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Smartphones an Schulen: "Warum soll man Internet in der Klausur verbieten?"
DPA

Tablets und Smartphones in Klausuren: Niedersachsen will die Geräte als erstes Bundesland zulassen - allerdings ohne Internetzugang. Prüfungsexperte Jürgen Handke hält das für zu zaghaft.

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noalk 11.05.2017, 16:11
30. Eigenes Wissen und Internetwissen unterscheiden sich

Was ich weiß, kann ich sofort nutzen. Internetsuche kostet Zeit. Werden die Aufgaben für einen gegebenen Zeitrahmen so gestellt, dass eine Verwendung des Internets zu Zeitverlust führt, kann der Recherchierende nicht alle Aufgaben in diesem Zeitrahmen lösen und somit nicht die volle Punktzahl erreichen. Das gilt erst recht bei reinen Wissensfragen, sogar bei Multiple-Choice-Tests.

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erwachsener 11.05.2017, 16:22
31.

Auch wenn heute viel in Teams gearbeitet wird ist es trotzdem sinnvoll, die Fähigkeiten des einzelnen einzeln abzuprüfen. Aus zwei Gründen:


erstens ist auch ein Team effektiver, wenn seine Mitglieder fachlich kompetent sind. Sonst gilt nur: einer workt, die anderen teamen. Teamwork, Networking, Schwarmintelligenz: das sind alles nur buzzwords. Wenn keiner was kann, wird's einfach nichts.


zweitens muß ein Team erstmal zusammengestellt werden. Eine Fußballmannschaft, die nur aus Torwarten besteht ist keine gute Idee, und zu glauben, daß eine Zufallsauswahl aus dem Publikum mit einer sorgfältig ausgewählten Mannschaft konkurrieren kann wäre ziemlich naiv. Um zu wissen, wer ins Team kommt, muß man erstmal wissen, was der einzelne kann.

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seikor 11.05.2017, 16:42
32. So ein Schmarrn...

Lässt man "Internet" zu, kann man gleich jemand anders vor das Aufgabenblatt setzen. Der Herr "Prüfungsexperte" hat sich nicht dazu geäußert, wie er mit Kommunikation im Internet unterbinden will. Da kann man ja gleich Gruppenaufgaben vorgeben...
Bring your own device ist ein großes Problem, dass sich nicht einfach durch Vorhalten irgendwelcher Geräte lösen lässt. Die Reichen mit den eigenen Geräten hätten dadurch deutliche Vorteile in der Bedienung gegenüber den Armen mit Fremdgeräten. Alle die gleichen vorgegeben Geräte benutzen ist auch problematisch, da man von Zuhause her deutlich unterschiedliche Bedienung gewohnt ist. Ich hatte z.B. in einer Fortbildung nicht unerhebliche Probleme mit einem mir vorgesetzten i-Gerät...
Elektronische Geräte in Prüfungen sind aber durchaus o.k. wenn nur eine Software (z.B. CAS) zugelassen wird.

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pck2 11.05.2017, 16:43
33. Wissen ist nicht gleich Kompetenz

Daß Sie sich eine solche Klausur nicht vorstellen können liegt daran, daß in Schulen und Unis seit den 80ern fast nur noch mechanisch erlernbares Faktenwissen und Methoden gelehrt und abgeprüft werden, nicht aber Handlungskompetenz. Jeder Abiturient weiß, daß man "nicht durch Null teilen darf". Warum das so ist, weiß aber kaum einer. Daß man, aus logisch leicht nachvollziehbaren Gründen, nicht durch Null teilen KANN, ist den meisten unbekannt.

