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Schwedische Feministin über Fußball: "Falsch, paradox, rückwärtsgewandt"
danapress

Sie ist erst 15 und trotzdem schon Herzblutfeministin: Henrietta Berger nahm dem schwedischen Fußballverband ein Stück Männlichkeit - denn er will jetzt auf geschlechtergerechte Sprache achten. Wie hat sie das geschafft?

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zitzewitz 26.11.2014, 15:58
80.

Und vor allem heisst es ganz geschlechterungerecht "Der Fussball". Das muss natürlich sofort in "Das Fussbällin_In" unbenannt werden!
Nur so geht es mit der Geschlechtergrechtigkeit voran.

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Whitejack 26.11.2014, 15:59
81.

Zitat von miss_moffett
Zum zweiten hat mir eine ausländische Freundin mal erzählt, wie schwer es ihr in der ersten Zeit in Deutschland fiel einen Mann mit "Sie" anzusprechen. Sie war der Meinung, dass dieses "Sie" eine Geschlechtsbezeichnung sei und hatte angst, jemanden damit zu beleidigen. Machen Sie doch das mal im Genderkreisen zum Thema.
Viel interessanter ist doch folgende Frage: Warum beleidigt man einen Mann, wenn man ihn mit "sie" anspricht, aber nicht eine Frau, wenn man sie mit "er" anspricht?

Einen Mann als Frau zu bezeichnen ist nach wie vor, selbst bis in höchste akademische Kreise, eine der oft und gerne angewandten Beleidigungen. Das "Herr Professorin" der Leipziger Uni wurde von vielen kopfschüttelnd als Selbstabwertung der dortigen Professorenschaft angesehen.

Und da ist die Frage doch berechtigt, warum offenbar noch immer der Mann soviel mehr wert ist als die Frau, dass es eine Beleidigung ist, ihn als solche zu bezeichnen.

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nettes Gespräch 26.11.2014, 16:09
82. Schwedisch

nochmal: Es geht hier um die Schwedische Sprache! Es ist also VÖLLIG unsinnig hier über die Verhunzung der deutschen Sprache zu reden.

Dem Originalartikel zufolge soll einfach anstatt "Er rennt aufs Tor zu" stehen: "der Spieler rennt aufs Tor zu" wobei Spieler wie im englischen (player) geschlechtslos ist.

Zum Thema Einfluss der Sprache empfehle ich eine Lektüre der wissenschaftlichen Lektüre zum THema:

Es gibt bspw. eine englischsprachige Studie mit einem psychologischen Experiment, in dem zwei Gruppen von Personen Stellenausschreibungen bekamen, die sich nur darin unterschieden haben, ob "the worker" oder "he" im Artikel erwähnt wurde. Dann wiederum bekamen die Versuchspersonen einen Stapel mit Bewerbungen und sollten auswählen. Bei gleicher Qualifikation wurden Männer in der "he"-Bedingung bevorzugt, in der "worker"-gruppe nicht, weil das generische Maskulin eben doch einen Einfluss hat. Da gibt es noch viele andere Studien zu. Und da es experimentelle Studien sind, kann eben der Effekt nicht dadurch bedingt sein, dass der Mann in der Bewerbung eben besser war als die Frau o.ä.

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jujo 26.11.2014, 16:11
83. ...

Krankenschwester heisst auf schwedisch "Sköterska"
So werden auch die männlichen Pleger angesprochen.
Mir ist nicht bekannt das sich ein Mann darüber erregt hätte!

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Whitejack 26.11.2014, 16:11
84.

Zitat von dasguteeinhorn
Nun wenn sie die Geschichte richtig betrachten, dann wäre auch die Sichtweise wichtig und richtig, dass auch Männer nicht unbedingt immer etwas zu melden hatten. Diese wurden nämlich 1914 auf den Schlachtfeldern des ersten Weltkrieges verheizt. Und dabei gegen ihren Willen, zwangsrekrutiert.
Von anderen Männern.

Es ist ein verbreiteter Fehlglaube, weil Männer in der Vergangenheit ebenfalls Nachteile erlitten haben, könne die Annahme einer Frauenunterdrückung nicht zu halten sein. Auch die saudi-arabische oder iranische Armee besteht nur aus Männern. Also alles gut mit den Frauenrechten dort?

