Forum: Leben und Lernen
Schul-Klischees im Fakten-Check: Lehrer haben es leicht - oder doch nicht?
Corbis

Nachmittags schon Feierabend und drei Monate frei im Jahr: Viele Menschen glauben, dass Lehrer einen entspannten Job haben. Die Pädagogen sehen das anders. Wenn die Glocke beim Schulschluss schellt, fängt für viele der Stress erst an. Der Faktencheck zum Lehrer-Beruf.

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leonardo-contra-pisa 26.03.2013, 13:57
350. And The Times They Are a-Changin’

Zitat von forumgehts?
den Arbeitnehmern wird ja "lebenslanges (fachliches) Lernen verlangt". Mir scheint jedoch, dass die Lehrer in dieser Hinsicht recht gut wegkommen. Nach den Witzen unseres Lateinlehrers hätte man auf einem PC Kalender und Uhrzeit einstellen können. Naja, die ALTEN Römer haben nicht viel Aufregendes zu bieten, und bei den Naturgesetzen gibt es auch nicht viel Änderungen.
Als ich meine Arbeit als Lehrer für Mathematik und Physik begann, gab es programmierbare Taschenrechner und den C64 :-)
Heute arbeiten meine Schüler und ich (!) ganz selbstverständlich mit computergestützten Messwerterfassungsystemen, Computer-Algebra-Systemen (CAS) und dynamischer Geometrie-Software und online-Lernplattformen (bei uns "Moodle").
In der Tat: An den Naturgesetzen hat sich (gottlob!!!) nichts geändert. Aber der mathematisch-naturwissenschaftliche Unterricht ist heute (auch wegen der stark veränderten Richtlinien und Lehrpläne) um vieles anders als früher. Was nicht heißt, dass er auch immer besser (geworden) ist.

Ihr Beitrag lässt die Vermutung zu, dass Sie wenig Einblick in die Schulwirklichkeit des Jahres 2013 haben.

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enni3 26.03.2013, 14:03
351.

Zitat von Juro vom Koselbruch
[...] Ich kenne durchaus Kollegen, die sich auch heute nicht als Dienstleister verstehen, sondern als "Dozenten" liebend gern aber dafür auch ziemlich elend über Eltern herziehen, anstatt mal vernünftig und beharrlich und notfalls auch deutlich kontrovers mit ihnen zu reden. Obwohl genau das etwas ist, wofür sie bezahlt werden, was ihrem inneren Anspruch entsprehen sollte und womit man übrigens auch Zeit sparen kann.[...]
Gemessen an Ihrem Kommentar, gehe ich davon aus, dass Sie selbst sehr genau wissen, dass 1/3 der Lehrer völlig fehl im Beruf sind, wie es in jedem anderm Beruf auch der Fall sein dürfte. Jemand führte hier mal sehr treffend die gaußsche Verteilungsunkurve an. Diese Beispiele kennt jeder, ich selber als Schüler als auch außerhalb der Schulzeit.

Es ist nur so unerträglich hier diese pauschalisierten Schubladen lesen zu müssen, die für 2/3 der Lehrer fast den Tatbestand einer Verleumdung erfüllen.

Ich will mal auf ihren Kommentar eingehen, der Lehrer solle den Eltern doch klipp und klar zur Rede stehen. Das ist nicht möglich. Es gibt für die Formulierungen, die Leistung eines Kindes zu beurteilen, die schönen vorbereiteten Texte. Im mündlichen Gespräch kann jede Aussaga, die etwa über "MEINER MEINUNG NACH, dürfte ihr Kind große Probleme auf dem Gymnasium bekommen." untersagt. Das führt schneller zu ner Beschwerde gegen den Lehrer, als der bis drei zählen kann. Leider sehen Lehrer die Leistungsfähigkeit der Kinder in nicht wenigen Fällen inzwischen viel differenzierter als manche Eltern. Die wollen im Leistungsdruck unser Gesellschaft die Kinder um jeden Preis pushen. Das ist per se nicht verwerflich, aber führt leider zu Verwerfungen.

Meine Mutter ist Lehrerin, ich habe selber Lehramt studiert, bis es die Finanzen nicht mehr zuließen und arbeite nun im Nachhilfesektor. Ich habe da Kinder, die leiden so extrem, weil die Mutter Chemikerin ist, das Kind aber keine naturwissenschaftlichen Interessen hat und auf dem Gymnasium trotzdm in eine Chemie-Mathe-Klasse gesteckt wurde, gegen seinen eigenen Willen.

