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Spätstarter-Statistik: Jeder dritte alte Azubi bricht vorzeitig ab
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Jeder siebte Deutsche zwischen 25 und 35 Jahren hat keinen Berufsabschluss. Die Bundesagentur für Arbeit steuert mit einem Sonderprogramm für Spätstarter gegen. Doch eine Statistik zeigt: Fast jeder Dritte bricht die Lehre wieder ab.

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Deatht1ny 25.07.2014, 16:32
1.

Wundert mich nicht. Wer einen eigenen Haushalt führt und womöglich keine Familie hat, die ihn unterstützen könnte, oder, noch schlimmer, selbst Familie zu versorgen hat, kann kaum vom mickrigen Gehalt eines Auszubildenden leben.
Dazu kommen staatliche Zuschüsse in lächerlicher, denen man monatelang hinterherlaufen muss. Es gibt Berufsausbildungsbeihilfe, die den Bezieher dann für Hartz IV disqualifiziert, aber vorrangig zu beantragen ist. Zur Aufstockung gibt es dann noch "Leistungen nach §27 SGB", die _unabhängig vom Alter_ beim städtischen "Team für unter 25jährige" zu beantragen ist, wovon dann aber weder die Wohngeldstelle noch einige Angestellte im "Team für unter 25jährige" etwas wissen. Und selbst diese Aufstockung, die zur Überbrückung der Differenz zwischen der Mietpauschale der Berufsausbildungsbeihilfe und der tatsächlichen Miete gedacht ist, ist noch darauf ausgelegt, dass der Bezieher zusätzlich Kindergeld erhält, um sein Überleben zu sichern. Das erhält von den 25-35jährigen, von denen im Artikel die Rede ist, aber wohl kaum einer.
Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass viele schon bei der Auskunft der Wohngeldstelle, es gäbe überhaupt keine weiteren Zuschüsse, ihre Ausbildung hinschmeißen oder sich selbst vor den Zug.

Aber schön, dass wir die Auszubildenden dann doch vom Mindestlohn ausgenommen haben.

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fiktiv 25.07.2014, 16:50
2. Kann nur zustimmen ->

Kann meinem Vorredner nur zustimmen. Bin 26 und in der zweiten Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik. Meine erste als Tischler hat mir recht wenig geholfen. Habe nach dem Grundwehrdienst keinen Job gefunden und die Agentur für Arbeit zeigte mir keine Perspektive. Zeitarbeit wäre drin gewesen. Ja ne dafür macht man ja eine 3 jährige Berufsausbildung. Auf meinen Vorschlag für eine Umschulung erntete ich nur blankes Entsetzten bei der Dame vom Jobcenter. Also habe ich es selbst in die Hand genommen. Nun ich bekommen kein BAB, Barfög oder Kindergeld. Also muss man zusehen wie man mit den 500 Flocken im Monat klar kommt. Jedem Harzer geht es finanziell besser als mir. Nur der Stolz es bald geschafft zu haben lässt einen weitermachen.

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überholspur 25.07.2014, 17:05
3. Gute Quote

Ich hätte niemals gedacht, dass tatsächlich zwei Drittel dieser Spät-Azubis bis zum Abschluss durchhalten. Wer sich erst einmal an das "Kohle machen" gewöhnt bzw. in Hartz 4 eingerichtet hat, für den ist der Weg zurück in den Azubi-Status eine echte Degradierung. Das Geld ist dabei wohl gar nicht mal das Hauptproblem. Als echter Kerl zwischen den Bubis in der Berufsschule sitzen zu müssen und denen dank größerer Bildungsferne, schon rein zeitlich gesehen, dann auch noch unterlegen zu sein, kratzt da vielleicht sogar noch unerträglicher am Ego.

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BettyB. 25.07.2014, 17:14
4. Toll..

Zwei von Drei halten durch. Ein Riesenerfolg. Glückwunsch!!!

