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Schwule Lehrer: "Was würden Sie machen, wenn ich jetzt ein Messer raushole?"

In vielen Schulen herrscht ein schwulenfeindliches Klima - unter Schülern, aber auch im Lehrerzimmer. Am Hamburger Stammtisch für schwule Lehrer sprechen die Pädagogen über die alltägliche Quälerei in ihrem Job und über die alles entscheidende Frage: outen oder nicht?

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onkel-pelle 24.03.2011, 19:34
120. xxx

Zitat von dongerdo
Das ist doch gesülze - ich gehe auch nicht in die Firma und sag meiner Chefin das Ihre Klamotten scheiße aussehen. Auch fahre ich nicht in den Urlaub ins Ausland, um den dortigen Einwohnern zu erklären wie sie ihr Land führen sollen. Und, und, und... Warum mache ich all das nicht? Nicht weil es nicht erlaubt ist .
Sie drücken es recht rustikal aus. Das Problem scheint eher zu sein, auf Fragen von Schülern zu reagieren und nicht seine Orientierung wie eine Monstanz vor sich herzutragen.
Das machen wohl die wenigsten.

Deswegen Sie ich Ihre Beispiele als nicht sehr gelungen an.

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merkel123 24.03.2011, 19:37
121. Outing

ist oftmals keine Frage des Wollens, oft geschieht dies ohne Zutun des Betroffenen.
Habe im Bekanntenkreis einen ehemaligen hoeheren Beamten, den seine Vorgesetzten nach Aufkommen entsprechender Geruechte ueber Homosexualitaet jahrelang bespitzeln liessen und dann mit gerade mal 40 Jahren in die vorzeitige Pension schickten - der Mann geht jetzt schon fast zehn Jahre kerngesund mit mindestens 3000 netto monatlich spazieren.
Verdenken kann ich es ihm nicht, war allerdings kein Lehrer, zeigt aber gleichwohl, wie sehr Homophobie in bestimmten Bereichen noch verbreitet ist.

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benwick83 24.03.2011, 19:39
122. .

Zitat von Tarja13
Um bei Ihrem Beispiel zu bleiben: Warum geht dann der homosexuelle Schauspieler nicht einfach mit seinem Partner am Arm über den roten Teppich?
Weil er am roten Teppich selbstverständlich mit aufdringlichen Fragen rechnen müsste, die sich etwa so anhören würden: Sind sie homosexuell? Ist das ihr Lebenspartner? Und am nächsten Tag gäbe es einen Medienrummel sondersgleichen. Das Outing ist einfach nur eine kontrollierte Vorwegnahme von peinlichen Fragen und großen Blicken, die sich ganz automatisch ergeben, wenn jemand, der bisher nicht als homoxesuell bekannt war, plötzlich mit seinem Partner erscheint. Vielleicht denken Sie ja, dass es solche Reaktionen nicht geben wird. Aber da der statistisch anzunehmende Normalfall die Heterosexualität ist, werden homosexuelle Partnerschaften, die in aller Öffentlichkeit oder im engen Bekanntenkreis aus heiterem Himmel locker ausgelebt werden, bestimmt nicht so vollkommen normal empfunden. Das überrascht und irrtiert.

Das Outing ist also durchaus nicht so unnütz, wie Sie es hier betrachten. Es wird zu einem großen Teil von Außen erzwungen (so liberal sind die Menschen eben nicht, wie sie meinen, dass sie es sind - zu wünschen wäre es ja...), zu einem anderen (viel kleinerem) Teil bestimmt aber auch von den Homosexuellen und einer vielleicht manchmal übertriebenen Sicht einer Intoleranz gegenüber ihnen forciert.

Aber die Intoleranz gibt es nun einmal und ein Outing will eben unkontrollierten intoleranten Reaktionen vorrauseilen. Ein legitimer Zweck...

