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Selbstzweifel im Studium: Ich bin doch nur ein Hochstapler
Corbis

Eine 1,0 in Mathe? Glück gehabt! Jahrgangsbester in Germanistik? Zufall! Gerade Leistungsstarke mit wenig Selbstvertrauen zweifeln oft an sich. Wenn das krankhafte Züge annimmt, sprechen Psychologen vom Hochstapler-Syndrom. Was hilft?

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albert schulz 14.07.2014, 12:20
1. Leistung ?

Zitat von sysop
Selbstzweifel im Studium Gerade Leistungsstarke mit wenig Selbstvertrauen zweifeln oft an sich.
Sie zweifeln nicht an sich, sondern an dem Ideal der guten Noten, dem sie verfallen sind, während Andere Fußball spielen, ficken und saufen. Es sind arme Menschen, weil sie sich an der Note festkrallen, wie ein tödlich Verliebter an der hübschen Larve einer unsagbar dämlichen Frau. Zumeist sind sie im Beruf auch nicht gerade erfolgreich, leistungsstark sind sie sicher nicht, sondern bestenfalls fleißig und mit einem Gedächtnis gesegnet, dem es egal ist, welchen Unfug es sich merken soll.

Ich saß mal mit ein paar dieser Hochleistungsdepressiven in der Mensa, einer hatte nur eine zwei anstatt einer eins bekommen. Daraufhin wollte ich ihn aufmuntern, und habe ihm erklärt, daß die vier das Optimum überhaupt darstellt. Man müßte die blöde Prüfung (einschl. der wochenlangen Büffelei) nicht wiederholen und hätte es geschafft, ohne sich übernommen zu haben, hätte also exakt den Aufwand getrieben, der für das Ergebnis gereicht hat. Die Jungs an dem Tisch waren absolut fassungslos, vollkommen irritiert, ihrem gesamten Wertekanon drohte die Vernichtung. Ich hoffe nur, daß sie sich mit Hilfe einer Psychiatertruppe wieder eingefangen haben, um weiterhin gute Noten zu schreiben und ein nützliches und völlig sinnloses Leben zu fristen. Wir saßen übrigens nie wieder gemeinsam an einem Tisch.

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hemithea 14.07.2014, 12:41
2.

Zitat von albert schulz
Sie zweifeln nicht an sich, sondern an dem Ideal der guten Noten, dem sie verfallen sind, während Andere Fußball spielen, ficken und saufen. Es sind arme Menschen, weil sie sich an der Note festkrallen, wie ein tödlich Verliebter an der hübschen Larve einer unsagbar dämlichen Frau. Zumeist sind sie im Beruf auch nicht gerade erfolgreich, leistungsstark sind sie sicher nicht, sondern bestenfalls fleißig und mit einem Gedächtnis gesegnet, dem es egal ist, welchen Unfug es sich merken soll. Ich saß mal mit ein paar dieser Hochleistungsdepressiven in der Mensa, einer hatte nur eine zwei anstatt einer eins bekommen. Daraufhin wollte ich ihn aufmuntern, und habe ihm erklärt, daß die vier das Optimum überhaupt darstellt. Man müßte die blöde Prüfung (einschl. der wochenlangen Büffelei) nicht wiederholen und hätte es geschafft, ohne sich übernommen zu haben, hätte also exakt den Aufwand getrieben, der für das Ergebnis gereicht hat. Die Jungs an dem Tisch waren absolut fassungslos, vollkommen irritiert, ihrem gesamten Wertekanon drohte die Vernichtung. Ich hoffe nur, daß sie sich mit Hilfe einer Psychiatertruppe wieder eingefangen haben, um weiterhin gute Noten zu schreiben und ein nützliches und völlig sinnloses Leben zu fristen. Wir saßen übrigens nie wieder gemeinsam an einem Tisch.
Ich glaube, dass das bloß die Existenz- und Zukunftangst ist.
Ich habe 2010 angefangen zu studieren, Chemie, da hatten wir recht wenige solche Leute. Diejenigen, die dann die guten Noten schrieben - einschließlich mich - hatten bloß Zeitprobleme und Zeitdruck. Richtige Pauker waren wir nicht.
Durch einie schwere Krankheit, die auf eine Schwangerschaft folgte, war ich fast 2 Jahre raus und musste dementsprechend in den "Jahrgang", der 2012 angefangen hat.
Da haben wir sehr viele Pauker, so wie ich das teilweise noch aus der Schule kannte: sie lernen einfach für die Noten, nicht für das Wissen.
Lieblingsfrage - wie in der Schule : "Kommt das in der Klausur ran?"

