Forum: Leben und Lernen
Schulsport: Forscher bezeichnen Völkerball als "legalisiertes Mobbing"
Steven Errico/ Getty Images

Teams wählen, aufstellen, Gegner abwerfen: Kaum etwas wird im Sportunterricht so häufig gespielt wie Völkerball. Aus Kanada kommt nun scharfe Kritik: Das Spiel fördere Unterdrückung und Mobbing.

Seite 13 von 13
christianbernard 27.06.2019, 19:05
120. Na ja.

Zitat von Bachsau
Ich hab' Völkerball geliebt: Man brauchte sich nur einmal kontrolliert abschießen zu lassen und konnte den Rest der Stunde damit verbringen, am Rand des Spielfelds spazieren zu gehen. Bei keinem anderen Spiel kommt man leichter aus der Schusslinie raus.
Das bringt natürlich die schnelle Ruhe, aber einen körperlich und geistig positiven Sport konnten Sie dadurch eben leider nicht erfahren.
Lehrer, die so etwas zulassen, sind meines Erachtens die eigentlichen Versager und Nixkönner in dieser Runde. Sie können das wofür sie eingestellt wurden nicht liefern. Also raus - Note 6. Und dafür werden die dann noch beamtet. Mannomann.

Beitrag melden
Spiegel-Ei 27.06.2019, 19:06
121. Übung im Sozial-Darwinismus

Leider hatte und hat der Sportunterricht immer schon Mobbing-Potential. Die Auswahlverfahren bei der Mannschafts-Zusammensetzung (die sportlichen zuerst, die unsportlichen bleiben auf der Bank sitzen), und die entsprechenden Mannschaftspiele waren immer schon gut geeignet, den Sozial-Darwinismus im Klassenverband einzuüben. Blieb man als letzter auf der Bank sitzen oder wurde beim Völkerball als erster abgeschossen, brauchte man speziell als Junge auf einen guten Platz im Klassen-Ranking nicht mehr zu hoffen. Zumal die sogenannten "Sport-Pädagogen" dieses Sport- Mobbing, auf der Bank im Trainingsanzug sitzend, gerne ordentlich befeuerten. Ich hoffe für meine Kinder darauf , dass Schulnoten in den Neigungsfächern endlich abgeschafft werden, und der Unterricht in diesen Fächern der Freude daran dient, und nicht der Ausgrenzung der Unbegabten.

Beitrag melden
Antisozi100 27.06.2019, 19:21
122. Was für ein Blödsinn

Ich habe beim Lesen herzlich gelacht. Zum Füllen des Sommerlochs ist kein Thema zu doof. Gott sei Dank haben wir in Deutschland keine anderen Probleme (außer denen, die wir uns einreden lassen).

Beitrag melden
svenbe 27.06.2019, 19:36
123. Umgekehrt wird ein Schuh draus...

Gerade die Schwächeren, Schüchternen, die sich im Schulalltag so oft klein machen mussten, hatten bei diesem Spiel einen Vorteil: Wegducken kannten sie ja. Und wurden, wenn sie als wenige noch übrig waren im Feld, von den Starken aus ihrer Mannschaft, die schon "draußen" waren, angefeuert. Gerade bei diesem Spiel gehörten wirklich mal alle zur Mannschaft.
Vielleicht war ich aber auch nur auf einer normalen Schule, was weiß ich schon als sportlich eher mäßiger Schüler ohne anschließendes sozialwissenschaftliches Studium. ;-)

Im Ernst: ein Sommerlochartikel...

Beitrag melden
kaltschale 27.06.2019, 19:49
124. Tolles Spiel!

Ich habe mich immer über Völkerball gefreut! Habe mich gleich treffen lassen und den Rest vom Spiel oder der Stunde gechillt auf der Bank, ganz ohne a Anstrengung. War doch super..?!

Beitrag melden
ardbeg17 27.06.2019, 22:29
125.

um Himmels Willen, liebe Völkerball-Geschädigte, da ist aber einiges schief gelaufen bei Ihnen. Hat ausser Ihnen noch jemand das Spiel derart bedeutungsschwanger gesehen? Und, wenn es wichtig war - warum übten sie nicht Zuhause Fangen und Werfen? Zudem zeigen sie, dass sich bei Ihnen offenbar nie eine Frustrationstoleranz ausgebildet hat. Traurig für sie, dabei ist Völkerball jedoch nicht ursächlich, sondern symptomatisch. Ich war in Völkerball einer der Klassenbesten und fand es natürlich klasse. Im Reckturnen z.B. aber war ich eine Null und musste damit klarkommen - Stichwort Frustrationstoleranz. Nobody's perfect.
Sorry, Singen, Klatschen, Händchenhalten und feste dran glauben, dass man alle gleich machen oder zumindest gesellschaftlich gleich stellen kann, ist ein irrealer Traum. Man könnte auch die Gegebenheiten annehmen und das für sich persönlich Beste daraus zu machen versuchen. In diesem Fall ist es kein Versagen, abgeworfen zu werden, sondern sich davon derart frusten zu lassen. Und - wer kein Handball oder Fußball spielen kann, wird auch zum Schluss genommen, und wer häufig spielentscheidende Fehler macht, zieht sich den Zorn der anderen zu - weil sie/er die anderen reinreisst. Dagegen ist Völkerball gar nichts.
Nicht der Sport ist das Problem, sondern die Unfähigkeit, mit einer unangenehmen Situation umzugehen. Und so eine Klage in der heutigen, Dank Handy und social media überall gnadenlosen überall gnadenlosen Überwachung! Da könnte man im Gegenteil ein wenig Umgang mit peinlichen Situationen üben. Sorry - das Ganze ist einfach weltfremd und hilft den Kids ganz bestimmt am Ende gar nichts.