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schwarzer Schmetterling 24.03.2011, 19:45
123. dümmer

Zitat von sysop
In vielen Schulen herrscht ein schwulenfeindliches Klima - unter Schülern, aber auch im Lehrerzimmer. Am Hamburger Stammtisch für schwule Lehrer sprechen die Pädagogen über die alltägliche Quälerei in ihrem Job und über die alles entscheidende Frage: outen oder nicht?
geht nümmer - oder eine Minderheit, die sich immer wieder an unpassender Stelle nach vorn schieben muss, um ihre Einzigartigkeit herauszustellen - unsere Schwulen und Lesben, oder besser deren geltungssüchtiges Führungspersonal.

An einer Schule mit deratigen Nikkis aufzutreten, empfinde ich als nicht nur geschmacklos. Jugendliche, die gerade ihre ersten Erfahrungen mit der Sexualität machen, sollte man doch bitte im Rahmen des Biologieunterrichts auf die Launen und Abweichungen der Natur hinweisen.

Es gibt einen ehernen Grundsatz: Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps. Und es ist egal welche sexuelle Orientierung ein Lehrer hat - dies gehört in den Privatbereich und derart praktizierter Exhibisionismus gehört eigentlich angezeigt.

Es ist jedoch bezeichnend, wenn sich eine Minderheit auf ihr Andersein beruft, um sich hoch zu treten. Morgen erscheint dann die Mehrheit der Lehrer vielleicht mit T-Shirts: Ich f... nur Frauen. Dafür gibt es bestimmt eine Abmahnung.

Es wäre vielleicht überlegenswert bei all dem Schutz der Minderheiten auch mal wieder an die Mehrheit zu denken, der dies langsam auf den Keks geht.

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Blaue Fee 24.03.2011, 19:45
124. Unter Umständen

Zitat von stormking
...dann hätte das "Outing" ebensoviel Aufreger-Potential wie die Bekenntnis zu einem bestimmten Fußballverein oder das Lieblingsessen. Würden Sie diese beiden Informationen auch als "den Schüler sein Privatleben aufnötigen" bezeichnen?
Ich denke nicht, dass ein Lehrer den Kindern sagen muss, ob er nun auf Manchester United steht oder Veganismus praktiziert. Das hat nichts mit seinem Bildungsauftrag zu tun.

Bei meinem Tierarzt steht für mich seine Professionalität im Vordergrund und nicht seine Beziehung zu seinem Modelfreund - auch wenn letzterer eine Augenweide ist - diese ist irrelevant.

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benwick83 24.03.2011, 19:50
125. .

Zitat von merkel123
ist oftmals keine Frage des Wollens, oft geschieht dies ohne Zutun des Betroffenen. Habe im Bekanntenkreis einen ehemaligen hoeheren Beamten, den seine Vorgesetzten nach Aufkommen entsprechender Geruechte ueber Homosexualitaet jahrelang bespitzeln liessen und dann mit gerade mal 40 Jahren in die vorzeitige Pension schickten - der Mann geht jetzt schon fast zehn Jahre kerngesund mit mindestens 3000 netto monatlich spazieren. Verdenken kann ich es ihm nicht, war allerdings kein Lehrer, zeigt aber gleichwohl, wie sehr Homophobie in bestimmten Bereichen noch verbreitet ist.
Dagegen hätte er sich aber locker vor Gericht wehren können und hätte wohl immer gewonnen. Das ist offene Diskriminierung und von der Verfassung aber sowas von gar nicht gedeckt. Die Verwaltung ist direkt an die Grundrechte des Grundgesetzes gebunden. Von daher: Glaube ich nicht. Oder: Er genießt die frühzeitige Rente und hat gar kein Interesse, Gerechtigkeit walten zu lassen.

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Andrea84 24.03.2011, 19:52
126. Peinlich und unverschämt

wie sich hier so mancher Beitragsschreiber produziert.

