Forum: Leben und Lernen
Sitzenbleiben abschaffen?

Die Ehrenrunde in der Schule ist pädogisch umstritten und kostet viel Geld.Manche Kultusminister wollen sie deswegen abschaffen. Was halten Sie von diesen Plänen?

Seite 1 von 16
Juliane Fuchs 06.05.2008, 17:49
1. Geschichte wird gemacht, es geht voran!

Die abgeschaffte "Ehrenrunde" wird dann noch mehr Geld kosten, wenngleich womöglich nicht mehr das aus dem Etat der Kultusminister.
Ein Schritt weiter auf dem Weg zur Prämierung der Leistungsverweigerer.

Beitrag melden
Peter-Freimann 06.05.2008, 17:49
2.

Zitat von sysop
Die Ehrenrunde in der Schule ist pädogisch umstritten und kostet viel Geld.Manche Kultusminister wollen sie deswegen abschaffen. Was halten Sie von diesen Plänen?
Halbherzig! Wenn man so liest, was Ole in Hamburg zum Beispiel zusammen mit den grünen Flitzpiepen an Einheitsbeschulung bis zur sechsten Klasse macht, wenn man sich die Konzepte der Bildungsstandards aus dem Kultusministerium durchliest (Vorsicht: Sprachvandalismus erster Ordnung, erfordert hohe Nervenstärke!), kommt man zu dem Schluss, dass Schule als solches ja bereits hochgradige Repression ist, auch außerhalb von Schule gibt es für den Nachwuchs ja ein breites Spektrum an Kommunikation und Informationsangeboten.
Bessere Alternative: Abschaffung der Schulpflicht, es ist zum einen kostengünstiger für die Allgemeinheit, zum anderen ist das Betreten dieser Institution auch zunehmend gefährlich geworden.

Beitrag melden
Herr B 06.05.2008, 18:05
3. Pädagogisch umstritten...

Zitat von sysop
Die Ehrenrunde in der Schule ist pädogisch umstritten und kostet viel Geld.Manche Kultusminister wollen sie deswegen abschaffen. Was halten Sie von diesen Plänen?
Die Ehrenrunde ist nicht nur pädagogisch umstritten. Herrschende Meinung ist, sie bringe keinen Nutzen.
Das Problem ist: Hierbei handelt es sich um Wissenschaft, nicht um die volle Wahrheit.

Wenn ich mich in meinem Freundeskreis umschaue, gibt es drei Leute, die nach der Ehrenrunde Boden gut gemacht haben, einer stagnierte in seinen Leistungen und schaffte das Abi knapp.

Tatsache ist, dass Schüler im Alter von 12-17 enorme Varianzen in ihrer geistigen Entwicklung aufweisen.
Ohne Ehrenrunde mag sich jemand geradeso zum Abitur schleppen, der selbiges ein Jahr später weit besser gemeistert hätte.

Zudem sorgt die Pubertät durch die hormonale Umstellung des Körpers oft für ein Verhalten, das einem Lernerfolg nicht eben zuträglich ist.
Wenn aber Lücken vorhanden sind, müssen diese im Nachhinein aufgefüllt werden. Wie? 12 Nachhilfestunden in der Woche?

Der Totschläger der Kostensenkung hat uns schon das Abi nach 12 Jahren gebracht (fragen Sie mal Eltern, deren Kinder das durchmachen müssen...).

Meiner Meinung nach führen diese Dinge zu einem zunehmenden Auseinanderdriften der Bildungsschichten in Deutschland. Diejenigen, die sich Nachhilfe etc. leisten können sind doch wohl in erster Linie Höhergebildete.

Wir berauben uns mit dieser Politik der einzigen Chance, Deutschland wettbewerbsfähig zu halten: Der Bildung unserer Kinder.

Beitrag melden
Viktor_P 06.05.2008, 18:18
4. Mir hat's geholfen

Hallo,

ich habe eine Ehrenrunde in der neunten gedreht und bin gut damit gefahren.
Nicht nur, dass mein sozialer Status besser war, weil ich zu den Ältesten in der Klasse gehörte: Die Wiederholung des Stoffes dieses Jahrs brachte mich auch Leistungsmäßig wieder nach vorn und erlaubte mir, das Abi ohne Stress zu erlangen.

