietbert.guetter 21.07.2018, 08:59
14. Problematische Auswertung

Ich kenne solche Evaluationen durch Studenten an der Uni.
10% schreiben pubertären Unsinn, z.B. Dozent ist zu dick, Dozentin ist hässlich, redet undeutlich, …
50% schreiben nichts.
40% äußern Kritik, z.Tl. konstruktiv.
Es gibt aber auch gegensätzliche Einschätzungen, z.B. die einen "Dozent hält sich zu stark an das Manuskript", die anderen "Dozent schweift oft ab".
Deshalb sollte man die Ergebnisse lesen, aber nicht überbewerten, evtl. Anregungen aufnehmen.

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FeedbackBefürworter 21.07.2018, 09:05
15.

Zitat von dietbert.guetter
Ich kenne solche Evaluationen durch Studenten an der Uni. 10% schreiben pubertären Unsinn, z.B. Dozent ist zu dick, Dozentin ist hässlich, redet undeutlich, … 50% schreiben nichts. 40% äußern Kritik, z.Tl. konstruktiv. Es gibt aber auch gegensätzliche Einschätzungen, z.B. die einen "Dozent hält sich zu stark an das Manuskript", die anderen "Dozent schweift oft ab". Deshalb sollte man die Ergebnisse lesen, aber nicht überbewerten, evtl. Anregungen aufnehmen.
Sie haben recht. Um so wichtiger, Feedback nicht "irgendwie" einzuholen, sondern (wissenschaftlich) fundiert. Da sind blödsinnige Rückmeldungen erst gar nicht möglich. Kennen Sie FeedbackSchule oder EMU?

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Drschlaumeierxy 21.07.2018, 09:28
16. Feedback für ...

... die Lehrerkraft ok. Folgen/Konsequenzen daraus evtl. manchmal sinnvoll aber schwierig (wie auch in der freien Wirtschaft).

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kaic 21.07.2018, 09:38
17. Ganz normal

Ich bin seit vielen Jahren Dozent in der Bildungswirtschaft. Dort ist es vollkommen normal, im Rahmen des Qualitätsmanagement, am Ende eines Seminars, ein Fragebogen zu Institut, Dozent, Inhalt, ... ausfüllen zu lassen. Die Teilnehmer bekommen ein Sprachrohr (auch die eher zurückhaltenden) und dürfen auch beurteilen (werden also nicht nur beurteilt) und die Institutsleitung erhält Einblicke in Szenarien, die sonst hinter der verschlossenen Tür des Unterrichtsraumes verborgen bleibt. Solch ein Feedback hat den Vorteil, dass es Dozenten und Institut ermöglicht sich in eine gewünschte Richtung zu entwickeln. Wer Angst vor Feedback hat, hat entweder etwas zu verbergen oder ist sich seiner unsicher, hat also Angst. Beides gehört nicht in einen öffentlichen Lehrbetrieb.

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seikor 21.07.2018, 09:40
18. was ist da jetzt neu?

EMU gibts schon seit vielen Jahren...
Und Rückmeldungen aller Art für dem Lehrer auch. Elternsprechtag, Kollegen, Schulleitung und Schüler lassen einen stündlich knallhart wissen, wie man arbeitet...

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nordwega 21.07.2018, 09:45
19. cui bono?

Diese Feedbackbogen sind tatsächlich olle Kamellen und nicht wirklich innovativ. Seisdrum, der Nutzen ist m.E. sehr fraglich. Der eine Schüler schreibt, er möchte mehr Visualisierungen, der andere, er möchte weniger davon. Der eine hätte lieber keinen Faust I gelesen,wasaber im Bildungsplan gefordert ist, der andere hätte gern noch Faust II. Ich persönlich finde dieses Rückmeldungen für mich als Lehrkraft nutzlos und zeitraubend. Das ist die Kategorie 'Freiburger Rechtschreibschule'. Innovatives Gedöns , das sich nach jahrelanger Praktik als sehr unnütz erweist. Aber diskutieren sie das lieber nicht mit ihrer Seminarvorsitzenden aus.
Zum Schmunzeln bringt mich dann eher das Souvenir aus den Feedbackabfragen, dass die Rückmeldungen viel mehr über den Schüler als über die Lehrkraft aussagen. Wenn Feedback, dann bitte kompetentes, beispielsweise von Kollegen.

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