Zitat von Tarja13
Sein Privatleben den Schülern derart aufzunötigen...
Zitat von unterländer
Im Übrigen halte ich es für ziemlich blöd, mit der Wahnsinnsnachricht "ich bin schwul" vor die Schüler zu treten.
Ich glaube kaum, dass sich irgendein homosexueller Lehrer einfach mal so vor die Klasse stellt und sich outet- oder wie hier oft unschön geäußert wurde 'auszwingt'.
Ein Outing, besonders dieser Art, passiert aus Druck von Außen und/oder Nachfragen.

Traurig auch, dass es immer noch Leute gibt, die zwischen normal und 'unnormal' differenzieren.
Sexualität, egal in welcher Form- außer Pädophilie- ist normal, ist natürlich. Vielleicht sollten sich einige mal in der Natur umsehen, da gibt es sie nämlich auch, diese 'sonderbare' Form der Sexualität.

Ich bin sehr enttäuscht darüber, dass die Toleranz und vorallem Akzeptanz für Homosexualität offenbar auf dem Rückzug ist.
Akzeptiert wird nur ein Kerkeling oder Wowereit, immer weniger der Nachbar, der Arbeitskollege oder eben Lehrer.

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Till67 24.03.2011, 19:54
127. Aufnötigen?

Zitat von dongerdo
In dem Artikel geht es darum dass T-Shirts gedruckt werden - dass grenzt schon an aufnötigen.
Aufnötigen? Es geht um den CSD, und wer dahin kommt um zuzusehen läßt sich nichts "aufnötigen" - als Konservativer würde ich auch nicht am 1. Mai zur Gewerkschaftsveranstaltung gehen. Und wenn, selbst dran Schuld, es ist nur 1 Tag im Jahr.

Davon abgesehen: Irgendwann bekommen es die Schüler heraus, es sei denn der Lehrer lebt als Eremit und vermeidet es zu 100%, mal in der Öffentlichkeit seinen Freund / Lebenspartner / neuen Lover zu umarmen etc.

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onkel-pelle 24.03.2011, 19:57
128. xxx

Zitat von Tarja13
Es ist für mich ein Unterschied, ob ich einfach eine Beziehung habe und diese lebe, oder ob ich alle Welt davon explizit in Kenntnis setzen muss, welche sexuelle Orientierung ich habe. Es ist eine Sache, sich nicht zu verbiegen, aber eine völlig andere, der Öffentlichkeit Kenntnis über eigene sexuelle Orientierung geradezu aufzunötigen.
Ich wage zu behaupten, daß die meisten Lehrerinnen und Lehrer mit dieser Orientierung nicht hausieren gehen, sondern sich irgendwann den Fragen der Schüler stellen.
Und den meisten wird auch bewußt sein, was sie erwartet.

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benwick83 24.03.2011, 20:03
129. .

Zitat von schwarzer Schmetterling
geht nümmer - oder eine Minderheit, die sich immer wieder an unpassender Stelle nach vorn schieben muss, um ihre Einzigartigkeit herauszustellen - unsere Schwulen und Lesben, oder besser deren geltungssüchtiges Führungspersonal. An einer Schule mit deratigen Nikkis aufzutreten, empfinde ich als nicht nur geschmacklos.
Wenn die Homophobie der Vater des Gedankens wird: Herzlichen Glückwunsch! In diesem Artikel steht mit keinem Wort, dass diese T-Shirts vor der Schülerschaft getragen werden sollen. Höchstwahrscheinlich sind sie für eine Parade zum Christopher Street Day konzipiert. Aber schon klar: Alle Schwulen sind Narzissten, Selbstdarsteller usf. Diesselben, die mit solchen herzallerliebsten Vorurteilen im Kopf herumrennen, nehmen bestimmt auch gern an einer christlich-heteronormativen Faschingsparade teil. Ich verabscheue Paraden grundsätzlich, aber den Geltungsdrang zu einer homosexuellen Eigenschaft zu stilisieren, das ist schon ein ganz diffiziler homophober Zungenschlag. Ähnlich perfide, wie ein Outing zu einer narzisstische Showeinlage zu degradieren - was in diesem Thema erstaunlich oft passiert.

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