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Schulsport: Forscher bezeichnen Völkerball als "legalisiertes Mobbing"
Steven Errico/ Getty Images

Teams wählen, aufstellen, Gegner abwerfen: Kaum etwas wird im Sportunterricht so häufig gespielt wie Völkerball. Aus Kanada kommt nun scharfe Kritik: Das Spiel fördere Unterdrückung und Mobbing.

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andropoli 27.06.2019, 12:37
90. Ging mir auch so

Zitat von großwolke
Ich kann mich noch ganz gut erinnern: ich konnte nicht gut Bälle fangen. Ich war nur begrenzt schnell auf den Füßen. Weil ich das über mich gelernt hatte, habe ich irgendwann gar nicht mehr versucht, Bälle von bestimmten Gegnern zu fangen. Und ich habe gelernt, ´auf den Ball zu achten und vorausschauend so zu laufen, dass ich schwer zu treffen sein würde. So wurde ich von einem der letzten, die bei der Teamverteilung genommen wurden, zu einem mittleren bis frühen Pick. Und genau darum geht es bei solchen Spielen: die Herausforderung annehmen. Seine eigenen Stärken erkennen. Sich realistisch einschätzen lernen, und mit der Enttäuschung, die zum Beispiel mit einer späten Auswahl einhergeht, umgehen lernen ohne nachhaltig beleidigt zu sein. Wir sind eben nicht in allem die Besten. Und diese Lektion zu lernen ist wichtig. Denn das wird uns später im Leben immer wieder so gehen. Und dann geht es darum, trotzdem weiterzumachen, trotzdem das Beste aus der Situation und seinem Leben rauszuholen.
Ich war auch nicht gerade die Sportskanone, hatte aber gute Reflexe. Entsprechend war ich auch schwer zu treffen und wurde deshalb später gerne gewählt. Im Laufe der Zeit konnte ich auch immer besser fangen, was schlussendlich dazu geführt hat, das ich Torwart in der Fussballmannschaft unserer Schule wurde. Wäre ohne das Völkerballspielen nicht passiert. ( der Name ist wirklich dämlich)

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sammilch 27.06.2019, 13:03
91.

Zitat von oelfinger
Von einigen Schülern werde das Spiel aber als "unterdrückend" und "entmenschlichend" wahrgenommen... Ja, war auch zu meiner Schulzeit schon so, daß die Kleinen und/oder Dicken als letzte in die Mannschaft gewählt und als Kanonenfutter vorgeschickt wurden. Haben aber alle geistig und körperlich gut verkraftet. Keiner fühlte sich traumatisiert, keiner ist zum Massenmörder geworden. Die Schwächeren schützen? Einerseits ja, aber wann und wie sollen die es lernen, sich durchzusetzen? Gerade dafür sind Mannschaftsspiele doch geeignet.
Sie gehören nicht zu denen, die zu den Restposten zählten, die ins Team gewählt wurden, richtig?
Ob es Ihnen oder anderen geschadet hat können Sie selbst nicht feststellen.

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Paspill 27.06.2019, 13:04
92. Dodgeball ist nicht Völkerball!

Weil sich hier so viele über Völkerball aufregen. So wie ich das in Erinnerung habe, ist Völkerball ein Mannschaftssport. Die, die früh abgeworfen wurden und selbst nicht gut werfen konnten sammelten dann draußen die Bälle für die Werfer. Da ich recht wendig war und auch gut fangen konnte blieb ich oft als letzter in der Mitte. Aber ohne die Hilfe des Teams von außen wäre ich am Ende alleine chancenlos gewesen. Man fand also für jeden eine Verwendung. Auch völlig unabhängig vom Geschlecht. Ich verbinde mit Vökerball nur gute Erinnerungen. Da habe ich mit dem Sportunterricht der Mittelstufe deutlich schlechtere Erfahrungen machen müssen. Vielleicht hatten wir auch damals Lehrer, die den Mannschaftssportgedanken besser vermitteln konnten. Allerdings hatten die auch noch keine Ahnung von Binnendifferenzierung und Kompetenzerwerb. Waren halt nur Lehrer...

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sammilch 27.06.2019, 13:05
93.

