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Social-Media-Kontrolle: US-Verlag forscht Schülern hinterher
DPA

Ein US-Schüler twittert über eine Prüfung - und muss die Meldung auf Anweisung seiner Direktorin wieder löschen. Die hatte Druck von der Schulbehörde bekommen, nachdem ein Verlag den Account des Schülers ausspioniert hatte.

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cs01 24.03.2015, 09:08
1.

Ganz einfach, wer sich öffentlich äußert, muss damit rechnen gehört zu werden. Hätte man den Verlagen früher verboten, Zeitungsanzeigen zu lesen und das als Spionage bezeichnet?

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bansky 24.03.2015, 09:27
2. Twittern ist aber nicht verboten

So viel ich jetzt weiß (man verbessere mich, falls nicht der Fall), unterschreiben die Schüler aber keine Verschwiegenheitserklärung. Entsprechend ist ein Tweet mit der Frage völlig legal, oder. Was geht das den Verlag an. Dann muss jener das anders regeln, als die Social-Media-Portale zu scannen.

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westerwäller 24.03.2015, 09:29
3. Bevor das große Bashing wieder losgeht:

Auch in Deutschland unterliegen die Prüfungsaufgaben dem Urheberrecht der jeweiligen Kultusministerien der Länder.

Diese gestatten es nicht, sie samt Lösungen - natürlich nach den Prüfungen (!) - frei zu veröffentlichen, sondern verkaufen sie gewinnbringend an Verlage, die daraus kleine Broschüren machen und sie verkaufen.

Mit der Veröffentlichung von Fragen hätte der Schüler auch in Deutschland einen Verstoß gegen das Urheberrecht begangen und sich strafbar gemacht.

Verrückt, aber ist so ...

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infoseek 24.03.2015, 09:57
4. Nicht Urheber- sondern Nutzungsrechte

Zitat von westerwäller
Auch in Deutschland unterliegen die Prüfungsaufgaben dem Urheberrecht der jeweiligen Kultusministerien der Länder.
Das Urheberrecht liegt beim jeweiligen Autor der Aufgabe, die KuMis haben nur die Nutzungsrechte (juristische Personen können keine Urheber sein). Und sie verkaufen diese Nutzungsrechte gegen relativ kleines Geld an die Verlage.

Das war früher tolerabel, um den Zugang zu kompakten Aufgabensammlungen zu ermöglichen. Heute ist das aber ziemlich daneben, weil die mit Steuergeld bezahlten Aufgaben korrekterweise kostenlos auf den KuMi-Seiten ins Netz gestellt gehören, statt die Schüler und Eltern zu zwingen, sie für teures Geld von gewinnorientierten Verlagen quasi zurückzukaufen und damit doppelt zu bezahlen.

Darüberhinaus kann man sich mit einigem Recht fragen, ob die einzelnen Aufgaben tatsächlich "Werke der Literatur, Wissenschaft und Kunst" im Sinne des Urheberrechts sind - oder ob sich der Staat wieder einmal als Hüter längst obsoleter Geschäftsmodelle aufspielt.

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vantast64 24.03.2015, 10:02
5. Dieser Staat gehört den Geschäftsleuten

Vor 40 Jahren sah ich einen Western, in dem die Wagen der Händler von Indianern angegriffen wurden. Sehr spät kam die Kavallerie den Geschäftsleuten zur Hilfe. "Warum kommt ihr so spät, ihr seid doch dazu da, uns zu beschützen!" So ist es bis heute: Das Militär ist Handlanger der Ökonomie, vom Öl bis zum Coltan. Und es wird verständlich, wenn man bedenkt, daß selbst die FED privat ist und wem Amerika gehört. Die privaten Firmen haben das Sagen.

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cs01 24.03.2015, 10:02
6.

Zitat von bansky
So viel ich jetzt weiß (man verbessere mich, falls nicht der Fall), unterschreiben die Schüler aber keine Verschwiegenheitserklärung. Entsprechend ist ein Tweet mit der Frage völlig legal, oder. Was geht das den Verlag an. Dann muss jener das anders regeln, als die Social-Media-Portale zu scannen.
Das Urhebrrecht gilt trotzdem. Wenn Sie z.B. ein schulbuch in D kaufen, unterschreiben Sie auch keine Verschwiegenheitsverpflichtung. Trotzdem dürfen Sie es nicht frei veröffentlichen, auch nicht auszugsweise.

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fblars 24.03.2015, 10:09
7. Je nun,

Zitat von westerwäller
Auch in Deutschland unterliegen die Prüfungsaufgaben dem Urheberrecht der jeweiligen Kultusministerien der Länder. Diese gestatten es nicht, sie samt Lösungen - natürlich nach den Prüfungen (!) - frei zu veröffentlichen, sondern verkaufen sie gewinnbringend an Verlage, die daraus kleine Broschüren machen und sie verkaufen. Mit der Veröffentlichung von Fragen hätte der Schüler auch in Deutschland einen Verstoß gegen das Urheberrecht begangen und sich strafbar gemacht. Verrückt, aber ist so ...
eine gewisse Schöpfungshöhe vorausgesetzt. Im übrigen ist Urheberrecht Privatrecht und kein Strafrecht, ob er sich mit der Diskussion über eine Frage strafbar gemacht hätte ist doch eher zweifelhaft.

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fblars 24.03.2015, 10:12
8. Wenn sie große Teile des Schulbuches

Zitat von cs01
Das Urhebrrecht gilt trotzdem. Wenn Sie z.B. ein schulbuch in D kaufen, unterschreiben Sie auch keine Verschwiegenheitsverpflichtung. Trotzdem dürfen Sie es nicht frei veröffentlichen, auch nicht auszugsweise.
veröffentlichen, ansonsten gilt auch hier das Zitierrecht. Auf den Zusammenhang kommt es an. Ob es vielen Schulbüchern nicht an einer geistigen Schöpfungshöhe gebricht sei mal dahingestellt, wenn ich mir die meiner Kinder anschaue halte ich sie für grauenvoll schlecht und gar nicht zitierwürdig.

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Immanuel_Goldstein 24.03.2015, 10:26
9.

Zitat von cs01
Ganz einfach, wer sich öffentlich äußert, muss damit rechnen gehört zu werden. Hätte man den Verlagen früher verboten, Zeitungsanzeigen zu lesen und das als Spionage bezeichnet?
Es kommt darauf an, was man daraus macht. Der Verlag selbst veröffentlicht ja die Fragen, indem er sie den Schülern zur Verfügung stellt. Deshalb muss er auch damit rechnen, dass die sie ins Netz stellen. So ist das nun mal. Früher war es auch nicht verboten, alte Klausuraufgaben untereinander auszutauschen.

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