Forum: Leben und Lernen
Sommerurlaub: Warum sechs Wochen Ferien für Lehrer fair sind
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30 Urlaubstage am Stück, davon können die meisten Angestellten nur träumen. Für Lehrer wird dieser Traum jeden Sommer wahr. Arne Ulbricht ist sich dieses Privilegs bewusst, findet aber auch: Das ist angemessen so.

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elchef 05.07.2018, 22:36
310.

Zitat von Killermike
Mich interessiert wieviel Stunden pro Jahr ein Lehrer mit allen Tätigkeiten durchschnittlich atbeitet! Bitte um ungeschönte Antwort.
Ganz schwer zu sagen. Ich bin Lehrer im ersten Jahr an einer Gemeinschaftsschule. Ich versuche mich an ihrer Aufgabe:
eine normale Woche hat 28 Unterrichtsstunden. Nicht jede bereite ich gewissenhaft vor, denn das würde pro Unterrichtsstunde mindestens eine weitere Stunde kosten. Sagen wir durchschnittlich 10 Minuten pro Unterrichtsstunde (ich unterschlage die Zeit, die ich gedanklich im Auto oder im Bett oder sonstwo mit Vorbereitung verbringe). Also kommen für Vorbereitung ca. 4,5 Stunden dazu.
Einen Lernnachweis auf drei Niveaustufen zu entwerfen und zu korrigieren kostet ca. 6 Stunden, aber glücklicherweise nicht jede Woche. Also +3 Stunden pro Woche.
Dann kommen Eltern- und Entwicklungsgespräche dazu. Pro Woche als Klassenlehrer schnell mal 2h.
Konferenzen (GLK, Stufenkonferen, Notenkonferenz, Schulentwicklung...) +2 Stunden pro Woche.
Pausen gehen nahezu alle für Vorbereitung, Material sammeln, Abstimmung mit Kollegen, Termine vereinbaren oder kopieren drauf. Macht pro Woche +2h.
Alles in allem: wenn ich richtig gerechnet habe 41,5h.

Es gibt Wochen, da ist weniger los, klar. Es gibt aber auch Wochen, in denen zum Beispiel die Lernentwicklungsberichte geschrieben werden (das was ich gerade nebenher mache), dann erhöht sich die Zeit beträchtlich. Jedes Kind bekommt 4 Seiten Bericht und alle Eltern haben das Recht auf eine Durchsprache des Berichts.
Ich verstehe den Neid auf die vielen Urlaubstage, ich freue mich auch selbst darüber. Aber ich habe es mir tatsächlich einfacher und stressfreier vorgestellt.

Aufgrund der unfassbar vielen Probleme, die jeden Tag vollkommen neu und unerwartet auf mich warten und aufgrund der Tatsache, dass ich auf viele Fragen auch noch keine Antwort parat habe, freue ich mich auf die Ferien. Ob verdient oder nicht, das entscheiden sie für sich und ich für mich. Und eigentlich finde ich die Meinung im Forum gar nicht so wichtig, ich sollte diese Frage eher meinen Schülern stellen.

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lx99 05.07.2018, 22:47
311. Na ja...

Zitat von nocheinleser2403
Verantwortung für einem anvertraute Menschen, Mehrarbeit bei Mitarbeiterausfall, Vorbereitung von Tests, Abnahme von Prüfungen, Gesprächsführung aus unterschiedlichsten Anlässen, hohe Wochenarbeitszeit generell? Ja und? Das habe ich als Führungskraft im Transport leider auch und dabei verdiene ich ebenso kein Vermögen, verglichen mit dem Studienrat am Gymnasium. Das Lehrer denselben Urlaubsanspruch haben, wie Schüler Ferien bekommen, habe ich schon immer als Frechheit empfunden. Dieser Artikel bestärkt mich darin leider nur.
Führungskraft im Transportbereich mit einem (mir) mehrfach studiertem Lehrer zu vergleichen...der für unser wichtiges Humankapital verantwortlich ist, finde ich schon gewagt;)
So, nun transportieren und intelligent antworten ;)

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huz6789 05.07.2018, 22:57
312. Zu: 289. Es ist doch ganz einfach.

Zitat von spon-1280768952714
Jedes Jahr aufs Neue kommt dieses Thema pünktlich zu den Sommerferien. Und ganz einfach ist doch auch die Antwort: Es gab schon immer 6 Wochen Sommerferien und in den Nachbarländern sogar teilweise mehr als 2 Monate. Also weiß jeder Bescheid und konnte seine Berufsausbildung und seine Berufswahl darauf einrichten. Wenn man das nicht getan hat, sollte man später nicht die Lehrer beneiden oder dummes Zeug schreiben, weil man eine falsche Entscheidung getroffen hat oder nicht die nötige Befähigung hatte.
Seltsame Debattenkultur.

1. Jeder hat das Recht, einen Zustand sachlich zu kritisieren. Dazu gibt der Lehrerstatus durchaus Anlass.

2. Diese als Neider zu bezeichnen ist eine simple Diskreditierung und der Versuch, damit einer sachlichen Diskussion auszuweichen.