Es gibt viele schlechte Lehrer, keine Frage, aber die Eltern sind nicht besser. Ihre Fehlentscheidungen gegen das Kind werden den Lehrern zugeschoben. Nicht jeder kann Abi machen, das war nie so gedacht, aber 70-80% der Eltern können nicht damit leben, wenn ihr Kind hinterher nicht studiert. Das muss doch irgendwie möglich sein und die Lehrer sollen das gefälligst schaffen.

Ich kann Ihnen Beispiele von hochgebildeten Eltern geben aus meiner Tätigkeit in vielen sozialen Bereichen in meinem Leben, dagegen sind die geschilderten schlimmen Lehrer (zu recht so geschildert) wirklich das geringere Problem.

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Mustrum 26.03.2013, 14:04
352. optional

Natürlich finden viele hier die Möglichkeit auf die Lehrer (mal wieder) einzuhauen: gutes Gehalt, viel Ferien, viel Freizeit, nur 30 Stunden-Woche.
Alle waren ja einmal auf der Schule und wissen wie es läuft und können demnach fundiert mitreden. Nur leider ist es nicht so einfach! Nur weil ich meinen Wagen schon häufig in der Werkstatt hatte, weiß ich nicht automatisch was der Techniker alles kann/ können und tun muss.
Manche in den Kritiken haben es schon erkannt: In den letzten Jahren ist mit der Öffnung der Schule viel passiert. Die Schule von vor 20 Jahren kann man mit der heutigen kaum noch vergleichen, das gilt vor allem auch für die Lehrer. In der Folge ist die Arbeit die die Lehrer zu erledigen haben schier explodiert. Es wird immer mehr Verwaltungsabeit erwartet, Sonderaufgaben werden dem Kollegium auferlegt, die in einem Unternehmen von neuen Mitarbeitern übernommen werden würden. Und das alles bei unveränderten Bezügen (Urlaubsgeld gibt es schon lange nicht mehr und das Weihnachtsgeld wird auch immer weiter zusammengestrichen).
Wo die Zahlen in dem Artikel herkommen weiß ich nicht, aber wenn man in der Sek I und Sek II sechs oder sieben Klassen/ Kurse hat, die korrigiert werden müssen, dann kommt man in dem Schuljahr aus dem korrigieren nicht mehr heraus. Das ist Fakt. Wer etwas anderes behauptet hat keine Ahnung wovon er redet!
Unterricht ist mehr als unterrichten. Vor- und Nachbereitung ist wichtig. Jede Lerngruppe ist anders. Da greift man nicht einfach in das Regal und hat das Schuljahr geplant! Wir sollen die Kinder/ Jugendlichen erziehen, Medien-Kompetenz vermitteln, ... War das nicht früher ein Job, den die Eltern erledigt haben?
Ich würde auch mal gerne wissen wie manche Leute hier im Forum zu der Behauptung gelangen, dass die Lehrer den Eltern mehr Arbeit aufhalsen bzw. Arbeit in die Familien verlagern?! Die Lehrer wollten (in der Mehrheit) G8 nicht haben! Das Ministerium hat immer noch nicht die Lehrpläne angepasst, die die Lehrer umsetzen MÜSSEN. Da reichen die paar Stunden in der Woche aber nicht, wenn ein Schuljahr fehlt!
Ein bischen mehr Reflektion über das Thema würde ich hier gerne lesen!
Denn wenn der Beruf so toll ist: Warum werden dann nicht mehr Menschen Lehrer?!
Der Artikel wird zur Transparenz nicht beitragen, da muss noch viel passieren.
Mitarbeiter, die das System ausnutzen gibt es überall. Die werden sich nicht vermeiden lassen, aber deren Haltung sollte man nicht auf die ganze Berufsgruppe beziehen!
Das System ist noch lange nicht ausgereift und gerade bei der Ausbildung der Lehrer muss noch viel passieren. Aber unreflektiert darauf herumzuhauen hilft keinem weiter.

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deepocean 26.03.2013, 14:10
353. So what?