Beitrag melden
egonv 27.06.2019, 23:21
126.

Was ein Unsinn... befragt man die Schüler zu Fussball, könnte, vermute ich, das gleiche Ergebnis rauskommen.
Bei Völkerball hat man als schwächerer Sportler eher Chancen lange im Spiel zu bleiben, weil man sich mehr "in der Menge verstecken kann". Außerdem liegt der Fokus nie so sehr auf dem Schwachen. Am Ende, wo's dann viele gegen einen geht bleibt meist dann ein richtig guter und angesehener Schüler über, der mit der Situation umgehen kann.
Wir haben das meistens in einer Variante gespielt, wo man leicht, nachdem man abgeworfen wurde, wieder rein kommen kann (indem man an der Außenlinie auf eine - evtl. zufälligen- Ball wartet, womit man auch das eigene Team unterstützen kann).
Viel schlimmer fand ich es bei Fußball, Handball, Basketball etc. wenn einem keiner mehr einen Ball zuspielt , weil man eben immer ein Risiko auf Ballverlust war.

Beitrag melden
dummdeutsch 27.06.2019, 23:53
127. Völkerball als Volksthema - endlich!

Oh mein Gott: Eine Diskussion über Völkerball beim SPIEGEL. Die anerkanntesten Wissenschaftler der Welt, die bekanntlich gerade im Sommerloch aus Kanada kommen, haben bahnbrechendes herausgefunden: Sport ist Mord und asozial! Da muss ich mich doch sogleich einklinken, bevor das Abendland gänzlich in Gefahr gerät.
Mein herzlichtes Beileid der Autorin Nike Laurenz, die so detailliert die verschiedenen Demütigungslevels beschreibt, die sie im Schulsport erfahren musste. Als ihre Eltern ihr den Namen der griechischen Siegesgöttin gaben, haben sie wohl nicht richtig nachgedacht oder vielleicht auch einfach nur etwas gegen Adidas und Puma und weitere Mitbewerber gehabt.
Wer kennt nicht die Situation, im Schulsport immer als Letzte/Letzter gewählt zu werden. Hat aber nichts mit Mobbing zu tun, sondern einzig und allein mit dem Teamgedanken und der grundlegenden Idee von sportlichen Wettkämpfen – man will gewinnen! Es gibt Menschen, die sind unsportlich und können nicht geradeaus laufen; ganz zu schweigen davon, dass das Werfen und Fangen eines Balles eine sehr komplexe Aufgabe ist, die viele schlicht überfordert. Ist ja auch gar nicht schlimm, dafür haben sie andere Fähigkeiten, wie zum Beispiel SPON-Autorin zu werden.
Was ist schlimm daran, beim Sport Abwerfspiele zu machen? Völkerball ist da ähnlich wie Handball: Softbälle werden geworfen und gefangen oder auch nicht. Und manchmal geht ein Ball auch an den Kopf – tut ein wenig weh und schult ungemein. Wenn man dann beim nächsten Mal erneut getroffen wird, hat man etwas falsch gemacht.
Als Handballtrainer meiner Minis, das sind die Jüngsten im Alter von 5-8, kann ich nur konstatieren, dass sie viel Spaß haben an den sogenannten Abbackspielen. Wir spielen oft die Variante „Merkball“, bei der die Kinder wieder mitmachen können, wenn sie sich gemerkt haben, wer sie mit dem Ball getroffen hat und der Werfer selbst getroffen wurde; wenn das nicht klappt, dürfen sie gerne ihre Mitspieler fragen, wer sie „abgebackt“ hat – unsozial und Mobbing sieht anders aus.
Ein weiteres Spiel, das wir sehr gerne und häufig im Training machen, heißt „König beschützen“. Dabei müssen die Kinder ein Oberhaupt verteidigen; wenn das Oberhaupt getroffen wird, ist das gesamte Reich dem Untergang geweiht. Hat aber nichts mit archaischen Vorstellungen einer monarchistischen oder patriarchalischen Gesellschaft zu tun: die Kinder sollen sich einfach bewegen, dem Ball ausweichen, Bewegungen antizipieren, sich im Raum auskennen und sich gegenseitig unterstützen – allesamt Dinge, die wichtig sind für Teamsport einer Ballsportart!

Beitrag melden
ontwoone 28.06.2019, 07:51
128. Kann Mobbing fördern

Natürlich kann Völkerball ausgrenzen, ein- und unterordnen und Schwächen, wie z.B. Aggressionen, zum Vorschein bringen. Das hängt aber davon ab, wie die Lehrer das einsetzen und begleiten. Aber eins ist auch klar, die Aggressiven und die Opfer, treffen sich später als Politiker wieder. Oft sogar in verdrehten Rollen. Wir Mittleren müssen dann, wie damals beim Schulsport, dem Treiben beiwohnen und auf die Glocke (Wahl) warten. Während die Justiz (Lehrer) tatenlos zuschaut.

Beitrag melden
Seite 13 von 13
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!