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Schwarz-Grüne Schulreform - der große Wurf?

Längere Grundschule, Abitur nach zwölf Jahren, Schluss mit dem dreigliedrigen Schulsystem: Mi einem Mammutprojekt wollen CDU und Grüne das Hamburger Bildungssystem komplett umkrempeln. Ist diese Reform der zukunftsträchtige große Wurf?

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Constantinopolitana 10.06.2008, 15:45
1.

Hallo,

selbst wenn der Bürger voll Vertrauen denkt, es könne ja nur besser werden, glaube ich, daß die Schüler, die im ersten Jahr dieser Reform Versuchskaninchen sind, erstmal leiden werden. Welche Reform klappt schon ohne Nachbesserungen? Also wird zuerst einmal ausprobiert, dann sieht man, was in der Realität alles nicht klappt, und nach fünf Jahren ist der große Wurf dann da.

Ich denke, im Großen und Ganzen ist es Zeit für eine umfassende Reform; es klingt ja auch erst einmal gar nicht so schlecht; des weitern ist es auch gut, daß es in Hamburg gewissermaßen erstmal im Labormaßstab ausprobiert wird (ganz Nordrhein-Westfalen oder Sachsen wäre da noch ein anderes Kaliber...), aber ich schätze mal, die Eltern und Schüler, die das jetzt direkt betrifft, sind weitaus skeptischer als diejenigen, die bloß zuschauen, ob's nun was wird oder nicht.

Aber - wenn in Brüssel jetzt einer käme und eine umfassende Reform hier vorschlüge, die einigermaßen stimmig wäre, dächte ich als Betroffene sicher: PRIMA! Unterstützen wir!

Beste Grüße,

Eva

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manten75 10.06.2008, 15:50
2. Endlich

getraut sich ein Bundesland in Deutschland die verkrustete und unfaire Situation im deutschen Schulsystem anzugehen. Weiter so!

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PeterShaw 10.06.2008, 15:56
3.

Zitat von sysop
Längere Grundschule, Abitur nach zwölf Jahren, Schluss mit dem dreigliedrigen Schulsystem ...
Man könnte diesem Thema ernsthaft begegnen, indem man z.B. die unter Fachleuten unstrittige Meinung weiter begründet, dass eine Zeit von 6 Jahren am Gymnasium zu einem deutlichen Niveauverlust beim Abitur führen muss.
Aber bringt diese Diskussion etwas?
In Wirklichkeit geht es darum, wie man mit möglichst geringem finanziellen Aufwand möglichst viele (pseudo-) glücklich machen kann.
Also mein Vorschlag: Mit der Geburtsurkunde wird gleich das Abitur überreicht. Das spart ungemein!
Wer dann etwas lernen will, geht an eine Privatschule mit kleinen homogenen Klassen und gut bezahlten Lehrern.
So verabschiedet sich der Staat auch aus dem Bereich Bildung. So verabschieden sich auch die nicht Priviligierten von der Bildung. Aber zum Glück haben sie ja neben der Geburtsurkunde noch das Abitur!

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Klo 10.06.2008, 15:57
4.

Zitat von sysop
Längere Grundschule, Abitur nach zwölf Jahren, Schluss mit dem dreigliedrigen Schulsystem: Mi einem Mammutprojekt wollen CDU und Grüne das Hamburger Bildungssystem komplett umkrempeln. Ist diese Reform der zukunftsträchtige große Wurf?
Das wird sich zeigen. Klar ist aber, dass es ein Schritt in die richtige Richtung sein dürfte, Kinder nicht nach 4 Jahren in Schulformen unabänderlich zu selektieren.

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derweise 10.06.2008, 15:59
5. Beamtenstatus der Lehrer abschaffen!

Der Beamtenstatus der Lehrer muß fallen!

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Sackaboner 10.06.2008, 16:08
6.

Soziale Kompetenz und schulische Grundlagen werden wohl am ehesten in einem System wie dem französischen erlernt, wo die Vorschule mit 3 Jahren anfängt. Zumindest lernt so jeder, aber auch wirklich jeder die Landessprache. Es gibt keinen Jugendlichen in Frankreich, gleich welcher Herkunft, der nicht französisch spricht. Und die Sprache integriert die Menschen. Das sollte das Minimalziel in Deutschland sein: Alle sprechen und verstehen deutsch. Später allerdings wird in Frankreich heftigst gesiebt, mit x verschiedenen Spezialabitures und Zusatzausbildungen und Schulen noch und nöcher bis hoch zu den Eliteinstituten, der Kaderschmiede der französischen Spitzenmänner und-frauen.