Zitat von cousland
Ich erinnere mich gut an Völkerball. Grundschule, gemischte Klasse... und zu lernen warum Mädchen Jungs fürchten sollten. Oder warum Frau Männer fürchten sollte. Also wirklich gute Vorbereitung auf das „echte Leben“. Die harten Bälle (man kann uns ja nicht verweichlichen), die Jungs die uns so hart abgeschmissen haben das wit blaue Flecken bekommen haben, sich über uns lustig gemacht haben, sadistischste Freude an unserem Schmerz und an unserer Demütigung empfanden, und nachher noch, aufgestachelt vom Kriegeseifer in unsere Umkleide gerannt sind um uns ihre Genitalien zu zeigen. Und Lehrer die das ganze als „So sind Jungs halt“ abgetan haben. Wenn man in der Macht Rolle ist ist das natürlich super toll. Das Gefühl absoluter Überlegenheit und andere zu unterdrücken. War eine gute Schule mit wenigen Schülern und weit entfernt von Sozialen Brennpunkten. Und ich wurde irgendwann extrem gut im ausweichen und rennen. Ich musste, da die Jungs ja gerne damit angegeben haben das sie versuchen mir und anderen Mädchen die Nase zu brechen. Männer die das Spiel verteidigen und an dem ganzen nichts schlechtes sehen sind mir zutiefst suspekt.
Es sind halt nur Männer und ganz sicher keine Väter von Töchtern.

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eichenbohle 27.06.2019, 13:07
94. Mal ne Frage an die,...

... die hier so rummjammern:

Hat euch euer SportlehrerIn gezwungen oder bedroht an dem Spiel teilzunehmen? Schlechtere Sportnote oder sowas?

Verletzungsgefahr? Gibt es in jeder Sportart - außer Schach vielleicht.
Wer überhaupt an Ballspielen teilgenommen hat, musste auch schmerzhaft Erfahrungen mit dem Ball oder Mitspielern machen. Besonders körperlich ist es nicht nur beim Fußball, Handball oder Basketball. Noch härter wird es beim Eishockey. Auch ein Puck, der mit 100 Km/h trifft, ist "nicht zu verachten". Und wer denkt, Wasserball ist ein wasserweicher Sport, liegt voll daneben.
Wer das mit der "Brutalität" im "Völkerball/Prellball" nicht wollte, hätte sich sicher auch nicht mitspielen müssen.
Ach ja, in meiner Schulzeit im Osten in den 60er-70er Jahren, gab es auch sowas wie Klicken. Aber an sowas wie Mobbing kann ich mich in meinen Schulzeit nicht erinnern. Lag wohl an der üblen sozialistisch-kommunistischen DDR Erziehung, die uns indoktrinierte, dass das Kollektiv vor dem Subjekt kommt.

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sammilch 27.06.2019, 13:09
95.

Zitat von polza_mancini
so ist es halt. Zwei Schüler laden am Wochenende zur Feier in den elterlichen Partykeller ein, nur die verachteten Loser bleiben wie üblich zuhause. Die Schauspielschule/ die Model-Agentur castet und übrig bleiben wieder nur die Fetten und Hässlichen. Bei uns gabs zwangsweise Blockflötenspiel, für mich eine Tortur sondergleichen, auch für die Ohren meiner Mitschüler...! Wer sich von all dem traumatisieren lässt, wird es auch später nicht so ganz einfach haben... erstaunlicherweise waren die "Loser" bei uns diesbezüglich immer mit einem ganz guten Selbstbewusstsein ausgestattet...
Sie haben Selbstbewusstsein mit "dickem Fell" verwechselt. Bei Ihren Postings wundert es mich nicht, dass Sie immer noch nicht in der Lage sind beides zu unterscheiden.

Manche "Loser" sind so lange "selbstbewusst" bis es mal wieder einen Amoklauf an der Schule gibt und keiner was gemerkt haben will und es sich erklären kann.

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klarafall 27.06.2019, 13:24
96. Schulsport ist Mobbing