Zitat von MonsterPudding
Mit meinen Fächern Deutsch und Englisch habe ich recht schnell gemerkt, dass Wochenenden eigentlich nicht existieren. Die Ferien (bis auf Sommer- und Weihnachtsferien) waren meist nur für die Korrekturen von Kalusuren da. Kollegen mit z.B. Mathe und Sport hatten es da etwas leichter. Das Unterrichten hat mir sehr viel Spaß bereitet, aber das Drumherum ist die eigentliche Arbeit und diese wird von den meisten Außenstehenden nicht wahrgenommen bzw. respektiert.
sie sollten vielleicht lernen sich besser zu organisieren und effizienter arbeiten... dann klappts auch mit der Freizeit.... Ineffizienz gibt es in jedem Beruf, ach ja und gelegentlich Überstunden eben auch.... nur keiner heult so rum wie die Lehrer.... von der Schule in die Schule .... Früher im Studium haben habe ich häufig auf dem Campus gehört, dass die, die was drauf haben studieren was sie wollen und die anderen eben auf Lehramt (sooory, sicher, es gibt Ausnahmen, die dann nachher auch gute belastbare Pädagogen werden!!) Und das Lustige ist, sobald sie dann kritisiert werden, sind minosenhafte Schutzreflexe zu beobachten in Kombination mit Neidvorwürfen (letztere sind übrigens Quatsch, der Beruf ist sicher kein Ponyhof..... nur das stete Gejammer nervt schlichtweg..) .... Genug Energie zum Jammern bleibt also immer;-) Denken Sie mal an all die Menschen, Krankenschwestern oder Ärzte mit 36 Stunden Diensten und lausiger Bezahlung....oder einfach nur an den Bauarbeiter, der bei Wind und Wetter einen Knochenjob leistet usw usw... n

Unfähigkeit gibt es übrigens in JEDER Berufsgruppe, nur bei den Lehrern wiegt es doch etwas schwerer, denn hier können junge Menschen wirklich verkorkst werden. Gerade deshalb sollte vernünftige Eintrittsbarrieren geschaffen werden, so dass eben nicht jeder, der es zB nur einfach cool findet viel Urlaub zu haben, dann auch Lehrer werden kann....

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Iter 26.03.2013, 14:10
354. Wo bleibt nur Hr. Nuhr? 1

Mich würde das Echo in der freien Wirtschaft interessieren, wenn man seine eigene Schaufel, PC, LKW zur Arbeit mitbringen muss, wenn man sein Büro in einer Tasche durch die Gänge schleppt, Konferenzen und Besprechungen auf dem Flur hält, keine geregelt Pause hat, die Kunden zu jeder Tageszeit daheim anrufen, der Gesetzgeber bei finanziellen Nöten in die Rentenkasse greift und man bei jedem Anlass unbezahlte Mehrarbeit leisten muss, die man nicht abfeiern darf. Und dazu kein Anspruch auf Urlaub. Dazu darf man nicht streiken und hat eine enorme Arbeitslast zu tragen, der Chef kommt garnicht dazu, meine Arbeit zu kontrollieren, dabei fehlt gerade in dem Beruf häufig mal ein Lob.

Das alles dürfen die überbezahlten Beamtenlehrer nebenbei ertragen. Böser Beamtenstatus...

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hjm 26.03.2013, 14:12
355.

Zitat von forumgehts?
Naja, die ALTEN Römer haben nicht viel Aufregendes zu bieten, und bei den Naturgesetzen gibt es auch nicht viel Änderungen.
Dann müssen wir das eben ändern. Geschichte kann man umschreiben (es gibt da sicher viele Interessengruppen, die das kostenneutral freiwillig tun würden), und Naturgesetze kann man zwar nicht direkt „ändern“, aber man kann sie neu und anders formulieren (was uns dann endlich auch wieder eine besondere Stellung in der Welt der Wissenschaft verschaffen würde). Ich finde, das sollte es uns wert sein, und sei es nur, damit die Lehrer endlich wieder richtig arbeiten müssen.

Und wenn wir schon dabei sind, sollten wir auch gleich bei Ärzten weitermachen. Mein Hausarzt zum Beispiel, der verschreibt bei derselben Krankheit seit Jahren dasselbe Medikament. Ich finde, das geht so nicht. Es müsste mindestens alle fünf Jahre die Zusammensetzung und Bezeichnung aller Medikamente geändert werden, damit sich Ärzte nicht auf ihrem vor Jahren erworbenen Wissen einfach ausruhen können.

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ratach 26.03.2013, 14:12
356. Klasse

wie hier die wahlweise "Mitarbeiter des Tages, der Woche , des Monats", über andere Berufsgruppen urteilen und pauschal erstmal alle Lehrer als faul, inkompetent und überbezahlt deklarieren.
Sie selbst sind natürlich im Dauerstress, mit 80h-Woche ,
satanischen Vorgesetzten und einem Hungerlohn. Dabei erbringen sie natürlich permanent Höchstleistungen und sind unverzichtbar für die Volkswirtschaft.
Leute , haltet mal den Ball flach, bei Lehrern gibt es genauso, wie in jeder anderen Berufsgruppe Graupen und Dilettanten aber wie sich hier teilweise Einige äußern, so einSchultraumata ist schon schwer zu verarbeiten.Hoffentlich fragt nicht mal jemand Eure Vorgesetzten, wie die Eure Leistung einschätzen, hoffentlich gibt's da kein böses Erwachen.
Im Übrigen habe ich eine 60 70-h Woche als GF in einer größeren Firma und ich möchte niemals mit meiner Frau ( Realschullehrerin Englisch/ Deutsch tauschen.