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pi.daun 10.06.2008, 16:13
7.

Zitat von sysop
Längere Grundschule, Abitur nach zwölf Jahren, Schluss mit dem dreigliedrigen Schulsystem: Mi einem Mammutprojekt wollen CDU und Grüne das Hamburger Bildungssystem komplett umkrempeln. Ist diese Reform der zukunftsträchtige große Wurf?
Nein, es ist ein weiterer Schritt in die soziale Auslese. Wer es sich leisten kann, wandert ab, die anderen müssen sehen, wo sie bleiben.

Kinder sind - ob man das wahrhaben will oder nicht - unterschiedlich begabt. Erfahrene (Grundschul-)Lehrer können spätestens (!) nach dem 2. Schuljahr einigermaßen beurteilen, wie begabt ein Kind ist. Dabei passieren sicherlich gelegentlich Irrtümer in beide Richtungen (ein Oberschichtkind wird typischerweise überschätzt, ein Unterschichtkind wird eher unterschätzt), vielleicht entscheidet auch gelegentlich Sympathie oder Antipathie (könnte mir gut vorstellen, daß deswegen der kleine Andreas Schleicher vor 30 Jahren nicht auf's Gymnasium durfte :-) ).

Homogene Gruppen lernen leichter - alle Schulversuche in "Laborschulen" mit doppeltem Mitteleinsatz o.ä., die mit heterogenen Gruppen "bessere" Ergebnisse erzielen, sind kein Gegenbeweis, weil "normale" Schulen eben kostengünstig arbeiten müssen.

Die Trennung nach 4 Jahren in die Schulformen ist ein (historisch gewachsener) Kompromiß und war bis zu den 60ern in allen westlichen Ländern (außer den USA, wo der HighSchoolabschluß unserem Hauptschulabschluß entspricht; das "Abitur" erhält man auf dem kostenpflichtigen College) Standard.
Deswegen gab es auch in allen Ländern problemlos Aufsteiger aus der Arbeiterklasse, die über ein leistungsstarkes Gymnasium mit oder ohne Studium ihre gesellschaftliche Position verbessern konnten. Seit den 70ern wurden in vielen Ländern Gesamtschulsysteme errichtet, was - in England kann man das exemplarisch beobachten - dazu führt, daß die Geldelite ihren Nachwuchs auf die (einzigen?) guten Privat-Schulen des Landes schickt. Sozialer Aufstieg über Schulbildung wird mithin schwieriger, wenn nicht unmöglich.

In Deutschland war es nicht ganz so schlimm, aber in den meisten Bundesländern entscheiden nicht mehr die Grundschullehrer sondern die Eltern, welche weiterführende Schule die Kinder besuchen sollen. Daher die soziale Spaltung der Schüler/Schulen.

Die Lösung wäre ein zurück zur Laufbahnentscheidung durch den Grundschullehrer (bevorzugt nach Jahr 2, traditionell nach Jahr 4) mit einer eventuellen Kontrollinstanz, um Fehlentscheidungen weitgehend zu verhindern. Dazu muß das System, falls doch mal ein Kind unterschätzt wird, durchlässig sein und "Aufsteiger" unterstützen (an meiner Schule erhält gerade ein Aufsteiger kostenlos Lateinnachhilfe).

Das Problem ist, daß 2 mächtige Gruppen das nicht möchten:
1. Die Wirtschaft, die gerne "junge, formbare" Menschen hat (G8!)
2. Die Sozis, die immer noch nicht einsehen können, daß Menschen verschieden sind und angemessen gefördert werden müssen.

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pi.daun 10.06.2008, 16:15
8.

Zitat von Sackaboner
Soziale Kompetenz und schulische Grundlagen werden wohl am ehesten in einem System wie dem französischen erlernt, wo die Vorschule mit 3 Jahren anfängt. Zumindest lernt so jeder, aber auch wirklich jeder die Landessprache. Es gibt keinen Jugendlichen in Frankreich, gleich welcher Herkunft, der nicht französisch spricht. Und die Sprache integriert die Menschen. Das sollte das Minimalziel in Deutschland sein: Alle sprechen und verstehen deutsch. Später allerdings wird in Frankreich heftigst gesiebt, mit x verschiedenen Spezialabitures und Zusatzausbildungen und Schulen noch und nöcher bis hoch zu den Eliteinstituten, der Kaderschmiede der französischen Spitzenmänner und-frauen.
Brannten in Frankreichs "integrierten" Vorstädten nicht die Autos?

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pi.daun 10.06.2008, 16:15
9.

Zitat von derweise
Der Beamtenstatus der Lehrer muß fallen!
Was würde das bewirken?

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