Schlecht ausgebildete Absolventen kommen später teurer, als Sitzenbleiber, nein?

Gruß

Viktor

Beitrag melden
Tertinator 06.05.2008, 18:29
5.

Meine Erfahrung ist, dass manche Schüler einfach auf der falschen Schule sind.
Wenn sich ein Schüler Jahrelang durch das Gymnasium quält, ständig mit der Hoffnung auf "Gnadenvierern" oder auf den Ausgleich seiner 5, hat er meiner Meinung nach einfach nichts auf dem Gymniasium zu suchen.
Und ein "Durchschleifen" wird weder ihm, noch seinen begabteren Schülern gerecht.
Möglicherweise aber könnte ein einmaliges Sitzenbleiben den Schüler durchaus unterstützen.
Besser ist es auf jeden Fall, als das Niveau der Klasse zu Lasten der besseren Schüler zu senken.

Aber:
Wieso soll die Real- oder Hauptschule eigentlich schlecht sein?

Beitrag melden
ondrana 06.05.2008, 18:32
6.

Meiner Erfahrung nach bringt Sitzenbleiben nur ein wenigen Fällen wirklich etwas:

# der Schüler ist noch sehr unreif

# der Schüler hat aus irgendwelchen Gründen (lange Krankheit, Trennung der Eltern, etc.) so viel verpasst, dass er trotz Hilfestellung den Anschluss in mehreren Fächern nicht schafft und nur noch Negativerlebnisse hat


Wann bleibt ein Schüler rechtlich sitzen? In Nds ist es so:

Er hat zwei Fünfen und bleibt sitzen. Das ist der Regelfall.
Wenn er die Fünfen durch Fächer mit gleicher Stundenzahl ausgleichen kann, KANN die Konferenz beschließen, ihn mit ins nächste Schuljahr zu nehmen. Dafür muss abzusehen sein, dass er im nächsten Schuljahr erfolgreich mitarbeiten können wird.

Was man dann so erlebt: ein Schüler hat eine fünf in Mathe und in allen anderen Fächern schwache Vieren. Versetzt.
Die Lücken in Mathe bleiben, die Lücken in den anderen Fächern werden sich wohl noch verstärken.

Ein Schüler hat in Mathe eine zwei, in Englisch und Deutsch zwei Fünfen. Alle anderen Fächer sind zwei oder drei. Er bleibt sitzen.

Würde es nicht mehr Sinn machen, den ersten Schüler wiederholen zu lassen und den zweiten Schüler ganz gezielt wegen seiner sprachlichen Schwächen zu fördern?

Bei einem Schüler, der heillos überfordert ist, wie im ersten Fall macht auch das Wiederholen nur selten Sinn. Da stellt sich die Frage, ob er nicht an einer anderen Schulform glücklicher wäre.

Beitrag melden
timboe 06.05.2008, 18:38
7. Ehre wem Ehre gebührt

Zitat von Herr B
Meiner Meinung nach führen diese Dinge zu einem zunehmenden Auseinanderdriften der Bildungsschichten in Deutschland. Diejenigen, die sich Nachhilfe etc. leisten können sind doch wohl in erster Linie Höhergebildete.
Da haben sie vollkommen Recht. Und die dürften auch mehr politischen Einfluss haben als der Rest, Mehrheiten hin oder her.
Und das folgt in der Wirksamkeit eben genau der Logik dieser Schicht. Ich bin schlau, mein Partner ist schlau, also verfügt auch mein Kind über die geistigen Kompetenzen zum Abitur geführt zu werden.
Dazu noch die Leistungsvermutung die der Lehrer anhand des sozialen Hintergrundes aufstellt.
Sympathien dürften auch noch eine Rolle spielen, gleich und gleich gesellt sich halt gern.
Und am Ende werden dem Unterschichten Kiddie noch ein paar Beispiele vorgeführt, die es trotz erheblicher Nachteile geschafft haben und geschlussfolgert es gebe sich einfach nicht genug Mühe.

Zumindest ist unter den Umständen die Ehrenrunde eine staatlich finanzierte Nachhilfe für alle =)

Beitrag melden
Tarja13 06.05.2008, 18:39
8.