3. Zu sagen, er hätte ja auch nur Lehrer werden müssen - ist schlimmer als eine Diskreditierung: Es ist eine Verhöhnung.

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747-LR 06.07.2018, 23:42
313.

Zitat von coram publico
Warum machen wir es nicht wie die Finnen? In Finnland sind Lehrer keine Beamten. Schlechte Vertreter der Zunft haben schlechte Karten, unterliegen sie doch dem Wettbewerb auf dem freien Arbeitsmarkt; u. a. deshalb können sie es sich auch nicht leisten, ungebildete Schüler zu produzieren, was ohnehin kaum vorkommt, da in Finnland die Elite Lehrer wird. Davon konnte und kann bei uns - Ausnahmen bestätigen die Regel - keine Rede sein. Die mittlerweile völlig überzogenen Privilegien (der verbeamteten Lehrer) in Deutschland könnte man noch rechtfertigen, wenn nach einer Aufnahmeprüfung nur noch die Besten unterrichten dürften. Das würde vermutlich auch das Ansehen dieser Profession steigern.
Ach herrje. Die "Aufnahmeprüfung" besteht auch 8-10 Semester UNI-Studium (fachbezogen und Didaktik, etc., einem 2 jährigem Vorbereitungsdienst (Referendarzeit) ) und Abitur. Die völlig überzogenen Privilegien nennen sie mir mal!

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747-LR 06.07.2018, 23:45
314.

Zitat von Zündkerze
den ich ehrlich vor dieser Berufsgruppe habe da es je nach Schulform und Klasse einen psychisch alles abverlangt. Aber etwas weltfremd ist das schon, das Boni System als zusätzliche Gratifikation zu sehen. Unterm Strich sind Boni Systeme dazu da, das Gehalt auch bei anstandsfreier und überdurchschnittlicher Leistung zu drücken wenn es in der Firma nicht so läuft wie sich das die Geschäftsführung vorstellt (oder auch die Börsen). Davon abgesehen, einen finanziellen Vorteil bekommt ein Lehrer trotzdem wenn er als Beamter beschäftigt ist (heißt eben nicht Bonus, ist aber in der Höhe vergleichbar). Den Bonus der Vergünstigung bei Abzügen wie Steuer und Sozialbeiträgen hätte ich auch gerne, da würde ich sofort tauschen. Der ist sogar jedes Jahr 100% garantiert und unabhängig von Leistung.
Das Brutto eines beamten ist steuerpflichtig (sogar höherer Abzug, wegen Tabelle B). Ausserdem ist das Brutto um 20% - ein mehrfaches niedriger, als ein vergleichbarer Job in der Wirtschaft.

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rwt69 06.07.2018, 00:16
315. @beitrag Nummer 1

Wieso werden bei Lehrern immer FerienWOCHEN gezählt, bei Arbeitnehmern immer nur UrlaubsTAGE ?
Osterferien sind zwei Wochen, das stimmt, aber es sind 8 Urlaubstage. Ebenso Pfingstferien. Ich hatte schon Wiehnachtsferien da waren es gerade mal 6 Urlaubstage, aber die Lehrer haben natürlich 14 Tage frei. Lehrer können nie freinehmen wann sie wollen, nur wann sie müssen, in der Hauptreisezeit. Ich bin in den Sommerferien die ersten 8 Tage immer in de Schule, ebenso die letzten 5. in den Pfingstferien korrigiere ich jedes Jahr Abituraufgaben. Weihnachtsferien sind auch stark korrekturbelastet, wenn dann da an sechs bis acht UrlaubsTAGEN noch an vier bis fünf korrigiert wird, relativiert sich einiges. Ich, ein Lehrr aus Bayern will nicht jammern. Viele Ferientage sind sicher ein Privileg, für das man sich im Studium schon entscheidet, wenn man sich dafür gegen die Wirtschfat und möglicherweise viel mehr Geld entscheidet. Aber so schön wie es hier teilweise dargestellt wird, ist es eben auch nicht.

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bakiri 06.07.2018, 05:32
316.

Es isg eben tatsächlich ein Privileg. Ob es ein verdienter Bonus ist sei mal dahin gestellt. Auch andere Berufssparten machen deutlich Überstunden und haben sprunghaft steigende Arbeitszeiten. Außerdem ist die Intensität des Lehrerjobs deutlich von der Fächerkombination abhängig und dann noch das Privileg der Verbeamtung mit all seinen Bonis. Es gab in SPON kürzlich ein Bericht laut dem ein Lehrer mindestens 46 Stunden in der Schulzeit arbeiten muss, damit er auf die Zeit eines normalen Angestellten mit 40 Stunden pro Woche kommt. Ich bezweifle, dass die meisten Lehrer diesen Werte überschreiten.....also wohl eher Jammern auf hohem Niveau (sowieso bei der Einkommensklasse von Lehrern, die sollten sich mal Yurchschnittsverdienste in Deutschland ansehen). Bei der Kombination aus Verdienst, sozialer Absicherung und Freizeit ist das ein sehr vorteilhafter Job. Regelmäßige Überprüfung der Lehrqualität findet meines Wissens ja nicht, ebenso keine Leistungsbezogene Bezahlung nach Fächerkombination.....und da ist der fehlende Druck des Arbeitgebers, den in anderen Berufszweigen die Mitarbeiter deutlich spüren. So leid es mir tut, der Reat läuft unter dem Motto: Auch Lehrer müssen ein was für ihr Geld tun.

