Forum: Leben und Lernen
Schülersprecher in Deutschland: Freundlich abgebügelt?
Johannes Gosch

Sie sollen die Interessen von Millionen Schülern vertreten: Schülersprecher auf Landes- und Bundesebene. Jugendliche dürfen hier politisch aktiv werden - brauchen aber jede Menge Frustrationstoleranz.

4711_please 08.07.2019, 11:58
1. Respekt!

Lange ist es her, da war ich auch mal SV-Sprecher. Zwar nur für meine Stufe an der Schule, aber immerhin. Es hängt viel vom Schuldirektor/ von der Schuldirektorin ab, wie ernst er eine:n Vertreter:in nimmt. Ich hatte Glück und etwas Einfluss, aber ich denke, das ist eher eher die Ausnahme. Den Lehrervertreter:innen geht es da ähnlich. Respekt jedenfalls für das Engagement.

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mariomeyer 08.07.2019, 17:25
2. Yo!

Das Grundübel wurde doch klar benannt: Das Personal auf Seiten der Schüler wechselt regelmäßig und scheidet zudem altersbedingt immer wieder aus. Da kann man, wenn man Schulleiter oder Bildungspolitiker ist, vieles ganz einfach aussitzen. Es ist ein Kampf mit ungleichen Mitteln - weshalb ich den Frust der Schülervertreter nachvollziehen kann.

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egoneiermann 08.07.2019, 19:03
3.

Das Problem ist eher die Bundesvertretung, da Schule Ländersache ist, fehlen hier einfach die Themen um Aufmerksamkeit zu finden. Die BSR wurde lange auch unter Schülervertretern kritisch gesehen, weil es mehr oder weniger ein Profilierungsverein von Nachwuchspolitikern, in meiner Zeit Jusos war. Auf Landesebene arbeiten die Vertretungen recht effektiv, beispielsweise müssen sie ja zu jedem neuem Gesetz oder Verordnung gehört werden. Und das Wichtigste ist, dass die Zeit in der LSV nicht vergeudet ist, die Schüler lernen in der kurzen Zeit viel, was sie in der Schule nicht gelernt haben, und sind zum großen Teil wesentlich selbstbewusster als andere Schulabgänger. Man merkt, ich war einige Jahre in einem Ministerium für die LSV zuständig

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rolf.v. 08.07.2019, 20:31
4. Kaum legitimiert

Die Schülervertreter auf Landes- und Bundesebene sprechen nicht wirklich für die Schülerschaft. Das wissen Politik und Journalisten.
Fragen sie in einer weiterführenden Schule einen Schüler (so ab 14 Jahren) nach dem Namen der Bundeskanzlerin, wird er hoher Prozentsatz die richtige Antwort wissen. Auch beim Ministerpräsidenten kommt sicher noch eine gute Quote über 50% raus.
Bei den Bundes- oder Landesschülersprechern ist dieser Bekanntheitsgrad bestensfalls vermutlich unter 1%. Weil diese Personen eben nicht wirklich von den Schülern gewählt werden, sondern nur über die Schulsprecher, die die Kreissprecher wählen, die dann wiederum Bezirkssprecher wählen und die dann den Landessprecher.
Da stellt sich dann doch die Frage: Für wen sprechen die eigentlich?

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rainer_d 08.07.2019, 20:39
5. Anekdote:

Wir hatten so einen bei der Bundeswehr. Für jede Tagung und Versammlung hat er Sonderurlaub beantragt.
Den hat der Kompaniechef dann jedesmal verweigert.

"Leider" war die Familie mit dem Kommandeur (also dem Vorgesetzten des Kompaniechefs) befreundet (sie kannten sich privat) und so ist er einfach zu dem hin und hat den Urlaubsantrag dort unterschreiben lassen.
Jedes einzelne Mal.
Irgendwie zwischen 14 und 20 Tagen Sonderurlaub waren das am Ende.

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mariomeyer 08.07.2019, 22:49
6. @rolf.v.

Wenn man schon Vergleiche anstellt, dann sollten sie auch halbwegs angemessen sein. Statt also Schülervertreter, die ihren Aufgaben ehrenamtlich nachkommen, mit Berufspolitikern zu vergleichen, die nicht nur selbst ein großes Eigeninteresse daran haben, dass sie wesentlichen Teilen der Bevölkerung bekannt sind, sondern zudem aufgrund ihrer gesellschaftlichen Verantwortung viel mehr im Fokus der Öffentlichkeit stehen, sollte man eine bundesweite Schülervertretung vielleicht eher mit dem Bundesvorstand eines Verbandes wie dem der Taubenzüchter (falls es den denn gibt) vergleichen. Wer kennt denn da den Bundesvorsitzenden? Wobei es ja noch einfacher geht: Wer kennt denn die Personen, die den Gremien der EU vorstehen - falls sie nicht zufällig aus dem eigenen Land kommen? Na? Und eins ist auch klar: Sollte es sich bei der Person, die auf Bundesebene die Belange der Schüler*innen vertritt, um die eigene Schülersprecherin / den eigenen Schülersprecher handeln, so weiß das wahrscheinlich fast jede(r) an der Schule.

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Spiegulant 09.07.2019, 01:35
7. Schülervertreter sind per Gesetz machtlos

Schülervertretung, Klassensprecher, ... Alles dummes Zeug, da sie nicht mit entscheiden dürfen.
Wer in solchen Machtlos-Institutionen mitmacht, empfehlt sich höchstens für eine Laufbahn als weichgekochter Berufs-Karriere-Gremien-Politiker.
Aber nicht als jemand, der etwas erreichen will.
Gremien, in denen man stundenlang debattieren darf, aber keine wirkliche Macht zur Entscheidung hat, ist vergeudete Zeit. Außer, man plant eine Karriere als Gremien-Reiter an.
Wenn man was bewirken will, dann geht man lieber gleich in echte Ämter, oder in echte Machtstrukturen, wie die Freitags-Demos.

Schüler-Sprecher, SV, ..., ist ob deren gesetzlich angeordneter Machtlosigkeit organisierte Verhöhnung und Verspottung der Schüler. Wo man sich mittels Jacket und Hemd als "kleine spießige Erwachsene" verkleiden muss, um nicht offensichtlich unernst genommen zu werden. Wo die Selbst-Verkleidung als "kleine Erwachsene" nur die eigene Unterwerfung unter die Spielregeln der Erwachsenen anzeigt, wo es doch um die Belange der Schüler geht, und nicht um ein Spiel der Erwachsenen.

Die Spielregeln der Mächtigen mitzuspielen, ist immer Scheiße: Die Regeln sind so gemacht, dass ihr immer verliert.

Stellt Eure eigenen Regeln auf, macht es wie Greta, die jeden Freitag "schwänzt", lasst euch die Fehltage eintragen, rasselt mit 30% Eures Jahrganges durchs Abi, landet im Hartz IV, und lasst die Erwachsen-Politiker sich Sorgen machen, wie sie Euch noch in das Arbeitsleben integriert, damit Ihr noch deren Rente finanziert.

Bedenkt: Die Alten brauchen Euch als dumme Einkommensritter, damit ihr brav arbeitet und Steuern zahlt, damit deren Laden am Laufen gehalten wird. Was wäre, wenn sich jeweils der halbe Jahrgang in Hartz IV abmelden würde?
Nutzt Eure Macht, die Ihr noch habt, solange Ihr noch Idealistisch seid und noch nichts zu verlieren habt. Erst mal in der Tretmühle der Erwachsenen, ist es damit vorbei.

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