Dieses Beispiel steht stellvertretend auch für alle anderen Fächer. Die Diskussion über die Zulassung von Internetquellen in Prüfungen geht daher am eigentlichen Problem vorbei. Was im Bildungssystem schief läuft, ist, daß keine konzeptionellen Landkarten mehr vermittelt werden. Das Internet in seiner Funktion als Faktenquelle wird daher nur denjenigen von echtem Nutzen sein, die die elektronisch abrufbaren Fakten (und nicht-Fakten) in ihre eigene Kompetenz- und Konzeptlandschaft einzuordnen in der Lage sind. Für alle anderen bleibt es bei, "Ich habe irgendwo gelesen, daß ...", was fatale Folgen für die Persönlichkeitsbildung wie auch die tägliche Arbeit in den Berufen hat.

Unsere Schulen und Unis versuchen immer noch, Menschen wie Maschinen zu behandeln, die am Ende der Ausbildung ein definiertes Outputspektrum haben sollen. Das ist Unsinn und vor allem kontraproduktiv. Ein Bildungssystem ist kein Ausbildungssytem. Ausbildung gehört in die Betriebe. Was ein Bildungssystem leisten muß, ist Bildung im Sinne von Menschwerdung, d.h. die Vermittlung der Fähigkeit, Urteile gegen Wissens- und Kompetenzhintergründe fällen zu können. Den vielgelobten und -beschworenen rationalen Menschen, der gute Gründe für sein Handeln angeben kann, kann es mit reiner Ausbildung nicht geben. Und mit Schülern, denen antrainiert wird (oder die sich dazu überlassen werden), einen Großteil ihrer prägenden Lehr- und Lernjahre überwiegend auf Smartphones zu verbringen, wird es das auch nicht. Ein Technikverbot wird das Problem ebenfalls nicht lösen. Jungen Menschen muss stattdessen mehr Lernvielfalt angeboten werden, d.h. andere LernTYPEN als das berüchtigte "pauken". Denn darauf läuft es, allem Gerede von Pädagogen, Politikern und Bürokraten zum Trotz, nach wie vor zu 90-95% hinaus. Für anderes ist gar kein Platz mehr in unseren völlig überfüllten Klassenzimmern, Hörsälen und Lehrplänen.

Konzeptgetriebener Unterricht verlangt ein Höchstmaß an Kompetenz und Arbeitsleistung vom Lehrenden. Er auch Aufgabe der Eltern, die ihre Kinder dann nicht mehr vor dem Bildschirm parken können. Wenn der Erfahrungshorizont eines Teenagers zu 80% innerhalb des Telefondisplays liegt, brauchen wir uns über die Hilfsmittel bei Klausuren gar nicht erst zu unterhalten.

Die Resultate unserer durchmechanisierten Bildungsphilosophie sehen wir überall und jeden Tag. Sie sind persönlich wie gesellschaftlich relevant und untergraben individuelle Biographien und das demokratische System gleichermaßen, denn sie produzieren inkompetente und hilflose Bürger, die ihre Unzulänglichkeiten entweder auf sich selbst ("innere Kündigung", Depressionen, soziale Bindungsunfähigkeit) oder die Gesellschaft (AfD Wähler und Trump Fans) projizieren.

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pck2 11.05.2017, 16:45
34. Wissen und Kompetenz

Daß Sie sich eine solche Klausur nicht vorstellen können liegt daran, daß in Schulen und Unis seit den 80ern fast nur noch mechanisch erlernbares Faktenwissen und Methoden gelehrt und abgeprüft werden, nicht aber Handlungskompetenz. Jeder Abiturient weiß, daß man "nicht durch Null teilen darf". Warum das so ist, weiß aber kaum einer. Daß man, aus logisch leicht nachvollziehbaren Gründen, nicht durch Null teilen KANN, ist den meisten unbekannt.