Woher kommt diese dämliche Beschränkung auf "Völkerball" - Schulsport GENERELL ist von Lehrerseite geduldetes und verstärktes Mobbing. Dass die Minderleister in allen anderen Fächern den Schulsport verteidigen, weil es das einzige Fach war in dem sie mal über die "Streber" triumphieren und ihnen eins reinwürgen konnten, wundert wohl niemanden. Das ist einfach menschliche Natur. Wundern darf man sich aber darüber, daß Lehrkräfte diese Mobbing nach Kräften unterstützen. Es gibt in der Schule nichts demütigenderes, als das "Wählen" von Mannschaften durch die Schüler selbst. Und das passiert ja nicht nur beim Völkerball - wir hatten das bei JEDER Mannschaftssportart. Man stelle sich mal vor, die Schüler dürften in Mathematik die Gruppen für Gruppenarbeiten selbst zusammenstellen, und die Schwächeren verhöhnen. Aber im Schulsport kann so etwas geduldet werden? Ähnlich ist es, wenn Leistungen nach Geburtsjahr statt nach Schulklasse bewertet werden (siehe "Bundesjugendspiele"). Ich bin in den letzten Tagen des Jahres geboren, und musste immer schneller rennen, weiter und höher springen, oder weiter werfen, als die Mitschüler, die DREI TAGE jünger waren. So soll man "Fairness" lernen? Nein, das ist Mobbing, wenn die Mitschüler einen dafür verhöhnen daß man mit gleicher Leistung eine schlechtere Note bekommt. Schulsport gehört entweder abgeschafft, oder muß komplett unbewertet bleiben.

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Duracellhase 27.06.2019, 13:27
97. Leben ist generell schrecklich

Ich war auch immer einer von denen die als letztes gewählt wurden und sonderlich sportlich war ich auch nicht. Trotzdem war Völkerball eines meiner liebsten Mannschaftssportarten. Und nun?
Die Studie ist für mich typisch für die heutige Zeit, in der vielen Menschen schon geringste Anstrengungen zu viel sind und die Situationen in denen sie sich nicht zu 100% komfortabel fühlen am liebsten verbieten lassen würden.
Das wir aber so nicht funktionieren. Das Leben ist anders und es gibt einfach auch mehr Menschen, die das anders sehen. Deren Wünsche zählen auch, nicht nur die von lauten Minderheiten.
Ein Spiel aus dem Sportunterricht als Mobbing zu klassifizieren ist völlig grotesk. Es gibt Mobbing in Schulen, das Herumhacken auf und das Ausgrenzen von schwächeren Mitschülern. Dies geschieht aber in erster Linie in Situation, die nicht der direkten Kontrolle der Lehrer unterliegen, z.B. in den Pausen bzw.auf den Schulhöfen. Da sollte man eher mal ansetzen.

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Newspeak 27.06.2019, 14:16
98. ...

Zitat von lunamoto
Die Sportlichen sehen hier kein Problem, die Unsportlichen sagen: "ja, genau, so isses". Das Problem am Sportunterricht war für mich immer, dass ich keine Möglichkeit sah, mich zu verbessern. Also mich von einer Sportlusche in eine Sportskanone zu verwandeln. Es wurde mir auch nichts "beigebracht". [...]
Aus meiner Erfahrung kann ich nur sagen, dass Sportlehrer Mannschaftsspiele vor allem deshalb spielen lassen, weil sie damit bequem die Zeit herumkriegen, und die Schueler es in der Regel auch gut finden. Und ja, technische Details habe ich so gut wie nie beigebracht bekommen. Ging vielleicht auch allein wegen der Klassengroesse nicht. Es gab in meiner ganzen Schulzeit, glaube ich, genau einen Sportlehrer, der Sporttheorie gemacht hat. Also im Schwimmen z.B. anhand von Videos die korrekte Schwimmtechnik erlaeutert. Spaeter im Schwimmbad konnte er aber auch kaum etwas davon in der Praxis vermitteln, einfach weil das individuelle Betreuung bedeutet haette, und er zeitlich schon mit dem Abhalten der Leistungstest ausgelastet war. Was dann an Zeit noch uebrig war, man kann es sich denken, war freies Schwimmen oder Mannschaftsspiele. Einfach, weil es kaum Vorbereitung oder Kontrolle des Lehrers erfordert.

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polza_mancini 27.06.2019, 14:33
99. @sammilch

HÄTTEN Sie meine Beiträge gelesen, hätten Sie wohl mitbekommen, dass ich a) ebenfalls eine Tochter habe (zu Ihrem anderen Post) und b) nicht in Abrede gestellt habe, dass auch beim Völkerball gemobt wird. Aber wenn Sie hier tatsächlich die Kette Sport-Loser-Völkerball-Amoklauf anführen, ist das mit den Zusammenhängen bei Ihnen wohl insgesamt eher etwas einfacher gestrickt und ich verabschiede mich. Herzlichst, Ihr Polza

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