Die Behauptung, dass in einer patriarchalen Gesellschaft alle Männer gegenüber allen Frauen in allen Punkten Vorteile haben müssten, ist natürlich nicht zu halten. Auch in mittelalterlichen Gesellschaften war die adlige Frau höhergestellt als der einfache männliche Bauer. Nur bei ungefähr gleichem sozialen Stand war die Frau jeweils dem Mann untergeordnet.

Und ja, der durchschnittliche Mann des frühen 20. Jahrhunderts hatte in der preußischen Monarchie gesellschaftlich nicht viel zu melden. Aber er konnte nach Hause gehen und war dort der unumstrittene Herrscher mit extrem weitreichenden Befugnissen, Züchtigung und Vergewaltigung der Ehefrau mit eingeschlossen. Dass er dann auf den Schlachtfeldern verheizt wurde, war ein historisches Verbrechen. Das ändert aber nichts an der stattgefundenen Frauenunterdrückung und relativiert sie auch nicht.

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Robeuten_II 26.11.2014, 16:40
85.

Zitat von ichsagwas
Schauien Sie sich mal ein Spiel der Frauenbundesliga an, und danch ein Spiel der Männer. Die körperlichen Voraussetzungen sind einfach sehr unterschiedlich bei dieser Sportart. Bis zur B-Jugend können Mädchen auch in Jungsmannschaften manchmal noch mithalten. Es ist auch nicht verboten, dass Mädchen da mitspielen. Aber die wenigsten wollen es.
B-Jugend-Mannschaft vom VfB Stuttgart - Fußball-Nationalmannschaft der Frauen
Ergebnis 3 : 0

Martin Hess, B-Jugend-Spieler beim VfB Stuttgart, zum 3:0-Sieg über die Fußball-Nationalmannschaft der Frauen:[1]
Frage: In einem Vorbereitungsspiel über drei mal 15 Minuten hat die VfB-B-Jugend die Frauennationalmannschaft klar bezwungen, Sie schossen ein Tor. Mussten Sie an Ihre Grenzen gehen? Martin Hess: Es war nur ein Freundschaftsspiel, daher war kein übertrieben harter Einsatz nötig. Trotzdem haben wir engagiert gespielt und noch einige Chancen vergeben. Es wäre noch schöner gewesen, wenn wir höher gewonnen hätten. Das war im Übrigen auch die Vorgabe unseres Trainers. Frage: Hatten Sie mit einer solchen Überlegenheit gerechnet? Martin Hess: Nein, ich hatte sogar vermutet, dass wir verlieren würden. Aber nach fünf Minuten habe auch ich gemerkt, dass ein Sieg drin ist. Frage: Was fehlt den Frauen noch? Martin Hess: Vor allem fehlt ihnen Schnelligkeit. Sie sind zwar gut gebaut, spielen aber ohne Körpereinsatz. Technisch sind die Frauen so gut wie wir, auch am kämpferischen Einsatz mangelt es nicht.
Vor 400 Zuschauern in der Sportschule Ruit (Sommer 2003) waren die 14- bis 16-Jährigen eindeutig überlegen und trafen durch Martin Hess, Dirk Prediger und Frederico Decortes.[2][3]

Hintergrund: Kanzlerin Merkel hatte in einem Interview gesagt: "Davon [d.h. einem WM-Sieg, wie ihn die deutsche Frauen-Nationalmannschaft 2003 erstmals errungen hatte] können die Männer nur träumen." [4]

SWR-Sportreporter Thomas Bareiß hatte das Trainingsspiel der deutschen Frauen-Nationalmannschaft gegen die B-Jugend des VfB Stuttgart beobachtet. Sein Fazit:
"Der größte Unterschied liegt, wen wundert es, in der Athletik. [...] Die Frauen hatten gegen die Jugendlichen keine Chance."