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vitalik 25.07.2014, 17:15
5. Geld

Zitat von überholspur
Ich hätte niemals gedacht, dass tatsächlich zwei Drittel dieser Spät-Azubis bis zum Abschluss durchhalten. Wer sich erst einmal an das "Kohle machen" gewöhnt bzw. in Hartz 4 eingerichtet hat, für den ist der Weg zurück in den Azubi-Status eine echte Degradierung. Das Geld ist dabei wohl gar nicht mal das Hauptproblem. Als echter Kerl zwischen den Bubis in der Berufsschule sitzen zu müssen und denen dank größerer Bildungsferne, schon rein zeitlich gesehen, dann auch noch unterlegen zu sein, kratzt da vielleicht sogar noch unerträglicher am Ego.
Meiner Meinung nach hat es nichts mit dem Harz4 oder dem Schahmgefühl zu tun. Ich kenne einige Leute, die gerade zB bei eine Fastfood-Kette arbeiten oder bei einer Zeitarbeitsfirma. Dabei verdient man so wenig, dass man sich gern weiterbilden möchte. Das Problem ist, dass eine Ausbildung nochmals weniger Geld bedeutet als der momentane Job.
Da geben sich halt einige mit den 800-1000 Euro im Monat ab, anstatt die 3 Jahre mit der Hälfte durchzuhalten.

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Laprivan 25.07.2014, 17:22
6. Siehe es Positiv....

immerhin bestehen 66% und haben ein besseres leben. Dass lohnt sich tatsächlich!

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RenRlp 25.07.2014, 17:41
7. finanzielles

Finanzielle Aspekte sind überhaupt kein Grund, eine Ausbildung nicht zu beginnen.

Ich habe selbst einen turbulenten Lebenslauf bis ich 25 war. Damals schon verheiratet, 2 Kinder, das dritte unterwegs.
Nach der Schule und Bundeswehr war ich ebenfalls der Meinung, Geld zu verdienen sei wichtiger, als eine Ausbildung. Mit 25 und als Zeitarbeiter angestellt, packte es mich dann doch noch und begann eine Ausbildung. Reich wird man in den 3 Jahren nicht, aber die finanzielle Unterstützung durch das Sozialamt und die Wohngeldstelle (ergo dem Steuerzahler) damals reichte völlig aus, um mich samt Familie nicht hungern oder dursten zu lassen.
Heute bin ich leitender Angestellter und in der Lage, meine Familie 100% selbst zu versorgen, obwohl meine Frau noch nicht wieder arbeitet. es lohnt sich definitiv. Man muss nur wollen. Wirklich wollen.

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hornisse.04 25.07.2014, 17:51
8. Nein, so nicht...

Zitat von überholspur
Als echter Kerl zwischen den Bubis in der Berufsschule sitzen zu müssen und denen dank größerer Bildungsferne, schon rein zeitlich gesehen, dann auch noch unterlegen zu sein, kratzt da vielleicht sogar noch unerträglicher am Ego.
Ich habe als Berufsschullehrer einige "Spätentwickler" miterlebt und kann das so nicht bestätigen.
In den Klassen wurden die eigentlich eher sehr achtungsvoll aufgenommen , wenn sie sich nicht von selber isolieren wollten. Diese Älteren wurden gerne auf Grund ihrer Lebenserfahrung von den jüngeren Azubis als Hilfe und Unterstützung angesehen, dafür gab es dann durchaus Hilfe aus der jüngeren Ecke, wenn es um "fernen" Schulstoff ging.
Dass nicht alle den eingeschlagenen Weg bis zum Ende gegangen sind, kam durchaus auch vor, aber da war dann gerade bei den jungen Frauen meist die familiäre Belastung der Hauptgrund.

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clint east wood 25.07.2014, 23:27
9. es gibt noch einen weiteren Grund ...

Wenn diese "Spätstarter" eine Ausbildung machen, dann oft in einer Tätigkeit, die sie am ARbeitsplatz sowieso schon jahrelang ausüben, die ihnen gut vertraut ist. Und sie hoffen, dann auch das dazu gehörige Tarifgehalt für AUSGEBILDETE zu erhalten . Irgendwann wird ihnen klar: Wenn der Abschluß da ist - dann werden sie keineswegs eingestellt, weil der "alte" ARbeitgeber das dann fällige TArifeinkommen nicht bezahlen will. Der holt sich den nächsten Ungelernten...

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