Dieses Beispiel steht stellvertretend auch für alle anderen Fächer. Die Diskussion über die Zulassung von Internetquellen in Prüfungen geht daher am eigentlichen Problem vorbei. Was im Bildungssystem schief läuft, ist, daß keine konzeptionellen Landkarten mehr vermittelt werden. Das Internet in seiner Funktion als Faktenquelle wird daher nur denjenigen von echtem Nutzen sein, die die elektronisch abrufbaren Fakten (und nicht-Fakten) in ihre eigene Kompetenz- und Konzeptlandschaft einzuordnen in der Lage sind. Für alle anderen bleibt es bei, "Ich habe irgendwo gelesen, daß ...", was fatale Folgen für die Persönlichkeitsbildung wie auch die tägliche Arbeit in den Berufen hat.

Unsere Schulen und Unis versuchen immer noch, Menschen wie Maschinen zu behandeln, die am Ende der Ausbildung ein definiertes Outputspektrum haben sollen. Das ist Unsinn und vor allem kontraproduktiv. Ein Bildungssystem ist kein Ausbildungssytem. Ausbildung gehört in die Betriebe. Was ein Bildungssystem leisten muß, ist Bildung im Sinne von Menschwerdung, d.h. die Vermittlung der Fähigkeit, Urteile gegen Wissens- und Kompetenzhintergründe fällen zu können. Den vielgelobten und -beschworenen rationalen Menschen, der gute Gründe für sein Handeln angeben kann, kann es mit reiner Ausbildung nicht geben. Und mit Schülern, denen antrainiert wird (oder die sich dazu überlassen werden), einen Großteil ihrer prägenden Lehr- und Lernjahre überwiegend auf Smartphones zu verbringen, wird es das auch nicht. Ein Technikverbot wird das Problem ebenfalls nicht lösen. Jungen Menschen muss stattdessen mehr Lernvielfalt angeboten werden, d.h. andere LernTYPEN als das berüchtigte "pauken". Denn darauf läuft es, allem Gerede von Pädagogen, Politikern und Bürokraten zum Trotz, nach wie vor zu 90-95% hinaus. Für anderes ist gar kein Platz mehr in unseren völlig überfüllten Klassenzimmern, Hörsälen und Lehrplänen.

Konzeptgetriebener Unterricht verlangt ein Höchstmaß an Kompetenz und Arbeitsleistung vom Lehrenden. Er auch Aufgabe der Eltern, die ihre Kinder dann nicht mehr vor dem Bildschirm parken können. Wenn der Erfahrungshorizont eines Teenagers zu 80% innerhalb des Telefondisplays liegt, brauchen wir uns über die Hilfsmittel bei Klausuren gar nicht erst zu unterhalten.

Die Resultate unserer durchmechanisierten Bildungsphilosophie sehen wir überall und jeden Tag. Sie sind persönlich wie gesellschaftlich relevant und untergraben individuelle Biographien und das demokratische System gleichermaßen, denn sie produzieren inkompetente und hilflose Bürger, die ihre Unzulänglichkeiten entweder auf sich selbst ("innere Kündigung", Depressionen, soziale Bindungsunfähigkeit) oder die Gesellschaft (AfD Wähler und Trump Fans) projizieren.

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Ancalagon 11.05.2017, 16:48
35. Sinnvolle Regelung, wenig sinnvoller Expertenbeitrag

Die niedersächsische Regelung war überfällig. Die bisher an den Schulen eingesetzten "Spezialgeräte" wie Taschenrechner und elektronisches Wörterbuch sind extrem teuer: Taschenrechner zwischen 150 € und 200 €, Wörterbücher für 150 €, da kommen schon seit Jahren die Rückfragen von Eltern, warum man dafür nicht ein Handy nehmen kann.

Ferner benötigen die Schüler im Laufe ihrer Schullaufbahn ohnehin irgendwann einen Computer, die meisten kaufen sich ein Notebook.

Die letzten Jahre hatte man die Situation, dass Computer (und damit auch Tablets, die ja letztlich Computer sind) im Abitur in Mathematik zugelassen waren, in allen anderen Fächern aber ausdrücklich nicht. Dann hätte man, selbst wenn man in Mathematik ein Compueralgebrasystem verwendet, dieses in Physik nicht einsetzen dürfen und dafür noch einen extra Taschenrechner gebraucht.