U16-Mannschaft von Eintracht Frankfurt - Fußball-Nationalmannschaft der Frauen
Ergebnis 2 : 0

Die U16 der Eintracht Frankfurt hat 2003 ein Testspiel gegen die deutsche Frauen-Nationalmannschaft mit 2:0 gewonnen. Die DFB-Auswahl trat mit allen Stars wie Birgit Prinz (Fußballerin des Jahres) und Steffi Jones an. Die Tore für die Eintracht erzielte der erst 13 Jahre alte Stürmer Kirubel Hailu

Noch Fragen, Kienzle?

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Olaf 26.11.2014, 16:50
86.

Klar, Leute die anderen vorschreiben wie sie zu reden, leben und denken haben, waren schon immer ein europäischer Exportschlager.

Bin gespannt, wie sie die geschlechtergerechte Sprache beim Ballett durchsetzt.

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wollerm 26.11.2014, 17:43
87.

Die meisten Wörter sind Geschlechtsneutral. Erst wenn man ein -in o.ä. anfügt, ist es das nicht mehr. Ein Arzt ist ein Arzt, es war eine Zeit lang reine Gewöhnungssache, dass manche hier und da überrascht waren, dass ihr Arzt die körperliche Fähigkeit besaß, ein Kind auszutragen.

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mahkacz 26.11.2014, 17:55
88. Besonders vorurteilsfreie deutsche Fußballfans ...

... lassen sich gerne über Frauenfußball aus.
Ernsthaft:
Was die deutsche Sprache bestrifft, so sollten insbesondere Fußballreporter und vor allem Fernsehmoderatoren ohnehin erst einmal die deutsche Sprache beherrschen.
Was die politische Einstellung der deutschen Männer zur Gleichberechtigung im allgemeinen und zu feministischen Fragestellungen im besonderen betrifft, so sind gut Dreiviertel der Formumsbeiträge eher zum K...

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I am not convinced 26.11.2014, 19:06
89.

Zitat von Whitejack
Sehr deutlich wird die Tatsache, dass das generische Maskulinum eben nicht wirklich beide Geschlechter meint, auch bei der Entstehung von Berufsbezeichnungen in Bereichen, wo Frauen dominieren. Stewardess, Sekretärin, Kassiererin, Erzieherin, Krankenschwester - natürlich gibt es die auch, wenngleich viel seltener, in männlicher Form. Aber wer denkt bei "Stewardess" an eine männliche Person? Es sind eben in aller Regel NICHT beide Geschlechter gemeint. Übrigens verwenden die Fluggesellschaften genau aus diesem Grund den Begriff "Stewardess" nicht mehr. Es heißt heutzutage Flugbegleiter. "Die Flugbegleiter" - da sind auch die männlichen mitgemeint.
Die männliche From heißt ja auch Steward, davon ist Stewardess abgeleitet. Der Begriff Stewardess impliziert bereits, dass es auch Steward gibt, also kann damit die männliche Form nicht eingeschlossen sein.
Besonders interessant ist auch die Sekretärin, die natürlich vom Sekretär abgeleitet ist. Nur hat man da eine völlig andere Assoziation. Sekretär heißt der Schriftführer eines Vereins und steckt in Generalsekretär oder Staatssekretär. Wird nun die Schriftführerin des Vereins als Sekretärin bezeichnet oder wirkt das nich eher herabwürdigend? Und wie nennt man einen Mann, der den Beruf einer Sekretärin im Sinne einer geringverdienenden Büroschreibkraft ausübt?

Der entscheidende Fehler, der eine (sprachliche und vielleicht auch gesellschaftliche) Gleichberechtigung verhindert, ist doch vielleicht gerade die Betonung des -in. Eine Abschaffung dieses Anhängsels würde viel eher zur Gleichberechtigung führen: Die Sekretär und der Sekretär. Der Bäcker und die Bäcker. Es ist egal, ob es sich um eine Frau oder einen Mann handelt, die bzw. der diesen Beruf ausübt. Einziges Problem, auf das man dabei ziemlich schnell stößt: Der deutschen Sprache fehlt ein nicht-geschlechtsspezifisches Pronomen. Aber das würde die Sprache jedenfalls deutlich weniger verhunzen als die Krücken, die da derzeit im Gespräch sind, egal ob Herr Professorin oder die Studierenden und die Fußballspielenden (was es in der schwedischen Sprache glücklicherweise so nicht gibt und nicht notwendig ist).

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