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Nixgelernt 06.07.2018, 06:10
317. Liebe Projektmanagerin

Wer glaubt, dass Projektmanager Projekte managen, der glaubt auch, das Zitronenfalter Zitronen falten.
Übrigens, da Sie hier alle ein Informationsdefizit zu haben scheinen: Projektmanagement mit 120-Stunden-Woche heißt bei uns Paukern Klassenfahrt. Schwierige Kunden? Heißen bei uns Eltern.
Der einzige Unterschied liegt wohl darin, dass wir als Lehrer nicht alle Nase lang aufs Klo gehen, uns einen Kaffee holen oder gar Rauchen gehen oder einfach mal vor lauter Langeweile im Internet surfen, sondern von 8-15 Uhr durchgehend konzentriert arbeiten. Aufwändige Kundenpräsentationen? Heißt bei uns Unterrichtsvorbereitung und davon geben wir 27 in der Woche, nicht nur 1 einzige, auf die Sie sich vermutlich drei Wochen bei Kaffee und so genannten "Meetings" vorbereiten. Wir fahren auch zu unseren "Kundenterminen" nicht im Taxi und können das hinterher mit dem Sekretariat abrechnen. Ach ja, und wenn Sie dann in so ungefähr 1,5 h endlich aufgestanden sind und joggen gehen, um danach in Ruhe zu frühstücken, haben meine Kollegen und ich schon die erste Schicht hinter uns. Noch Fragen? Lesen Sie Arbeitszeitstudien. Mit Statistiken müssten Sie doch umgehen können, oder müssen Sie keine Quartalszahlen präsentieren? Mal ein bisschen weniger Konkurrenzkampf, sondern mehr Kooperation und Gemeinsamkeit - DAS wäre in unserer Gesellschaft notwendig. Ach ja, falls Sie Kinder haben, bitte kommen Sie doch ihrem gesetzlichen Erziehungsauftrag nach. Danke.

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fördeanwohner 06.07.2018, 06:35
318. -

Zitat von coram publico
Warum machen wir es nicht wie die Finnen? In Finnland sind Lehrer keine Beamten. Schlechte Vertreter der Zunft haben schlechte Karten, unterliegen sie doch dem Wettbewerb auf dem freien Arbeitsmarkt; u. a. deshalb können sie es sich auch nicht leisten, ungebildete Schüler zu produzieren, was ohnehin kaum vorkommt, da in Finnland die Elite Lehrer wird. Davon konnte und kann bei uns - Ausnahmen bestätigen die Regel - keine Rede sein. Die mittlerweile völlig überzogenen Privilegien (der verbeamteten Lehrer) in Deutschland könnte man noch rechtfertigen, wenn nach einer Aufnahmeprüfung nur noch die Besten unterrichten dürften. Das würde vermutlich auch das Ansehen dieser Profession steigern.
Dieser mystische Ort, der sich Finnland nennt. Den wir alle nur von den Berichten aus den Medien und den sich dort selbst lobenden finnischen Experten kennen ... Ja, ja ... Wäre es nicht toll, wenn es in Deutschland genauso wäre?!
Ich frage mich dabei immer, ob der Finne an sich vielleicht bereits als jemand geboren wird, der von Anfang an alles richtig macht und einfach nur Gesellschaft dient. Automatisch ergreifen bekanntlich nur die Besten in Finnland den Lehrerjob, schlagen lukrative und vielleicht sogar nettere Angebote aus, um in einem schlechter bezahlten Beruf ohne jegliche Privilegien zu arbeiten. Und dabei liefern sie auch noch super Ergebnisse.
In Deutschland hingegen gibt es in dieser Branche lauter faule Beamte, die viel zu viel verdienen für die schlechte Arbeit, die sie abliefern. Und das Beste: Mittlerweile haben diese Leute noch mehr Privilegien als vor 50 Jahren. Kein Wunder also, dass es in Deutschland ein Überangebot an Bewerbern gibt.

Wer Merkwürdigkeiten entdeckt, darf sie behalten.

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sportlich-gesund 06.07.2018, 07:22
319. Jedes Jahr aufs Neue

Die Neiddebatte nimmt kein Ende ...
Ganz einfach zum Beruf des Lehrers:
Alle wollen die Ferien, aber keiner will die Arbeit machen!
Wer es nicht erträgt, hätte selbst Lehrer werden sollen!

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