"Wir" haben einfach Angst, dass man mit mittelmäßigen Noten keine Chance mehr hat. Bei uns - im Bachelor- zählt jede beschissene Note, da funktioniert es nicht mit "4 gewinnt". Da wird jeder Pipikram einbezogen. Wie ALL (allg. Chemie): 4 - Wochen - Pflichtkurs mit je 1 VL pro Woche anschließend eine Prüfung, die eig. für nichts gut ist. Davon hing und hängt keine Praktikums- oder Folgemodulzulassung ab usw. Aber ist Pflicht. Und trotzdem wird die Note am Ende auf dem Bachelorzeugnis stehen. Gut, für Master brauchen wir noch kein NC. Dafür sind zu viele Plätze für wenige Studenten da.

Aber heute schaut man ja nicht mehr auf die tatsächlichen Qualität der Bewerber, sondern auf Noten. Dass man eventuell nebenbei andere wichtige Nicht-Pflichtkurse belegt hat interessiert doch keinen. Oder dass die ein 4.0 total unwichtig ist oder in einem Fach ist, welches man nach der Uni nie wieder machen wird, ist dabei doch egal! Hauptsache Noten, Noten, Noten!

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vonwoderwestwindweht 14.07.2014, 12:55
3. ***

Und schwuppsdiwupps hat man wieder eine neue "Krankheit" erfunden, die unbedingt "therapiert" werden muss, damit Mensch endlich so durchschnittlich wird wie alle und eine normale menschliche Empfindung ihm endlich abgewöhnt wird.

Schon mal darüber nachgedacht, dass solche Reaktionen wie im Artikel beschrieben auch einen Sinn machen?

Ich persönlich tendiere inzwischen dazu, diejenigen Leute (insbesondere Journalisten) für krank zu halten, die jede Abweichung von der Norm wegtherapieren wollen, damit man endlich auch so eine total unauffällige, angepasste Funktions-Maus wird.

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ohminus 14.07.2014, 13:49
4.

Zitat von vonwoderwestwindweht
Schon mal darüber nachgedacht, dass solche Reaktionen wie im Artikel beschrieben auch einen Sinn machen? Ich persönlich tendiere inzwischen dazu, diejenigen Leute (insbesondere Journalisten) für krank zu halten, die jede Abweichung von der Norm wegtherapieren wollen, damit man endlich auch so eine total unauffällige, angepasste Funktions-Maus wird.
Schon mal darüber nachgedacht, dass Menschen darunter leiden? Aber nein, solange es einem selbst gut geht, kann man auch anderen Leuten einreden, dass es vollkommen normal ist, dass sie sich besch.... fühlen und dass sie um Himmels willen nichts daran ändern sollten.

Aber vermutlich macht es einen Sinn für Sie, sich am Leid anderer Leute aufzugeilen.

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vonwoderwestwindweht 14.07.2014, 14:47
5. ***

Zitat von ohminus
Schon mal darüber nachgedacht, dass Menschen darunter leiden? Aber nein, solange es einem selbst gut geht, kann man auch anderen Leuten einreden, dass es vollkommen normal ist, dass sie sich besch.... fühlen und dass sie um Himmels willen nichts daran ändern sollten.
Ich habe nicht gesagt, dass sie nichts daran ändern sollen, wenn sie leiden. Ich halte es jedoch für gefährlichen Zeitgeist-Trash, Leuten inzwischen bei jeder Lebenslage, die von der Norm abweicht, einzureden, das sei krank und könnte mittels eines Therapeuten wieder zurechtgerückt werden. Zum einen macht man den Leuten damit oft genug was vor, weil Therapeuten anders als in der Eigenwerbung viele Probleme gar nicht therapieren KÖNNEN. Und zweitens begeben sich Menschen mehr und mehr in eine psychische Abhängigkeit von außen und verlernen das Vertrauen in ihre eigene Kraft bzw. das Gefühl dafür, was ihnen gut tut und welche Rahmenbedingungen für sie die besten sind. Wer sich soweit von seinen Instinkten entfernt hat, dass er dafür jemand Fremdes braucht, der ihn gar nicht kennt und ihm sagt, was ihm gut tut und was nicht, der hat sich schon verdammt weit von sich selbst entfernt.

Wer meint, dass ein Therapeut für jede Lebenslage die richtige Anlaufstelle ist - bitte sehr. Aber dann bitte nicht auf Kosten der Krankenkassen (es sei denn, es handelt sich um ECHTE Krankheiten).