Der von Prof. Handke geforderte Interneteinsatz in Klausuren ist hingegen praxisfremd. Die Kollaborationsfähigkeit der Schüler wird ausreichend im Unterricht, bei Referaten, bei Hausarbeiten und neuerdings auch bei "Präsentationsprüfungen" im Abitur geprüft. Irgend etwas sollte man schon noch selbst können, auch wenn man z.B. bei der Erstellung von Übersetzungen später in der Praxis sicherlich nicht das Internet abschalten wird.
Schafft man ferner den "Wissensanteil" in Klausuren ab, so bleiben nur noch Aufgaben höherer Anforderungsbereiche übrig, die Klausuren werden dadurch schwerer, nicht leichter.

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wincel 11.05.2017, 17:31
36.

Vielleicht sollten sich die Herren/Damen mal ansehen, was Multiple-Choice und Smartphones im Unterricht und Pruefung in Schulen anrichten. Hier drueben in den USA kann man das sehr schoen verfolgen.
Gute Schulen verbieten die Geraete alle. Multiple Choice tests fuehren zu so schlechter Lernleistung, dass der High School Abschluss nichts aussagt und fuer College nochmal zentral nachgeprueft wird mit SAT und GET tests, die ueber Tage und stundenlang laufen.
Sozial und einkommenschwache Schueler gehen jedoch meist in Schulen wo Schueler teilweise im Unterricht spielen, chatten und Sport schauen auf ihren Geraeten ...

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palavern 11.05.2017, 18:17
37. Begreifen und Umsetzen leben

Im Gymnasium wurde oftmals nur wissen vermittelt, dass später wieder angefragt würde. Highlights waren Lehrer, die einen beibrachten, gelerntes auf vielerlei Arten und auch in themenfremden Bereich zu nutzen, daraus eigene neue Wege zu entwickeln oder es passend umzuwandeln.

Doch was mich wirklich begeisterte, folgte erst auf einer sehr fortschrittlichen Privatschule: Sich Dinge selbst anzueignen, anfangen von den Quellen bis über das Verstehen und Anwenden bis hin zum Verknüpfen mit anderen Gebieten und entdecken neuer Möglichkeiten.

Von diesen Werkzeugen profitiere ich immer wieder. Sie eröffnen mir neues quasi in spielerischer Weise.

Das ist es, was meines Erachtens vermittelt und auch geprüft werden sollte. Hierzu ist keine Kontrolle der möglichen Quellen, sei es Internet, dicke Bücher oder Mitschüler nötig. Wichtig ist, aus den Quellen und seiner eigenen Idee etwas neues nachvollziehbar zu entwickeln.

Doch leider ist Das ich immer nicht in der Bildung abgekommen. Selbst der Abschluss als Bachelor wird nur für dumpfes kurzweiliges Reinpauken verliehen.

Es wird Zeit, kreatives Lernen und Denken zu fördern, damit neue Ideen und freie Geister zu Wachstum und Freiheit führen.

Das reine - inzwischen leider sogar wieder immer weniger zugespitzt formuliert - Fakten und Vokabeln Abfragen bietet keine wirklichen Möglichkeiten für eine positive Zukunft.

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spon_3689546 11.05.2017, 18:34
38. Dann doch gleich Nägeln mit Köpfen machen

Gebt jedem Schüler einen Internetzugang und schließt die Schulen. In der Schule lernt man sowieso nichts für das Leben. Oder?

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tiggowich 11.05.2017, 18:39
39. Naja

Bildung wird in Niedersachsen eh nicht besonders groß geschrieben... Wird sicher toll werden, wenn diese Schüler mal ohne irgendwelches Hintergrundwissen komplett auf vermeintlich seriöse Internetquellen angewiesen sind. Trauriges Deutschland.

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