Zitat von sysop
Die Ehrenrunde in der Schule ist pädogisch umstritten und kostet viel Geld.Manche Kultusminister wollen sie deswegen abschaffen. Was halten Sie von diesen Plänen?
Gar nichts, weil kaum ein Bundesland das eigentliche Problem kurieren will, nämlich die Leistungen und Leistungsfähigkeit schwacher Schüler verbessern, sondern einfach Statistik und Haushalt bereinigt werden sollen. Es nützt doch nichts, Schüler, die wegen schlechter Leistungen eigentlich nicht versetzt werden könnten, ins nächste Jahr mitzuschleifen, wo sie dann noch weniger verstehen, weil ihnen die Grundlagen fehlen. Damit tut man denen doch auch keinen Gefallen - und weniger Frust haben die bestimmt auch nicht. Oder was soll so toll daran sein, dass man zwar weiß "Sitzen bleiben kann ich ja nicht", aber trotzdem 30+X Stunden die Woche mit Inhalten beschallt wird, die man nicht mehr nachvollziehen kann?

Die Lösung wären derart verkleinerte Klassen, dass die Lehrer tatsächlich jeden schwächeren Schüler individuell fördern könnten. Das ist ja auch der Clou an Finnland, was immer wieder als Musterbeispiel herangezogen wird. Aber bei Klassenstärken von bis zu 35 Schülern? Sehr witzig, wirklich! Was hindert die Kultusminister und Ministerpräsidenten der Länder denn, ernst zu machen und genügend Lehrer einzustellen, damit die Klassenstärken deutlich gesenkt werden können und für Problemfälle genügend Intensivierungsstunden abgedeckt werden können? Doch nur die Tatsache, dass sie nicht bereit sind, das hierfür nötige Geld auszugeben und entsprechende Arbeitsbedingungen für Lehrer zu schaffen.

Passieren tut regelmäßig nämlich das genaue Gegenteil von dem, was nötig wäre: Lieber werden zweifelhafte Banken und andere Wirtschaftsunternehmen mit Milliarden subventioniert, als dass auch nur die Hälfte davon in den Schulbereich gesteckt würde. Gebraucht würden nicht nur mehr ausgebildete Lehrer und eben keine Quereinsteiger, die ohne jede didaktische Ausbildung Kernfächer wie Latein, Mathe, Physik oder Chemie unterrichten!), sondern auch mehr Geld für Lehrmittel. Außerdem werden einige Erzieher gebraucht, um die Aufsicht bei den inzwischen "dank" total verhunztem (jedenfalls in Bayern) G8 die Aufsichten beim Mittagessen zu führen. Und wenn man schon unbedingt meint, die Ganztagsschule sei der Weisheit letzter Schluss, dann sollte man die Schulen auch so ausstatten, dass sie die Zeit, die die Schüler dann zwangsweise dort verbringen müssen, auch sinnvoll nutzen können. Dazu werden einerseits genügend Lehrer für Intensivierung und zumindest als Rufbereitschaft für die Hausaufgabenbetreuung (die bloße Aufsicht können auch Erzieher führen) gebraucht und andererseits genügend Freizeitangebote für die Schüler, die ihr Pensum bereits absolviert haben und nun eigentlich nur noch auf den Gong warten. Auch sollte es pro Schule mindestens einen Psychologen geben, der Lehrern und Schülern beratend zur Seite steht. Nachdem ja fast alle Erziehungsprobleme von den durch die Wirtschaft dazu genötigten Eltern auf die Schule verlagert werden, wäre es schließlich nur logisch, dass diese Probleme professionell angegangen werden - und zwar außerhalb der Klassenzimmer, die schließlich dem Unterricht dienen sollen!

Beitrag melden
koch_joel 06.05.2008, 18:43
9.

Die Quote der Sitzenbleiber dürfte wohl eher um 0,2 Prozentpunkte als um 0,2 Prozent gefallen sein.
Und dass Ypsilanti in Hessen die Regierung übernehmen könnte, befürchtet wohl auch keiner mehr.

Mathe und Politik also ungenügend - wäre das nicht ein Grund zum Sitzenbleiben?

;-)

Beitrag melden
Seite 1 von 16
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!