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Juro vom Koselbruch 26.03.2013, 14:12
357. Lehrer sein 11

Zitat von fffalk
ich sage nur freie bewegliche Tage... Wenn mal wieder Lehrerstreik ist, denke ich immer, die streiken für mehr Arbeitszeit...
Die beweglichen freien Tage werden zumeist mit den lokalen Elternverbänden abgesprochen, um deren Bedürfnissen zu entsprechen. So sind z.B. die Winterferien bzw. die "verlängerten" Faschingsferien in meiner Region entstanden. Eltern wollen mit ihren Kindern außerhalb der teuren Hauptsaison preiswert ins Skifahren. Lehrerorganisationen wurden dazu gar nicht gefragt, warum auch?

Der überwiegende Teil der Lehrer ist verbeamtet. Nach wie vor dürfen Beamte nicht streiken. Bei Verletzung diese Verbots gibt es deutliche Disziplinarstrafen.
Zitat von fffalk
Von krankheitsbedingten Fehlzeiten mal ganz abgesehen. Kommt ein Hüsteln oder Frösteln, gibts erst mal ne Woche Kasse, machen die Schüler halt ein paar mehr Hausaufgaben...
Wie in jedem sozialen Beruf sind die Lehrer wegen der vielen sozialen Kontakte besonderer Infektionsgefahr ausgesetzt. Hinzu kommt, dass Eltern nicht selten ihre kranken Kinder auch mit Infektionen in die Schule schicken.
Außerdem sollen kranke Lehrer ihre Infektionen nicht an die Schüler weitergeben. Das würde auf die "Aktion kleine Gruppe" rauslaufen.
In einer Körperbehindertenschule würden Sie als Lehrer massiven Ärger bekommen, würden Sie mit Ihrer Infektion z.B. ein Kind mit Muskeldystrophie anstecken und gefährden, im schlimmsten Fall in eine lebensbedrohliche Lage bringen.

An meiner Schule meldete sich letzte Woche wegen einer Grippewelle das Gesundheitsamt und wies u.a. dezidiert drauf hin, dass z.B. schwangere Frauen nicht in einer mit Grippe belasteten Klasse unterrichten dürften, weil es zu einem Abort kommen könne, weshalb dann eine Kollegin in einer andern Klasse unterrichtete.

Überhaupt sollen Menschen mit Infektionen zu Hause bleiben, weil man z.B. nie weiß, ob im Umfeld eine Frau schwanger ist.

Das sind plausible Regeln, die nichts mit Faulheit oder einer Weicheimentalität zu tun haben.

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berteb 26.03.2013, 14:20
358. Kompetent

Zitat von trevi
S Besserwisserei/keine Annahme von Änderungs-vorschlägen aus kompeteten Fachkreisen, die sebst belasten; -
Um nur mal diesen Punkt herauszugreifen: Nach 34 Jahren Erfahrung als - laut SS guter- Hauptschullehrer kann ich Innen meine Meinung über diese kompetenten Fachkreise leider nicht mitteilen, da dieselbe sofort zensiert werden würde. Was dieses Jahr gilt, ist im nächsten Jahr verpönt, da wieder eine neue Sau durch`s Dorf getrieben werden muss!!!

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lehrerstuhl.de 26.03.2013, 14:20
359.

Zitat von Mustrum
Natürlich finden viele hier die Möglichkeit auf die Lehrer (mal wieder) einzuhauen: gutes Gehalt, viel Ferien, viel Freizeit, nur 30 Stunden-Woche. Alle waren ja einmal auf der Schule und wissen wie es läuft und können demnach fundiert mitreden. Nur leider ist es nicht so einfach! Nur weil ich meinen Wagen schon häufig in der Werkstatt hatte, weiß ich nicht automatisch was der Techniker alles kann/ können und tun muss.
Danke für diesen Beitrag. Mir fiel es schwer, nach 350 Kommentaren noch sachlich zu bleiben. Eigentlich sagen Sie ja schon alles Wichtige, mir fehlt aber noch der Hinweis darauf, dass der Spiegel-Artikel gar nicht versucht, den unsinnigen Kommentaren den Wind auf den Segeln zu nehmen, sondern auch nur Wischiwaschi-Fakten liefert, bei denen sich jeder bedienen kann, je nachdem, welches Vorurteil nun belegt oder widerlegt werden soll... Alles nur Meinung.

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