Zitat von ohminus
Aber vermutlich macht es einen Sinn für Sie, sich am Leid anderer Leute aufzugeilen.
Ich bin von Geburt an zu 50 % schwerbehindert. Mich stört der Normdruck, das jede Abweichung für krank erklärt wird und noch mehr nervt mich, dass ausgerechnet er SPIEGEL, der mal für Toleranz und Vielfalt usw. stand, immer unreflektierter jede Abweichung von der Norm für defizitär erklärt anstatt Leute in ihrem So-Sein anzunehmen. Und je größer der Normdruck ist, desto größer der Druck auf Menschen, etwas darstellen zu müssen, was sie nicht sind. Gerade das ist ja das Problem der Hochstapler, um die es hier in dem Artikel geht. Das ist ja schon etwas bizarr, dass in diesem Artikel und vielen anderen ständig das Normal-Sein zum obersten Ziel erklärt wird - gleichzeitig dann aber die Folgen, die so ein Normdruck auslöst (etwa Hochstapelei - kann aber auch anderes sein) wiederum wegtherapieren möchte.

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hermannheester 14.07.2014, 15:53
6. Leistung um der Leistung willen ist ungesund!

Zitat von sysop
Eine 1,0 in Mathe? Glück gehabt! Jahrgangsbester in Germanistik? Zufall! Gerade Leistungsstarke mit wenig Selbstvertrauen zweifeln oft an sich. Wenn das krankhafte Züge annimmt, sprechen Psychologen vom Hochstapler-Syndrom. Was hilft?
Diese Erkenntnis ist schon in der Antike bekannt geworden. Heute ist es immer noch ungesund zum Genie "erzogen" worden zu sein. Das fördert eher die Last der Komplexe als die Lebensfreude.
Ein Normalmaß an Leistung gibt es ja nicht - sonst würden vielleicht ALLE Spiegel lesen? wer weiß das schon?

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AnimalSociale 14.07.2014, 16:11
7. Ein Teil des Problems

ist wohl, nicht zu wissen, was die Erwartungen und wie die Leistungen der anderen sind. Vermutlich hätte es schon geholfen, mal die eine oder andere Seminararbeit der Kommilitonen zu lesen. Idealerweise vor der Abgabe (gegenseitiges Korrekturlesen). Erstens lernt man davon und zweitens kann man dann die eigene leistung besser einschätzen.

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Iggy Rock 14.07.2014, 16:55
8.

Zitat von vonwoderwestwindweht
Ich persönlich tendiere inzwischen dazu, diejenigen Leute (insbesondere Journalisten) für krank zu halten, die jede Abweichung von der Norm wegtherapieren wollen, damit man endlich auch so eine total unauffällige, angepasste Funktions-Maus wird.
Die Journalisten geben nur das wieder, was längst gesellschaftlicher Konsens ist. Es sind auch nicht die Psychotherapeuten oder die Pharmaindustrie, die derartige Störungen erfinden oder erst jetzt erkennen. Es ist eine Gesellschaft die Perfektion predigt, pflegt und gutheißt, obwohl sie der Natur vollkommen widerspricht. Die Gesellschaft ist es auch, die sich darin bemüht alles zu Normieren, in eine gleiche Form zu pressen, Andersartiges beim Namen nennen zu wollen und zu bekämpfen, anstatt es einfach zu akzeptieren.

Fällt ein öffentlich bekannter Perfektionist, bei dem alles scheinbar so glatt lief, dann tief, sind entweder alle entsetzt oder man klopft ihm noch auf die Schulter: "Ist ja doch nur einer von uns".

Woher kommt das Leid? Die Betroffenen bekommen einerseits ihre Indoktrination von außen, täglich, auf der anderen Seite haben wir alle eine verfälschte Wahrnehmung. So neigen wir dazu uns ständig im Mittelpunkt der Welt zu sehen, obwohl jeder von uns ein recht unbedeutendes Licht ist, und gleichzeitig sammeln wir Leistungen und Erfolge anderer in einem großen Wunschtopf, den wir ohnehin nie erreichen können.

Hochstapelerei hingegen betreiben wir alle, Tag für Tag und überall. Das ist ein einfaches Resultat einer hochtechnisierten Wissensgesellschaft. Vielleicht sei allen Betoffenen einmal zu raten, einen Professor als das zu entlarven was er ist, nämlich auch nur ein Mensch, der auch nicht alles in seinem Fachbereich wissen kann.

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M von B 14.07.2014, 17:06
9. Psychologen und die Einfachheit

Ich habe mich lange Zeit mit diversen Themen auseinandergesetzt. Dabei wurde mir eines klar, eine messerscharfe Abgrenzung ist in den seltensten Fällen möglich. Oft ist der Zustand von Menschen mit impostor Syndrom verbunden mit Asperger Syndrom und wenn es dick kommt, mit Shizophrenie und / oder Narzismus kombiniert.
Vor allem im Berufsleben erlebt man einen Horror Tripp wenn man auf solche Leute stößt.

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